Ministerpräsident Netanyahu warnt die UNO mit einer Bomben-Grafik vor der iranischen Gefahr (2012) © cc

Ministerpräsident Netanyahu warnt die UNO mit einer Bomben-Grafik vor der iranischen Gefahr (2012)

«Verschwörungstheoretiker» – Untersuchung eines Schlagwortes

Helmut Scheben / 13. Apr 2018 - Der Begriff Verschwörungstheoretiker wird häufig benutzt, um unbequeme Kritiker mundtot zu machen.

Am 27. September 2012 warnte der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu die versammelten Vertreter der UNO in New York vor der iranischen Gefahr. Der Iran habe «die Uran-Anreicherung zu 90 Prozent abgeschlossen» und werde deshalb im nächsten Frühjahr oder Sommer über Atombomben verfügen, sagte er. Die Völkergemeinschaft müsse nun eingreifen: «Es geht um die Zukunft der Welt.» Netanyahu verglich die Regierung in Teheran mit Al Kaida und sagte, Nuklearwaffen in der Hand der Iraner seien so gefährlich, wie wenn sie in der Hand von Al Kaida wären.

Bei seinen Ausführungen zeigte Netanyahu eine Tafel, auf der eine runde Kugel zu sehen war, aus der eine brennende Zündschnur ragte. Die kugelrunde Bombe mit dem Docht. Das Bild hat eine semantische Aura, es stammt aus Zeiten, in denen anarchistische Verschwörer in finsteren Kellergewölben Bomben für einen Anschlag auf den russischen Zaren, auf Kaiser Wilhelm oder wen auch immer fabrizieren. Diese Bombe mit dem glimmenden Docht gehört zu einem weltweit gültigen Kanon von Sinnbildern, die sich seit dem 19. Jahrhundert in unseren Köpfen verfestigt haben und noch heute in jedem Comic auftauchen können: Verschwörer bauen Bomben.

Niemand bezeichnete Netanyahu als Verschwörungstheoretiker

Wenn Netanyahu dieses Symbol benutzte, dann beabsichtigte er genau diese Wirkung: Die iranische Regierung sollte in den Dunstkreis von Dunkelmännern, Halunken und Verschwörern gerückt werden, die heimlich Bomben bauen. Mit seiner Zündschnur-Tafel erzeugte er – wohl unfreiwillig – einiges Gelächter im Plenum. Aber es kam im Echo der grossen westlichen Medien niemand auf die Idee, den israelischen Ministerpräsidenten als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen. Doch seine Erzählung war nichts anderes als eine Verschwörungstheorie, die den Fakten krass widersprach.

Schon in seinen 2010 publizierten Memoiren hatte Präsident George W. Bush geschrieben, seine Geheimdienste hätten ihn (sehr zu seinem Missfallen) darüber aufgeklärt, der Iran habe 2003 sein Atomwaffenprogramm gestoppt. 2015 verpflichtete sich der Iran in einem internationalen Vertrag, seine Nuklearanlagen von der Atomenergiebehörde (IAEA) permanent und gründlich überprüfen zu lassen. Die IAEA bestätigt bis dato, dass der Iran sich an das Abkommen hält.

Der iranische UN-Botschafter verglich damals die Rede Netanyahus mit der Rede, die US-Aussenminister Colin Powell 2003 hielt, als er der UNO Grafiken präsentierte, die als Beweise für irakische Massenvernichtungswaffen herhalten sollten. Die angeblichen Satelliten-Fotos von «Saddam Husseins fahrbaren Laboratorien biologischer und chemischer Waffen» entpuppten sich später als irakische Zisternenwagen für Trinkwasser. Grafikabteilungen der US-Geheimdienste hatten die Bilder produziert. Man wollte dem amerikanischen Volk und der internationalen Öffentlichkeit weismachen, Saddam Hussein sei eine Bedrohung für die ganze Welt.

Westliche Regierungen gelten nie als Verschwörungstheoretiker

Colin Powell musste sich nach der Propagandalüge über irakische Waffenarsenale vieles anhören, aber es fiel auf, dass niemand die Leute im Weissen Haus als Verschwörungstheoretiker bezeichnete.

