Angriff der Japaner auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 © Japanese Navy/Wikimedia/cc
Der Angriff japanischer Kampfflugzeuge am 7. Dezember 1941 auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor löste den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg aus. © Imperial Japanese Navy

Buchkritik: «Imperium USA» von Daniele Ganser

Erich Gysling / 13. Mai 2020 - Gansers Buch zur «skrupellosen Weltmacht USA» zeigt nur «eine Perspektive unter vielen möglichen Perspektiven».

Der Historiker Daniele Ganser versieht den Titel seines neuen Buchs «Imperium USA» mit dem Untertitel «Die skrupellose Weltmacht». Er bezieht sich da nicht nur auf die Aussenpolitik der Trump-Administration, sondern greift weit in der Geschichte zurück, bis in die Epoche der Inbesitznahme des nordamerikanischen Kontinents durch die Einwanderer und die Ausrottung der «Indianer» – und, detailliert, vor allem in die Zeit um den Zweiten Weltkrieg und, noch detaillierter, in die Jahrzehnte danach und bis ins Jahr 2020.

Er recherchierte so ziemlich das ganze Spektrum des globalen Anspruchs der USA, immer mit Fokus auf aussenpolitische Strategien. «Keine andere Nation hat seit 1945 so viele andere Länder bombardiert wie die USA. Kein anderes Land hat seit 1945 so viele Regierungen gestürzt und war in so vielen offenen und verdeckten Konflikten verstrickt wie die USA. Kein anderes Land der Welt unterhält in so vielen anderen Ländern Militärstützpunkte, exportiert so viele Waffen und unterhält einen so hohen Rüstungsetat wie die USA.»

Fast am Anfang merkt der Autor an: «Über die USA ist schon viel geschrieben worden. Auch dieses Buch ist nur eine Perspektive unter vielen möglichen Perspektiven.» Ja, da kann ich nur zustimmen – es gibt auch andere Perspektiven. Etwa jene, die besagt, dass die USA zwar ihre Macht sehr oft eigennützig eingesetzt haben, dass aber die meisten Interventionen letzten Endes Schlimmstes verhindert hätten.

Ich teile diese «milde» Sichtweise nicht – oder lasse sie nur für Ausnahmefälle gelten. Ja, die Vereinigten Staaten setzen ihre politische, wirtschaftliche, finanztechnische Übermacht gezielt und oft skrupellos ein. Jüngstes Beispiel: das Diktat, das die US-Politik und auch die US-Banken global ausüben, um die Sanktionen (nennen wir es besser einen Wirtschaftskrieg) gegen Iran durchzusetzen. Oder die (angestrebte) finanzielle Strangulierung der WHO in der Corona-Krise. Nur: Ist das – und mehr – nicht erst durch Donald Trump so geworden? Da vertritt Daniele Ganser eine andere Meinung: Er sieht Kontinuität in der «Skrupellosigkeit». Und verweist u.a. auf Meinungsumfragen, die, international, bereits in der Obama-Zeit gemacht wurden und die darauf hinwiesen, dass auch Obamas Amerika in relativ breiten Bevölkerungskreisen in und ausserhalb Europas mit Misstrauen betrachtet wurde.

Wie erklärt sich das? War Obama nicht darauf bedacht, die internationale Zusammenarbeit zu fördern, spielte er nicht mit im «Orchester» der (einigermassen) klimabewussten Regierungen?

Man muss diese Fragen, im Kontext einer Rezension von Daniele Gansers Buch, so stehen lassen – der Autor geht auf diesen Aspekt nicht weiter ein. Abgesehen davon, dass er die Auszeichnung Obamas mit dem Friedensnobelpreis als ungerechtfertigt bezeichnet. Und es gab ja, tatsächlich, auch in den acht Jahren Obamas problematische Entscheidungen – etwa rund um den Drohnenkrieg und die Ermordung von Osama bin Laden (den die politisch einflussreiche Klasse in Washington offenkundig lieber tot sehen wollte, als ihn vor ein Gericht zu stellen). Oder die Politik gegenüber Syrien.

