Günther Moewes: «Dank Grundeinkommen kein Arbeitszwang» © nomen

Günther Moewes: «Dank Grundeinkommen kein Arbeitszwang»

Der Arbeitszwang nutzt nur den Milliardären

Günther Moewes / 19. Okt 2020 - Es braucht einen Jahrtausend-Schritt: Weg von einer beschäftigungs- zu einer bedarfsorientierten Wirtschaft.

Ruiniert Arbeit die Welt? Die Frage klingt zynisch für jemanden, der gerade seine Arbeit verloren hat oder in Kurzarbeit ist. Man kann verstehen, dass er lieber weiter schädliche Kohle abbauen, Gülle ausbringen, vermeidbaren Überseehandel betreiben oder Waffen herstellen möchte. Genau das ist der Trick: Die Existenz von Einzelnen zwangsweise auch an solche Arbeit zu koppeln, die dem Gesamtwohlstand, dem Planeten und der Zukunft eher schadet, den privaten Profit weniger Milliardäre aber erhöht.

Immer mehr menschliche Arbeit ist seit Beginn der Industrialisierung von Maschinen, Robotern und Computern übernommen worden. Deren ungleich höhere Produktivität hat Sozialprodukt und Wohlstand ständig erhöht. Immer mehr Menschen hätten frei werden können für neue sinnvolle soziale Tätigkeiten oder die Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Geld genug dafür wurde und wird ja von den Maschinen verdient.

Fassungslos werden sich spätere Generationen fragen, warum wir diesen Weg nicht gegangen sind. Sondern stattdessen die von den Maschinen verdienten Milliarden einfach widerstandslos wenigen ungewählten Milliardären überlassen haben. Die haben es dann mit Hilfe ihrer «Finanzmärkte» noch weiter multipliziert und sich nach und nach Aufgaben angeeignet, über die eigentlich gewählte Vertreter hätten entscheiden sollen. Vom privaten Medienkauf bis zur privaten Mondfahrt.

Immerhin zeigen die gigantischen Rettungspakete in der Corona-Krise, dass trotz der Milliardenvermögen der Superreichen offenbar noch weitere Abermilliarden generiert werden können. Was bisher stets bestritten wurde. Spätestens jetzt könnte man endlich Schumpeters Forderung folgen und schädliche Konzerne dem Planeten zuliebe ihrer verdienten »schöpferischen Zerstörung« überlassen. Zugunsten von Innovation. Man könnte das Geld den von schädlicher Arbeit Befreiten direkt geben.

Es wäre der erste Schritt in Richtung Grundeinkommen oder Mindesteinkommen. Arbeitszwang wäre nicht mehr Existenzvoraussetzung der Mehrheit. Die Entscheidung, welche Arbeit verantwortbar ist, könnte von jedem selbst getroffen werden. Es wäre der Jahrtausend-Schritt von einer beschäftigungsorientierten Wirtschaft zu einer bedarfsorientierten.

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Obiger Text ist dem Buch von Günther Moewes entnommen (Zwischentitel von der Redaktion): «Arbeit ruiniert die Welt – Warum wir eine andere Wirtschaft brauchen», Nomen-Verlag, Frankfurt a.M.
In Deutschland bestellen für 12.00 Euro; in der Schweiz bestellen für 19.90 CHF. Das Buch enthält Kolumnen, die Günther Moewes in der «Frankfurter Rundschau» publizierte.
Aus dem Verlagsprospekt: «Wie viele Viren, Dürren, Hassmails, Fluten und Orkane muss es noch geben, bis die Unverantwortlichen begreifen, dass ihre Wirtschafts- und Arbeitsideologie die Ursache ist? Das Mantra grosser Teile von Politik und Wirtschaft sind Wachstum und Arbeitsplätze, egal ob nützlich oder schädlich. Und die «Thinktanks» der neuen reichen «Superklasse» wollen uns durch allerlei Theorien weismachen, dass ohne eine ungleiche Vermögensverteilung nicht das Überleben der Menschheit gesichert werden kann.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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4 Meinungen

Leider lebt ein Grossteil der Bürger punkto Arbeitswelt immer noch geistig in der Vergangenheit. Wo vieles noch arbeitsintensiv manuell gemacht werden musste, was heute durch Maschinen erledigt wird. Auch Kirche und Bibel haben ihren Anteil an der Glorifizierung der Arbeit.

Z.B unter Martin Luther im 16. Jahrhundert. Er prägt bis heute unsere Vorstellung von Arbeit. Bei ihm wird Arbeit zur Berufung, Müßiggang zur Sünde. Durch Arbeit solle der gläubige Christ seinem Gott dienen, jeden Tag. Der Mensch sei zur Arbeit geboren, schreibt Luther. Fragt sich, ob der Gott hier nicht eher das Geld und die Obrigkeit ist.

