Mobilität der Zukunft: Autonome Fahrzeuge als vierte industrielle Revolution © CC

Schöne neue Welt: mehr Lebensqualität dank autonomen Fahrzeugen.

Selbstfahrende Autos machen den Autobahnausbau überflüssig

Catherine Duttweiler / 22. Feb 2019 - Sicher, ökologisch und platzsparend: Selbstfahrende Fahrzeuge werden unser Verkehrsverhalten umkrempeln – schon ab dem Jahr 2030.

Die Bevölkerung ist noch abwartend bis skeptisch, doch für die Fachwelt steht fest: Bald wird der Megatrend Digitalisierung auch unser Verkehrsverhalten erfassen. Selbstfahrende Fahrzeuge und Sammeltaxis, die zentral gesteuert werden, miteinander kommunizieren, für längere Stecken aneinander docken und selbständig an Staus und Baustellen vorbei den schnellsten Weg zum Ziel suchen: Das ist keine utopische Zukunftsphantasie.

Es dürfte nur noch zehn Jahre dauern, bis autonome Wagen durch unser Land kurven. Dies sagte kürzlich Bernhard Gerster, Leiter der Automobiltechnik an der Berner Fachhochschule, im «Bieler Tagblatt». Laut dem Verband «digital.swiss» sind im Themenfeld Mobilität hierzulande erst 35 Prozent des Potenzials der Digitalisierung ausgeschöpft. Das heisst, dass die Strassen künftig markant mehr Verkehr aufnehmen können.

Milliardenpläne nicht mehr zeitgemäss

Es stehen also tief greifende Umwälzungen bevor, vergleichbar mit der Erfindung des Autos oder des Smartphones - einzelne Forscher sprechen gar von der vierten industriellen Revolution. Dennoch verplanen Bund und Kanton derzeit munter Milliarden für den Ausbau der Autobahnen. In Zürich etwa soll die Strecke von der Hardbrücke bis zum Bucheggplatz auf vier Spuren ausgebaut und in einen Tunnel versenkt werden; in Luzern und Basel sollen offene «Bypässe» entstehen, und das Zürcher Oberland und das Oberwallis mit einer Autobahn beglückt werden, wegen des «nationalen Zusammenhalts». So argumentierte der Direktor des Bundesamtes für Strassen in mehreren Interviews, in denen er auch durchgehend sechspurige Autobahnen im Mittelland, doppelstöckige Nationalstrassen im Limmattal sowie generell «Einfallsachsen» in die Städte forderte. 15 Milliarden Franken will der Bundesrat in den nächsten zwölf Jahren in den Ausbau des Nationalstrassennetzes stecken.

Fortschrittliche Mobilitätsforscher beurteilen dies skeptisch und prognostizieren tief greifende Veränderungen beim Individualverkehr. Markus Maibach vom Büro Infras erwartet, dass sich die weitgehende Digitalisierung in fünf Etappen abspielt: Während schon heute vielfältige Fahrassistenzsysteme im Einsatz sind, werden nächstes Jahr erste Autos über vereinzelte autonome Funktionen verfügen, um dann ab 2025 «hoch automatisiert» auf Autobahnen zu fahren. 2030 sollen die ersten autonomen Fahrzeuge serienreif sein, und für 2040 prognostiziert er eine «spürbare Marktdurchdringung autonomer Fahrzeuge». Dabei ist der kombinierte Mischverkehr in Städten mit Autos, Velos, Trams und Fussgängern die schwierigste Herausforderung. Die Fachwelt geht daher davon aus, dass ausgewählte Autobahnstrecken als erstes Experimentierfeld frei gegeben werden, gefolgt von Überlandstrassen.

Industrie investiert Milliarden

Den besten Beweis, dass die Technologie kurz vor dem Durchbruch steht, liefert die Industrie: Die Autobauer investieren massiv. Denn wer zu spät kommt, den bestrafen die Konsumentinnen und Konsumenten, wie zuvor schon in der Medienbranche oder beim Detailhandel. GM und Ford haben in den letzten Wochen die Schliessung herkömmlicher Fabriken bekanntgegeben, um Ressourcen freizuschaufeln. Daimler experimentiert seit 2014 mit selbststeuernden, intelligenten Lastwagen, die auf abgesperrten Teststrecken bis zu 80 km/h fahren und etwa einen Krankenwagen im Notfall akustisch erkennen und zur Seite fahren; das Unternehmen spricht von Fahrzeugen als «voll vernetztes Schwarmwesen» und rechnet schon 2025 mit der Markteinführung. Und der VW-Konzern hat vor wenigen Wochen bekannt gegeben, dass er 44 Milliarden Euro in die E-Mobilität investieren wird.