Der Begriff «Verschwörungstheoretiker» – meist als Schimpfwort verwendet – hat in den letzten Jahren die politische Debatte infiziert wie ein Grippevirus. Das Wort wird in der Regel als Urteil, Kampfparole und Brandzeichen benutzt, um Individuen zu kennzeichnen.

Westliche Regierungen werden erstaunlicherweise in unseren Medien fast nie der Verschwörungstheorien beschuldigt. Dabei lehrt die Geschichte, dass die wirklich brandgefährlichen Verschwörungstheorien nicht von Individuen, sondern von Regierungen benutzt wurden:

  • Die «jüdische bolschewistische Weltverschwörung» gab dem Hitler-Regime die Begründung für die Verfolgung der Juden;
  • die «kommunistische Verschwörung» lieferte McCarthy in den USA den Vorwand für die flächendeckende Verfolgung von Regierungskritikern und unbequemen Oppositionellen.

«Boshafte Aktivitäten der russischen Regierung überall auf der Welt»

Vor kurzem verhängte die Regierung Trump erneut Wirtschafts-Sanktionen gegen russische Staatsbürger mit der Begründung, sie unterstützten «die andauernden und immer dreisteren boshaften Aktivitäten der russischen Regierung überall in der Welt». Diese Formulierung könnte von einem Sektenprediger stammen, der seinen Jüngern die grosse Weltverschwörung enthüllt.

Das russische Böse scheint überall in der Welt zu herrschen. Wenn es ein Exempel für demagogische Verschwörungstheorie gibt, dann ist es die Kampagne gegen Russland, die um sich greift wie eine Epidemie. Vom Brexit bis zum Separatismus Kataloniens: Es gibt kaum einen politischen Betriebsunfall in den westlichen Industrieländern, der nicht von eifrigen Russland-Kennern auf das fatale Wirken Putins zurückgeführt wird – unabhängig davon, ob das im Einzelfall stimmen sollte oder nicht. Denn Beweise bleiben uns die meisten Berichte schuldig.

Das jüngste Beispiel: Ein russischer Agent namens Sergei Skripal lässt sich vom britischen Geheimdienst MI6 umdrehen, wird ertappt und dafür in Russland zu 13 Jahren Arbeitslager verurteilt. 2010 wird er begnadigt und im Austausch gegen vom FBI verhaftete russische Spione an Grossbritannien ausgeliefert. Acht Jahre später, am 4. März 2018, wird dieser Mann zusammen mit seiner Tochter bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury aufgefunden. Britische Chemiewaffenexperten des Forschungszentrum im (nahegelegenen) Porton Down entdecken Symptome eines Nervengiftes.

Die britische Regierung beschuldigt darauf Moskau und spricht von einem «Kampfstoff-Angriff Russlands auf Grossbritannien» gerade so als handle es sich um einen Angriffskrieg gegen die Insel als Ganzes. Der britische Aussenminister erklärt, die Experten in Porton Down hätten ihm «kategorisch» versichert, die toxische Substanz stamme aus Russland.

Dass der russische Geheimdienst dahinter steckt oder nicht, kann stimmen oder nicht – wir wissen es nicht. Russland jedenfalls weist jede Schuld zurück und bietet Mitwirkung bei der Aufklärung an. Das mehrmalige Ersuchen Russlands um Beteiligung bei den Ermittlungen und Einsicht in die Ergebnisse wird jedoch abgelehnt. «Aus Solidarität mit Grossbritannien» weisen die USA und eine Reihe europäischer NATO-Staaten russische Diplomaten aus und schliessen sich den Wirtschaftssanktionen der USA an.

Einen Monat nach dem Attentat in Salisbury sagt der britische Chefchemiker Gary Aitkenhead, sein Labor könne nicht nachweisen, dass das Gift aus Russland stamme. Gibt es eine peinlichere Vorstellung von Verschwörungstheorie? Dennoch kann sich niemand unter den vielen Kommentatoren unserer führenden Medien dazu durchringen, das V-Wort auszusprechen. Man quält sich mit Formulierungen wie derjenigen, die britische Regierung sei nun «in Erklärungsnotstand».

