In Deutschland müssen immer noch Dörfer wie Immerarth oder Keyenberg dem Kohleabbau weichen. © srf

CS und UBS helfen Kohle- und Fracking-Firmen, Klima zu versauen

Urs P. Gasche / 10. Nov 2020 - Grossbanken speisen das Fernsehen mit allgemeinen Sprüchen ab, statt das Finanzieren von Kohleförderung und Fracking zu beenden.

Mit Hilfe einer Finanzanalyse der niederländischen Firma Profundo deckte die SRF-Sendung «DOK» auf, wie stark sich Schweizer Grossbanken an der Finanzierung von Kohleabbaugebieten in Deutschland und an Fracking-Bohrlöchern in den USA beteiligen. Sie machen sich mitverantwortlich für massive Umweltschäden und für Erkrankungen unter der lokalen Bevölkerung.

«DOK» sendete den Dokumentarfilm von Karin Bauer am 15. Oktober, doch grosse Medien haben über diese aufgedeckten und vor Ort recherchierten Aktivitäten der beiden Grossbanken CS und UBS bisher nicht informiert.

Keine der Grossbanken wollte transparent machen, wie viele Kredite sie an Kohle- und Fracking-Unternehmen vermitteln. Diese Angaben seien «Geschäftsgeheimnis». CS und UBS beteuerten lediglich, sie würden «nachhaltige Anlagestrategien» verfolgen und «keine neuen Kohlekraftwerke mehr finanzieren».

Doch die CS hat dem Energiekonzern RWE, der den europaweit grössten CO2-Ausstoss verantwortet, Kredite gewährt und Geld am Kapitalmarkt beschafft. Dies hat die auf Finanzrecherchen spezialisierte Firma Profundo in Amsterdam basierend auf der Finanzdatenbank Thomson Reuters Eikon berechnet. Bei Profundo holen auch Pensionskassen, der holländische Staat und eine Schweizer Privatbank, die nicht genannt werden will, Informationen für ihre Anlagepolitik.

Greenpeace kam aufgrund der Profundo-Zahlen zum Ergebnis, dass CS und UBS zwischen 2016 und 2019 den Kohle-, Öl- und Gasfirmen zur Finanzierung von deren Aktivitäten insgesamt 84 Milliarden Dollar vermittelt hätten.

CS und UBS im Kohlegeschäft der ERW engagiert

Ward Warmerdam von Profundo nennt die Zahlen: «Die Credit Suisse hat der RWE rund 180 Millionen für das Kohlegeschäft finanziert und vermittelt. Bei der UBS waren es rund 92 Millionen.» Damit stehe die CS auf Rang 7 aller Banken, die mit RWE Geschäfte machen und die UBS auf Rang 27.

Mit diesen Geldern will RWE weiterhin Kohle abbauen. Als nächstes sollen die Häuser der Ortschaft Keyenberg in Nordrhein-Westfalen mit einmal 840 Einwohnern abgerissen werden, um Platz für den Kohleabbau zu machen. Die Opposition alteingesessener Einwohner ist am Aufgeben. Ein RWE-Wachmann meinte zu «SRF DOK», der Konzern handle «legal im Rahmen der Gesetze», worauf ein Einwohner entgegnete, es gehe nicht um Legalität, sondern um Moral: «Ob wir noch heute Dörfer abreissen und den Menschen ihre Heimat wegnehmen, ist eine moralische Frage und keine gesetzliche.»

Eine andere Anwohnerin meinte: «Die Bank macht sich die Hände schmutzig und ist mit daran schuld, dass wir unser Zuhause verlieren.» Darauf angesprochen meinte Bruno Bischoff, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit bei der CS, zu «SRF DOK»: «Das ist bedauerlich, jedoch Teil des Prozesses dieser Transformation.» Der Übergang zu erneuerbarer Energie brauche eben seine Zeit. In Zukunft werde die CS «keine Kredite an Unternehmen mehr geben, die über 25 Prozent ihres Umsatzes mit dem Abbau von Kraftwerkkohle erzielen.» Allerdings wollte Bischoff nicht versprechen, dass die CS ab 2030 den Kohleabbau nicht mehr finanzieren helfe, um die Klimaziele zu erreichen.

Parlamentariergruppe und WWF verlangen Transparenz

upg. Eine Gruppe Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus allen Parteien verlangt Transparenz über die Klimaverträglichkeit der verwalteten Vermögen. Sie stört sich daran, dass eine vom Bundesamt für Umwelt soeben veröffentlichte Studie weder Namen der Unternehmen noch deren Bewertung nennt. Ohne diese Transparenz können Bankkunden ihre Rolle im Wettbewerb nicht wahrnehmen und mit denjenigen Banken geschäften, welche die Verantwortung für Umwelt und Klima besser wahrnehmen.
Der WWF bezeichnet den Finanzsektor als «zentralen Hebel im Kampf gegen die Klimakrise». Banken und Pensionskassen würden «viel zu viel in Wirtschaftsaktivitäten investieren, die unser Klima – und damit unsere Existenz – bedrohen», erklärt Stephan Kellenberger, Experte für nachhaltige Entwicklung beim WWF.

Viel grössere Geschäfte mit Öl und Gas

Ungleich stärker engagieren sich Grossbanken bei der Öl- und Gasförderung. Allein die Credit Suisse hat nach Angaben von Profundo seit 2016 rund 45 Milliarden Dollar Kredite an Öl- und Gaskonzerne gewährt oder am Kapitalmarkt vermittelt. Die UBS immerhin noch halb so viel.

