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Patrick Jerg: Das Spiel © zvg

Das Spiel: Ein Weltwunder auf dem Tisch errichten

Patrick Jerg /  Wer kann schon sämtliche 7 Weltwunder lückenlos aufzählen? Es wird Zeit für einen spielerischen Nachhilfeunterricht mit Strategie.

Seien wir ehrlich, so ungefähr zwei oder drei Weltwunder der Antike zählt man locker auf, danach wird es schwierig. Da hilft es, wenn man spielerisch an die Sache rangeht. Im Jahr 2011 wurde das Brettspiel «7 Wonders» zum Kennerspiel des Jahres gewählt, dem ersten in dieser Kategorie. Das Drafting, aus einem Stapel an Karten wählt man eine aus und reicht die restlichen Karten weiter, erhielt mit diesem Spiel grosse Aufmerksamkeit. So kombiniert man sich die bestmögliche Sammlung zusammen, um am Ende als Sieger der Partie hervorzugehen.

Beinahe 10 Jahre später erscheint «7 Wonders Architects» auf dem Spielemarkt. Aus dem Kennerspiel von damals ist nun eine viel leichter zugängliche Familien-Variante geworden, bei der man immer noch Karten auswählt, allerdings in einem beschaulicheren Rahmen. Von den strategischen Elementen des Ursprungsspiels sind einige erhalten geblieben.

Geordnete Bauverhältnisse

Erst entscheidet man sich für eines der Weltwunder. Die Bauteile und die Karten sind fein säuberlich in kleinen Boxen verpackt. So hat jeder Bauherr seine Sachen schnell bereit. Jedes der Weltwunder bringt einen kleinen spielerischen Vorteil mit sich, den man während der ganzen Partie nutzen kann. Während des Spiels wählt man in jeder Runde eine Karte aus. Doch diesmal ist die Auswahl kleiner. Von zwei offenen oder einem verdeckten Kartenstapel nimmt man sich seine nächste Karte.

Die Farbe der Karte entscheidet über die auszuführende Aktion. Hier kann man sich in viele Richtungen bewegen. Man sammelt Ressourcen für die Bauteile des Weltwunders, nimmt sich direkte Siegpunkte, setzt auf die Wissenschaft oder stärkt das Militär. Jeder Bereich ist ausbaufähig und bringt zu verschiedenen Zeitpunkten einen Ertrag.

Bis das Weltwunder steht

Die Crux an «7 Wonders Architects» ist, dass die Partie endet, sobald eines der Weltwunder komplett erbaut ist. Damit geht man allerdings nicht automatisch als Sieger des Spiels hervor. Hat man die restlichen Bereiche seines Volkes vernachlässigt, wird man kaum ein ausgeglichenes Punktekonto vorweisen. Die Auswahl der Karten gibt zwar die Marschrichtung vor, doch spielerisch kann man mit dem Bau des eigenen Weltwunders auch bremsen oder ordentlich aufs Gas drücken.

Mit der Wissenschaft verdient man sich zusätzliche Spielvorteile, doch dazu muss man sie forcieren. Die Stärke des Militärs sorgt in unregelmässigen Abständen im Vergleich mit den Nachbarn für Siegmarker. Jede Strategie kann zum Erfolg führen. Natürlich ist es wie im richtigen Leben: Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen.

Schon «7 Wonders» war vor neun Jahren ein grossartiges Spiel und macht auch heute noch viel Spass. Es ist vielschichtiger und spielt sich über drei Zeitalter. Dadurch wirkt es komplexer, da man seine Sammlung vorausschauend plant. Die Verschlankung zu «7 Wonders Architects» hat sich ausbezahlt. Mit der Familienvariante präsentiert sich ein eigenständiges Spiel, sehr einfach im Spielablauf und doch mit genügend Spieltiefe, dass die Spannung bis am Ende erhalten bleibt. Und so ganz nebenbei hat man die 7 Weltwunder wieder präsent.

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7 Wonders Architects 1
7 Wonders Architects

7 Wonders Architects

Kartensammelspiel von Antoine Bauza

Illustration: Etienne Hebinger

Für 2–7 Personen | Ab 8 Jahren | 25 Minuten

Verlag: Repos | 38.70 Fr. / 30.00 Euro


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Patrick Jerg betreibt seit über 10 Jahren die Webseite brettspielblog.ch und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Portrait Patrick Jerg 2

Das Spiel: Alle Beiträge

Spielen macht Spass. Und man lernt so vieles. Ohne Zwang. Einfach so.

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