Umweltamt lässt Bundesregierung nackt dastehen

Franz Alt © FA
Franz Alt / 11. Dez 2019 - Jahrhundertthema Klimaschutz: Das Gutachten des Bundesumweltamtes legt für die Grosse Koalition ein beschämendes Zeugnis ab.

Ein jetzt veröffentlichtes Positionspapier des deutschen Bundesumweltamtes unter dem Titel «So erreicht Deutschland im Verkehrssektor seine Klimaschutzziele für das Jahr 2030» nennt die Voraussetzungen, damit der Verkehrssektor die Klimaziele erreichen kann:

  1. Eine Verteuerung von Benzin und Diesel;
  2. ein Tempolimit 120 auf Autobahnen;
  3. eine höhere LKW-Maut (Schwerverkehrsabgabe);
  4. die Abschaffung der Pendlerpauschale;
  5. kein Privileg mehr für Dienstwagen;
  6. eine weit höhere Lenkungsabgabe auf CO2 als von der Regierung geplant.

Alle Forderungen des Amtes werden seit Jahrzehnten diskutiert, aber diese Regierung hat keine einzige Forderung umgesetzt. CDU/CSU und SPD sprechen zwar ständig von Klimaschutz, aber sind zu feige, das was sie sagen auch zu tun. Und das nach bald einem Jahr andauernder Proteste der «Fridays for Future»-Bewegung.

Die SPD ist noch immer so sehr Kohlepartei wie die CDU/CSU Autopartei ist. Beide «Volksparteien» hängen am Tropf der alten Energie- und Autokonzerne wie ein Junkie an der Nadel. Der besorgniserregende Rat der Wissenschaftler, von Fachleuten und Umweltverbänden, den das Umweltbundesamt jetzt zusammengefasst hat, wird einfach ignoriert und die Klima-Jugendbewegung ist in dieser Rentnerrepublik noch immer zu schwach. Die Wahlen werden von den über 60-Jährigen entschieden. Also wird weiter die Zukunft der Jungen verbrannt.

Auf welche Wunder warten wir?

Bisher warten wir noch immer auf «Wunder, die nie geschehen» (Süddeutsche Zeitung). Es würde ja tatsächlich einem politischen Wunder gleichkommen, wenn diese Groko die Raserei auf Autobahnen beenden, die Spritpreise um bis zu 70 Cent anheben und das Autofahren etwas weniger attraktiv machen würde.

Wer Politik nur mit dem Kopf, aber herzlos gegenüber der eigenen Jugend macht, wird jedoch in Wahrheit immer mehr Wähler verlieren. Das haben die letzten Wahlen auch in Deutschland gezeigt – mit drastischen Zuwächsen der Grünen. Die Wählerinnen und Wähler wachen immer mehr auf und sind mit wachsendem Umweltbewusstsein den Politikern der alten Parteien weit voraus. Dafür sorgen auch in Zukunft die wachsenden Umweltkatastrophen, die menschlichen Opfer derselben und die immer unbezahlbarer werdenden Milliarden-Schäden.

Was kostet der Klimaschutz?

Klimaschutz kostet, das ist richtig, aber kein Klimaschutz kostet die Zukunft, das ist genau so richtig. Vor allem die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Eine Zeit lang können Politiker diese Wahrheit verleugnen und verdrängen, aber niemals auf Dauer. Nur die Wahrheit wird uns frei machen – und zukunftsfähig. Wenn die Folgen des heutigen Politversagens noch spürbarer werden als heute, dann sind die Berliner Feiglinge freilich nicht mehr im Amt. Darauf hoffen sie.

Diese deutsche Klimaschmutzpolitik ist gerade kein Vorbild für die derzeitige Weltklimakonferenz in Madrid. Deutschland – vor 15 Jahren noch Vorreiter im Klimaschutz und in der Energiewende – gehört heute international eher zu den Bremsern. Schade. Denn zugleich verpasst die deutsche Wirtschaft riesige Chancen, weil die Technologien zum Beispiel für die Solar-, Wind- und Bioenergien hauptsächlich hierzulande entwickelt wurden, aber zu wenig auch hier zum Zuge kommen.

Die ganze Welt braucht diese Technologien. Doch diese werden nur in Deutschland gekauft, wenn sie auch im grossen Stil in Deutschland eingesetzt werden. Deutschland verschläft mit dieser Regierung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch die Zukunft.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der pensionierte Autor war viele Jahre lang ARD-Journalist. Er betreibt heute den Blog sonnenseite.com.

Weiterführende Informationen

Positionspapier des Bundesumweltschutzes

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2 Meinungen

Ganz so simpel wie hier von Franz Alt beschrieben, ist die Thematik nicht. Unverändert gibt es eine Riesenmenge Leute, die sich sehr ernsthaft mit den Themen «Klimaschutz» beschäftigen und hinterher trotzdem weiter sagen, daß das Ganze nur ein theoretisches Wunschtraumbild ist und bleibt. Dabei wird viel mit falschen Argumenten und Fakten gearbeitet. Dinge, die nicht in den Wunschkram passen, werden totgeschwiegen.

Wer wie ich schon vor 40 Jahren massiv für mehr Güterverkehr auf der Bahn, anstatt LKW auf Strassen kämpfte, der machte das aus Umweltschutzgründen und dem «gesunden Menschenverstand» aber heute ist das Ganze plötzlich wegen «Klimaschutz"? Das ist Okkupieren von Begriffen und Deutungshoheit.

Dann gibt es Dinge, die «wegen Klimaschutz» gemacht werden und unangenehme Begleiterscheinungen haben. Doch mit lieber Totschweigen und «Noch-mehr-Klimaschutz» wird eher noch draufgesetzt. So hat gerade die massive Umstellung der Strassenlampen + Hausbeleuchtungen auf stromsparendere LEDs, einen beachtlichen Anteil an den Insektenverlusten verursacht. Nicht nur Landwirtschaft und Pestizide. Doch wo liest man sowas? Wo sagt wer, daß LEDs schädlich für die Insektenwelt sind? Nur der «Klimawandel» sei mitschuld am Insektensterben.

Diese Auflistungen könnte man seitenlang fortsetzen. Der stete Klimawandel ist nunmal Tatsache und noch immer wurde der ausgesetzte Preis von 100 000 Euro nicht abgeholt, den der erste Beweiser des «menschgemachten Klimawandels» sich holen kann.
Werner Eisenkopf, am 11. Dezember 2019 um 12:56 Uhr
Der Artikel von Franz Alt erinnert mich an das Zitat von Albert Einstein: «Die reinste Form des Wahnsins ist es, nichts zu ändern und zu glauben es ändere sich etwas». Alle seine Punkte sind Vorschriften und fiskalische Belastungen. Man könnte meinen alle Deutschen seien Masochisten. Besteht dafür eine historische Pflicht? Warum das ganze nicht ändern. Wie wäre es mit einer Klima-Gutschrift von 1500 € pro Monat für jeden Bürger. Das ganze würde finanziert durch eine Abgabe von 400% auf die Energiepreise. Ich empfehle jedem, nun die Rechnung selbst zu machen. Bitte schreiben Sie mir, wenn Sie dann zu den Verlierern gehören. Es werden keine 20% sein. Hier meine Adresse urs.loepfe@noblackout.eu.
Urs Anton Löpfe, am 13. Dezember 2019 um 17:55 Uhr

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