Ein offizielles Bild vom 20. März 2013 aus Russland (rechts) wird politisch missbraucht (links). © Rubikon
2014: Kiew meldet 50 Panzer, mit Bild aus dem Jahr 2009 © Rubikon
Russische Panzer von 2009 jetzt im Jahr 2014 © Rubikon
Ausstellung in Maccagno zum Thema Gesichter der Mona Lisa © SS
Mona Lisa, das Original von Leonardo Da Vinci, heute im Louvre in Paris © Common
Mona Lisa alias Mona Greta, in wenigen Stunden neu erschaffen © Cw

Bilder sagen mehr als tausend Worte – und können richtig lügen

Christian Müller / 20. Feb 2020 - Eine Invasion russischer Truppen in die Ostukraine hat es nie gegeben. Die gezeigten Fotos waren falsch. Fälschen ist ganz einfach.

Der deutsche IT-Spezialist Jens Bernert hat die Fotos in den Medien, die den Einmarsch russischer Panzer in der Ostukraine zu zeigen vorgaben, genau untersucht. Es waren in Wirklichkeit Bilder von anderen Orten und anderen Anlässen, teils bis zu fünf Jahren zurückliegend. Der durch diese falschen Bilder erzeugte Glaube an die Invasion russischer Panzer aber ist bis heute geblieben.

Jens Bernerts sehr informativer Artikel mit etlichen Beispielen von gefälschten Fotos in westlichen Medien ist letzte Woche auf der deutschen Online-Plattform Rubikon erschienen:

    «Die gefälschte Invasion
    Propaganda ließ einen Krieg, der de facto nie stattfand, zur Wirklichkeit werden.
    Russland ist nicht in die Ukraine einmarschiert. Deutsche Medien, Politiker und Aktivisten behaupten jedoch bis heute standhaft das Gegenteil, obwohl es nicht einmal Videos oder Fotos von einfallenden russischen Truppen oder wilden Kriegsszenen zwischen russischen und ukrainischen Verbänden gibt. Die Propagandisten versuchen, die Unwahrheit durch endlose Wiederholungen als Tatsache in den Köpfen zu verankern. Im jetzigen Stadium geht es nicht mehr nur darum, dass die eine oder andere Lüge verbreitet wird — es wird eine komplett veränderte Realität erschaffen. Dies ist brandgefährlich, weil die Manipulationen offensichtlich auf eine Verschärfung der Spannungen zu Russland abzielen.»

Man sehe das Aufmacherbild oben. Durch das Bild von Panzern als Hintergrund der Headline «Russische Panzer dringen in die Ukraine ein» wird dem Leser suggeriert, das Bild bestätige die Meldung. In Wirklichkeit stammt das Bild von einer öffentlichen Demonstration von russischen Rüstungsgütern im Jahr 2013, war also bereits zwei Jahre alt.

Ein weiteres Beispiel:

Auch hier: Eine aktuelle Meldung im Jahr 2014 (im Bild links) wird mit einem Bild von Panzern optisch unterstützt. Das Bild stammt aber aus dem Jahr 2009 und aus Georgien (Bild rechts). Montage: Rubikon

Jens Bernert zitiert zum Tatbestand eine amtliche Quelle aus Frankreich:

    «Am 25. März 2015 wurde General Christophe Gomart, Chef des französischen Militärgeheimdienstes DRM, in der Französischen Nationalversammlung befragt. Als Beispiel für die Notwendigkeit vermehrter französischer Militäraufklärung erwähnte Gomart den Ukraine-Konflikt, bei dem die NATO und die USA von einer russischen Invasion und Besetzung der Ostukraine gesprochen hätten, die aber nie stattgefunden habe. General Gomart sagte vor der Nationalversammlung: ‹Die wirkliche Schwierigkeit mit der NATO besteht darin, dass der amerikanische Geheimdienst dort massgebend ist, während der französische Geheimdienst nur mal mehr und mal weniger beigezogen wird. Daher ist es für uns wichtig, genügend Kommandeure der NATO mit Informationen französischer Herkunft zu versorgen. Die NATO hatte zur Situation in der Ukraine gemeldet, dass die Russen in die Ukraine eingedrungen seien, wogegen nach Informationen des französischen Geheimdienstes nichts vorlag, das diese These hätte stützen können. [ ] In der Folge zeigte sich, dass wir recht hatten.›»***

Und auch hier: Eine aktuelle Meldung im Jahr 2014 (im Bild rechts) wird mit einem alten Bild aus dem Jahr 2009 illustriert (im Bild links), um der Meldung Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Man muss wirklich den ganzen Artikel auf Rubikon lesen, nicht nur weil er den Konflikt in der Ukraine betrifft, über den die westlichen Medien fast grundsätzlich falsch informieren, sondern vor allem auch, weil er zeigt, wie die Medien die öffentliche Meinung zu manipulieren versuchen – und manipulieren können, leider. Nicht zuletzt eben mit Bildern.