Versteht sich von selbst, dass die kühl kalkulierenden Konzerne dies nicht einfach aus Spass an der Freude tun. Ihnen eröffnet sich ein riesiger Markt. Vollautonome Fahrer ohne Fahrzeuge könnten «jährlich mehrere Milliarden Franken volkswirtschaftlichen Nutzen bringen», hat das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) in einer kürzlich publizierten Vorstudie errechnet. Und auch wenn mit der Digitalisierung diffuse Ängste verbunden sind, dürfte sie viele Vorteile mit sich bringen:

– Automatisierte Fahrzeuge werden den Strassenverkehr sicherer machen, weil die häufigste Fehlerquelle, der Mensch, entlastet wird.

– Betagte, Behinderte und Kinder haben vermehrt Zugang zur Mobilität, auch wenn sie selber fahruntüchtig sind.

– Selbstfahrende Wagen werden den Verkehr verflüssigen und den Benzinverbrauch reduzieren, weil weniger Stop-und-Go-Manöver notwendig sind, wie Tests von Volvo in Südschweden ergaben.

– Die Strassenkapazitäten können besser über den Tag verteilt werden, unproduktive Zeiten im Stau werden reduziert.

– Die Fahrzeuge könnten effizienter genutzt werden: Heute sind Fahrzeuge unterbesetzt und vornehmlich «Stehzeuge», wie Experte Maibach neulich an einer Tagung in Luzern frotzelte: Sie stehen zu 95 Prozent still auf dem Parkplatz oder in der Garage. Mit Car Pooling und einer intelligenter Einsatzsteuerung liesse sich dieses Missverhältnis korrigieren.

– Und schliesslich erwartet das ARE in seinen Berechnungen eine bessere Nutzung der Reisezeit für produktive Tätigkeiten, weniger Zeitverlust für die Parkplatzsuche sowie allgemeine Kosteneinsparungen durch die Automatisierung.

Auf der Schiene ist die Digitalisierung mit 64 Prozent schon weiter entwickelt als auf der Strasse, wo das Potenzial nach Angaben von «Digital.swiss» erst zu einem Fünftel ausgeschöpft wird. Die im Programm «smartrail 4.0» zusammengeschlossenen Schweizer Bahnbetriebe sehen dennoch weitere grosse Entwicklungsmöglichkeiten: Sie rechnen damit, dass bis 2040 durch Digitalisierung und Automatisierung nicht nur die jährlichen Systemkosten um rund 450 Millionen Franken reduziert werden, sondern dass die Kapazität im bestehenden Netz um bis zu 30 Prozent erhöht werden kann – bei gleichzeitiger Verbesserung von Sicherheit und Pünktlichkeit. Die Eisenbahnbetreiber wollen nächstes Jahr eine erste Pilotanlage testen und dann einen «industriellen Rollout» ab 2027 durchführen.

Der Bundesrat hat jedenfalls in seiner Strategie «Digitale Schweiz» neue Schwerpunkte gesetzt und die «Multimodalität» oder eben die «nahtlose Mobilität» zum Thema gemacht. Laut diesem Konzept sollen klassische Verkehrsträger wie Auto, Velo, Taxi und der öffentliche Verkehr dereinst durch digital gesteuert Mobilitätsdienstleister ersetzt werden, welche alle Verkehrsträger über Internet-Plattformen verbinden und steuern.

Ethische und juristische Fragen ungelöst

Natürlich birgt die rasante Entwicklung auch Nachteile: Problembereiche wie Datenschutz und Cyber-Sicherheit sind nicht ansatzweise gelöst. Da in diesen Bereichen die Meinungen der Experten noch weit auseinander liegen, bremst dies im Moment den raschen Einsatz der neuen Technologien, zu Recht. Auch ist die Debatte derzeit noch zu stark technologie- und marketinggetriebenen, so dass einige wichtige haftungsrechtliche, ethische und gesellschaftliche Fragen noch immer offen sind. Kritisiert wird zudem, dass die Digitalisierung der Mobilität – wie bisher fast jede neuer Entwicklungsschritt bei Infrastrukturen – Mehrverkehr und mehr Leerfahrten generieren könnte, wenn der Staat keine Leitplanken setzt. Zudem dürften einzelne Branchen ganz verdrängt werden, wie etwa die Taxibranche, speziell die Ubers dieser Welt.