Selbst wenn Russland einen Grund gehabt hätte, Skripal acht Jahre nach seiner Begnadigung und Auslieferung umzubringen – was nicht sehr plausibel ist – wäre dies kein Fall für die internationale Politik. Doppelagenten leben gefährlich. In der Vergangenheit wurden einige von ihnen, die durch den Verrat ihre Kollegen ans Messer lieferten, von ihren amerikanischen, britischen oder russischen Arbeitgebern ohne viel Federlesen liquidiert. Das Business der Geheimdienste ist gnadenlos.

Das Schicksal von Doppelagenten war unseren Medien noch kaum je eine so warme Herzensangelegenheit wie in diesem Fall.

Schlagwörter um Kritiker zu schlagen

An der neuerlichen Ausbreitung des Begriffs «Verschwörungstheorie» ist frappierend, wie hartnäckig und einseitig das Schlagwort benutzt wird, um einzelne unliebsame Publizisten zu diskreditieren. Historiker und Recherchier-Journalisten werden mit dem Schlagwort geschlagen, um sie mundtot zu machen.

Die SRF-Radiosendung «Kontext», ein politisches Magazin von meist hoher Qualität, widmete am 6. April eine ganze Folge dem Thema «Von Terroristen und dunklen Mächten». Dabei kommt unter anderen der Amerikanist Michael Butter zu Wort, der an der Universität Tübingen an einem Forschungsprojekt über Verschwörungstheorien arbeitet. Butter hat sich offensichtlich vorgenommen, den Basler Historiker Daniele Ganser fertig zu machen. Er nennt Ganser den «hervorragendsten und erfolgreichsten Verschwörungstheoretiker im deutschsprachigen Raum».

Der Schwerpunkt von Gansers Forschung ist verdeckte Kriegsführung. Man kann kritisieren, dass er sich einseitig mit der versteckten westlichen Kriegsführung beschäftigt. Doch Ganser weist zum Beispiel nach, dass oft Demokratie und Menschenrechte gepredigt wurden, wo es um Erdöl ging. Er greift die Interventionen westlicher Geheimdienste auf: von der CIA/MI6-Operation 1953 im Iran über die US-Invasion in der kubanischen Schweinebucht bis hin zu Chile, Libyen, Irak und Syrien. In NATO-freundlichen Kreisen sind Gansers Publikationen äusserst unbeliebt. Denn er gelangt mit seinen Recherchen zu dem Ergebnis, die NATO sei zum grossen Teil verantwortlich für atomare Wiederaufrüstung und militärische Eskalation in verschiedenen Weltregionen.

Mit seinen Angriffen auf Ganser geniesst der Tübinger Forscher Michael Butter zur Zeit in der Schweiz eine starke Präsenz. Von der «Sonntagszeitung» der Tamedia-Gruppe bis hin zum «Migros-Magazin» und der Basler «TagesWoche» wird ihm eine Bühne geboten, um gegen Daniele Ganser vom Leder zu ziehen.

Das Interessante dabei ist, dass Whistleblower und Recherchier-Journalisten, die auf Ungereimtheiten, Widersprüche und Falschinformationen westlicher Regierungen aufmerksam machen, in der Regel nicht von Verschwörung reden. Sie reden präziser, nämlich von illegaler Praxis, von Lügen oder von Betrug. Konsequenterweise müsste man diese Journalisten als Betrugstheoretiker bezeichnen. Das wäre sogar eine ehrenhafte Qualifikation. Statt dessen werden Leute wie Edward Snowden oder Julian Assange von westlichen Regierungen kriminalisiert und wie Verbrecher gejagt.

Heutzutage stehen nicht finstere Verschwörer in dunklen Gewölben im Mittelpunkt, sondern politische Figuren auf der grossen Bühne der Macht. Sie sitzen nicht in dunklen Ecken, sondern stehen vor den Fernsehkameras und verbreiten Halbwahrheiten oder Lügen, um ihre wahren Absichten zu verbergen. Wenn aber Journalistinnen und Journalisten dies nachweisen, müssen sie damit rechnen, bald einmal als «Verschwörungstheoretiker» in den Dunstkreis esoterischer Sekten abgeschoben zu werden.

