Michael Wolffs Trump-Buch «Fire and Fury» © BBC

Michael Wolffs Trump-Buch «Fire and Fury»

Fire and Fury: Zirkus mit Clowns im Weissen Haus?

Erich Gysling / 08. Jan 2018 - Das Buch zeichnet das Bild eines kindischen, eitlen Präsidenten. Was es nicht anspricht: Trump setzt seine Ziele konsequent durch.

321 Seiten dick ist «Fire and Fury» von Michael Wolff im englischsprachigen Original – und alles, was man gegen diese gründliche Recherche sagen kann ist: Sie erschöpft sich etwas vor der Hälfte zwischen den Buchdeckeln. Was danach kommt, ist ein bisweilen etwas bemühtes Nachzeichnen von Rivalitäten zwischen Macht- oder eher Ohnmachtszentren im Weissen Haus. Alles davor aber ist Resultat guter journalistischer Arbeit, u.a. aufgrund von mindestens 200 Interviews. Die allerdings führte er oft mit Leuten, das gibt er zu, die ihre Informationen nur aus zweiter Quelle hatten.

Der Bruch im Buch hängt offenkundig mit der Arbeitsweise des Autors zusammen: noch bis einige Wochen nach der Amtsübernahme durch die Trump-«Administration» (man muss diesen Begriff nach der Lektüre in Anführungszeichen setzen) hatte Wolff Zugang zum Weissen Haus, dann wurden ihm die Pforten zum Klatsch- und Informationsparadies versperrt. Der Leser, die Leserin muss jedoch davon ausgehen, dass sich am Innenleben des Machtzentrums in Washington nur graduell etwas geändert hat – insofern, als der ehemalige General John F. Kelly als Stabschef Schlimmstes verhindert und Steve Bannon die Metamorphose vom Freund und Helfer Donald Trumps zu dessen Gegner vollzogen hat und aus dem Umfeld des Präsidenten verstossen wurde.

«Fire an Fury» zeichnet das Bild eines kindischen, eitlen, weltunkundigen und lernunwilligen Präsidenten, der die Wahl eigentlich gar nicht gewinnen, sondern sich auf die Rolle eines vom Establishment Betrogenen kaprizieren wollte. Und einer Entourage, die aus Schmeichlern, Karrieristen und Opportunisten besteht. Hinter dem Rücken wird (wurde zumindest) über den Chef gelästert und alles Lächerliche an Dritte weitergegeben. Wolff dokumentiert diesen Zirkus hervorragend, auch auf unterhaltsame Weise – mit dem Ziel, dieser Präsidentschaft den Todesstoss zu versetzen. Das gibt er so zwar in «Fire and Fury» nicht zu erkennen, sagte es aber in einem Interview mit der britischen BBC.

Was Wolff nicht anspricht: Donald Trump mag sich, das zeigen seine Twitter-Mitteilungen, bizarr, unberechenbar, launenhaft verhalten, aber seine wichtigsten Ziele setzt er ja doch mit erstaunlicher (und erschreckender) Konsequenz durch:

  • Die Zuwanderung aus mehreren muslimischen Ländern ist weitgehend blockiert;
  • die Mauer an der Grenze zu Mexiko wird (wenn auch nicht ganz so «schön», wie von Trump vorausgesagt) gebaut;
  • die USA haben Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt;
  • der Austritt aus internationalen Klimaabkommen ist ebenso vollzogen wie das Ausscheiden aus der Unesco;
  • in den USA kann wieder ohne Einschränkungen Kohle produziert werden (ob sie jemand wirklich braucht, ist ein anderes Thema) und der Naturschutz wird zurückgefahren;
  • die Entkrampfung der Beziehungen zu Kuba und zu Iran (zwei Errungenschaften der Obama-Präsidentschaft) ist Vergangenheit;
  • internationale Handelsabkommen sind blockiert;
  • der US-Wirtschaft geht es besser als erwartet – und die Rüstungsindustrie boomt, u.a. aufgrund der hemmungslosen Aufrüstung Saudiarabiens.

Das Alles steht in merkwürdigem Gegensatz zum Befund des Autors von «Fire and Fury», im Weissen Haus seien alle Entscheidungen dem Zufall zuzuschreiben. Die Realität ist viel schockierender: Donald Trump hält sich starrsinnig an die Agenda, die er schon im Wahlkampf setzte und zieht sie, trotz des Chaos’ rundherum, erbarmungslos durch. Da er sich als Genie betrachtet, wird er seinen Kurs auch in Zukunft nicht ändern. Im Notfall hat er ja noch «den grösseren Atomknopf» als «the little rocket man», Kim Jong-un, im fernen Nordkorea.