Im Fokus von «SRF DOK» standen die von der CS mitfinanzierten Firmen «Diamondback Energy», «Parsley Energy» und «EP Energy», die in Texas nach Schieferöl bohren. Das Schiefergestein liegt hunderte Meter unter der Erdoberfläche. Um Öl und Gas daraus zu fördern, werden einige Millionen Liter Wasser mit Sand und Chemikalien versetzt und unter Hochdruck in die Erde gepresst. Durch den Druck entstehen Risse im Schiefer, so dass Öl und Gas frei werden.

Stolz verkündete Donald Trump im April 2019: «Die USA sind jetzt weltweit die Nummer eins bei der Öl- und Gasproduktion. Wir haben uns aus dem einseitigen Pariser Klimaschutzabkommen zurückgezogen. Dieses Abkommen ist gut für Paris, aber nicht gut für uns.»

Kommerziell gebraucht wird allerdings nur das Öl, während das herausströmende Gas meist abgebrannt wird und CO2 in die Atmosphäre lässt. Im 220‘000 Quadratkilometer grossen Permian Basin wurde allein im Jahr 2019 so viel Gas abgefackelt, dass man damit nach Angaben der Energieberatungsfirma Rystad Energy die rund sieben Millionen Haushalte in Texas hätte heizen können.

Bohrstellen im Permian Basin so weit das Auge recht. Bild: srf

«SRF DOK» besuchte eine Bohrstelle der Firma «Diamondback Energy», der die CS seit 2016 rund 2,6 Milliarden Dollar vermittelt hat. Man sieht viele Tanks, aber keine Emissionen. Erst eine Infrarotkamera macht die grossen Mengen Methan sichtbar, welche aus den Ventilen der Tanks in die Atmosphäre entweichen. , deren unsichtbare Abgase nicht abgefackelt werden.

Nur mit einer Infrarotkamera ist das sonst unsichtbare Methan zu sehen, das in die Atmosphäre entweicht. Bild: srf.

Methan ist für das Klima noch schädlicher als eine gleiche Menge CO2. Trotzdem gibt es in Texas keine Grenzwerte für dieses Methan, erklärte Sharon Wilson, die früher bei einer Ölfirma arbeitete und sich heute für eine NGO engagiert. Keine Behörde würde die Abgase messen, sondern auf Angaben der Erdölkonzerne vertrauen. «Das ist ähnlich, wie wenn ich der Polizei anrufen sollte, ich sei zu schnell gefahren und um eine Busse bitten würde», meinte Wilson.

Die Fracking-Zone macht krank

Das Fracking belastet nicht nur enorm die Umwelt, sondern macht die Einwohner auch krank. Jim und Sue Franklin mussten mitansehen, wie Ölfirmen ab 2016 ein Bohrloch nach dem anderen rund um ihre Ranch in der Wüste errichteten. Sue Franklin sagte «SRF DOK», sie sei eines Nachts vom starken Geruch des Gases erwacht. «Es roch nach faulen Eiern. Ich lag im Bett und fragte mich: Was zur Hölle passiert mit mir?» Manchmal hätte sie das Gefühl gehabt, nicht mehr atmen zu können. Ihr Arzt konnte den direkten Zusammenhang zum Fracking nicht beweisen, aber seit das Ehepaar aus der Fracking Zone weggezogen ist, seien ihre Gesundheitsprobleme weg, sagt Sue Franklin.

Bruno Bischoff der Credit Suisse meinte dazu: «Die CS schaut genau, wie die Firmen versuchen, das Abfackeln des überschüssigen Gases zu minimieren.» Die Branche habe das Problem erkannt.

Doch gemäss Rystad Energy wurde letztes Jahr im Permian Basin so viel Gas wie noch nie zuvor abgefackelt oder in die Luft gelassen.

Unterdessen hat sich der Ölpreis wieder etwas erholt. Experten aber sagen, er sei nicht hoch genug, um Fracking rentabel zu machen. Fracking ist auch finanziell riskant: Das Bohren ist sehr teuer, und die Ölquellen versiegen nach wenigen Jahren.

Fällt der Ölpreis, werden Schulden mit neuen Schulden bezahlt, weil die Quellen zu wenig Cash generieren. Vierzig amerikanische Öl- und Gasproduzenten hätten seit Anfang Jahr bankrott angemeldet, teilte die Anwaltskanzlei Haynes and Boone mit.

«Adjustierter Risikoappetit»

Das hat direkte Folgen für Banken: Seit Anfang Jahr erlitten sie und andere Investoren Verluste von rund 30 Milliarden Dollar. Die Credit Suisse hat bei Öl- und Gasfirmen 7,5 Milliarden Dollar an Krediten ausstehend, fast die Hälfte davon gelten als riskant mit erhöhtem Ausfallrisiko.

7,5 Milliarden sind anderthalbmal so viel wie der letztjährige Jahresgewinn der Bank. Bei den Emissionen vertraut der Nachhaltigkeitsbeauftragte Bruno Bischoff auf die Selbstregulation der Ölbranche. Bei den Bankrotten der Öl- und Gasproduzenten tönt es leicht anders. Sie würden der Bank helfen, «den Risikoappetit zu adjustieren».

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Der vollständige Dokumentarfilm «Schmutzige Geschäfte – Der Schweizer Finanzplatz und die Klimakrise» ist bei SRF
hier
abrufbar.

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Infosperber-DOSSIER:
Die Macht der Grossbanken

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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