Ein Rohrkrepierer des «Sonntags-Blicks»

Rainer Stadler /  Das Ringier-Blatt machte dem Raiffeisen-Präsidenten schwere Vorwürfe. Einen Tag später folgte der Kotau.

Am vergangenen Wochenende schlug der «Sonntags-Blick» die Alarmglocken. Die Medienfreiheit sei in Gefahr, titelte das Blatt und griff den Präsidenten der Raiffeisen-Gruppe, Guy Lachappelle, scharf an. Dieser habe ein Hintergrundgespräch missbraucht. Selbst der beste Branchenkenner kenne keinen vergleichbaren Fall, hiess es im Artikel. Demnach hatte der prominente Bankchef ein vertrauliches Treffen mit zwei «Blick»-Journalisten ohne gegenseitige Absprache in einem Gesprächsprotokoll zusammengefasst, welches er vor Gericht einreichte, um einen allfälligen «Sonntags-Blick»-Artikel zu verhindern.

Das war nach Ansicht des Ringier-Blatts «völlig dreist», weil das Gespräch einseitig und unvollständig wiedergegeben worden sei. Entscheidende Fragen der Zeitung seien weggelassen worden. Ohnehin habe der «Sonntags-Blick» zu diesem Zeitpunkt keinen Artikel in Planung gehabt. Die Leserschaft erfuhr jedoch nicht, worum es thematisch ging.

«Inside Paradeplatz» griff am folgenden Tag das Thema auf. Demnach ging es um Episoden aus dem Privatleben des Bankers. Gemäss dem Online-Organ gab es dazu bereits einen Zeitungsartikel, der inzwischen anonym an Bankleute verschickt worden sei.

Nun wurde es brenzlig. Am Montag machte der Ringier-Verlag um 19.21 Uhr einen Vollstopp und platzierte auf der Website des «Blicks» eine Erklärung. Danach sei ein «diffamierender Text» verschickt worden, der angeblich beim «Sonntags-Blick» entstanden sei. Ringier distanziere sich in aller Form davon. Der Verlag hält fest, dass es sich um einen Text handle, der nicht zur Publikation freigegeben worden sei und in dieser Form auch nicht freigegeben worden wäre. Was aber auch nahelegt: Ein Textentwurf über das Privatleben des Bankers lag offenbar vor.

Ferner heisst es in der Erklärung: Man habe nie beabsichtigt, die Persönlichkeitsrechte Lachappelles zu verletzen. Falls in der Öffentlichkeit ein anderer Eindruck entstanden sei, bedauere man dies in aller Form. Als Folge hat Ringier die am Sonntag publizierten Artikel aus dem Medienarchiv SMD entfernt. Dem Verlag ist offensichtlich mächtig eingeheizt worden. Der Frontalangriff endete mit einem Rohrkrepierer. Jedoch: Was einmal in die Online-Welt gesetzt wurde, hält sich hartnäckig. Eine kleine Google-Suche fördert gleich mehrfach diese Schlagzeile zutage: «So dreist ist Guy Lachappelle …»


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