Die Bernburger verkaufen kein Land, mit der Abgabe im Baurecht bleibt die Wertsteigerung dem Staat. © cm

Die Bernburger verkaufen kein Land, mit der Abgabe im Baurecht bleibt die Wertsteigerung dem Staat.

Verteilung – auf die Mieten kommt es an, nicht auf den Lohn

Werner Vontobel / 12. Mär 2020 - Linke und Ökonomen aufgepasst: Die Miete ist punkto Verteilung des Volkseinkommens viel wichtiger als der Lohn.

Fakt ist: Die Einkommensverteilung ist zumindest innerhalb der Industrieländer seit den 1970ern deutlich ungleicher geworden. Gemessen wird das daran, dass der Anteil der der Löhne am Bruttosozialprodukt im Vergleich zu den Kapitaleinkommen sinkt. Eine Studie der OECD weist für die Periode von 1970 bis 2014 Rückgänge der Lohnquote von rund sieben Prozentpunkten für die USA, Japan, Australien, Kanada, Deutschland, Frankreich und England aus. Das hatte einschneidende Folgen: Der allgemeine Anstieg der realen Einkommen auf breiter Front wurde gestoppt, und in vielen Ländern sind sogenannte Niedriglohnsektoren entstanden. Grosse Teile der Bevölkerung mussten grosse Einkommenseinbussen hinnehmen und sind verarmt.

Gemäss dem Bestseller «Das Kapital» des weltweit führenden Verteilungsforschers Thomas Piketty ist dies darauf zurückzuführen, dass die Kapitalerträge schneller gestiegen sind als die Löhne. Er unterscheidet dabei nicht zwischen Erträgen aus Produktionskapital und aus Wohnimmobilien. Matthew Rognlie vom MIT hat dies nachgeholt und kommt zum Schluss: «Der Anstieg der Profitquote seit 1948 ist ausschliesslich auf den Immobiliensektor (housing sector) zurückzuführen.» Und: «Politiker, die sich mit der Verteilung der Einkommen befassen, dürfen die Mieten nicht aus den Augen verlieren.»

Mehr als 40 Prozent für die Miete

Dass auf dem Wohnungsmarkt beträchtliche Anteile des BIP umverteilt werden, geht etwa auch aus der Studie «preisgünstiger Wohnungsbau in der Schweiz» des Immobilienberaters IAZI hervor. Sie zeigt für die 159 grössten Gemeinden der Schweiz, wie viele Prozent des durchschnittlichen steuerbaren Einkommens die durchschnittliche Bestandesmiete einer Wohnung von 90 Quadratmetern kostet. Als «preisgünstig» gilt eine Miete von weniger als 33 Prozent des Einkommens.

In der grössten Schweizer Gemeinde, in Zürich, kostet eine 90m2-Wohnung monatlich 2463 Franken. Das sind gemäss IAZI 36 Prozent des durchschnittlichen Zürcher Einkommens. Nun verdient aber der durchschnittliche Zürcher Haushalt nicht das Durchschnitts-, sondern bloss das fast 25 Prozent tiefere Medianeinkommen. Richtig gerechnet muss man also die Zahlen von IAZI so interpretieren: Jeder zweite Zürcher Haushalt muss für 90 Quadratmeter Wohnraum 47 Prozent des Einkommens oder mehr aufwenden. In Bern, Basel, Lausanne und Genf sind es 40, 43, 48 und 54 Prozent des Medianeinkommens.

1000 Franken müssten reichen

Diese Preise haben mit den effektiven Kosten nichts zu tun. Volkswirtschaftlich gesehen beansprucht der Wohnungsbau samt Unterhalt bloss 4,8 Prozent des BIP. Auch der administrative Aufwand hält sich in Grenzen: Das Grundstücks- und Wohnungswesen beschäftigt nur 0,9 Prozent der Arbeitskräfte. Viel mehr als 15 Prozent des Einkommens sollten die Mieten also nicht kosten. Das zeigt auch die Kostenstatistik 2016 der Zürcher Wohnbaugenossenschaften. Danach beliefen sich 2016 die effektiven Kosten (Verwaltung, Unterhalt, Abschreibung, Steuern, etc.) einer Wohnung von umgerechnet 90 Quadratmetern pro Monat auf 990 Franken, wovon rund 20 Franken Baurechtszinsen.

