Was Thomas Jordan von der SNB nicht gesagt hat

Christoph Pfluger © cc
Christoph Pfluger / 19. Jan 2018 - Der Präsident der SNB eröffnet mit einem Referat in Zürich den Abstimmungskampf zur Vollgeld-Initiative – und umgeht das Thema.

Nationalbankpräsident Thomas Jordan hat am Dienstag dieser Woche mit einem Grundsatzreferat zur Geldschöpfung gewissermassen den Abstimmungskampf zur Vollgeld-Initiative eröffnet. Der Referent redete nicht frei, sondern las einen Vortrag ab, an dem nicht weniger als sechs Autorinnen und Autoren gearbeitet hatten. Ihre Aufgabe wird es gewesen sein, alle heiklen Fragen der Geldschöpfung aus dem Nichts durch die privaten Banken zu umschiffen. Es ist ihnen gelungen.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Zürcher Volkswirtschaftlichen Gesellschaft mussten Besucher abgewiesen werden, so attraktiv war das Thema – «Wie Geld durch die Zentralbank und das Bankensystem geschaffen wird» – oder so kompetent schien der Referent. Aber Thomas Jordan sagte nichts, was eine auch nur oberflächliche Kenntnis der Materie bereichert hätte. Viel entscheidender war, was er nicht sagte. Und darum soll es hier gehen.

Eine SNB-Publikation, die es nicht mehr geben darf

Der Nationalbank ist das Thema der privaten Geldschöpfung offenbar peinlich. 2002 veröffentlichte sie das Büchlein «Die Nationalbank und das liebe Geld», in dem auf Seite 19 dieser einfache und zutreffende Satz zu finden ist: «Die Banken schaffen neues Geld, indem sie Kredite vergeben.» Sie verleihen nicht das Geld der Sparer – wir behalten es nämlich –, sondern schreiben dem Kreditnehmer den gewünschten Betrag ins Konto. Das Büchlein gibt dazu auf Seite 18 sogar ein einigermassen zutreffendes Zahlenbeispiel, in dem allerdings die Mindestreserve mit 20 Prozent viel zu hoch eingerechnet wird. In Tat und Wahrheit beträgt die bloss 2,5 Prozent. Um einen Kredit von einer Million zu vergeben, braucht eine Bank bloss 25’000 Franken gesetzliches Zahlungsmittel. Der aufmerksame Leser merkt: Das Geld der Banken ist nicht gesetzliches Zahlungsmittel, sondern bloss ein Anspruch darauf, der eben durch die Mindestreserve und ein bisschen Eigenkapital von nochmals ein paar Prozent gesichert ist.

Nach zwei Auflagen zog die Nationalbank die verräterische Broschüre aus dem Verkehr, nicht einmal auf ihrer Website ist sie zu finden. Aber sie kann am Ende dieses Artikels als PDF downgeloadet werden!

Zu diesem ungeliebten Thema musste Thomas Jordan nun einen abendfüllenden Vortrag halten. Er beschrieb die private Geldschöpfung aus dem Nichts korrekt und auch wie sie verbucht wird: «Dadurch nehmen auf der Aktivseite der Bankbilanz die Kredite und auf der Passivseite die Kundeneinlagen zu.» Zur Mindestreserve sagte er nur so viel: «[Die Banken müssen] die Vorschriften im Nationalbankgesetz über die Mindestreserven erfüllen, also ausreichend Reserven in Form von Noten oder eben Sichtguthaben bei der SNB halten.» Ausreichend Reserven! Wenn Sie gerne wissen möchten, was «ausreichend» ist, fragen Sie mal bei einer Bank nach einem Kredit. Bei Hypotheken, der sichersten Kreditform, brauchen Sie als Bankkunde 20 Prozent Eigenbeitrag, einen Arbeitsvertrag oder sonst ein regelmässiges Einkommen und einen Schuldschein, welcher der Bank den Zugriff auf Ihre Immobilie ermöglicht, sollten die Bankzinsen nicht rechtzeitig bezahlt werden. Eine Bank dagegen braucht für einen Kredit gerade mal 2,5 Prozent und ein bisschen Eigenkapital! Banken arbeiten mit Spiessen, die im Minimum zehn mal länger sind, als die von Nicht-Banken, also die von uns.