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8 Meinungen

Leider hat Erich Gysling recht!
Aber in der Aufzählung fehlt noch, die im Parlament erfolgreich umgesetzte Steuerreform für die reichen US Bürger. Der Mittelstand profitiert perfiderweise nur für 3 Jahre. Also bis nach den Erneuerungswahl für die zweite (Wieder-) Wahlperiode von Präsident Donald Trump.
Thomas Nordmann, am 08. Januar 2018 um 13:42 Uhr
Schwacher Trost: «setzt konsequent um....», genau wie Hitler das auch getan hat. Nur sind die USA eine Demokratie, in welcher man Schwachkopf-Diskussionen um den «grösseren Atomknopf» verhindern können sollte. Wehe der Welt, wenn wir uns täuschen.
Walter Schenk, am 08. Januar 2018 um 14:22 Uhr
Donald Trump mag ja bloss ein lächerlicher Popanz sein. Seine populistischen Wahlversprechen zu erfüllen, seine libertäre Agenda durchzuziehen indessen vermag er nur dank konsequenter Unterstützung durch die Republikaner und der mit diesen seit jeher eng verbundenen evangelikalen Christen. Somit ist der POTUS 45 lediglich der «Dumme August» in der Manege, sekundiert von einigen mässig begabten Clowns. Die Regisseure in diesem Schmierentheater – die Vertreter des Establishments der «Grand Old Party» und deren Einflüsterer aus den Kreisen der Evangelos und Pfingstis – bleiben diskret im Hintergrund. Der «Pannenfall Trump» ist somit nichts anderes als ein «Pannenfall GOP». The worst-case scenario – Home made by the Republicans ! Eine Blamage ohnegleichen für die Partei Abraham Lincolns !
René Edward Knupfer-Müller, am 08. Januar 2018 um 14:52 Uhr
Das ist mitunter eine Wesensart und Eigenschaft Geistesgestörter oder Geistekranker: Sie sind enorm konsequent und zielstrebig, stereotyp wie Zombies. Das macht sie unheimlich unbeeinflussbar. Aufhalten? Abhalten? Wie? Trump hinterlässt bereits nach einem Jahr im Amt in den USA Wunden oder Narben.

# StopTrumpNOW
Peter Müller, am 08. Januar 2018 um 15:23 Uhr
Schockierend aber wahr - auch hierzulande schauen viele bewundernd in die USA und wünschen sich einen solchen «Vollstrecker», der nicht nur redet sondern handelt! Mich schauern die Perspektiven für die nächsten Monate. Hoffentlich scheitert die «No Billag"-Initiative, sonst wird bei uns dieselbe Basis wie in den USA geschaffen. Politiker können nicht mehr vernünftig miteinander diskutieren weil keine gemeinsame Informationsbasis vorliegt. Jeder schaut nur noch das Programm, welches seinen Ideen am nächsten kommt.
Roland Käser, am 08. Januar 2018 um 17:53 Uhr
Alles richtig. Nicht vergessen, Mr. Trump ist auch konsequent am Umbauen der Justiz. Rechte Richter (meistens lebenslänglich gewählt) werden wenn immer möglich installiert. Das bereits in sehr schlechtem Zustand sich befindende öffentlich Schulwesen wird ebenfalls zu Gunsten der Privatschulen vernachlässigt. Die Twitterei lenkt nur ab, aber alles wohlweislich von Mr. Trump eingeplant, er ist ja ein «Medienprofi».
Mario Bernasconi, am 09. Januar 2018 um 10:55 Uhr
Dieses Buch mag skurrile oder bestürzende Anekdoten enthalten, ich werde es nicht lesen, weil es mir wenig helfen wird, aus dem dort Zusammengetragenen die politische Entwicklung zu interpolieren. Ich halte mich an die Fakten, die Erich Gysling sehr zu recht klarstellt. Die kleinen Intrigen, Querelen und internen Machtkämpfe im Weissen Haus mögen interessant sein, ich habe aber gelinde Zweifel, ob alles stimmt, was da kolportiert wird und wurde.
Helmut Scheben, am 09. Januar 2018 um 18:09 Uhr
Die USA sind schon lange keine Demokratie mehr.
Sie werden regiert von einer Oligarchie der Reichen und Einflussreichen, welche die Medien, die Geheimdienste und die Armee seit Jahrzehnten kontrollieren und welche Donald Trump, wie auch seine Vorgänger, gut gebrauchen können als Sündenbock für ihre Kriege, für das Brechen jeglicher Regeln des Völkerrechts und letztlich für ihr eigenes Scheitern inklusive vor allem ihres betrügerischen Geldsystems, welches das Hauptinstrument ist, um sich selber die Taschen zu füllen und die Völker dieser Erde auszubeuten.
Organisiert euch in der gewaltfreien Friedensbewegung als bestmöglicher Opposition gegen diese Elite.
Paul Steinmann, am 10. Januar 2018 um 13:42 Uhr

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