Bezogen auf die Zahlen von IAZI bedeutet das, dass in den Bestandesmieten eine «Bodenbenutzungs-Steuer» von 20 bis 30 Prozent des Einkommens eingerechnet ist. Dies zumindest an guten Lagen. Damit kassieren die Bodenbesitzer etwa doppelt so viel wie der Staat an direkten Steuern eintreibt. Ferner deuten diese Zahlen darauf hin, dass sich die von Piketty und Rognlie festgestellte Umverteilung noch einmal deutlich beschleunigt hat.

Angesichts dieser Grössenordnungen stellt sich die Frage, ob die Institution des privaten Grundbesitzes auf Dauer mit der Marktwirtschaft zu vereinbaren ist. Diese hat deshalb zu Recht einen guten Ruf, weil sie mit einem harten Wettbewerb dafür sorgt, dass sich die Preise an den tiefst möglichen Kosten orientieren. Auf dem Immobilienmarkt gelten diese Regeln nicht. Dort ist der Preis keine Frage der Kosten, sondern der Zumutbarkeit. Das Problem ist, dass es starke Kräfte gibt, die diese Grenze immer mehr strapazieren.

3000 Milliarden Franken Marktwert des Schweizer Bodens

Das liegt allein schon an den Grössenordnungen: Aktuell hat der wirtschaftlich genutzte Boden in der Schweiz einen Marktwert von gut 3000 Milliarden Franken. Diese Grössenordnung ergibt sich, wenn man von den 3756 Milliarden Franken Marktwert aller Wohn-, Büro- und Verkaufsflächen der Schweiz (gemäss Immo-Monitoring 2019 von wüestpartner) die rund 660 Milliarden Franken abzieht, die gemäss der Kapitalstockrechnung des Bundesamts für Statistik in den entsprechenden Gebäuden (ohne Produktionsbetriebe) stecken.

Von wüestpartner erfahren wir zudem, dass die kommerziell genutzten Liegenschaften bisher einen Nettoertrag von 3,7 Prozent abgeworfen haben. Rein rechnerisch ergibt dies eine leistungslose Bodenrente von rund 110 Milliarden Franken jährlich oder rund 25 Prozent der Arbeitseinkommen. So viel könnten die Bodenbesitzer von den Bodennutzern einfordern, wenn sie ihre Marktmacht voll ausspielen. Die Versuchung, genau dies zu tun, ist in den letzten Jahrzehnten der Globalisierung fast unwiderstehlich geworden.

Ein Grund dafür ist die zunehmend einseitige Einkommensverteilung. Auch die Schweiz ist davor nicht gefeit. Anders als die meisten anderen Länder konnten wir zwar eine Erosion der tiefen Einkommen weitgehend vermeiden, doch gegen oben geht auch in der Schweiz die Post ab: In den letzten 20 Jahren ist das Durchschnittseinkommen real um 7,5 Prozent, die Einkommen des reichsten Prozents um 42 und das des reichsten Tausendstels der Bevölkerung gar um 56 Prozent gestiegen.

Die Bodenbesitzer nehmen mehr als der Fiskus

Es versteht sich deshalb von selbst, dass der gewiefte Real-Estate-Manager versucht, seine Ware dieser reichen und zunehmend mobilen Oberschicht zu vermieten oder zu verkaufen, zumal diese kreditwürdige Klientel auch leichten Zugriff zu billigen Hypokrediten hat. Kommt dazu, dass die teuren Wohnorte in der Regel auch mit tiefen Steuersätzen gesegnet sind. Die Credit-Suisse veröffentlicht alle paar Jahre die Studie «Wohnen, Pendeln, Arbeiten, wo lebt sich’s am günstigsten?» Dabei zeigt sich ein klares Muster: Je tiefer der Steuersatz, desto höher die Mieten, bzw. die Preise der Immobilien. Mit einem Umzug vom Jura in den Kanton Zug etwa spart man bei einen Familieneinkommen von 300'000 Franken rund 43'000 Franken an Steuern, zahlt aber für eine 4-Zimmerwohnung etwa 25'000 Franken mehr Miete. Was man durch die Steueroptimierung dem Staat vorenthält, muss man dem «Landvogt» abliefern.