Auto verliert seinen Status

Die Digitalisierung der Mobilität bringt vor allem dann effizientere und ökologischere Lösungen, wenn man sie mit Telekommunikations- und Internetdiensten im Sinne der «shared economy» intelligent vernetzt und kombiniert. Das Auto mieten statt besitzen, die Fahrten teilen oder ideale Routen und den idealen Mix von Verkehrsmitteln finden, um rasch ans Ziel zu kommen – damit kann das Mobilitätsverhalten der Zukunft optimiert werden. Speziell auf der ersten und letzten Meile könnten selbstfahrenden Sammeltaxis oder auch das in Biel entworfene Elektrofahrzeug ENUU den öffentlichen Verkehr wirkungsvoll ergänzen. Damit wäre der private Fahrzeugbesitz nicht mehr der Schlüssel zur individuellen Mobilität: Das Auto würde seinen gesellschaftlichen Status als persönliches Prestigeobjekt zusehends verlieren.

Die Digitalisierung der Mobilität wird also zu einem Quantensprung im Verkehr führen: Die jüngsten Zukunftsprognosen lesen sich wie eine perfekte Begründung für den Verzicht auf den weiteren Ausbau von Autobahnen. Die Digitalisierung habe «das Potenzial, die Verkehrslandschaft der Schweiz in den nächsten 15 bis 25 Jahren zu verändern, also bis 2031 bis 2041, schreibt der Bundesrat in einem Bericht zur Beantwortung eines Postulats von Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. Damit nicht weitere Bausünden in Beton gegossen werden, braucht es eine Denkpause.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Catherine Duttweiler engagiert sich im Bürgerkomitee «Westast so nicht!» gegen den Bau von zwei offenen Autobahnanschlüssen mitten in der Stadt Biel.