Am Syrien-Beispiel lässt sich eine bei Daniele Ganser mehrmals erkennbare Problematik feststellen: Er recherchiert gründlich über eine Seite, blendet aber weitere Aspekte aus: «Im März 2011 brach in Syrien der Krieg aus. Syrische Sicherheitskräfte stoppten in der syrischen Stadt Dara nahe der Grenze zu Jordanien einen Lastwagen, der aus dem Irak kam und eine grosse Menge an Waffen und Sprengstoff geladen hatte.» Ja, das ist offenbar korrekt, das zeigten mehrere voneinander unabhängige Recherchen. Nur wirkt der Ausbruch des Syrienkonflikts bei Ganser so, als sei er von ausländischen Mächten (USA, Grossbritannien, Frankreich – wer noch?) initiiert worden. Das ist er nicht. Inspiriert von den Protestwellen des so genannten Arabischen Frühlings in anderen Ländern der Region wagte, zuallererst, wirklich eine Gruppe von syrischen Oppositionellen, das Assad-Regime durch Kundgebungen in Dara herauszufordern. Diese Proteste unterdrückte der Geheimdienst brutal. Die Protestwelle drohte, sich rasant auszubreiten – und da ergriffen ausländische Kräfte (sehr wahrscheinlich tatsächlich die CIA an deren Spitze) die Gelegenheit, die Opposition zu bewaffnen, d.h. zumindest indirekt zu intervenieren.

Ähnlich leicht verschoben ist Gansers Darstellung des Beginns des kurzen Kriegs in Georgien um Südossetien. «Schon im August 2008 griff Georgien, ermuntert durch die USA, das abtrünnige Südossetien an.» Ja, richtig, Georgiens Präsident Saakashwili liess seine Luftwaffe in Südossetien angreifen, und er hoffte auch darauf, dass die USA ihn tatkräftig unterstützen würden. Nur: Das war Saakashwilis persönliche Interpretation – eine Interpretation von sehr vagen Aussagen US-amerikanischer Politiker. Die offizielle US-Politik hatte klargemacht, dass sie sich nicht in einen Mini-Regionalkonflikt hineinziehen lassen wollte, der das Potential hatte, zur direkten Konfrontation mit Russland zu werden.

Und nochmals ähnlich ist's im Fall der Ukraine: Die USA (damals unter der Präsidentschaft von George W. Bush) hatten ein Interesse, das Land in der unmittelbaren Nachbarschaft Russlands so eng wie möglich «an ihre Brust zu drücken». Sie förderten jene Kräfte, die den Autokraten Janukowitsch loswerden wollten, hätten es auch gerne gesehen, die Ukraine möglichst schnell in die Nato aufzunehmen – aber europäische Nato-Mitglieder (nicht alle) erkannten die Gefahr, damit einen offenen Konflikt mit Russland zu provozieren, und so blieb es bei eher vagen Formulierungen an die Adresse der Nach-Janukowitsch-Führung in Kiew. Und, auch das ist wichtig: Es gab damals, 2014, in der Ukraine zunächst einen breit abgestützten Volksaufstand gegen Janukowitsch – man kann davon ausgehen, dass eine Mehrheit den Autokraten loswerden wollte, und dies nicht aufgrund einer von den USA angezettelten Verschwörung.

So, genug der kritischen Anmerkungen. Aber vielleicht doch noch diese, Pearl Harbor und den Eintritt der USA in die Koalition gegen Hitler-Deutschland und das kaiserliche Japan im Zweiten Weltkrieg betreffend: Ja, das weist Daniele Ganser gut nach, Präsident Roosevelt hatte tatsächlich Informationen, wonach Japan einen Überraschungsangriff auf US-Kräfte lancieren würde. Nur tappte er im Dunkeln, wo das geschehen könnte. Pearl Harbor schien (offenkundig auch ihm, dem US-Präsidenten) sehr unwahrscheinlich als Ziel. Also: Roosevelt zu unterstellen, er habe absichtsvoll Pearl Harbor ungeschützt einem Angriff ausgesetzt, geht wohl doch etwas zu weit.