Das jetzige System nützt den «Kreditwürdigen»

Dieser immense Vorteil lädt natürlich zu einer Aufblähung der Kreditvergabe ein, die sich allerdings nicht gleichmässig über die Volkswirtschaft verteilt. Neues Geld bekommen die Kreditwürdigen. Sichtbar wird dies an der Preissteigerung bei den Vermögenswerten, also Immobilien und Wertpapieren, die um Faktoren höher liegt als die Steigerung der Konsumentenpreise, nach der sich die Nationalbank bei ihrer Aufgabe zur Wahrung der Preisstabilität richtet. Wie beeinflusst also die Nationalbank die Geldschöpfung durch die privaten Banken? Dazu Jordan: «Die Nationalbank steuert mit ihrer Geldpolitik bekanntlich einen kurzfristigen Zinssatz und beeinflusst damit das allgemeine Zinsniveau. Eine Straffung der Geldpolitik führt zu einem Zinsanstieg und senkt damit die Kreditnachfrage. Ausserdem führt der Anstieg des Zinsniveaus zu einer Verlangsamung der Konjunktur, was die Kreditnachfrage zusätzlich reduziert. Auch auf das Kreditangebot der Banken wirkt sich ein Anstieg des Zinsniveaus dämpfend aus.» Das ist natürlich nicht falsch, auch wenn man von der Tatsache absieht, dass die Zinsen seit zehn Jahren nur gesunken sind.

Ein Beispiel in Zahlen

Der minimale Einfluss der Zentralbank auf die Geldschöpfung erschliesst sich erst anhand eines Zahlenbeispiels. Nehmen wir mal an, eine Bank verfügt für einen Kredit von einer Million Franken nicht über die erforderliche Mindestreserve von 2,5 Prozent. Dann muss sie sich bei der Nationalbank die 25’000 Franken leihen, Sicherheiten hinterlegen und den Leitzins von 1 Prozent bezahlen, also 250 Franken. Selbst wenn der Leitzins verdoppelt würde, was in der neueren Geldgeschichte einmalig wäre, würden sich die Refinanzierungskosten der Bank bloss auf 500 Franken erhöhen – für einen Kredit, den sie vielleicht für 5 Prozent verleiht und damit also einen Bruttogewinn von 50’000 Franken einstreicht.

Thomas Jordan meint dazu: «Die Geldpolitik der Nationalbank beeinflusst die Kreditentwicklung also sowohl über die Nachfrage der Unternehmen und Haushalte als auch über das Angebot der Banken. Sie begrenzt damit auch die Geldschöpfung des Bankensystems.» Ja, die Nationalbank begrenzt schon ein bisschen. Auch ein Gartenzaun aus Streichhölzern kann als Grenze bezeichnet werden ...

Dann sagte Thomas Jordan auch eindeutigen Unsinn: «Manche [Bankenkritiker] scheinen davon auszugehen, die Banken hätten es in der Hand, sich über die Buchgeldschöpfung Mittel zu beschaffen und sich letzten Endes am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Das ist natürlich Unsinn.» Thomas Jordan, der die damalige UBS-Rettungsaktion als SNB-Direktoriumsmitglied leitete, hätte es besser wissen müssen. 2008 «rettete» sich die Credit Suisse selber, indem sie einem katarischen Konsortium einen Milliardenkredit gewährte, mit dem dieses neue Aktien der Credit Suisse erwarb. Dies war eine «Verzweiflungstat», zwar «rechtens, aber sehr unelegant» sagt Hans Geiger, selber zehn Jahre Generaldirektor der ehemaligen Kreditanstalt und em. Professor am Institut für Bankwesen der Universität Zürich auf Anfrage. Die Eidg. Bankenkommission, Vorläuferin der FINMA, war über den Vorgang informiert, griff aber nicht ein. Die Praxis war gemäss Prof. Richard Werner, Direktor des «Centre for Banking, Finance and Sustainable Development» in der Finanzkrise gängige Praxis. (mehr dazu hier). Der Trick wurde 2012 in der Schweiz verboten. Art. 20. der Eigenmittelverordnung (ERV) vom 1. Juni 2012 schreibt denn auch vor, dass Eigenmittel «vollständig einbezahlt oder betriebsintern generiert sein» müssen. Sie dürfen «nicht durch Kreditgewährung der Bank an Dritte direkt oder indirekt finanziert werden». Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass Thomas Jordan nichts davon wusste.