Weiterführende Informationen

Die Befreiung des Autos und seine Folgen

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12 Meinungen

Mehr Lebensqualität erreichen wir aber nur, wenn wir den Verkehr zwar ressourceneffizienter gestalten, den Effzienzgewinn aber nicht für zusätzlichen Verkehr aufbrauchen (Reboundeffekt), wie das im Artikel angedeutet ist.
Wir brauchen dann nicht nur weniger Autobahnen, sondern auch viel weniger Autos inkl. der ganzen Herstellungs- und Unterhaltsindustrie. Wir benötigen somit auch neue Wege aus der auf unendliches Wachstum getrimmten Gesellschaft, ansonsten alle technischen Lösungen letztlich zu keiner Qualitätsverbesserung führen.
Josef Brusa, am 22. Februar 2019 um 10:47 Uhr
Irgendwie erinnert mich das an die Begeisterung seinerzeit, als die Atomenergie die Lösung aller irdischen Probleme versprach. Und es erinnert mich an die Ballade «Die Brück' am Tay» von Th. Fontane u. die Quintessenz daraus: «Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand!"
Franz Peter Dinter, am 22. Februar 2019 um 12:48 Uhr
Typische Autofreaks, die heute noch - trotz gut ausgebautem öV - in Städten und Agglos mit ihrem privaten Motorfahrzeug unterwegs sind, die WOLLEN doch gar nicht das Steuer aus der Hand geben, und ebensowenig wollen sie auf ihr Statussymbol verzichten. In Randgebieten, wo man sehr wohl aus sachlichen Gründen auf den MIV angewiesen sein kann, bringt der ganze digitale Schnickschnack eh nicht viel. Und Fahrzeuge an Staus vorbeilotsen, dafür genügen die vorhandenen Systeme vollauf. Der grösste Knackpunt der ganzen Übung, wurde (zwar nur ganz knapp) gestreift. Einzige Frage unter dem Strich: Platzt die Blase eher früher oder später?
Walter Helbling, am 22. Februar 2019 um 14:28 Uhr
Ich wünschte mir, die neuen Techniken führten zu weniger Verkehr, aber: «autonome» Autos machen das Autofahren zunächst einmal attraktiver (weil man während des Fahrens anderes tun kann, weil auch Kinder fahren können etc …). Das führt zu mehr, nicht weniger Verkehr. Dass Autos heute so extrem ineffizient genutzt werden, hat nichts mit fehlender Hightech zu tun – warum sollte Hightech da helfen (am schlechtesten sind die Autos mit durchschnittlich 1,1 Personen pro Fahrzeug im Pendlerverkehr besetzt, obwohl doch gerade dieser Verkehr sehr berechenbar ist und Fahrgemeinschaften ein Leichtes wären). Man sollte das Auto nicht so betrachten, als wäre es in erster Linie ein Mobilitätswerkzeug: Das war es noch nie.
Marcel Hänggi, am 22. Februar 2019 um 14:59 Uhr
Diese Begeisterung für selbstfahrende Wagen wird langsam lächerlich - man spürt den Druck, der die PR der IT Firmen aufbauen, um ihre zukünftigen Renditen zu sichern. Und dass diese Gadgets ein G5-Netz benötigen, - 15000 zusätzlicher Antennen in der Schweiz ….- mit möglichem, noch nicht widerlegtem Gesundheits-Risiko, wird einfach ausgeblendet … Wer sagt diesen Herren mal endlich «genug !» ? Wir - die Bevölkerung - können es .
bernhard sartorius, am 23. Februar 2019 um 01:17 Uhr
Was soll hier ökologisch sein, wenn ein System, das nur mit hochfrequenter Strahlung funktioniert, die gesamte belebte Natur zerstört - - - Es gibt genügend Studien, welche die krebsfördernde Wirkung der hochfrequenten Strahlung auf Organismen nachweisen. So hat das Ramazzani Institut in Bologna erst letztes Jahr seine entsprechenden Resultate in der Fachzeitschrift Environmentel Research (Vol. 165) veröffentlicht. Eine über neun Jahre laufende weitere Studie in den USA, das Hochfrequenz-Tierforschungsprojekt des NTP legte ihre ebenfalls eindeutigen Befunde bereits im Jahr 2016 vor. Wenn man will, kann man sich heute informieren - und endlich aufwachen.
Urs Georg Allemann, am 23. Februar 2019 um 16:00 Uhr
Ich kann mich den kritischen Kommentaren nur anschliessen. Das Bild oben steht in einer langen Tradition von Zukunftsbilder die uns eine technologische Utopie vorgaukeln wollen welche nie eintreten werden. Gerade die Verbindung von Technologie und Umweltschutz ist so verbreitet wie naiv. Millionen von Benzinautos verschrotten und dafür Millionen von Elektrofahrzeugen zu produzieren ist in keinster Weise umweltfreundlich. Umweltfreundlich wäre es, wenn wir die Ökonomie so gestalten, dass lange Verkehrswege obsolet werden. Örtlich produzieren und verbrauchen und nur langsam reisen, das wäre Umweltfreundlich. Davon ist die oben beschriebene Utopie weit weg. Schnell, billig und stehts Verfügbar soll das Reisen sein.
Die Digitalisierung wird die Umwelt weiterhin stark belasten, das immer schnellere und billigere Reisen den Lebensraum von Tieren eindämmen. In den Zentren wird sich dank E-Fahrzeugen die Luftqualität verbessern, was interessiert da schon das Grundwasser und die Lebensbedingungen von Tieren und Menschen an den Orten wo diese Technologien aus dem Erdreich gewonnen werden? Dem westlichen Fortschrittsglauben und Wachstumsdruck mussten schon zig Völker, Tierarten und Waldgebiete weichen. Wann soll das aufhören?