Und diejenigen, die diesen Ausdruck als Schimpfwort benutzen, wissen sehr wohl, was sie tun. Sie benutzen die finstere, vernichtend-moralisierende Konnotation des Wortes als Keule. Wer ein Verschwörungstheoretiker ist, der gehört zu denen, die an geheime Mächte im finsteren Untergrund glauben. Man muss solche Leute folglich nicht für intelligent halten, sondern eher für klinisch-pathologische Fälle. Das zementiert die Macht der Mächtigen.

Dabei denunzieren viele kritische Journalisten und Publizisten nichts anderes als Offensichtliches und Nachprüfbares. Als am 12. Februar dieses Jahres auf einer Medienkonferenz das US-Verteidigungsbudget für 2019 vorgestellt wurde, sagte der Finanzchef des Pentagons, David Norquist, es gehe nicht mehr um Terrorismus, sondern um die Bedrohung, die von Grossmächten ausgehe. Amerika müsse aufrüsten, um gegen Aggression in strategisch entscheidenden Regionen gewappnet zu sein. Norquist wörtlich:

«Es wird zunehmend klar, dass China und Russland die Welt so formen wollen, wie es ihren autoritären Werten entspricht. Sie wollen dabei die freie und offene Ordnung abschaffen, welche seit dem Zweiten Weltkrieg globale Sicherheit und Wohlstand garantiert hat.» (1)

Kann man es klarer sagen? Wer solche Sätze hört, weiss, dass militärische Eskalation und Konfrontation geplant sind, um mit militärischen Mitteln Hegemonie zu sichern. Das könnte sich als dramatische Fehleinschätzung erweisen. Die beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts beruhten auf dem Irrtum, man könne durch Aufrüstung den Feind zum Nachgeben zwingen.

Der Chef des russischen Auslandnachrichtendienstes SWR, Sergei Naryschkin, sagte am 4. April auf einer Sicherheitskonferenz in Moskau, die sogenannte «russische Gefahr» sei in Washington zu einer fixen Idee von grotesken Ausmassen geworden. Politik sei vielleicht noch nie ein ehrliches Geschäft gewesen, sagte Naryschkin, «aber die Quantität und Qualität der gegenwärtigen Lügen sind einfach beispiellos». (2)

Verschwörungstheorie als Cyberaktivismus

Man würde vom Verschwörungs-Experten Michael Butter erwarten, dass er auch auf diese Probleme eingeht. Oder dass er zumindest auf die Verschwörungstheorien eingeht, Donald Trump habe seinen Wahlsieg Wladimir Putin zu verdanken, oder Russland wolle den Westen zerstören. Doch hier hält Butter sich auffallend zurück. Er stellt zwar fest, dass auch Regierungen Verschwörungstheorien instrumentalisieren, und er führt das Beispiel George W. Bush an, der die USA und die Welt glauben machen wollte, Saddam Hussein stecke mit Al Kaida unter einer Decke und wolle den Westen angreifen.

Butter bleibt aber vornehmlich im Allgemeinen und kommt dort zu bereits bekannten Ergebnissen. «Nichts ist, wie es scheint», heisst der Titel seines jüngsten Buches. Menschen, die allenthalben Verschwörungen sehen wollen, gehen davon aus, dass geheime Mächte mit dem Ziel der Weltherrschaft die internationale Politik kontrollieren. Verschwörungstheorien habe es zu allen Zeiten gegeben, sagt Butter. Nur hätten sich diese früher in geheimen Subkulturen abgespielt. Im Zeitalter von Internet, Social Media und Cyberaktivismus dagegen greife das Phänomen explosionsartig um sich.

Das trifft sicher zu. Hinzu kommt wohl, dass in den säkularisierten westlichen Gesellschaften unserer Tage das Bedürfnis nach modernen Märchen offensichtlich in demselben Mass wächst, wie die etablierten Religionen Anhang verlieren und somit herkömmliche Welterklärungen verloren gehen. Die Filmindustrie kommerzialisiert diese Bedürfnisse mit einer schier erdrückenden Produktion von Fantasy und Science Fiction. Mutanten, Ausserirdische, Zombies, Horror-Monster, Psi-Kräfte und gigantisches Killer-Ungeziefer tummeln sich auf allen Fernsehbildschirmen und Smartphone-Displays. Meist wollen dunkle Verschwörergruppen die Weltherrschaft erringen.