Die Banken können mit selbstgeschöpftem Geld auch Häuser kaufen

Die Banken können mit selbst geschöpftem Geld sogar Vermögenswerte erwerben. Diesem absonderlichen Unsinn wollte ich (Christoph Pfluger) 2015 auf den Grund gehen. Die Frage «Trifft es tatsächlich zu, dass Banken Anschaffungen mit selbst geschöpftem Geld tätigen können, und, wenn ja, unter welchen Bedingungen?», richtete ich am 7. Mai brieflich an die Schweizerische Nationalbank und an die Deutsche Bundesbank. In ihrer Antwort vom 10. Juni schrieb mir die Nationalbank, [eine Bank müsste sich] «gewissermassen selber einen Kredit geben, wenn sie eine Anschaffung durch Geldschöpfung finanzieren möchte. … Sich selber einen Kredit zu gewähren, also eine Verbindlichkeit gegenüber sich selber zu haben, ist nicht möglich.»

Ganz anders sieht es die Deutsche Bundesbank in ihrer Antwort: «Der Kauf einer Immobilie durch eine Bank ist ein spezieller Fall von ‹Erwerb eines Vermögenswerts›. Im ersten Schritt kann die Bank mit selbstgeschaffenem Buchgeld zahlen, das sie dem Verkäufer als Sichteinlage gutschreibt. Aus Sicht der Bank ist dieses selbstgeschaffene Buchgeld – die Sichteinlage – eine Verbindlichkeit (‹Schulden›). Durch die Transaktion ‹Immobilienerwerb› kommt es deshalb für die Bank zu keinem Netto-Vermögenszuwachs (‹die Bank wird nicht reicher›); denn in ihrer Bilanz wird zwar auf der Aktivseite der erworbene Vermögenswert verbucht, doch stehen diesem auf der Passivseite Verbindlichkeiten in gleicher Höhe gegenüber.»

Als ich die Schweizer Nationalbank mit der Einschätzung der Deutschen Bundesbank konfrontierte, änderte sie ihre Interpretation. Sie sei bei den «Anschaffungen» von «Verbrauchsmaterial oder einem Betriebsfest» ausgegangen und nicht von einer Immobilie, die «werthaltig und aktivierbar» sei. Es ist vielleicht unsinnig, dass sich die Banken «über die Buchgeldschöpfung Mittel beschaffen», aber es ist die Realität. (Mehr dazu im Buch von Christoph Pfluger: «Das nächste Geld», 2015, S. 43 ff)

His Masters Voice

Jordans Vorwurf, die Bankenkritiker und die Initianten der Vollgeld-Initiative verbreiteten «Unsinn», wurde umgehend von Martin Hess, dem Leiter Wirtschaftspolitik der Bankiervereinigung, aufgenommen und mit der Behauptung verstärkt, die Banken könnten kein Geld aus dem Nichts herstellen, dies könne nur die Zentralbank.