Und dank einer global mobil gewordenen Unter- und Mittelschicht können die Bodenbesitzer auch aus weniger exklusiven Wohnlagen Profit schlagen. Acht Arbeitsnomaden in einer 3-Zimmerwohung bringen mehr Miete als eine einheimische Durchschnittsfamilie. Vermietet man seine Wohnung tageweise über Airbnb, kann man die Mieteinnahmen verdoppeln bis verdreifachen. Zwar ist der administrative Aufwand deutlich höher, aber unter dem Strich winkt doch ein beträchtlicher Zusatzgewinn.

Keine Rücksicht mehr auf die Mieter

Zu den Preistreibern gehören auch die Pensionskassen, die in der Schweiz aktuell rund 1100 Milliarden Franken Vermögen verwalten. Wo sollen sie dieses Geld anlegen? Die Unternehmen finanzieren sich seit langem selbst. Der Staat verschuldet sich auch nicht mehr. Die Banken verlangen von den Anlegern Negativzinsen. Nur das Geschäft mit den Immobilien blüht noch, vor allem wenn es gelingt, die Immobilien für die reiche Oberschicht zu konfektionieren.

Dabei wird auf die Mieter immer weniger Rücksicht genommen. Ein Immobilienpromotor, der seinen Job behalten will, fragt sich nicht, wie viel er seinen aktuellen Mietern zumuten darf, sondern was er aus den potentiellen Mietern herausholen kann. Nach dieser Logik hat der Versicherungskonzern SwissLife dem Warenhaus Manor in Zürich die Miete von 6 auf 19 Millionen Franken oder auf 17 Prozent des Umsatzes erhöht. (Die Bodenbenutzungsgebühr pro Umsatzfranken ist damit höher als die Mehrwertsteuer) In einem Interview mit der NZZ argumentierte Patrick Frost, der CEO von SwissLife, wie folgt: «Wenn man es nicht hinbekommt, an diesem Ort genügend Umsatz zu machen, um eine höhere Miete zu zahlen, dann ist man halt nicht zukunftsträchtig.»

Nach derselben Logik hat jemand, der es nicht hinbekommt, in Zürich genügend zu verdienen, in dieser Stadt keine Zukunft. Das gilt etwa für eine Familie mit zwei Kindern, die es mit zwei Verdienern zwar auf ein monatliches Einkommen von immerhin 10’000 Franken monatlich bringt, damit aber einen Krippenplatz finanzieren muss. Ihr bliebe – gemäss der oben erwähnten CS-Studie – in der Stadt Zürich noch ein verfügbares Einkommen von 2910 Franken. Mit einem Umzug nach Dänikon könnte sie das Einkommen auf 4680 Franken fast verdoppeln.

Um den Schmerz zu lindern, baut die Schweiz den öffentlichen Verkehr laufend aus. Dänikon liegt nur noch 24 Minuten vom Zürcher Hauptbahnhof entfernt. Eine Krippe gibt es im nahegelegenen Dällikon. Auch das Steueramt hilft mit: Pro Kind kann man 10'100 Franken vom steuerbaren Einkommen abziehen. Bei den Fahrkosten liegt die Grenze bei 5000 Franken jährlich. Und der neoliberale Thinktank Avenir-Suisse schlägt vor, den ärmsten 10 Prozent der Zürcher Bevölkerung ein Wohngeld von durchschnittlich 9000 Franken pro Jahr zu bezahlen. Doch mit solchen Massnahmen hilft der Staat bloss, die durch den entfesselten Immobilienmarkt bewirkte Umverteilung weiter voranzutreiben.

Nur ein Ausweg: Bodenrente wegsteuern

Letztlich gibt es dagegen bloss ein Rezept: Der Staat muss durch geeignete Steuern oder notfalls Enteignungen dafür sorgen, dass er, der Staat, und nicht die Bodenbesitzer die Knappheitsrente des Bodens kassiert. Das ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern es geht auch um die Zukunft der Marktwirtschaft. So lange private Bodenbesitzer die Knappheitsrente beziehen, wird diese dem realen Wirtschaftskreislauf weitestgehend entzogen. Stattdessen wird das Geld in die Kapitalmärkte gepumpt und dort stiftet es Unruhe – treibt die Bodenpreise hoch, vertreibt Mieter aus ihren angestammten Quartieren, schickt die Aktienmärkte auf eine Achterbahn, zwingt die Zentralbanken Negativzinsen einzuführen etc.