Im Netz begegnete man vor wenigen Tagen einem Aufruf des Kampagnen-Netzwerks Avaaz, das nach eigenen Angaben 40 Millionen Mitglieder in 194 Ländern hat. Dort wird eröffnet:

«Es ist offiziell: Facebook und die sozialen Medien sind ausser Kontrolle geraten. Eine Viertel Milliarde Facebook-Profile sind gefälscht. Daten von 87 Millionen Menschen wurden gestohlen, um Trump zur Präsidentschaft zu verhelfen. Russische Desinformationskampagnen generierten Milliarden von geteilten Facebook-Beiträgen.»

Der Text zeigt das klassische Prozedere der demagogischen Anwendung von Verschwörungstheorien: die Vermischung von nachprüfbaren Fakten mit Behauptungen und Vermutungen, die als Tatsachen hingestellt werden.

Dass eine britisch-amerikanische Polit-Consulting-Gruppe mehr als 80 Millionen Facebook-Profile entwendet hat, um daraus massgeschneiderte Wahlkampfwerbung für Trump zu machen, ist Fakt. Dass Donald Trump seinen Wahlsieg Wladimir Putin zu verdanken habe, ist indessen bis dato unbewiesen, wenngleich die politischen Kreise um Hillary Clinton seit mehr als einem Jahr erbitterte Anstrengungen unternehmen, um es glaubhaft zu machen. Grosse westliche Medien reproduzieren Woche für Woche mit unerhörter Emsigkeit jedes neue Detail, jede neue, angebliche Spur in dieser Causa Putin. Fast täglich serviert man uns neue Verdachtsmomente, neue Besorgnisse, Warnungen und Befürchtungen.

  • So gerinnt die diffuse Suggestion, Russland habe sich gegen den Westen verschworen, nach und nach zum harten Fakt in unseren Köpfen.

Dabei kann wohl niemand bezweifeln, dass es im US-Wahlkampf 2016 Millionen von Twitter- und Facebook-Kommentare gab, die nicht schmeichelhaft für jene Hillary Clinton waren, die als Aussenministerin keine Gelegenheit ausliess, Russland anzugreifen. Dass von den 144 Millionen Russen und Russinnen viele Hillary zum Teufel wünschten, ist anzunehmen. Putin brauchte also keine Trollfabriken, um Hillary zu schaden. Und es braucht keinen US-Sonderermittler, um dies festzustellen.

«Zufall und Chaos»

Michael Butter hat sicher recht mit seiner Annahme, dass die landläufigen Verschwörungstheoretiker mit der Komplexität der Weltpolitik überfordert sind und daher lieber auf einfache Erklärungen rekurrieren. Butters Lieblingsthese lautet: Der Lauf der Welt ist nicht von Verschwörungen bestimmt, sondern von Zufall und Chaos. Das mag sich zwar anhören wie tiefschürfende Philosophie, ist aber ein gefährlicher Satz. Denn er läuft hinaus auf die Stammtisch-Parole, dass man sowieso nichts machen kann. Die These ist in letzter Konsequenz eine Absage an politisches Denken und Handeln.

Im Vietnamkrieg sind 58‘000 US-Soldaten und mehr als eine Million vietnamesische Soldaten gefallen. Die Gesamtzahl vietnamesischer Kriegsopfer wird auf mehr als drei Millionen Menschen geschätzt. Deren Familien würden sich wohl kaum mit dem Satz abspeisen lassen, dafür seien Zufall und Chaos verantwortlich.

Wenn sie die Pentagon Papers gelesen haben, haben sie keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die Regierung in Washington diesen Krieg mit Lügen begonnen hat und ein Jahrzehnt lang das amerikanische Volk belogen hat, um den Krieg entgegen aller Vernunft weiterzuführen.

Kriege werden von Regierungen gemacht und nicht von dunklen Mächten namens Zufall und Chaos.