Bleiben wir noch einen Moment beim Unsinn. In seinem Vortrag behauptete Thomas Jordan, «der Vollgeld-Vorschlag mit seiner Fokussierung auf die Zahlungsverkehrskonten bringt damit keine Lösung der ‹Too-bi-to-fail›-Problematik.» Das ist wiederum ein klein bisschen richtig. Das Vollgeld-System, in dem alles Geld von der Nationalbank geschöpft wird und das Geld auf unseren Bankkonten nicht einen Kredit an die Bank darstellt, löst das Problem der überschuldeten Grossbanken erst auf lange Sicht. Aber es gibt den Inhabern von Bankgeld sofort die Möglichkeit, ihr Guthaben in Zentralbankgeld zu verwandeln, das vor Bankpleiten sicher ist. Dann können Banken endlich pleite gehen, ohne die ganze Volkswirtschaft in den Abgrund zu reissen. Das ist zwar nicht die ganze Lösung des too-big-to-fail-Problems, aber der entscheidende Punkt für die grosse Mehrheit der Bankkunden.

Risiken gibt es immer

Natürlich birgt die Vollgeld-Initiative auch reale Risiken. Wir wissen nicht, wie das internationale Finanzestablishment auf ein Land reagiert, welches das Geldschöpfungsprivileg der privaten Banken aufhebt. Es ist auch anzunehmen, dass die Zinsen tendenziell steigen werden. Dazu ist aber anzumerken, dass die tiefen Zinsen von heute vor allem den «Kreditwürdigen» nützen, die sich auf Pump Vermögenswerte kaufen, von den Preissteigerungen dieser Vermögenswerte profitieren und dadurch ein leistungsloses Einkommen realisieren können.

Die Frage, die sich uns mit der Vollgeld-Initiative stellt, lautet im Grunde: Wollen wir die Privilegierung der Banken durch private Geldschöpfung und die dadurch entstehende systemische Umverteilung des Geldes durch leistungslose Einkommen fortführen, oder wollen wir die Banken dazu bringen, das zu tun, was sie schon immer fälschlicherweise von sich selbst behaupteten: das Geld der Sparer einzusammeln und damit sinnvolle Kredite zu vergeben? Dies ist nicht für die kleinen, seriösen Banken eine Existenzfrage, sondern für den aufgeblasenen Finanzsektor. Weil die Argumente offenbar fehlen, wehrt Thomas Jordan sich jetzt mit dem Wort «Unsinn». Diese Verteidigung der System-Bewahrer mag für die in diesem Sommer oder Herbst anstehende Vollgeld-Initiative noch funktionieren und greifen. Aber auf Dauer mit Sicherheit nicht. Gerechtigkeit ist, meine ich, auf die Länge stärker als Unsinn.

– – – – –

Dieser Beitrag ist zuerst auf der Website von Christoph Pfluger erschienen.

Das Grundsatzreferat von Thomas Jordan kann unten eingesehen und als PDF downgeloadet werden.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