Mein Fazit: Daniele Gansers «Imperium USA – Die skrupellose Weltmacht» ist interessant, ist lesenswert – denn der Autor übt ja nicht eindimensionale USA-Kritik, sondern appelliert konsequent an Prinzipien und Ideale: UNO-Gewaltverbot, Achtsamkeit und das, was er die Menschheitsfamilie nennt. Aber man darf das Buch auch, den Worten des Autors folgend, als «eine Perspektive unter vielen möglichen Perspektiven» lesen.

Daniele Ganser: Imperium USA. Die skrupellose Weltmacht. Orell Füssli Verlag, Zürich 2020, 400 Seiten, CHF 34.90

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

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17 Meinungen

Es fehlt mir ein Beispiel wo die USA bei ihren offenen und versteckten Einsätzen von Chile bis Vietnam über alle Kontinente einem Land Frieden, Prosperität, Demokratie und Wohlstand gebracht haben!
H. Sigrist, am 13. Mai 2020 um 11:57 Uhr
Lieber Erich Gysling: Aus meiner Welt-Sicht ist es an der Zeit, dass wir West-Europäer:Innen uns aus unserem immer noch ziemlich verklärten Blick auf die USA lösen.
- Das ist kein Mahnruf an Sie, Sie sehen das ausgewogen.
- Aber deshalb begrüsse ich das Buch von Daniele Ganser für jene, welche die Augen vor der amerikanischen Realität immer noch verschliessen.

Die USA haben mitgeholfen, das Hitler-Regime zu stürzen + in Europa den Frieden wieder herzustellen. Die Hauptlast lag aber bei den Russen. Und das scheint uns eher peinlich zu sein bei all der Hetze, welche wir Westler:Innen gegen sie betreiben.
- Die USA sie haben selbst extremes Leid über viele Völker gebracht + erwarten, dass wir ihre Kriege über die Welt-Währung 'USD' bzw. über die NATO unbesehen mit finanzieren.
- Und damit bin ich persönlich nicht mehr einverstanden.