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FUSSNOTEN:

1. https://www.defense.gov/News/Article/Article/1439211/presidents-fiscal-2019-defense-budget-request-calls-for-6861-billion/

2. https://www.youtube.com/watch?v=Q4wb4LVV1VA

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

Der «Verschwörungs»-Begriff vernebelt das Denken

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12 Meinungen

Da drängt sich schon fast die Erinnerung an Dien-Bien-Phu auf. Damals war es ein «einfacher» Kolonialkrieg, welcher schliesslich von den USA weitergeführt wurde.

Was können Macron's Motive sein Syrien anzugreifen. «Frankreich als Hüterin international Moral» oder, wie gehabt gewöhnliche imperiale «Kolonialinteressen».

Sykes-Picot lässt grüssen. Auch nach zwei Weltkriegen haben die früheren Kolonialmächte immer noch nichts gelernt. Selbst ehemalige Untertanenstaaten sollten sich emanzipieren dürfen.

Die westliche Haltung gegenüber Kurdistan zeigt, dass mit dem Verlust der Kontrolle über Kirkuk, die Kurden für die westlichen Länder offensichtlich an Interesse (zivilisatorisch, kulturell, menschenrechtlich... oder bloss ökonomisch) verloren haben.

Netanjahu hingegen kann tun und lassen was er will und wird trotzdem weiter voll unterstützt. hier handelt es sich eben um den «unsinkbaren Flugzeugträger der Nato» im mittleren Osten, welcher als Stützpunkt potentiell wichtiger als Incirlik ist.
Josef Hunkeler, am 13. April 2018 um 10:15 Uhr
Zu diesem Thema passen gut die Bücher von Harry G. Frankfurt, «Bullshit» und daruf detailliert aufbauend Sebastian Dieguez «Total Bullshit! Au coeur de la post-verité». Es wird gezeigt, dass im Unterschied zu Lügen die meisten solcher Fake-News, Verschwörungsthgeorien sich überhaupt nicht um Fakten oder Wahrheiten kümmern, sondern aus einem Mix von Wahrscheinlichkeiten, sog. «gesunden Menschenverstand» und dreist Erundenem bestehen. Dies ist auch die Strategie popilistischer Parteien, wie z.B. der SVP.
Hermann K.J. Fritsche, am 13. April 2018 um 11:01 Uhr
Zweifellos guter Artikel, aber warum so langatmig? Wer liesst denn einen solch langen Artikel?
Beda Düggelin, am 13. April 2018 um 11:55 Uhr
Seit vielen Jahren leben wir in einer Illusion von Wohlstand und gemeinsamen, «gerechten westlichen Werten», welche nur möglich ist «dank» gefälschten Statistiken und massivem Gelddrucken von Privat- und Zentralbanken aus dem Nichts.
Verschwörungstheorie? - Leider nein, aber das Ende dieser Illusion wird für Viele überraschend kommen.
Schaut man sich die Wirtschafts-Fakten und online Kommentare an, erkennt man die Trendwende: Immer mehr Menschen vertrauen Regierungen und Leitmedien nicht mehr - zu Recht, wie Skripal- und Giftgasaffären erneut zeigen. Die westlichen Eliten blamieren sich und sie haben nur ihre Vorteile/ihr Überleben im Auge und sie versuchen, uns duldsame Schafe erneut über die Klippe in den nächsten Krieg zu treiben.
Wenn wir und unsere Kinder eine Zukunft haben wollen, dann geht das nur gewaltlos und gemeinsam. Wir müssen heute aufwachen und den eingezäunten Schafherdenweg in Richtung Klippe als ganze Herde verlassen: Die «Verschwörungstheoretiker» sind oft exakt diejenigen, die praktisch und verständlich diesen gewaltlosen Weg aufzeigen.
Die wahren Werte heissen Kooperation und Gewaltlosigkeit - für andere «westliche Werte» lohnt es sich definitiv nicht, in einen nicht zu gewinnenden Krieg zu ziehen.