Die Marktwirtschaft kann erst dann wieder annähernd wie im Lehrbuch funktionieren, wenn der Staat die Bodenrente (oder mindestens grosse Teile davon) kassiert und diese Einnahmen wieder in die Wirtschaft zurückpumpt. Mehrheitsfähig wird das allerdings erst dann, wenn wir begriffen haben, dass ein schlecht regulierter Bodenmarkt Gift ist für eine freie Marktwirtschaft.

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Quellen:

  • Immo-Monitoring 2019/2
  • wüestpartner
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Kapital_im_21._Jahrhundert
  • https://www.avenir-suisse.ch/kantonales-wohngeld-statt-objekthilfe/
  • Matthew Rognlie, Massachusetts Institute of Technology: «Deciphering the Fall and Rise in the Net Capital Share: Accumulation or Scarcity?»
  • The Labour Share in G20 Economies; International Labour Organization Organisation for Economic Co-operation and Development. Report prepared for the G20 Employment Working Group Antalya, Turkey, 26-27 February 2015

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Keine

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15 Meinungen

Grund und Boden ist ein nicht vermehrbares Gut. Also kann dies auch nicht Gegenstand einer Marktwirtschaft sein. Wenn sich bald 8 Milliarden Menschen den Grund und Boden teilen müssen ist gut einsichtig, was die «Marktwirtschaft» mit solchen Verhältnissen anstellt.
Die Analyse lässt keine Zweifel offen: In einer gerechten Gesellschaft gibt es keinen Grundbesitzer ausser dem demokratisch regierten Staat. Baurecht auf Lebenszeit und keine Vererbung von Grundbesitz. Starker Tabak für überzeugte Kapitalisten! Aber nur wenn wir solche Fehlentwicklungen zu korrigieren vermögen, sind wir eine glaubwürdige Demokratie.
Walter Schenk, am 12. März 2020 um 12:35 Uhr
Vielen Dank für diesen wirklich sehr wertvollen Artikel. Zu bedenken gilt es aus meiner Sicht aber, ob Steuern wirklich das richtige Mittel sind. Denn Steuern sind kein Garant für Rückflüsse in die reale Wirtschaft und vor allem ist auch die Frage in welche Wirtschaft. In schädliche wie z.b. Rüstungsindustrie währe vom Regen in die Traufe zu kommen. Evt. wären zweckgebundene Abgaben besser geeignet (in erneuerbare Energien, biologische Landwirtschaft, interessenunabhängige Forschung und Medien,...). Ebenfalls zu bedenken ist, ob jeder Bodenbesitz zu solch einer Abgabe führen sollte. Um die Freiheit und soziale Gerechtigkeit zu fördern, währe es sinnvoll erst einer zweit Immobilie solche Abgaben aufzuerlegen, nicht aber in das selbst bewohnte Eigenheim. Zum Beispiel führt der Eigenmietwert dazu, dass Eigenheimbesitzer ihr Haus nicht abbezahlen und somit ständig Zinsen bei der Bank zu bezahlen haben (versteckte, steuergesetzliche Subventionierung von Banken). Andererseits würden höhere Abgaben an den Staat anfallen, denen kein Einkommen gegenübersteht. Die Wahl zwischen Pest und Cholera. Für den Mittelstand wird es so noch schwieriger, zu einem Mindestbesitz zu kommen (Ein Haus oder eine Wohnung wo man leben kann, erachte ich als Mindestbesitz). Der Aufstieg durch Arbeit so geradezu verhindert.