Die USA traten einmal an, das westliche Werte-System (Demokratie + Rechtsstaat + freie Markt-Wirtschaft) Welt-weit einzuführen.
- Die Absicht mag gut gemeint gewesen sein.
- Die Umsetzung in die Praxis + inzwischen auch die Realität in den USA strafen die gute Absicht Lügen.
Konrad Staudacher, am 13. Mai 2020 um 12:27 Uhr
Guten Tag Herr Gysling, davon ausgehend, dass Sie der 'Erich Gysling', dessen Berichte in den Medien (Rundschau etc.) ich immer sehr schätzte, hätte ich eigentlich erwartet, dass Sie D. Ganser dafür loben würden, dass er nicht in das momentan so gepflegte Putin/Russland bashing einstimmt (infosperber ist hier eine löbliche Ausnahme).
Die USA ist seit Jahrzehnten der Aggressor und nicht Russland und versucht aus lauter Liebe Russland militärisch und durch Sanktionen zu umarmen, wie auch den Iran. Niemand hat die USA zum Weltpolizist erkoren/gewählt, sondern es geht da ausschliesslich um wirtschaftliche und militärische Macht. Warum Schreiben Sie nicht ein Buch oder wenigstens einen Artikel (Sie finden sicher einen Herausgeber) welche die diesbezüglichen 'Untaten' der 2 Supermächte aufzeigt und vergleicht/wertet. Das wäre interessant !
Freundliche Grüsse und gute Gesundheit.
Alfred Egle, am 13. Mai 2020 um 12:34 Uhr
Das im Infosperber bekanntgemachte Buch von Rainer Mausfeld, «Warum schweigen die Lämmer», beschreibt und dokumentiert mit hunderten von Literaturangaben, dass die USA seit ihrer Gründung nie etwas anderes als ihre Eigeninteressen wahrgenommen haben.
In Lateinamerika haben die USA alle Demokratiebewegungen immer bekämpft, in zahlreichen anderen Weltregionen mit Lügen Kriege entfacht und die Waffen geliefert. So machen die USA ihr Geschäft. Donald Trump ist nur der erste Präsident, der genau so spricht, wie die USA immer gehandelt haben.
Ueli Feller, am 13. Mai 2020 um 16:06 Uhr
Zur Einmischung der USA in die Innenpolitik der Ukraine (und anderer Länder) ist es auch sehr interessant sich über die Vorgänge während der orangenen Revolution zu informieren. Wo Herr John Negroponte (verstrickt in die Iran-Contra Affäre, «Mit-Erfinder» des Waterboardings, oberster «Verantwortlicher» für Abu-Ghuraib (was für ein Zufall) uvm.) damals als Privatmann mit massiven Geldmitteln und Propagandahilfe eingegriffen hat. Eigentlich könnte man sagen, die Karriere dieses Mannes fasst die Aussenpolitik der USA knapp aber sehr anschaulich zusammen.
Alex Bötschi, am 13. Mai 2020 um 16:20 Uhr
Bin mit zwei der drei Kritiken Gyslings an Gansers Buch nicht einverstanden.
Der Syrien Krieg war nicht ein spontaner Bürgerkrieg, sondern ein von der CIA geplanten, organisierten und finanzierten Söldnerkrieg, unterstützt und mitfinanziert durch Saudi Arabien, Katar und Türkei. Wie der ehemalige NATO Oberbefehlshaber Wesley Clark 2007 bekanntgab, plante das Pentagon nach 9/11einen Regimechange in 7 Länder, darunter Syrien.
Bei der Ukraine unterschätzt Gysling die Rolle der USA beim Maidan Putsch. Wie Victoria Nuland, im State Department damals zuständig für die Ukraine, öffentlich bekanntgab, «investierte» die USA US$ 5 Milliarden in die Vorbereitung des Putsches.
Pedro Reiser, am 13. Mai 2020 um 19:34 Uhr
Seit 45 Jahren verfolge ich mit Interesse die Situation in Ex-Jugoslawien, Naher Osten, insbesondere Iran, Irak und Syrien. Der Grund ist logisch.
es sind meine beruflichen Tätigkeiten in diesen Ländern im technischen Bereich.
Aufgrund meiner Erfahrungen ist hauptsächlich die USA an all den Kriegen schuld. Dies aufgrund ihrer Stellung als Globalmacht bez. ihrer Waffenlobby und als Wirtschaftsmacht. Für die USA gelten keine internationale Gesetze wenn die USA etwas zu ihren Gunsten unternimmt, auch nicht ihre eigenen Gesetze. Weil die USA das wissen, sind sie seit dem Golfkrieg besorgt, andere Länder als Vasallen bei ihren kriegerischen Tätigkeiten mit ins Boot zu holen. Das meiste Blut an den Händen der US-Armee und ihrer Verbündeten stammt vom Krieg in Syrien, der noch lange nicht beendet sein wird. Besonders schlimm ist die unterwürfige Beteiligung der EU, vorab Deutschland. Werde ich das Buch von D. Ganser lesen.
Jedenfalls halte ich die Berichte in RT und Sputnicknews glaubwürdiger als alle Infos unserer US- und EU-hörigen Mainstreammedien.
Robert Mosimann, am 13. Mai 2020 um 19:35 Uhr