Zuerst wirst du nicht beachtet, dann belächelt, dann bekämpft - und schliesslich könnte die Gewaltlosigkeit und die Kooperation gewinnen ... falls eine sichtbare und hörbare Mehrheit diese menschlichen Werte furchtlos vertritt.
friedenskraft.ch - coming soon!
Paul Steinmann, am 13. April 2018 um 11:59 Uhr
Wenn man Theorien als wissenschaftliche Programme beschreibt, dann erübrigt sich der Begriff 'Verschwörungstheorien' - es bleiben dann lediglich empirisch bestätigte und nicht bestätigte Theorien.
Martin Hafen, am 13. April 2018 um 15:34 Uhr
"Kriege werden von Regierungen gemacht und nicht von dunklen Mächten namens Zufall und Chaos."

Und leider auch von demokratisch gewählten Regierungen. Sie geben vor, den Willen der Bürger zu vertreten, wofür sie ja gewählt werden. Tun sie aber nicht, behaupte ich und werde damit zum Verschwörungstheoretiker, muss folglich überwacht werden.
Walter Schenk, am 13. April 2018 um 16:04 Uhr
Auch Roger Schawinski äusserst sich immer wieder zu Verschwörungstheorien. Jetzt wieder im Magazin. Er glaubt immer noch dass Bin Laden und die 19 mit Teppichmessern bewaffneten Islamisten am 11. September 2001 vier Flugzeuge entführt haben sollen und die drei Wolkenkratzer des World Trade Center in New York zum Einsturz brachten. Wie US-Behörden sagen, erfolgte der Einsturz der drei Gebäude des Centers durch Bürobrände, ausgelöst durch den Einschlag der beiden Flugzeuge in die Zwillingstürme.

Als Baufachmann, vertraut mit Baukonstruktion, Baustoffkunde, Brandschutz, Statik, und Risikoanalysen habe ich mich speziell mit dem Einsturz der drei Wolkenkratzer des World Trade Center in New York befasst. Vor und nach dem 11. September 2001 sind nie mehr Wolkenkratzer durch Bürobrände eingestürzt. Viele Architekten, Ingenieure, Physiker, Chemiker und andere Naturwissenschaftler sind deshalb nach umfangreichen Recherchen zum Schluss gekommen, dass diese drei Wolkenkratzer in Manhattan am 11. Septembner 2001 gesprengt wurden. Falls diese Wolkenkratzer wirklich durch Brände in den Büros eingestürzt sein sollten, hätte auch der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein, der SIA, seine statischen Bemessungsnormen ändern müssen, wie auch die Amerikaner ihre Normen in den USA. Aber die Normen des SIA wurden nicht geändert, auch die statischen Bemessungsnormen für Wolkenkratzer in den USA nicht.
Siehe auch: «Jenseits der Täuschung» http://www.ae911truth.ch/jenseitsdertaeuschung.pdf
Heinrich Frei, am 13. April 2018 um 17:01 Uhr
Grandioser, leider bitter nötiger Text. Vielen Dank, Herr Scheben!
Andreas Mathys, am 14. April 2018 um 02:05 Uhr
Auch der Journalist Hannes Grassegger wurde wegen seinen Recherchen zu Cambridge Analytica, Facebook etc. als Verschwörungstheoretiker beschimpft.
Zur Zeit haben wir eine diesbezügliche Hysterie, da der «Verschwörungstheoretiker» recht hatte.
Peter Herzog, am 14. April 2018 um 14:44 Uhr
Helmut Scheben liefert zweifellos gute Beispiele für Situationen, wo Akteure, die gemäss westlichem Mainstream «seriös» sind, Falschmeldungen verbreiten. Aber wie verhält es sich mit Begriffen wie Fake-News, Propaganda, taktischen Lügen oder eben Verschwörungstheorien?