Die SNB und das liebe Geld
Das Referat von Thomas Jordan als PDF

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14 Meinungen

Das erste und wichtigste Opfer der Annahme der Vollgeld-Initiative wäre die Postfinance, obschon sie wegen des Verbotes, Kredite zu vergeben, gar kein Geld schaffen kann. Aber sie finanziert sich zum grössten Teil mit Sichtgeldern, die sie im Vollgeld-System der Nationalbank abgeben müsste. Sie verdient heute auf diesen Geldern rund ein Prozent. Ohne diese Zinsmarge kann sie nicht überleben. Mit dem Verschwinden der Postfinance würde der wichtigste Anbieter von Zahlungsverkehrsdienstleistungen der Schweiz verschwinden. Das wäre mit enormen wirtschaftlichen Kosten verbunden. Vielleicht sagt dieses einfache Beispiel mehr über die ökonomische Sinnhaftigkeit der Initiative als alle theoretischen Erwägungen zum Mechanismus der Geldschöpfung.
Hans Geiger, am 19. Januar 2018 um 12:42 Uhr
Danke, Christoph Pfluger, für diese ausgezeichnete Darstellung der Zusammenhänge und den trefflichen Kommentar zum Referat von Thomas Jordan. Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Vollgeld-Initiative möchte ich nur eine kleine Präzisierung zum zweiten Absatz unter dem Zwischentitel «His Masters Voice» hinzufügen. Dort steht: «Das Vollgeld-System (...) gibt den Inhabern von Bankgeld sofort die Möglichkeit, ihr Guthaben in Zentralbankgeld zu verwandeln». Genau genommen findet diese Verwandlung auf unseren CHF-Zahlungskonten (Girokonto, Privatkonto, Kontokorrent) automatisch am Stichtag der Umstellung statt. Von einer Wahlmöglichkeit ist insofern zu sprechen, als die Bankkunden nach der Umstellung selbst entscheiden können, welchen Teil ihres Geldvermögens sie als sicheres elektronisches Bargeld auf ihrem Zahlungskonto halten und welchen Teil sie auf Sparkonten (mit Kündigungsfristen) anlegen möchten. Sparkonten enthalten im Vollgeld-System Darlehen an die Bank. Sie bleiben dem Konkursrisiko der Bank unterstellt, dafür aber verzinst. Der Anleger kann jetzt aber, ähnlich wie beispielsweise mit Aktien, die Aufteilung seines Vermögens an seine Risikofähigkeit und -bereitschaft anpassen, während er sich bisher mit seinen gesamten Kontoguthaben in der Geiselhaft für das Geschäftsgebaren «seiner» Bank befand. Daraus befreit zu werden ist, da gebe ich Christoph Pfluger voll Recht, «der entscheidende Punkt für die grosse Mehrheit der Bankkunden».
Peter Ulrich, am 19. Januar 2018 um 12:46 Uhr
Aus der Sicht der Bürgerinnen und Bürger einfach zusammengefasst:
Die Privatbanken haben eine extrem dominante Stellung in unserer Gesellschaft.
Sie selber haben (zumeist private oder halbprivate) Zentralbanken ins Leben gerufen mit der Hauptaufgabe, im Krisenfall die Privatbanken zu retten.
Deshalb sagt Jens Weidmann, dass man dem Volk leider kein sicheres Geld
(= Vollgeld) geben kann, weil dies die Finanzstabilität gefährde.
Die Sparer stehen mit ihren Bankeinlagen innerhalb der Bankbilanz persönlich und jederzeit bereit, die Banken in Schwierigkeiten zu retten.
Und sollte das auch nicht funktionieren, dann rettet das Volk die systemrelevanten Banken mithilfe der Staatsgarantie (Too-big-to-fail) noch einmal.

Die Vollgeld-Initiative ändert nur einen Pfeiler dieser dreifachen Absicherung der Privatbanken. Aber bereits diese Änderung will das Bankensystem nicht hinnehmen.
Die Herren des Geldes kämpfen mit Desinformation für ihre Privilegien.
Sie wollen daran festhalten, das Volk in einer dreifachen Sippenhaft für die eigenen Interessen gefangen zu halten. Eine Frechheit.
Darum: Vollgeld JA!
Es ist krisensicheres Volksgeld.

In einem zweiten Schritt muss die SNB wieder primär der Realwirtschaft und den Bürgern der Schweiz und der Geldwertstabilität verpflichtet werden und erst sekundär den Privatbanken.
Paul Steinmann, am 19. Januar 2018 um 12:49 Uhr
Wie kann ich als Laie punkto Finanzwesen aus der Bilanz und Erfolgsrechnung meiner lokalen Raiffeisenbank herleiten, ob diese Bank bei ihrer Kreditvergabe fiktives Geld schafft oder das Geld aus den Sparkonten ihrer Kundschaft plaziert? So könnte ich erfahren, ob meine lokale Bank bei einer allfälligen Finanzkrise gefährdet ist oder nicht. In Ihrem Artikel schreiben Sie, dass die seriösen Banken nicht gefährdet sind. Ich möchte also erfahren, ob meine Bank zu dieser Kategorie gehört. Im Voraus besten Dank.
Jean-Marc Suter, am 19. Januar 2018 um 21:08 Uhr
Danke für den aufschlussreichen Artikel zur Vollgeld-Initiative und auch die Beiträge der Kommentatoren. Über dieses - für Nicht-Experten - komplexe Thema wird in der kommenden Zeit noch viel geschrieben werden. Je besser die Kenntnisse darüber werden, desto treffsicherer wird die Entscheidung zum Thema werden.

