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Patrick Jerg: Das Spiel © zvg

Das Spiel: Die Geister das Fürchten lehren

Patrick Jerg /  Die Geister streichen durchs Schloss, bis die Furcht zu gross ist. Ein kurzweiliges Kartenspiel lockt zu einer schnellen Partie.

Autor Reiner Knizia ist ein wahrer Meister seines Fachs. Als einer der wenigen Spielautoren veröffentlicht er jährlich mehrere Werke bei unterschiedlichen Verlagen. Die Komplexität schwankt dabei stark, er lässt sich nicht in ein bestimmtes Schema pressen. Mit «L.A.M.A.» hat er beim Verlag Amigo einen grossen Erfolg gelandet im Bereich der schnellen, einfachen Kartenspiele.

Nun legt er beim selben Verlag nach mit seinem Kartenspiel «Ghosts». Da gibt es einige Parallelen zu entdecken. Wieder ist es ein kurzes Kartenspiel mit einfachen Regeln, wieder legt man seine Karten ab. Doch in diesem Spiel benötigt man geistreiche Ausdauer. Solange man den Kartenstapel bedienen kann, ist die Geisterwelt in Ordnung.

An das Spiel, fertig, los!

«Ghosts» ist eines dieser Spiele, das ich mit jeder Gruppe sofort beginnen würde. Keine langen Erklärungen, keine komplexen Regeln, hier verteilt man die Handkarten und führt die Mitspieler in den ersten Zügen ganz flott ins Spiel ein. Die Geister sind ganz schön furchteinflössend, daher zählt man die Furcht-Stufen laut mit. Mit sechs Geisterfarben in den Werten eins, zwei oder drei besitzt man eine gewisse Auswahl. Die Furcht am Spieltisch darf allerdings nicht zu gross werden. Übersteigt sie die Zahl 7, sammelt man einen Furcht-Punkt und die Karten ein.

Der Reihe nach legen die furchtlosen Spieler ihre Karten ab und addieren die Furcht-Punkte ihrer gespielten Karten. So lange, bis die fürchterliche 7 erreicht ist. Autor Knizia hat nun genau drei Möglichkeiten eingebaut, die «Ghosts» einen gewissen Drive verleihen und die Spieler jede Runde in eine furchtbare Entscheidungsnot bringen.

Mit drei Kniffen die Furcht besiegen

Spielt man eine gleichfarbige Karte, ändert sich an der Furcht-Stufe nichts, dafür ändert sich die Spielrichtung. Mit einer andersfarbigen Karte steigt der Furcht-Wert weiter nach oben – Vorsicht vor der 7! Besitzt man eine der seltenen Nebelkarten, legt man sie unter den Kartenstapel und passt für diese Runde. Man versucht, in jedem Spielzug die beste Entscheidung zu treffen, um keine Punkte und Karten zu erhalten.

Ist der Kartenstapel durchgespielt und man besitzt eine reine Weste ohne gesammelte Karten, darf man zur Belohnung drei Furcht-Punkte abgeben. Das kann entscheidend sein, daher versucht man, seine Mitspieler Runde für Runde in Schwierigkeiten zu bringen und ein wenig zu ärgern. Wer nach drei Durchgängen am wenigsten Furcht-Punkte gesammelt hat, wird zum neuen Geisterjäger.

Ein Spiel mit aussergewöhnlichem Artwork

Besonders auffällig sind die Illustrationen von Roberto Freire. «Ghosts» ist nicht zufällig nominiert für den «Graf Ludo», der jährlich die beste Grafik bei Familienspielen würdigt. Wenn die gelben Geisterfrauen mit ihren Sektgläsern vom Spieltisch zuprosten, dann läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken.

Spielerisch kann «Ghosts» Reiner Knizias Lamas nicht ganz das Wasser reichen. Es reiht sich aber nahtlos in dieses Genre ein und ist ein flottes Familienspiel, das ab 3 Personen für geistreiche Unterhaltung am Spieltisch sorgt. Die kurze Spieldauer macht es zu einem perfekten Ferienspiel.

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Ghosts 1
Ghosts

Ghosts | Kartenspiel von Reiner Knizia | Illustration: Roberto Freire | Für 2 – 6 Personen | Ab 8 Jahren | 20 Minuten | Verlag: Amigo | 10.90 Fr. / 6.80 Euro


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Patrick Jerg betreibt seit über 10 Jahren die Webseite brettspielblog.ch und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Portrait Patrick Jerg 2

Das Spiel: Alle Beiträge

Spielen macht Spass. Und man lernt so vieles. Ohne Zwang. Einfach so.

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