Fotos fälschen, heute einfacher denn je

Fotos, bewusst am falschen Ort eingesetzt, das ist das eine. Aber Fotos können im Zeitalter der digitalisierten Bilder auch verändert werden.

Im Civico Museo in Maccagno am Lago Maggiore in Italien werden gegenwärtig etliche – gemalte – Bilder gezeigt, in denen Leonardo da Vincis berühmtes Bild Mona Lisa – in Italien ist das La Gioconda – abgekupfert, aufgefrischt, verklärt, verunstaltet oder auf andere Art modifiziert und verfälscht wurde und wird. «Die vielen geheimen Gesichter der Mona Lisa», so der deutsche Name der Ausstellung:

«Die vielen geheimen Gesichter der Mona Lisa», eine Ausstellung in Maccagno, mit Dutzenden von Bildern. Der Hinweis auf die Ausstellung im Internet (deutsche Version).

Die sich beim Besuch der Ausstellung spontan aufdrängende Frage: Wie könnte die Mona Lisa digital modifiziert werden, als anschauliches Beispiel für eine Fälschung? Wäre das schwierig?

Gedacht getan: Schon wenige Stunden nach Auftragsvergabe an einen Spezialisten war das neue Bild zurück. Mona Lisa – oder eben La Gioconda – hat sich verwandelt, hat sich in eine neue Persönlichkeit hinein begeben, ist zeitgenössisch geworden, eine neue Lichtgestalt: Aus Mona Lisa ist Mona Greta geworden.

So hat Leonardo da Vinci ums Jahr 1500 herum Mona Lisa gemalt …

… und so hat man es im Jahr 2020 in wenigen Stunden «modifizieren» können: Mona Greta

Das Beispiel zeigt: Fotos in den Medien als Wahrheitsbeweis haben weitgehend ausgedient. Selbst Persönlichkeiten können über Nacht verwandelt und ausgetauscht werden. Zumindest der Spruch: «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» gehört in den Schredder. Wo grosse Medien schon jetzt falsche Bilder von Panzern einsetzen, um ihren (falschen) Berichten mehr «Wahrheit» zu verpassen, können Bilder heute auch inhaltlich richtiggehend verfälscht werden. Auch zu politischen Propagandazwecken.

Wir gehen – medial – schwierigen Zeiten entgegen.

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Zum Artikel von Jens Bernert hier anklicken.

* Im Protokoll jener Sitzung der Französischen Nationalversammlung steht französisch: «La vraie difficulté avec l’OTAN, c’est que le renseignement américain y est prépondérant, tandis que le renseignement français y est plus ou moins pris en compte – d’où l’importance pour nous d’alimenter suffisamment les commanders de l’OTAN en renseignements d’origine française. L’OTAN avait annoncé que les Russes allaient envahir l’Ukraine alors que, selon les renseignements de la DRM, rien ne venait étayer cette hypothèse – nous avions en effet constaté que les Russes n’avaient pas déployé de commandement ni de moyens logistiques, notamment d’hôpitaux de campagne, permettant d’envisager une invasion militaire et les unités de deuxième échelon n’avaient effectué aucun mouvement. La suite a montré que nous avions raison.»

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3 Meinungen

Irritierend sind nicht solche Fakes - normaler Alltag der CIA und anderer «Geheim"dienste - nein, es ist deren -naive oder wissend-dass-es-Fakes-sind - Übernahme durch die Medien, besonders der Deutschen. Es scheint Leute zu geben - NATO-Kreise ? - die an einem Aufflammen der Spannungen mit Russland interessiert sind. Nicht dass die Russische Regierung unbefleckt ist - aber der Westen hat Klügeres zu tun als in die Feuerchen zu blasen.
bernhard sartorius, am 20. Februar 2020 um 14:26 Uhr
Christian Müller verheddert sich wieder einmal in der russischen Propanda, wenn er in der Headline negiert, dass russische Soldaten an den Kämpfen in der Ostukraine beteiligt waren. Das ist unterdessen ein offenes Geheimnis. Man kann höchstens noch darüber streiten ab wievielen dutzenden bis hunderten von Panzern eine Intervention als Invasion bezeichnet werden kann. Und die Panzer und Soldaten hatten selbstverständlich die Hoheitszeichen entfernt.

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/bericht-eines-russischen-soldaten-aus-der-ukraine-13463017.html
Thomas Oberhänsli, am 21. Februar 2020 um 14:26 Uhr
Es geht gar nicht darum zu bestreiten, dass Russland in der Ostukraine involviert ist, sondern klarzustellen, dass unsere Medien oft AUCH lügen, bezw wie hier gefälschte Bilder veröffentlichen. Und damit eigentlich oft dasselbe tun wie oft die «bösen» Russen .
bernhard sartorius, am 23. Februar 2020 um 22:32 Uhr

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