Grundsätzlich geht aus dem Artikel u.a. auch hervor, dass eine Nationalbank die Öffentlichkeit offensichtlich nicht mit der notwendigen umfassenden Information versorgt, was doch recht bedenklich ist. Als Bürger muss man sich mit solchem Gebaren verschaukelt vorkommen. Eine Führungsriege, die sich derart manipulativ gegenüber der Öffentlichkeit verhält, ist in meinen Augen nicht vertrauenswürdig. Bleibt zu hoffen, dass bzgl. des Themas gut unterrichtete Experten Pro und Kontra sachbezogen und aufrichtig darlegen. Immerhin geht es bei diesem Thema um nichts weniger als die materielle Existenz der Schweiz.
Elisabeth Krail, am 19. Januar 2018 um 23:12 Uhr
In dem Artikel fehlt noch einiges:

Z.B Einfluss der Grösse einer Bank auf das Buchgeld, ( gesetzliches Zahlungsmittel), welches für den bankübergreifenden Zahlungsverkehr benötigt wird und sich auf dem Privatbank - Konto bei der Nationalbank befindet.

Bei einer Grossbank ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass Kreditnehmer (z.B Autokäufer) und Kreditgeldempfänger (Garage) ihre Konten bei der gleichen Bank haben und somit eine reine Umbuchung ohne ein gesetzliches Zahlungsmittel stattfinden kann.

Auch die Beantwortung der Frage, woher der Staat denn überhaupt sein Geld (Kredite) bezieht und bei wem er in seiner eigenen Währung überhaupt verschuldet ist und wohin somit die Zinsen fliessen lässt der Artikel offen. Der Staat bekommt sein Geld nämlich nicht erstinstanzlich vom Steuerzahler, wie geglaubt wird.

Interessant dazu wäre noch ein anderes Buch, nämlich das von Warren Mosler „Die sieben unschuldigen, aber tödlichen Betrügereien der Wirtschaftspolitik“

Englische Version kostenlos:
https://moslereconomics.com/wp-content/powerpoints/7DIF.pdf
Edgar Huber, am 20. Januar 2018 um 00:14 Uhr
@ Hans Geiger
Die Postfinance wäre nicht erstes Opfer eines Vollgeld-Systems, sondern höchstwahrscheinlich ihr erster Gewinner, da sie bereits jetzt zu einem gewissen Teil nach diesem System arbeitet. Die privaten Banken werden dagegen Überzeugungsarbeit leisten müssen, damit die Kunden ihre bisherigen Konten nicht als Vollgeldkontenführen, sondern in verzinsliche Sparguthaben (i.e. Kredite an die Bank) umwandeln. Zudem darf man einen systematisch notwendigen Schritt nicht vom Wohl und Wehe eines einzigen Unternehmens abhängig machen, selbst wenn es in Staatsbesitz ist. Wir steigern auch nicht die Rüstungsindustrie zum Wohle der einheimischen Waffenindustrie. Also dürfen wir auch nicht finanzielle Massenvernichtungswaffen fördern, nur weil ein paar Unternehmen davon profitieren.
Christoph Pfluger, am 20. Januar 2018 um 13:35 Uhr
T. Jordan verschweigt in seinem Referat vom 16.1.2018 leider den Bezug zur aktuellen Realität mit seiner exorbitanten Überschuldung, der grossen Inflation in Assets wie Aktien, Immobilien, Anleihen - Blasenbildungen überall - und die Entwertung aller globalen Fiat-Währungen.
Der Bitcoin-Höhenflug muss als Vertrauensverlust ins aktuelle Finanzsystem gedeutet werden.
In seiner Rede zu Vollgeld ist für mich deshalb vor allem wichtig, was T. Jordan NICHT gesagt hat.
Als SNB-Präsident den Bezug zu den aktuellen Gefahren im Finanzsystem zu verschweigen, zeugt von bewusster Nicht-Information der Schweizer Bürger und ist mit einer zu Recht geforderten Transparenz in einer «Demokratie» nicht vereinbar.
Er ist aus genannten Gründen für mich nicht unabhängig und nicht vertrauenswürdig.
Falls wir/das Volk von der Elite kein sicheres Geld (=Vollgeld) bekommen, dann müssen wir es uns an der Urne erkämpfen.
Vollgeld JA!
Paul Steinmann, am 20. Januar 2018 um 14:55 Uhr
@Jean-Marc Suter (19.01.18)