Wie gesagt finde ich es einen sehr wertvollen Artikel, aber eine Abgrenzung von Boden als Spekulationsobjekt oder Boden als notwendigem Wohnobjekt fände ich sinnvoll.
Stöckli Marc, am 12. März 2020 um 13:29 Uhr
Solange wie von der Nationalbank säckeweise Geld gratis verteilt wird, solange wird sich auch jemand finden der das Geld nimmt, und voraussichtlich damit Immobilien zusammenkauft (oder baut). Weil, bei Zinsen um Null herum, da spielt das keine grosse Rolle ob die Wohnung 0.3 oder 1.2 Mio kostet. Der Käufer von der Wohnung geht dann seinerseits zur Bank, bekommt dort sein Geld und zahlt dafür... auch wieder Null Zinsen (oder fast).
Bei dieser Ausgangslage nach staatlichen Regularien schreien zu wollen ist fehl am Platze. Die Lösung des Problems ist eine markwirtschaftliche, spricht die Lösung findet sich in Angebot und Nachfrage, sprich in genug Leerstand - vorausgesetzt der Leerstand tut dem Vermieter weh, so dass er lieber günstiger vermietet als eine leere Wohnung im Portfolio zu halten.
Der Fehler im System sind die nahezu Null-Zinsen. Die Lösung ist nicht minus 0.75%, sondern plus 4% Zinsen bei 2% Inflation (und 2.5% auf dem Sparbuch). Oder plus 5% bei 3% Inflation (und 3.75% auf dem Sparbuch).
Und das bekommt man hin (wenn man denn wollte), indem man den Franken-Spekulanten den Geldhahn zudreht, ganz einfach mit einer Devisen-Wechsel-Gebühr von 0.75%, jedesmal wenn sie Franken kaufen. Dann hört der Run auf den Franken auf, ganz von selber. Und wenn dann immer noch zuviele Leute Franken kaufen wollen, dann steigt eben die Wechselgebühr, solange bis das aufhört.
Wenn die Nationalbank nur wollte.
Mike Wieland, am 12. März 2020 um 13:51 Uhr
Der Unterschied zwischen Schweiz und Deutschland, ist das die Immoblilienpreise in Deutschland flächendeckend nach oben schnellen. In der Schweiz betrifft das eher die Ballungszentren.
Abgezockt wird nicht nur bei Immobilien, sondern auch oder gerade bei Grundstücken.

Die Stadt Rostock wollte ein neues Stadtviertel bauen und dafür Ackerland ! kaufen.
Üblicherweise sind dafür 6 Euro qm fällig.
Die Landbesitzer wollten aber 200 Euro pro qm !

https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Hansestadt-stoppt-Planung-fuer-neuen-Stadtteil

Mittlerweile kauft man wohl von einem «Treuhandnachfolger» für «nur» 160 Euro pro qm.

Abkassieren also einfach Ackerland in Stadtnähe kaufen und abwarten.
Das sind Traumrenditen, von den jeder SIX und DAX Konzern, nicht einmal zu träumen wagt.

Die Immobilienpreise in in der Boomphase in Deutschland flächendeckend um 70 % gestiegen.
Das entspricht in etwa dem Umland von Zürich wie Schlieren.
Wir vergleichen also beim Immobilienpreisanstieg eines Industriezentrum um Zürich, mit der Pampa in Deutschland !

Das es anders geht zeigt Wien. Der Stadt gehören 220.000 Wohnungen. An weiteren 200.000 ist die Stadt beteiligt.
Wien wurde 11 x zur wohnenswertesten Stadt der Welt gewählt.

siehe auch SPD Zeitung «Vorwärts»
Mieten: Was Deutschland von Wien lernen kann
https://www.vorwaerts.de/artikel/mieten-deutschland-wien-lernen
Dieter Gabriel, am 12. März 2020 um 15:32 Uhr
Einige bekommen keinen Lohn und werden wie Sklaven gehalten.

"
Die Unsichtbaren

Immer schneller, immer billiger: In deutschen Unternehmen arbeiten Menschen aus der Ukraine unter ausbeuterischen Bedingungen. Kriminelle Vermittler locken sie offenbar mit falschen Versprechen."