Schon das Einstiegsbeispiel ist nicht überzeugend. Nicht dass ich behaupten möchte, die Ausführungen von Nethanyahu seien sachlich und korrekt. Ob Iran zur Zeit an einem Atomwaffenprogramm arbeitet, oder ob er Pläne hat, ein solches bei Gelegenheit wieder aufzunehmen, ist für Aussenstehende schwer zu beurteilen. Völlig absurd sind die Befürchtungen von Israel jedoch nicht. Wieso will der Iran Atomkraftwerke bauen? Wozu sollte es diese brauchen, wenn nicht als Basis für eine Bombe? Das Land verfügt über Öl und Gas zum Abwinken, und falls es von ökologischen Gewissensbissen geplagt werden sollte, verfügte es über optimale Voraussetzungen für Solarenergie. Die Ausführungen von Netahyahu stellen keine Verschwörungstheorie dar, sondern Übertreibung zu Propagandazwecken.

Interessierten zum Thema Verschwörungstheorie kann ich die Lektüre von Umberto Eco empfehlen, zum Beispiel «Das Foucaultsche Pendel» oder «Der Friedhof in Prag». Das sind zwar dicke Bücher. Aber für alle, die den obigen Artikel gemeistert haben, sollte das kein Problem sein ;-)
Daniel Heierli, am 17. April 2018 um 15:43 Uhr
Klasse finde ich solchhe Berichte:
https://www.tagesspiegel.de/politik/mutmasslicher-chemiewaffeneinsatz-in-ost-ghouta-usa-haben-angeblich-beweise-fuer-giftgas-angriff-durch-syrische-regierung/21174802.html

"Die US-Regierung sieht es als erwiesen an, dass das syrische Militär bei der Attacke in Duma Giftgas eingesetzt hat."

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.us-regierung-usa-sehen-giftgasangriff-durch-syrische-armee-als-erwiesen-an.65069396-02f0-40d8-b824-6553984aa408.html

"Den Chemiewaffenangriff in Ost-Ghuta durch die syrische Armee sieht die US-Regierung als erwiesen an. Washington habe eigene Quellen, könne die Beweise aber nicht veröffentlichen. «


Was ist eine Regierung ?
https://de.wikipedia.org/wiki/Regierung

"Die Regierung ist eine der höchsten Institutionen eines Staates. Sie leitet, lenkt und beaufsichtigt die Politik nach innen und außen. Eine Regierung besteht in der Regel aus einem Regierungschef und mehreren Ministern mit jeweils eigenen Ministerien."


Nanuchen !

https://www.heise.de/tp/features/US-Verteidigungsminister-Mattis-Keine-soliden-Beweise-fuer-Chemiewaffenangriff-4023021.html

"US-Verteidigungsminister James Mattis sagte am Donnerstag bei einer Anhörung vor dem Ausschuss für Streitkräfte, dass die US-Regierung «keine soliden Beweise» dafür hätten, wonach chemische Waffen bei dem Angriff in Douma verwendet wurden, bei dem mindestens 48 Menschen ums Leben gekommen sein sollen."


Bei Wiki stand eine Regierung besteht aus Ministern ?
Dieter Gabriel, am 17. April 2018 um 20:11 Uhr
Auch unsere alte Dame, die Neue Zürcher Zeitung, befasst sich nun mit «Verschwörungstheorien», was zu begrüssen ist. Am 24. Mai 2018 organisiert die NZZ eine Diskussion mit dem Thema «Über Verschwörungstheorien und Fake News». Die Moderation übernimmt Marc Tribelhorn, Referenten sind Roger Schawinski und Rainer Stadler. Zu dieser Diskussion könnte man nachträglich auch noch Helmut Scheben einladen, der Autor Mathias Bröckers und der Autor Elias Davidson. Davidsson ist der Autor des Buches «Psychologische Kriegsführung und gesellschaftliche Leugnung». Auch Bröckers hat verschiedene Bücher geschrieben, auch wie Davidsson im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien und Fake News. Die NZZ hätte auch den Architekt Richard Gage einladen können, der am 16. Mai 2016 in der Helferei in Zürich einen Vortrag halten wird zum Thema «What caused the total destruction of the 3 skyscrapers on 9/11 - Fire or CONTROLLED DEMOLITION ?» Richard Gage gehört zu der Gruppe von fast 3000 Architekten und Ingenieuren die verlangen, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 neu untersucht werden sollen. Siehe auch AE911Truth.org - Architects & Engineers for 911 Truth - Internationale Website
Heinrich Frei, am 25. April 2018 um 18:49 Uhr

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