Bargeld darf nicht verschwinden!

Christian Müller © aw
Christian Müller / 20. Aug 2017 - Die Banken mögen das Bargeld überhaupt nicht. Aber das Bargeld muss unbedingt erhalten bleiben.

Vor nichts haben die Banken so Angst wie vor einem Vertrauensverlust. Denn wer seiner Bank nicht mehr so richtig traut und am Schalter das dort auf seinem Konto liegende Geld abheben will, gefährdet diese seine Bank – zumindest dann, wenn das, in Folge einer Vertrauenskrise, Hunderte oder gar Tausende tun. Der Vorrat an Bargeld ist bei den Banken extrem limitiert. Der Zusammenbruch einer Bank aber infolge zu vieler Abhebungen könnte der Anfang einer neuen Finanzkrise sein, so wie es am 15. September 2008 mit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers geschehen war. Kein Wunder also, dass zum Beispiel in Italien, aber auch in anderen Staaten, seither immer wieder grosse Banken vom Staat gerettet wurden und weiterhin gerettet werden – zur Vermeidung eines Bankensturms ihrer Kunden und der darauf folgenden Zahlungsunfähigkeit der Bank.

Gäbe es kein Bargeld mehr, müssten die Banken auch keine Angst mehr haben, dass zu viele Kunden gleichzeitig ihre Guthaben abheben wollen – in Bargeld eben. Deshalb wird die Forderung aus der Bankenwelt immer lauter, das Bargeld ganz abzuschaffen – mit einem unehrlichen Argument allerdings: Damit könne die Kriminalität eingeschränkt werden, denn die Mafia & Co operierten, so sagen sie, nur mit Bargeld. Als ob es keine Kriminalität im Cyber-Bereich gäbe!

Neue Werbung für das Bezahlen mit dem Smartphone

Voraussetzung für die Abschaffung des Bargeldes ist natürlich, dass es andere Zahlungsmöglichkeiten gibt, wie etwa die mit der Kreditkarte oder mit der Debitkarte der eigenen Bank, bei der der ausgegebene Betrag direkt dem eigenen Konto belastet wird. Immer öfter wird jetzt aber auch für Bezahlung mit dem Smartphone geworben. Jetzt zum Beispiel tut das die Aargauische Kantonalbank im Kopf von NZZonline.

Man tut gut daran, sich zuerst über Vor- und Nachteile des Zahlens mit dem Mobile zu informieren. Das tut zum Beispiel absolut bankenunabhängig die Sendung «Espresso» auf SRF1. Erwähnt sei speziell die Sendung «Hat TWINT eine Zukunft – oder steht der Totengräber schon bereit?».

Im Internet findet man aber ganz leicht viele SRF-Sendungen zum Thema Geld, schön zusammengestellt hier.

Es gibt gute Gründe, weiterhin Bargeld zu brauchen:

  • Wer statt mit Bargeld mit einer Kundenkarte bezahlt, erlaubt Coop, Migros oder wem auch immer, ein persönliches «Profil» zusammenzustellen. Die Geschäfte wissen dann für ewige Zeiten, was Sie wann gekauft haben – und in Zukunft können Sie persönlich beworben werden. Auch von individualisierten Preisen ist bereits die Rede. Muss das sein?

  • Auch wer mit der Kreditkarte zahlt, liefert der Firma jede Menge Auskunft über Ihre Person und Ihr Konsumverhalten. Muss das sein?

  • Wer mit dem Smartphone zahlt, macht sich abhängig zusätzlich vom Funktionieren des eBankings, was, wie man weiss, durchaus auch einmal für viele Stunden ausfallen kann. In Zukunft vielleicht auch für Tage oder Wochen. Auch die Hacker machen bekanntlich Fortschritte! Muss das sein?