Sehr geehrter Herr Gisling. Ich schätze den Infosperber als unentbehrliche Quelle für gute Information. Herr Ganser wird von vielen Seiten angegriffen. Dass auch von Seiten des Infosperbers keine eindeutige Unterstützung kommt finde ich sehr bedenklich. Ihr Recht auf freie Meinungsbildung sei unbenommen. Aber mir scheint auf Infosperber immer wieder der Mut zu fehlen, die Kinder wirklich beim Namen zu nennen. Im Fall der Ukraine hat Viktoria Nuland die damalige Aussenministerin der USA bei einem abgehörten Telefongespräch die Aussage gemacht, dass die USA in den letzten Jahren 5 Milliarden Dollar ausgegeben haben für einen Regime Change in der Ukraine. Naja, 5 Milliarden sind heutzutage ja nicht mehr so viel... Ihre Feststellung dass es sich nicht um eine von den USA angezettelte Verschwörung handelte ist, den Indizien nach, ein Irrtum. Der Aufklärung tun Sie mit dieser Buchkritik einen Bärendienst. Herr Ganser leist als Historiker hervorragende Arbeit. Er weiss selber am besten wie angreifbar er ist. Seine Aussagen sind darum bestens belegt und recherchiert. Es sei an dieser Stelle beklagt wieviele an seriösen Informationen interessierte Leser Herr Ganser durch Ihren - bitte verzeihen Sie den Ausdruck - um zuviel Ausgewogenheit bemühter Artikel verloren hat. Das ist bedauerlich.
Chuen Gerber, am 13. Mai 2020 um 21:20 Uhr
Gansers Veröffentlichungen sollte jeder aufmerksam lesen, ebenso die Charta der Vereinten Nationen, auf deren Grundlage Ganser seine Forschungen stellt: Grundsätze des Völkerrechts wie Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker, Verbot von Gewalt und Eingreifen in innere Angelegenheiten eines anderen Staates. Der „American Dream“ ist nicht erst in Vietnam vor aller Augen zerstört worden, er galt bei Lichte besehen auch nie für die Bevölkerung der USA, die das, was in ihrem Namen überall auf dem Planeten angerichtet wird, zu tragen hat wie auch die miserable Daseinsvorsorge im eigenen Land. Es sollte sich auch jeder fragen, warum die USA bei faschistischer Gewalt eines Landes gegen die eigene Bevölkerung wie in Süd- und Mittelamerika oder in Francos Spanien usw. die Machthaber unterstützt, statt aus Gründen von „Freiheit und democracy“ einzugreifen. Was die USA von Menschenrechten halten, wird mit dem Stichwort „Assange“ auf einen Blick deutlich.
Brigitta Küster-Sartori, am 14. Mai 2020 um 09:37 Uhr
Herr Ganser wird ja von anderen oft als Verschwörungstheoretiker apostrophiert. Hierzu möchte ich folgende Gedanken anfügen: Unliebsame Feststellungen als Verschwörungstheorie abzutun ist ein praktisches Mittel, das in der gestrigen Tagesgespräch-Sendung von SRF zum Thema 'Corona und Verschwörungstheorien' leider keinen Platz fand. Im Nachhinein gibt es manchmal trotzdem die Gelegenheit, den wahren Sachverhalt kennenzulernen. So war es im Vorfeld des 2. Irakkrieges politisch praktisch, die Behauptung der Existenz von Massenvernichtungswaffen als Verschwörungstheorie abzutun - bis Mr. Powell dies öffentlich als Lüge eingestand. Oder Mr. Erdogan deklariert den Genozid an den Armeniern auch heute noch gerne so. Deshalb würde ich mir mehr Ehrlichkeit und Vorsicht erwünschten beim Erteilen des Verdiktes „Verschwörungstheoretiker“.
Peter Früh, am 14. Mai 2020 um 10:51 Uhr
"Und es gab ja, tatsächlich, auch in den acht Jahren Obamas problematische Entscheidungen"
Problematische Entscheidungen? Angriffe gegen Syrien, Lybien, Somalia, Jemen und Pakistan, ohne UNO Mandat. Aber Herrn Ganser vorwerfen, er blende andere Seiten aus? Obama ist ein Kriegstreiber. Da aber der Internationale Strafgerichtshof genau so nachsichtig mit den Amis ist wie Herr Gysling, wird er nicht angeklagt. Meiner Meinung nach ist Herr Ganser um einiges objektiver als die meisten seiner Kritiker.
Marc Fischer, am 14. Mai 2020 um 19:43 Uhr