https://www.buzzfeed.com/de/pascalemueller/die-unsichtbaren-ukraine-arbeiter-logistik
Dieter Gabriel, am 12. März 2020 um 16:48 Uhr
Danke für die Analyse!
Der Ausweg ist meines Erachtens nicht einfach. Wer erhält die Wohnung, wenn fünfzig Leute sich dafür interessieren? Das lässt sich übrigens real beobachten, wenn die Stadt Zürich eine preisgünstige und hübsche Wohnung ausgeschrieben hat. Man kann es machen, wie man will, 49 der Interessenten werden enttäuscht.
In einigen schweizer Städten ist die Knappheit an preisgünstigen Wohnungen ein nicht zu unterschätzender limitierender Faktor für die Zuwanderung. Wenn mehr Wohnungen gebaut werden (was zum Beispiel in Zürich in grossem Stil geschieht), dann können diese auch problemlos vermietet werden. Das Angebot hinkt der Nachfrage immer einen Schritt hinterher. Irgendwo auf dem Lande (und vor allem in den wirtschaftlich schwachen Gebieten Europas) stehen dafür Wohnungen leer und wären billig zu haben.
Daniel Heierli, am 12. März 2020 um 20:32 Uhr
Es ist völlig korrekt, dass Grund und Boden der Allgemeinheit gehört und nicht in das Privateigentum übergehen dürfte. Der Kapitalismus, erfunden von den Ökonomen, , braucht jedoch Eigentum und Besitz! In gleichem Atemzug wurde eine Organisation des Geldsystems erfunden, welche nicht dem Sinn und Zweck der Geldschöpfung entspricht (Treuhandmandat = keine Forderungen und Verpflichtungen, keine Verzinsung und Delkredererisiko). Die Lehrmeinung der Fakultät Ökonomie, wonach Banken die Kundenguthaben, entweder für Kreditvergaben und Investitionen oder zum Parken (Liquidität = Begründung der Negativzinsen) bei der Zentralbank verwenden, hält sich bis heute, obwohl die Fakultät Ökonomie längst wegen bewusster Irreführung, hätte angeklagt werden müssen.

Auch wird der Staat, rechtlich wie ökonomisch, bewusst nicht als Pluralsubjekt und Sonderakteur der Wirtschaft, verstanden. Die Bedürfnisabdeckung Grundversorgung (Gemeinwohl, Soziales und sogar Gesundheit) obliegt jedoch dem Staat. Der dafür administrierte Preis, in der Geldschöpfung in Umlage enthalten, hat die Wirtschaft wertneutral, direkt an den Staat umzulegen. Die Umlage über die Erwerbsarbeit, suggeriert einen nicht existierenden Zahler.

