Die Vorlage zum Bausparen kostet zuviel

Hanspeter Guggenbühl © bm

Hanspeter Guggenbühl /  Der Ständerat will das Bausparen mit jährlich hundert Millionen Steuerfranken subventionieren. Das widerspricht jeder Logik.

Es brauchte den Stichentscheid von Präsident Hans-Heiri Inderkulm (CVP), damit die Vorlage zum Bausparen heute Donnerstag im Ständerat eine Mehrheit fand. Was zeigt: Die Begeisterung für den indirekten Gegenvorschlag, der die Bauspar-Initiative des Hauseigentümer-Verbandes leicht abschwächt, hält sich in Grenzen.

Die Kritik betraf primär Formales: Das Steuersystem werde damit noch komplizierter, als es schon ist, monierten auch bürgerliche Standesherren. Die Steuerhoheit der Kantone werde beschnitten; darum lehnen die Regierungen von 22 Kantonen die Vorlage ab. Der Steuerabzug begünstige vor allem Gutverdienende und damit die Falschen, kritisierten Linke und die grünliberale Verena Diener zu Recht.

Zum Inhalt, der in der Debatte nur am Rande thematisiert wurde: Die Vorlage erlaubt Bauwilligen, während zehn Jahren jährlich 10 000 Franken von den Steuern abzuziehen, wenn sie dieses Geld später in den Bau oder Kauf von Wohneigentum investieren. Bund und Kantone fördern damit den Bau von Eigenheimen mit schätzungsweise hundert Millionen Franken pro Jahr in Form von entgangenen Steuern. Diese wachstumsfördernde Subvention freut die Bauwirtschaft sowie den Hauseigentümer-Verband, der stets neue Mitglieder sucht. Doch sie verschärft eine Reihe von Problemen, die immer sichtbarer zu Tage treten:

Der Bau von Eigenheimen, bei denen es sich vorwiegend um Einfamilienhäusern handelt, verschlingt Land, verschandelt die Landschaft und verstärkt die Zersiedelung. Das beklagen nicht nur Grüne, sondern auch bürgerliche Politiker und Politikerinnen, wenn sie nicht gerade an einer Vorlage zum Bausparen basteln. Mehr Zersiedelung verlängert die Verkehrswege, mehr Eigentum begünstigt die Sesshaftigkeit, und beides lässt den Pendlerverkehr anschwellen. Mehr Pendelverkehr wiederum vergrössert den schon heute stark subventionierten Verkehr. Das mit Subventionen geförderte Bausparen zieht weitere Subventionen nach sich, die Bund und Kantone mit andern Steuern wieder hereinholen oder mit zusätzlicher Verschuldung bezahlen müssen. Womit die Subventionsspirale auch den Leerlauf antreibt.

Bleibt die Frage, ob mehr Eigenheime wenigstens das Glück der Begünstigten fördern. Mag sein, denn viele Leute träumen vom Häuschen im Grünen. Doch dieses Glück wird neutralisiert, wenn die Häuslebauer im Morgengrauen zur Arbeit pendeln. Denn am unglücklichsten, so zeigt die Glücksforschung, fühlen sich Menschen auf dem – länger werdenden – Arbeitsweg.


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