Der Fragestellung betreffend Überwachung und Unterdrückung durch die Digitalisierung wird dann in solch naiven Berichten gar keine Beachtung mehr geschenkt. Die Bildunterschrift ist sehr treffend gewählt, nur verschlisst sich der Autorin wohl der tiefere Sinn.
Stöckli Marc, am 25. Februar 2019 um 09:21 Uhr
Ich kann mir betreffend selbstfahrende Fahrzeuge beim besten Willen nichts positives abgewinnen. Einmal mehr verfallen Fortschrittsgläubige einer Pseudo-Euphorie. Dabei ist das Ganze nicht im Entferntesten durchgedacht. Man stelle sich nur mal den Mischverkehr vor: Stadtverkehr, Landverkehr, Durchgangsverkehr, ausländische Fahrzeuge, Lastwagen, Motorräder, (sind die auch selbstfahrend?) Fahrräder, nasse, und vereiste Fahrbahnen, Nebel, geplatzter Reifen, unvorsichtige Fussgänger, und vor allem: kleinste Software-Störungen. Und wenn's chlöpft, - und das wird es garantiert, öffnet sich das Kapitel der Schuldfragen bei den Versicherungen mit garantiert endlosen Streitigkeiten wegen fehlender, kaum eruierbaren menschlichen oder technischer Ursache. Dies ist vorprogrammiert.
Wir sollten diesen ganzen Blödsinn lassen und statt dessen uns wichtigeren Zunkunftsinvestitionen annehmen, die der Gesellschaft etwas bringen. Solche gäbe es etliche.
Anton Suter, am 26. Februar 2019 um 00:36 Uhr
Das möchte ich erleben, dass im Zürcher Oberland ohne zusätzliche Strassen der Verkehr entstaut wird. Allerdings hatte die Gemeinde Hinwil (heute BR U.M.) mit einer ‚cleveren‘ Baublockade die einzige halbwegs vernünftige Routenführung definitiv verhindert. Erfahrungsgemäss führen „Milliarden Franken volkswirtschaftlichen Nutzens“ dazu, dass die Gewinne privatisiert werden und oben auf schwimmen, die Verluste übernimmt der Staat. Die Aufzählung der Vorteile entspricht genau dem seit vielen Jahrzehnten bekannten Verkäuferlis-Muster, macht sich allein deshalb schon verdächtig. Wer „Strassenkapazitäten besser über den Tag verteilen“ will, schickt dem Arbeiter XY eine SMS, dass die Strasse nun gerade optimal sei und er innert 10 Minuten losfahren müsse – 2 Stunden vor Feierabend; 2 Stunden, bevor die Schichtablösung eintrifft. Wenn Stehzeuge zu nahezu 100% im Einsatz sind, wird sich ihre Lebensdauer entsprechend verringern. Zudem hat man es bis heute nicht geschafft, Leerfahrten bei der Camionage sinnvoll zu reduzieren. Noch weniger hat es die hochmotivierte Politik in 50 Jahren geschafft, Arbeitsplätze – wie versprochen – aus den Zentren herauszuholen. „Auto mieten statt besitzen“ wird spätestens dann spannend, wenn es um das Entfernen von Kaugummiresten auf dem Sitzpolster geht: Das zahlen dann letztlich einfach alle, und das Gejammer wegen steigender Putz- und Beulenprämien geht los, ähnlich den KK-Prämien (Gemeinschaftsprinzip ist nur begrenzt belastbar).
Leonhard Fritze, am 27. Februar 2019 um 19:07 Uhr
Das Bild der «schönen neuen digitalen Welt» zeigt ein unglaubliches Gewusel, Dichtestress pur. Was genau ist daran anziehend? Bezeichnend scheint mir, dass in all diesen technischen Wunderphantasien die Maschinen im Zentrum stehen. Die lassen sich berechnen, optimieren, in einen exakt ablaufenden Plan bringen. Einmal mehr bleibt der Mensch selber nicht nur ausser Betracht, er wird sekundär eingepasst in vorgegebene Denkmuster. Dass kein einziger Gedanke an die Strahlenbelastung durch 5G verwendet wird, ist dabei bezeichnend. Der digitalisierte Mensch gehorcht in diesen Visionen einem rational logischen Denkmuster und vorgegebenen Algorithmen. Das können sehr vernünftige, ökologische, ökonomisch rationale Denkmuster sein. Doch wer verfügt über sie? Welche grosse Mutter, welcher grosse Vater denkt sie für uns?
Heute funktionieren ökologisch vernünftige Einsichten nur begrenzt wie Fahrgemeinschaften, Carsharing, Velo statt Auto im Nahbereich, etc. In den wunderbaren Visionen einer neuen Welt geht das alles von alleine. Doch wer hat die Macht, das anzuordnen, die Menschen dazu zu bringen? Die digitale Welt ist auch eine diktatorische Welt. Eigentlich ist das bereits auf dem schönen Bild oben wahrnehmbar. Sie sehen alle so glücklich aus.
Hansueli Minder, am 01. März 2019 um 06:46 Uhr
Vollkommen selbstfahrende Autos kommen nicht. Der Artikel erwähnt es: wichtige haftungsrechtliche, ethische und gesellschaftliche Fragen sind noch immer offen.

Es ist ganz einfach, ein System muss programiert werden. Es muss sich also im Extremfall zwischen dem Tod des Insassen und dem des anderen Unfallbeteiligten entscheiden. Einzige Möglichkeit wäre meiner Ansicht nach eine Art Zufallsgenerator. Wer aber würde solch ein Produkt kaufen oder «fahren» wollen?
Alex Bötschi, am 07. März 2019 um 02:26 Uhr
Ich arbeite an einem selbstgehenden Fussgänger.
Theo Schmidt, am 07. März 2019 um 13:49 Uhr

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