Eine Grund- und Bodengebühr würde nur die Mieten erhöhen. Eigentlich ist nur eine sanfte Enteignung (Rückführung und Abgeltung) von Grund und Boden, Wald und Wasser, korrekt. Sich vom Virus Zahler als Phantom im Denkvermögen, befreien und wir hätten weltweit eine andere Gesellschaft.
Paolo Ermotti, am 13. März 2020 um 05:02 Uhr
Nicht schon wieder mehr Steuern! Das ist nicht die Lösung. Idiotisch hat die Schweizerbevölkerung damals abgestimmt beim BVG! Ich erinnere mich noch, ich machte meine Ausbildung zum Kaufmann. Und mit der Vorbildung des Wirtschaftgymnasiums war mir damals klar: Diese Rechnung von Altersvorsorge geht nicht gut: Wir hätten ein Umlagerungsverfahren wählen sollen wie die AHV - die AHV erhöhen. Hingegen dieses unselige System des BVG, welches lediglich Vermögen anlegen muss in mündelsichere Inverstionionen, ist klar, dass alle Pensionskassen Immobilien kaufen - dadurch steigt die Nachfrage und der Landpreis steig und verteuert die Mieten, das konnt jeder normal denkende Mensch mit etwas wirtschaftlichem Denken ausrechnen und trotzdem hat das Volk FALSCH abgestimmtt. Statt jetzt eine Einbahnstrasse 6 spurig ausbauen, sollte man umkehren und dieses BVB Gesetz revidieren. Menschen sollen die Pensionskasse in Eigentum einlösen können, Eigenmietwert abschaffen, damit man im Alter mietfrei wohnen kann und die AHV erhöhen und diese unseligen Pensionskassen langsam abbauen! Das ist der einzig gangbar weg.
Mary-Anne Bufton, am 13. März 2020 um 10:10 Uhr
Meine Eltern haben ihre gesamte Pensionskasse in ihr Wohneigentum gesteckt, damit sie im Alter mietfrei wohnen könnten. Weil meine Mutter im Krieg erlebt hatte, wie ihre Familien alle Aktien verloren und verarmte, nur die Landbesitzer blieben verschont. Also war Abzahlen die Devise. Als sie hochbetagt war, durch diesen unseligen Eigenmietwert wurde sie nun auf ein fiktives Einkommen versteuert und vom Staat geschröpft. Ihr ganzes Geld fürs Alter war ja im Haus. Und wegen diesem idiotischen BVG Gesetz wie ich im vorherigen Beitrag ausführte, ist der Landpreis durch die Decke gestiegen, weil das BVG den Landpreis und Immobilienpreis explodieren liess! Nun musste meine greise Mutter, als Wittwe von einem AHV Einkommen monatlich von 2000.-- leben. Und Steuern von mehr als 5000.-- bezahlen, sie bezahlte die Steuern von ihrem Ersparten, das sie noch hatte, das jährlich durch Steuern und Renovationen abnahm. Zum Schluss ihres Lebens bezahlte ich alle Kost und Kleidung, damit sie im Haus bleiben konnte, das ihre vertraute Umgebung war.Ja man hätte das Haus verkaufen können und hätte das Dorf verlassen müssen in dem sie über 50 Jahre gelebt hatte die vertraute altersgerechte Umgebung verlassen, was ihre Demenz gefördert hätte! Problemlösung: Eigenheimbesitz fördern. Pensionskassen auflösen stattdessen Bausparen fördern, AHV erhöhen - das erhöht Eigenverantwortung- Eigenmietwert abschaffen und Häuslebesitzer sollen Wohneigentum im Alter abzahlen. Das wäre die richtige Lösung!
Mary-Anne Bufton, am 13. März 2020 um 10:30 Uhr
Sehr erhellender Denkanstoss. Etwas ist mir nicht klar: Sind in der Unkostenrechnungen die reinen Baukosten (Erstellung/Renovations-Rückstellungen usw.) tatsächlich auch schon enthalten ? Das scheint mir fast zuviel des Guten. Wenn nein, müsste der Anteil der Bodenrente etwas geringer angesetzt werden. Skandalös bleibt er auch dann. Ich habe mal in einer Kabarett-Nummer vom Zastero-Immo-Narkotiker-Syndrom ZINS gesprochen.
Gusti Pollak, am 13. März 2020 um 10:44 Uhr
"Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen »Dies gehört mir« und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wieviel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: »Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört«."

Jean-Jacques Rousseau über Eigentum

Leider hat man sich daran gewöhnt, dass eine kleine Gruppe der Bevölkerung Bodenbesitzer sind und der Rest ohne dieses Allgemeingut auskommen muss und den Bodenbesitzern für seinen Verbleib Geld schuldet. Und die Bodenpreise explodieren mancherorts durch Spekulation. Die Ökonomisierung der Gesellschaft schreitet voran und man würde am liebsten auch noch die Allgemeingüter Sonne, Luft und Wasser zum Geschäft machen, was teilweise bereits schon passiert.
Doch ob eine Bodensteuer für Bodenbesitzer der richtige Weg ist?
Ich fürchte, die Vermieter würden diese sofort als Mieterhöhungen an die Mieterschaft weitergeben.
Edgar Huber, am 13. März 2020 um 12:19 Uhr
Einmal mehr eine sehr gute Analyse von Herrn Vontobel. Leider kommt sie wieder nach einer entsprechenden Initiative (günstiger Wohnraum) statt vorher, wie seinerzeit beim bedingungslosen Grundeinkommen. Beide, sowie die Vollgeld-Initiative, hätten diese Immobilien-Situation verbessert. Wenn das Volk aber erst nach der Initiative aufgeklärt wird, nützt die beste Information wenig. Vielleicht sollte Wählen zur Pflicht werden, mit Bussen bestraft, oder durch Steuererleichterungen belohnt. Man muss ja nicht das ganze System ändern, kleine Fortschritte tun es ebenfalls.
Michel Mortier, am 13. März 2020 um 13:29 Uhr
Mit anderen Worten: Geringe Fixkosten für jeden
Einladung zur Unterstützung Bürgerinitiative zur Abschaffung der Müllgebühr durch die Besteuerung der Verpackung - es handelt sich um keinen Verein und Spenden sind nicht erwünscht
1) Billiger
2) Umweltfreundlicher
- führt zu Einsparungen bei der Verpackung
- Wiederverwendbare Systeme werden billiger
- Recycling wird einfacher - weniger Energie - klimafreundlich
3) Illegale Entsorgung hat keine finanziellen Vorteile
4) sozial gerecht - mehr Verpackung - höhere Kosten
5) Recycling schafft neue Arbeitsplätze