Gibt es irgendeine Weltmacht, welche - aus welcher Optik auch immer - nicht skrupellos ist? Ich behaupte mal, dass jede Nation, welche mächtig genug ist, ihre Interessen auch mit skrupellosen Mitteln durchsetzt (innerhalb und ausserhalb ihres Hohheitsgebietes und auch nicht nur mit milititärische Mitteln). Die USA ist halt gerade aktuell (noch) die stärkste Weltmacht, aber historisch waren die europäischen Staaten in ihren Kolonien nicht weniger skrupellos, Japan in China und Ostasien schon gar nicht, die Sowjetunion war gegen Finnland und bei der Besetzung Osteuropas (nach der Befreiung gegen Nazideutschland) und der Niederschlagung der Aufstände in Ungarn und Prag auch nicht zimperlich. China als aufstrebende Weltmacht schert sich ebensowenig um Völkerrecht beim Vorgehen gegen die Tibeter und Uiguren und nun im Südchinesischen Meer gegen Vietnam und die Philipinen. Die Türkei und Israel zeichnen sich auch nicht durch einen «speziell freundlichen» Umgang mit Kurden und Palästinensern aus. Und es gäbe noch viele weitere Beispiele. Das Problem mit dem Völkerrecht ist eben, dass es keine Instanz gibt, welche dieses auch durchsetzt, wenn sich die Mächtigen, sprich Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates dagegen sperren. Eine generische Betrachtungsweise war offenbar nicht Daniel Gansers Ziel, aber Weltmächte sind in ihrer «Skrupellosigkeit» sehr austauschbar.
Thomas Oberhänsli, am 17. Mai 2020 um 00:58 Uhr
Sehr geehrter Herr Gysling, es hat mich sehr gefreut von ihnen eine Kritik des neusten Buches von Daniele Ganser zu lesen. Im Gegensatz zu vielen Mainstream-Journalisten sehen sie Herrn Ganser nicht als Verschwörungstheoretiker, sondern als das was er ist, einen Wissenschaftler und Forscher. In seinem neuen Buch beschreibt er die USA basierend auf seinen Studien. Das Bild, welches viele von der USA haben, muss korrigiert werden. Das ist wohl nicht immer einfach. Sie, Herr Gysling, zweifeln Teile der von Daniele Gansers zutage gebrachten Fakten an (Pearl Harbour, Ukraine, Syrien). Das ist legitim. Mich würde aber sehr interessieren, auf welchen Daten ihre teils gegenteilige Position basiert. Daniele Ganser gibt die Fakten und Daten stets an. So kann sich der Leser weiter damit beschäftigen. Wie sieht es da mit ihren Aussagen aus? Wie sind sie zu den kontroversen Einsichten gelangt? Gerade mit der Ukraine habe ich mich eingehend beschäftigt und verschiedenste Texte dazu gelesen. Ich bin mir bewusst, dass die Meinung der grossen Masse nach wie vor dem Narrativ der westlichen Regierungen und den USA folgt. Aber eine Geschichte wird nicht wahrer, nur weil sie immer wieder über viele Kanäle publiziert wird.
Daniel Hurni, am 18. Mai 2020 um 11:37 Uhr
Erich Gysling, ganz der Alte, wie ich ihn immer erlebt habe: interessant, informativ, sachlich, nie manipulativ, nie bösartig, nie einfach nur den Mainstream nachplappernd. Den Fans von Daniele, zu denen ich auch gehöre, die enttäuscht sind, dass Ericht Gysling Daniele Ganser nicht stärker unterstützt habe, möchte ich sagen: Daniele braucht nach meiner Meinung keine applaudierende Unterstützung, Interesse genügt. Erich Gysling hat sein Wohlwollen zu diesem Buch deutlich gezeigt, seine Kritik war nicht herabmindernd, sondern sachlich und interessant. Er findet das Buch «lesenswert» - eine sehr gute Qualifikation. Ein Buch, mit dem man sich auseinandersetzt, über das diskutiert und sachlich gestritten wird, ist ein gutes Buch, das man gelesen haben muss. An der Spitze der Bestsellerliste. Das wird der US-Regierung gar nicht gefallen. Was sie wohl ausheckt? Dr Ganser: reisen Sie bitte nie nach England oder gar in die USA! Aus Sicherheitsgründen. Das Imperium ....
Erwin Kessler, am 22. Mai 2020 um 22:31 Uhr
Wikileaks hat die Botschaftsdepeschen veröffentlicht, die ganz klar zeigen, dass dei USA die Absicht hatten, Syrien zu destabilisieren und einen Regimewechsel herbeizuführen, vor dem arabischen Frühling. Auch die Protest innerhalb Syriens, die unter den politischen Verhältnissen einem Selbstmordkommando gleichkamen, kann man sich nur mit großer politischer und historischer Naivität als «rein aus dem Freiheitswunsch der Bevölkerung» entsprungen vorstellen. Welche Bevölkerung? «Die Syrer» gibt es gar nicht, es gibt dort 30 Ethnien, die sich gegenseitig die Luft zum Atmen neiden und Freiheit heißt hier oft, dass der Chef der einen Gruppierung den anderen dominiert. «Die Zusammensetzung von Syriens Bevölkerung und die Verteilung der einzelnen Religionsgruppen und Ethnien quer über das Land bieten allen verfeindeten Gruppen zahlreiche Gründe, über die Angehörigen der jeweils anderen Religionsgruppe herzufallen.» 2012 konnte man das noch so nüchtern sagen: https://www.sueddeutsche.de/politik/syriens-religionen-und-ethnien-von-einer-mixtur-die-toedlich-sein-kann-1.1412323
Martin Gabel, am 23. Mai 2020 um 22:41 Uhr
Alles begann vor 2000 Jahren