Dabei sollte man eher fragen, ist die Arbeit nützlich und notwendig zur Abdeckung der Bedürfnisse der Bevölkerung oder dient sie nur der Ressourcenplünderung der Erde zur Erzeugung kurzlebiger Produkte, welche später nur die Umwelt belasten. Und dies alleine nur, um Arbeit zu erzeugen, Einkommen, Umsatz und Gewinne zu erwirtschaften. Oder ist es Arbeit ihrer selbst Willen, sogenannte Bullshit - Jobs, wie sie David Graeber, US-amerikanischer Kulturanthropologe und Publizist nannte.
Stossend auch, dass die Gewinne aus Automatisierung, Digitalisierung meist nur an einige Wenige gehen. Statt als Anteil bedingungsloses Einkommen an die Bevölkerung und damit die Arbeitszeiten reduziert werden können.
Interessanter Link zum Thema Arbeit:

https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/arbeit/die_geschichte_der_arbeit_und_was_sie_heute_bedeutet/index.html
Paolo Ermotti, am 19. Oktober 2020 um 18:47 Uhr
Ja, ja, alles klar, Herr Moewes; ich geh auch lieber vollzeit-segeln als malochen. Das hat aber einen Haken:
Ihre Idee riecht stark nach Kommunismus, und der hat bewiesen dass er nicht funktioniert. Wer soll denn mein Segelboot bauen, den Aussenborder dazu produzieren, die Segel nähen, das Funknetz aufbauen damit ich mit dem von niemanden gebauten Funkgerät Hilfe holen kann, bevor ich absaufe? Und wer kommt mich dann retten, wenn auch die Helikopter-Crew nur noch rumhängt?
Rumhängen ist mit noch das harmloseste was man in dem Szenario tun kann. Man stelle sich vor Andere wollten auch segeln gehen. Das führt früher oder später dazu dass man mir mein Boot klauen will. Damit das nicht passiert brauche ich eine Waffe, also mache ich eine Waffenfabrik auf, und mit der Waffenfabrik verdiene ich das Geld das ich mit den Segelbooten so liebend gerne verheize. Womit wir wieder am Anfang wären: die Idee von der noblen und sauberen Wirtschaft funktioniert einfach nicht.

Vielleicht können wir einen Kompromiss aushandeln, Herr Moewes: wir gehen alle arbeiten, aber nur 4 anstatt 8 Stunden, bauen aber immer noch Waffen und schütten immer noch Gülle auf die Felder, alles nur halb so viel. Es gäbe dann immer noch welche die es zu nix bringen, und welche die reich werden, und welche die mir das Boot klauen wollen, und Waffen um das zu verhindern. Trotzdem wäre die Zeit zum segeln mehr als grosszügig bemessen. Wäre das nicht der bessere Anfang, Herr Moewes?
Mike Wieland, am 19. Oktober 2020 um 21:40 Uhr
@ M.Wieland: alle könnten nicht (sofort) aufhören zu arbeiten. Leute wie sie, die sich noch materielle Wünsche erfüllen wollen, sollen weitermalochen. Durch das Grundeinkommen sollte Nahrung, Wohnen, Krankenkasse, Regionaltransport, einige Minuten telefonzeit bezahlbar sein. Alles darüber muss man sich noch erarbeiten. Die Arbeitszeit und der Lohn sollten sich so einpendeln, dass alle die wollen, Arbeit finden.
Natürlich würde man für so Blödsinn wie Flieger- und andere Hightechwaffen keine Mittel mehr verschwenden. Für die nötigen Polizeikräfte reicht auch kleineres Kaliber.
“Rumhängen” kann man zwar, aber auch 'kreativ sein', seine 'Umwelt verschönern', Natur geniessen, mit Nachbarn Fussball spielen etc. Sicher besser als 'Derivate verkaufen'.
radek jager, am 20. Oktober 2020 um 17:17 Uhr
Lieber viel eigene Wohnungen zu immer höheren Preisen vermieten,
als viel harte Arbeit um das zu bezahlen zu können.
Für harte Arbeit gibts meist auch wenig Lohn.
Der grossen Vermieter profitieren von den niedrigen Zinsen, den hart Arbeitenden, die kaum was sparen können, bringt die 2. Säule immer weniger und sie müssen länger hart arbeiten
Die Lohnfortzahlung und die nötige Ergänzungsleistungen nützen auch noch den Vermietern, die auch noch von legasierten Steuerdeals profitieren.
Wenn die hart Arbeitenden Mieter solche Verhältnisse in Frage stellen, müssen sie machtlos hinnehmen, dass sie als «faul», «linksgrün versifft», «Kommunisten» an den Pranger gestellt werden.
Ludwig Pirkl, am 21. Oktober 2020 um 00:29 Uhr

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