Kontakt-Verbot stoppte Pfäffiker Mörder nicht

Barbara Marti /  Die Morde in Pfäffikon hätte ein gerichtliches Rayon-Verbot wahrscheinlich verhindern können, das elektronisch überwacht würde.

In Pfäffikon war das Kontaktverbot des nachmaligen Mörders erst von der Polizei angeordnet, von den meist langsamen Gerichten aber noch nicht abgesegnet. Doch auch richterliche Kontakt- und Rayonverbote können Gewalttäter in der Schweiz meist straflos übertreten. Deshalb sind diese Verbote häufig wirkungslos.
GPS-Gerät am Arm plombiert
Anders in den USA: Dort überwachen einzelne Bundesstaaten gerichtlich angeordnete Rayon- und Kontaktverbote elektronisch, um Opfer häuslicher Gewalt besser zu schützen. Der Gewalttäter erhält ein GPS-Gerät, das am Arm befestigt und plombiert wird. Sobald er eine gerichtlich angeordnete Schutzzone übertritt oder das Gerät gewaltsam ausschaltet, löst es entweder bei der Polizei oder direkt bei der Frau Alarm aus. Betroffene Frauen erklärten gegenüber der «Chicago Tribune», dass ihre Lebensqualität sich dramatisch verbessert habe, seit ihre Ex-Partner ein GPS-Gerät tragen müssen.
In der Schweiz und vielen andern Ländern können Gewalttäter Schutzzonen meist straflos übertreten. Mittlerweile gibt es zwar in zahlreichen Ländern Gewaltschutz- und Stalking-Gesetze, die es der Polizei und Gerichten ermöglichen, Rayon- und Kontaktverbote anzuordnen. Wenn ein Täter sich nicht daran hält, muss das Opfer in der Regel zuerst Anzeige erstatten, damit die Strafverfolgungsbehörden aktiv werden.
Ungehindert Morddrohungen verfasst
In der Schweiz können Rayonverbote risikolos übertreten werden. Nach einem Übergriff im Juni hatte die Ehefrau ihren gewalttätigen Ehemann angezeigt. Die Polizei sprach ein Rayon- und Kontaktverbot gegen ihn aus und verfasste eine Strafanzeige. Das zuständige Gericht hat sich damit noch nicht befasst. Der Mann liess seiner Frau ungehindert per SMS Morddrohungen zukommen, lauerte ihr auf und ermordete sie schliesslich.
Elektronische Fussfesseln haben sich bewährt
In Europa verwenden die Strafvollzugsbehörden GPS-Geräte vielerorts bereits seit längerem, allerdings bisher nicht, um gezielt Opfer häuslicher Gewalt zu schützen, sondern um Straftäter zu kontrollieren. Sie überwachen damit beispielsweise die Bewährungsauflagen oder einen Hausarrest («elektronische Fussfessel»). Als erstes Land hat Spanien vor zwei Jahren beschlossen, gerichtlich angeordnete Rayon- und Kontaktverbote elektronisch zu überwachen. In Frankreich läuft zurzeit eine mehrjährige Testphase.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht»

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