Doepfner-Mathias

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer © pd

Spitzen-Verleger mit grauer Weste

Rainer Stadler /  Die Goethe-Universität hat Mathias Döpfners Dissertation geprüft. Die Kommission erkennt darin wissenschaftliches Fehlverhalten.

Nach kritischen Hinweisen von Plagiats-Experten hat eine Kommission der Goethe-Universität in Frankfurt am Main die Dissertation von Mathias Döpfner überprüft. Am vergangenen Freitag hat sie ihren Bericht veröffentlicht und dafür nur wenig mediale Aufmerksamkeit erhalten. Gemäss den Prüfern ist der Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens gerechtfertigt. Der Vorstandsvorstandsvorsitzende von Axel Springer, der sich in seiner Dissertation unter anderem mit den «Historischen Determinanten der Deutschen Musikkritik bis 1945» befasste, habe auf den Seiten 29 bis 50 fremdes Gedankengut mehrfach ohne Kennzeichnung übernommen oder angeeignet. Ferner fand man eine Reihe von Blindzitaten (also abgeschriebene Zitate) und ungeprüft übernommene Literaturangaben, was ebenfalls als Plagiate zu werten sei.

Die Untersuchungskommission erkannte allerdings deutlich weniger Verstösse als die Experten, welche die Vorwürfe gegen die Dissertation erhoben hatten. So enthalte der Hauptteil der Arbeit «nach gegenwärtigem Stand» keine Plagiate und keine Anhaltspunkte für wissenschaftliches Fehlverhalten. Darum darf Döpfner den Doktortitel behalten. Der Nachrichtenagentur DPA sagte ein Sprecher des Axel-Springer-Chefs: «Das Prüfungsergebnis ist erfreulich eindeutig. Der Hauptvorwurf, es gäbe ein Strukturplagiat, wurde komplett entkräftet.» Zudem sei der Arbeit ein «bleibender wissenschaftlicher Wert» bescheinigt worden.

Die Untersuchungskommission hält in ihrem Bericht aber auch fest, dass Döpfners Fehlverhalten keineswegs geringfügig sei:  Eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit sei nicht in Betracht gekommen, «weil die Verstösse von Umfang und Gewicht her zwar nicht ausreichen, das Verfahren zur Entziehung des Doktorgrades einzuleiten, sie aber doch nicht so unerheblich sind, dass darüber mit einer solchen Einstellung einfach hinweggegangen werden könnte.»

Auch dank den neuen IT-Lösungen sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Plagiats-Fälle aufgeflogen. Auf Grund der Häufigkeit der Fälle darf man davon ausgehen, dass Abschreiben weitherum als Kavaliersdelikt angesehen wird. Das macht diese Praxis nicht weniger fragwürdig. Umso wichtiger ist es, regelmässig darauf aufmerksam zu machen. Sonst wiegen sich die Schlauberger in Sicherheit.


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