Eine Philosophie kam in die Welt. Dreihundert Jahre später erkennen die Herrscher des Römischen Reiches, dass sich mit der Unterwürfigkeit dieser Philosophie ihr Volk leichter lenken lässt. Deshalb wird sie am 27. März 380 zur Staatsreligion erhoben. Später wird man diese Religion Christentum nennen.
.
Symbolisches Startkapital ihrer Staatsreligion: 1 Euro.

Die Unterwürfigkeit ist auch die Garantie dafür, dass es in Folge niemand wagen wird, dieses in Zukunft ständig wachsende Kapital anzurühren. Und gegen die Ungläubigen wird aufgerüstet. Heute mehr denn je. Die Ungläubigen rüsten ebenfalls auf. Notwehr ist das bei denen.


Und dann geht das Römische Reich unter. Jedoch nur das Reich geht unter, nicht aber das Kapital seiner Religion. Dieses Kapital bleibt erhalten. Später übernimmt dieses Kapital das „Heilige Römische Reich“, dass sich als Nachfolger des Römischen Reiches sieht. Doch auch dieses Reich geht unter. Das Kapital seiner Religion bleibt jedoch weiterhin erhalten. Auch waren Teile sowohl des Römischen Reiches als auch des Heiligen Römischen Reiches bereits vor ihrem Untergang mit ihrer Religion verschmolzen und dessen Kapital ist dadurch ebenfalls in ihrer Religion erhalten geblieben. Und es ist im Laufe der Zeit zum größten Imperium aller Zeiten gewachsen.

Wie groß ist das Kapital des größten Imperiums aller Zeiten heute und wem gehört es überhaupt?
Weiter auf http://www.dumm-gelaufen.at
heinrich badhofer, am 24. Mai 2020 um 14:30 Uhr
@H. Sigrist
Ein Land, wo die Intervention (nicht nur) der USA Frieden, Prosperität, Demokratie und Wohlstand gebracht hat, das gibt es wohl: Deutschland. Wir lassen uns, wenn's denn sein muss, sogar zur Demokratie bewegen.
Ein zweites Land fällt mir allerdings auch nicht ein, evtl. noch Japan?
Paul Sommer, am 24. Mai 2020 um 21:13 Uhr

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