  • Wer mit Karte oder Smartphone bezahlt und zusätzlich die automatische Kasse benutzt, hilft mit, die Kassenfrauen abzuschaffen. Die Automatisierung der Kassen wird zum Beispiel allein in den USA mehrere Millionen Teilzeit-Arbeitsplätze kosten – für viele Familien, in denen die Frau auf einen Zusatzverdienst angewiesen ist, eine Katastrophe! Muss das sein?

    Das Zahlen mit Bargeld dagegen gewährleistet absolute Diskretion darüber, was und wo Sie etwas gekauft haben. Es hilft, die Teilzeit-Arbeitsplätze der Kassenfrauen zu erhalten. Und vor allem ist es ein Beitrag daran, die Abschaffung des Bargeldes zu verhindern. Und das in Ihrem eigenen Interesse: Sie sollen auch in Zukunft das «Geld» auf Ihrem Konto auf der Bank abheben dürfen – in Form von Bargeld. Zu Ihrer eigenen Sicherheit! Ein Fünfliber in Ihrer Hand ist immer noch deutlich sicherer als 5 Franken, die nur im Computer Ihrer Bank existieren.

  • Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

    Keine

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    Zum Infosperber-Dossier "Wie sicher ist unser Geld?"

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    7 Meinungen

    Lieber Christian Müller, konsequenterweise müssten Sie dann aber auch den Hinweis auf die Bezahlmöglichkeit über die Kreditkarte im Infosperber-Spendenaufruf löschen. Wenn Sie für Bargeld weibeln, so müssten Sie dies konsequenterweise auch mit der Infosperber-Sammelaktion durchziehen. Also nur noch Funfliber oder Papiernötli (die ja faktisch auch keinen echten Wert besitzen) entgegennehmen. Markus Köchli

    @Markus Köchli: Habe ich gesagt, dass man alle Kredit- und Debit-Karten abschaffen soll? Es gibt durchaus Bereiche, wo eine Zahlung über eine Kreditkarte sinnvoll sein kann oder gar unumgänglich ist. Ich selber bin zum Beispiel oft unterwegs und muss dann oft bei der Hotelreservation meine Kreditkarte nennen. Ich rufe in meinem Sperberauge nur dazu auf, das Bargeld nicht gänzlich abzuschaffen. Das wäre nur zum Vorteil der Banken, nicht aber zum Vorteil von uns Otto-Normalverbrauchern. – Falls Sie konsequenter sind als ich: Sie dürfen Infosperber gerne ein Couvert schicken mit einem 20er-Nötli drin ... :-))
    Christian Müller
    Markus Köchli, am 21. August 2017 um 16:46 Uhr
    Guten Tag, informativer Artikel, den ich gleich weiter empfehle werde. Besten Dank für die klaren Worte. Halte es mit dem alten Spruch: nur Bares ist Wahres. Bin aber, wenn ich mich so umsehe, ein Auslaufmodell. In diesem Sinne wird wohl die Vollgeld-Initiative kaum den Hauch einer Chance haben?
    Guido Besmer, am 22. August 2017 um 06:11 Uhr
    Vertrauen in Banken ist mit Beibehaltung von Bargeld nicht zu gewährleisten. Soeben habe ich 1000 SFR von meiner Bank an PostFinance überweisen lassen und dann von dieser 1000 Euro an mein Eurokonto einer französische Bank. Von dieser 1000 Euro an ein Eurokonto in Deutschland. Alles in 5 Minuten per Mausklick erledigt. Wie wollen Sie das mit Bargeld bewerkstelligen?
    @Guido Besmer: die Vollgeld-Initiative ist für deren Vollzug nicht auf Bargeld angewiesen.