ttps://www.linkedin.com/groups/13836194/
https://twitter.com/WasteDisposal4
https://www.xing.com/profile/Josef_Kamhuber3/cv
Josef Kamhuber, am 14. März 2020 um 13:09 Uhr
@Michel Mortier

Würden die Menschen endlich begreifen, dass die Funktionalität der Geldschöpfung aus dem Nichts, keine Zahler hervorbringen kann, wäre sogar die Grundsicherung direkt ab Geburt möglich. Statt dem einfältigen bürokratischen BGE ist eine Grundsicherung, wahlweise mit oder ohne Erwerbsarbeit einzuführen. Alle Erzählungen der Ökonomen, basieren auf ihrer selbst konstruierten Irrlehre, jedoch von der Justiz gedeckt, wonach Geld aus Einnahmen entstehe. Mit der Zuordnung der Staats- und Sozialausgaben zum Arbeitseinkommen (Mackenroth = hinzugefügt und abgezogen), hat man das weltweit grassierende Virus Zahler, erzeugt. Die Auswirkungen sind schädlicher als jeder andere Virus, es jemals hervorgebracht hat.
Der Preis der Leistung des Staates (Gemeinwohl, Soziales und sogar Gesundheit) ist direkt zwischen Wirtschaft und Staat abzuwickeln, denn es geht um Umlage dieser anteiligen Geldschöpfung. Den Erwerbstätigen ist der entsprechende Geldgegenwert der Leistung zuzuordnen, welcher sie selbst in Umlage bringen. Der Virus Zahler ist beseitigt und der Spieltrieb der Ökonomen und Politiker stark eingeschränkt, weil ihnen das Führungsinstrument Armut und Existenzkämpfe, nicht mehr zur Verfügung steht. Umlageparameter für die Grund- Sicherung und Versorgung, krisenresistent und ohne Altersgrenzen: Branchenspezifisch tarifierter Bruttogewinn abzüglich Gemeinkosten. Die Messe ist gesungen!
Paolo Ermotti, am 14. März 2020 um 19:24 Uhr
@Ermotti: Sie haben absolut recht:

"Würden die Menschen endlich begreifen, dass die Funktionalität der Geldschöpfung aus dem Nichts, keine Zahler hervorbringen kann ...
Alle Erzählungen [..] basieren auf ihrer selbst konstruierten Irrlehre, [..] wonach Geld aus Einnahmen entstehe."

Nur, Sie ahnen es vermutlich auch: Ihre Erkenntnisse sind für die meisten Menschen ungehört geblieben - und damit auch gleich: ungehörig. Für viele fühlt sich folgende Argumentationskette logisch an:

Ich bin mit dieser ("irren") Vorstellung nicht aufgewachsen --> also ist sie mir ungewohnt respektive sie ist mir fremd --> und was sich nicht als vertraut anfühlt, ist - sozusagen: per Definition - falsch/irrational/"irre».

Die Idee, dass die Erde keine Scheibe sondern eine Kugel ist, wurde auch als «fremd» und damit «irre» abgetan ("denn da würden ja die Leute - da unten an der Kugel - von der Erde runterfallen").

Desgleichen: Ihre Aussagen, dass «Geldschöpfung keine Zahler hervorbringt» und dass «das Geld nicht aus Einnahmen entsteht» sind zwar so korrekt wie jene, dass die Erde Kugelform besitzt, bleibt aber einem, der ein Loblied auf die Scholle zu singen gelernt hat, wohl noch länger ein komplettes Mysterium (bzw. eben: «Irrsinn").
Stephan Kühne, am 15. März 2020 um 20:59 Uhr

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