Ich kann Ihnen mit Sicherheit sagen, dass Ihre Raiffeisenbank bei der Kreditvergabe immer Geld erzeugt. Das ist rein aufgrund der Buchhaltungspflicht notwendig. Sie kann auch keine Spargelder weitergeben (es sei denn Ihre Bank würde hauptsächlich mir Bargeld arbeiten).

Eine andere Frage ist, wie viel Kredite Ihre Bank im Verhältnis zu den Spareinlagen ihrer Kunden vergibt. Da kann ich Ihnen konkret nicht helfen. I. A. sind die Kredite von Raiffeisenbanken zu einem vergleichsweise hohen Anteil durch Spareinlagen «gedeckt». Insgesamt dürften die kleineren Banken eher stärker von Vollgeld profitieren und eher weniger darunter «leiden». Relativ werden die kleinen Banken als durch Vollgeld gewinnen. Absolut gesehen kann ich Ihnen das nicht sagen. Siehe dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=ZldUCXmG044 (32 min)
https://www.vollgeld-initiative.ch/vorteile-fuer-banken/

Auch in einem Vollgeldsystem wäre Ihre Bank nicht vor den Auswirkungen einer Finanzkrise sicher! Durch die Entflechtung des Bankensektors kann aber eine seriöse Regionalbank ihr Risiko stark reduzieren. Heute hingegen sind die meisten Banken (gegenseitig) stark bei anderen Banken verschuldet, um den Zahlungsverkehr abwickeln zu können. Mit Vollgeld würde diese Notwendigkeit wegfallen, was das System sicherer machen würde.
Michael Schwyzer, am 22. Januar 2018 um 16:11 Uhr
@Jean-Marc Suter
Die Raiffeisenbanken dürfen im Gegensatz zu anderen Banken, gemäss Statuten kein Geld für Eigengeschäfte schöpfen. Somit ist die Organisation nicht in eine Finanzkrise verwickelt. Das Ansinnen von P. Vincenz wurde von den Delegierten seinerzeit abgeschmettert. Er hat den Weg mit Hilfe des VR über die Filiale Sankt Gallen, nicht im Haftungsverbund, gefunden.
Die Banken brauchen kein Geld der Kunden, sie schöpfen es ja aus dem Nichts. Logisches Denken? Ein bankübergreifende Auswirkung eines Kredites, muss mit entsprechendem Bankgiroguthaben (Liquidität geschöpft von der ZB mit den Grossbanken)erfolgen. Es sind auch Interbankkreditgeschäfte oder eben Kunden Akquisition zum Ausgleich möglich. Das geschöpfte Geld der GB wird mit dem von der ZB geschöpfte Volumen, auf den Konten (Zahlen) bei der SNB, hin und her geschoben. Allenfalls könnte auch ein Kredit der SNB an die GB helfen. Dieser Kredit wird mit Eigengeschäften aus dem Nichts abgedeckt. Es ist alles nur ein Spiel!
Sinnvoll wäre Konzentration der Geldschöpfung auf die ZB als einzige Bank, wobei die Form der AG und Eigengeschäfte verboten gehören. Alle anderen Personen sind Nichtbanken und Kunden der SNB! Das Vollgeld redet von Kundeneinlagen, welche es wie beschrieben, nicht gibt. Das Interbankkredit- und Eigengeschäfte werden nicht verboten. Ein weiterer Klüngel!
Paolo Ermotti, am 22. Januar 2018 um 18:50 Uhr
Interessant zum Thema wäre auch das Video im folgenden Link:

Bernard Lietaer : Wie funktioniert Geld ?

https://youtu.be/lcVTdSrLLAk
Edgar Huber, am 23. Januar 2018 um 20:24 Uhr
@Michael Schwyzer

1. Natürlich kann wie alle Banken, auch die RB, wie ich bereits geschildert habe, Ihr Guthaben auf eine andere Bank transferieren. Dafür wird das Bankgirokonto, Liquidität (Schneeballeffekt) geschöpft zwischen ZB und GB verwendet!

