Ein Drittel weniger Feldlerchen in der Schweiz als noch vor zwanzig Jahren © Daniele Occhiato/Vogelwarte

Ein Drittel weniger Feldlerchen in der Schweiz als noch vor zwanzig Jahren

Ungleiche Spiesse: Vogelschützer gegen die SVP

Beatrix Mühlethaler / 08. Aug 2012 - Auf Schweizer Äckern und Wiesen schwinden die Vögel. Ohne Agrarreform, so fürchten Vogelschützer, geht dieser Aderlass weiter.

Trotz Beiträgen für ökologische Leistungen verfehlt die Agrarpolitik ihr Umweltziel. Das zeigt sich besonders deutlich in der Entwicklung der Vogelpopulationen, die auf Wiesen und Äckern brüten. Für 46 Vogelarten trägt die Landwirtschaft gemäss amtlich festgehaltenen Umweltzielen eine besondere Verantwortung. Diese Arten, zum Beispiel die Feldlerche, den Baumpieper und das Braunkehlchen, sollte sie erhalten und fördern. Doch der Bestand dieser 46 Arten sank innerhalb der letzten 20 Jahre um einen Viertel oder 350 000 Individuen auf 1,05 Millionen, teilten die Schweizerische Vogelwarte und der Schweizer Vogelschutz/Birdlife Schweiz am Dienstag mit. Dabei war die Ausgangslage schon vor zwanzig Jahren unbefriedigend: «Der ganz grosse Crash fand vorher statt», sagt Markus Jenny von der Vogelwarte.

Fettwiesen auch in den Bergen

Besorgt stellen die Vogelschützer fest, dass dieser Verlust nicht nur die Tallagen betrifft, sondern auch das Berggebiet. Im Engadin beispielsweise, so belegt eine Untersuchung, halbierten sich die Bestände von Feldlerche, Braunkehlchen und Baumpieper innerhalb von zwanzig Jahren. Die Gründe: Stärkere Düngung verwandelt Magerwiesen in Fettwiesen, und eine frühere Mahd zerstört die Brutgelege.

Vogelwarte und Vogelschutz bezeichnen die Agrarpolitik 2014-17, die nächste Woche in der zuständigen nationalrätlichen Kommission und in der Herbstsession vom Nationalrat beraten wird, als «letzte Chance für Schweizer Feldvögel». Der bundesrätliche Vorschlag sei ein Kompromiss, der nicht weiter verwässert werden dürfe. Im Kern geht es darum, Subventionen vermehrt für ökologische Leistungen statt für bewirtschaftete Flächen oder Nutztiere auszuzahlen. Das Verhältnis betrage zurzeit 2,8 Mia zu 865 Mia, erinnern die Organisationen.

Durchaus realistisch

Gegen die Umlagerung der Subventionen von Pauschal- zu Leistungsbeiträgen macht zurzeit die SVP mobil und suggeriert, die Nahrungsmittelproduktion und damit die Versorgungssicherheit der Schweiz würden darunter leiden. So lud sie am vergangenen Wochenende mit dem Slogan «Heimische Nahrungsproduktion statt zusätzliche Förderung der Importe» zu einer Bauern-Landsgemeinde ein. Damit hält sie hartnäckig an der Vorstellung fest, eine ökologische Bewirtschaftung degradiere die Bauern zu Landschaftsgärtnern und stelle die Bedeutung der Nahrungsmittelproduktion in Frage.

Die Vogelschützer hingegen bestreiten diese Sicht mit dem Hinweis auf zahlreiche positive Gegenbeispiele. Diese würden beweisen, dass «die Schweizer Bäuerinnen und Bauern durchaus in der Lage wären, eine standortgerechte Produktion von Nahrungsmitteln mit artenreichen Lebensräumen zu kombinieren».

Modellrechnungen in der bundesrätlichen Botschaft stützen diese Sicht: Danach würde neben dem Einkommen der Betriebe auch die Nahrungsmittelproduktion gemessen in Kalorien steigen. Grund dafür wäre unter anderem eine gesteigerte Getreideproduktion, die geringere Futtermittelimporte nach sich zöge. Der bundesrätliche Vorschlag für die Agrarpolitik 2014-17 würde somit die Abhängigkeit von Importen nicht erhöhen sondern senken.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Hobby-Ornithologin. Schreibt als freie Journalistin u.a. für das Magazin des Bundesamts für Umwelt.

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