    @Walter Schenk: Die gleiche Antwort wie an Markus Köchli: Habe ich gesagt, dass man alle Kredit- und Debit-Karten abschaffen soll? Nein! Es gibt durchaus Bereiche, wo eine Zahlung über eine Kreditkarte oder mit eBanking sinnvoll sein kann oder gar unumgänglich ist. Ich selber bin zum Beispiel oft unterwegs und muss dann oft bei der Hotelreservation meine Kreditkarte nennen. Ich rufe in meinem Sperberauge nur dazu auf, das Bargeld nicht gänzlich abzuschaffen. Das wäre nur zum Vorteil der Banken, nicht aber zum Vorteil von uns Otto-Normalverbrauchern. Es geht nicht darum, das eBanking und/oder die Kreditkarten abzuschaffen. Es geht darum, das Bargeld NICHT abzuschaffen. Daneben dürfen die elektronischen Zahlungsmethoden ruhig bestehen bleiben!
    mfG, Christian Müller
    Walter Schenk, am 22. August 2017 um 13:03 Uhr
    Guten Abend Herr Schenk,

    ich denke schon, dass die Abschaffung des Bargeldes auch etwas mit dem Vollgeld zu tun. Ohne Bargeld ist die wundersame Geldschöpfung durch die Privatbanken noch einfacher zu bewerkstelligen, da gar keine reale Liquidität mehr nötig ist. Als Kunde kriegen sie dann beim bankrott der Bank eine virtuelle Gutschrift mit der sie dann für den täglichen Bedarf virtuelle Güter kaufen können (siehe Griechenland oder Zypern).
    Guido Besmer, am 22. August 2017 um 17:31 Uhr
    Ich meine, das grösste Problem wird hier in Bezug auf Bargeld nicht angesprochen, nämlich Systemausfälle beim elektronischen Zahlungsverkehr. Wo man dann im Geschäft anstehen kann, bis die Milch sauer wird, weil nichts mehr geht.

    In Bezug auf Geld sollte man sich noch ein paar andere Fragen stellen:
    1. Der Staat, wie ist es möglich, dass dieser Schulden in eigener Währung hat und bei wem überhaupt?
    2. Warum dürfen Banken mit dem Geld welches sie selbst mit einem Buchungssatz schöpfen eine AG sein und damit am Kapitalmarkt teilnehmen?
    Dies ist vergleichbar mit einem Casino, welches mit den eigenen Chips, die es nichts kostet, selber am Roulette teilnimmt.
    3. Braucht der Normalbürger mit wenig Vermögen Vollgeld? Geld ist nur ein Tauschersatzmittel. Für die Arbeit die man leistet oder die Güter welche man verkauft bekommt man einen bestimmten Betrag Geld. Dies ist die eine Seite. Für dieses Geld ist man berechtigt, eine gleichwertige Dienstleistung oder Ware zu konsumieren, dies ist die andere Seite. Geld ist ein Wert Überträger, es kann aus allem möglichen bestehen, Zahlen im Computer, bedrucktes Papier, Münzen, Gold, Silber usw. es muss einfach ein gesetzliches Zahlungsmittel und möglichst fälschungssicher sein, es kann aber muss nicht einen Eigenwert wie z.B Gold besitzen. Wobei jeder Eigenwert relativ ist.
    4. Warum muss der Schweizer Bürger nun auf seine eigene Währung Negativzinsen tragen, müsste der Negativzins nicht eher beim Umtausch von Fremdwährungen in SFr erfolgen?
    Edgar Huber, am 22. August 2017 um 23:08 Uhr
    Die Banken sind vom Staat vorgeschoben, den der Staat will den gläsernen Bürger. Es ist eine Frage der Zeit, bis auch in der Schweiz für die Bezahlung einer Rechnung bei der Post eine Strafgebühr erhoben wird.
    Peter Herzog, am 23. August 2017 um 08:20 Uhr
    Guten Tag Herr Herzog, die Post hat bereits Strafgebühren eingeführt. Wenn Sie mit einem Einzahlungsschein einzahlen, wird kassiert. So auch viele Banken, wenn Sie Ihr Geld bar - ohne den Automaten- abheben wollen. Grundsätzlich: heute machen Sie als Kunde bei vielen Betrieben einen erheblichen Teil der angebotenen «Dienstleistung» gleich selbst (Flughafen, SBB, Bank, Post, COOP, Migros…….).
    Guido Besmer, am 24. August 2017 um 06:24 Uhr

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