2. Die Kredite sind nicht mit Spareinlagen gedeckt, sie wurden wie alle Guthaben, auch aus Krediten und Eigengeschäften geschöpft. Gedeckt sind die Kredite mit den dem Kredit zugrunde liegenden Aktiven (Immobilien etc.). Systemisch zirkuliert das Geld im Bankensystem, wo den sonst? Das Geld ist also immer in irgend einer Bankbuchhaltung verbucht!

3. “ Insgesamt dürften die kleineren Banken eher stärker von Vollgeld profitieren und eher weniger darunter «leiden». “

Beim Vollgeld ändert sich diesbezüglich gar nichts. Sie bleiben abhängig von Anlagekontoguthaben oder Darlehensgewährung der SNB! Das Vollgeld ist eine weitere Spielform, welche zwar das Geld in der Höhe der Geldkonto sichert, jedoch niemals Krisen verhindert! Die Geldschöpfung ist nicht das Problem, sondern deren einseitige Verteilung.
Hier würde die Reform, wie ich sie beschrieben habe, der Geldschöpfung, konzentriert auf die Zentralbank als einzige Bank, die Systeme krisenresistent machen. Die SNB kann systemimmanent nicht Pleite gehen!

M.E. wäre es ratsam, wenn die Vollgeldinitianten, Regierende und Bevölkerung, zuerst das bestehende System, zusammen mit den Ökonomen, versuchen zu verstehen?
Paolo Ermotti, am 23. Januar 2018 um 20:38 Uhr
Wie gewohnt hervorragender und allgemeinverständlicher Artikel von Christoph Pfluger.

Das Attribut Unsinn, welches Jordan verwendet, finde ich weit weniger heftig als Aussagen von ehemaligen AvenirSuisse-Autoren, die die Vollgeld-Befürworter als sektiererische Gruppe bezeichnen. Wenn hier irgendjemand sektiererisch Auftritt, dann wohl eher der Private-Geldschöpfungsprivileg-schützende-Apparat mit Exponenten der Bankiervereinigung – in gewohnter Manier Desinformation säend.

Ich glaube fast, wenn die CS-Story – mit ihren saudischen Rettern in schimmernder Wehr – in der Schweizer Medienlandschaft mehr Publizität erhalten hätte, respektive bis Abstimmungstermin noch erhalten würde, verschöbe sich dessen Resultat noch mehr zugunsten der Initiative.
Raphael P. Bünter, am 01. Februar 2018 um 20:01 Uhr
@Raphael P. Bünter
Die Eigenmittel der Banken sind immer Kundenkreditschulden. Umbuchung Kundenguthaben an Eigenkapital. Dieses Vorgehen ändert auch beim Vollgeld gar nichts. Im Gegenteil, das Vollgeld flunkert nach wie vor Kundeneinlagen als Grundlage für Kreditvergaben vor. Dieser Irrtum wird auch von der Fakultät Ökonomie gelehrt. Geld resp. Guthaben entsteht aus Kreditauszahlungen und Eigengeschäften der Banken. Das Umgekehrte ist also gar nicht möglich!. Einzig die Konzentration der Geldschöpfung auf die ZB als einzige Bank , alle anderen Personen sind Nichtbanken und Kunden der SNB, würde das System sichern. Die Form der Aktiengesellschaft ist dabei völlig überflüssig (Geldschöpfer)!"
Paolo Ermotti, am 06. Februar 2018 um 20:33 Uhr

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