Nach dilettantischer PCB-Sanierung: Der Bach Spöl im Nationalpark muss ausgebaggert werden © srf

Nach dilettantischer PCB-Sanierung: Der Bach Spöl im Nationalpark muss ausgebaggert werden

PCB-Sanierungen: Bund und Kantone sind gefordert

Kurt Marti / 29. Mär 2018 - Obwohl das hochgiftige PCB längst verboten ist, wird bei der Sanierung gebummelt. Kantonsbeamte und Experten kritisieren den Bund.

Was der neuste PCB-Report des «Beobachters» heute veröffentlicht, ist kaum zu glauben: Seit vier Jahren ist dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) bekannt, dass der Farbanstrich in Ställen zur PCB-Vergiftung von Rindern und Kälbern führen kann und damit auch zur Gefährdung der Gesundheit der KonsumentInnen.

Verschwiegen und Problem auf die lange Bank geschoben

Dass ein entsprechender Fall der breiten Öffentlichkeit seither verschwiegen wurde, ist das eine, schlimmer ist die Untätigkeit der Bundesbehörden: Statt die potentiellen 36‘000 Kuhställe nach dem krebserregenden PCB (Polychlorierte Biphenyle) zu untersuchen, brütet eine Arbeitsgruppe des Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) seit zwei Jahren über einer PCB-Strategie. Und das auch erst auf Druck der Kantone.

Selbst als im letzten Jahr ForscherInnen der ETH und der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) eine rasche Entfernung von PCB-haltigen Materialien in Tierbetrieben forderten, schliefen die Bundesbehörden weiter. Darüber ärgern sich laut «Beobachter» PCB-Experten und Kantonsbeamte.

«Jeder hat sich auf den anderen verlassen»

In einem weiteren Fall zeigt der «Beobachter» auf, wie dilettanisch die PCB-Sanierung des Grundablasses in der Staumauer des Engadiner Kraftwerks «Punt dal Gall» vor sich ging. Durch ein Panne wurde der Bach Spöl im Nationalpark PCB-vergiftet.

Dabei zeigen die Recherchen des «Beobachters» eindrücklich auf, wie mangelhaft der Vollzug bei den PCB-Sanierungen ist. Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz hatte der «Beobachter» Einblick in Unterlagen des Kantons und folgert:

«Jeder hat sich auf den anderen verlassen. Die kantonalen Behörden in Chur schätzten die Sanierungsarbeiten als unproblematisch ein und verzichteten auf Kontrollen. Und die Engadiner Kraftwerke vertrauten auf die Professionalität der Korrosionsschutzfirma.»

Forderungen nach konsequentem Vollzug

Jetzt fordern die Beamten des Kantons Graubünden, die Kraftwerk-Betreiber und die PCB-Experten mehr Kontrollen und eine konsequentere Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften.

Das wird auch nötig sein, denn wie der «Beobachter» weiter berichtet, haben weitere Abklärungen des Kantons unter anderem unterhalb von anderen Kraftwerken ebenfalls erhöhte PCB-Konzentrationen ergeben.

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PCB-Report des «Beobachters»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

DOSSIER: Gifte und Schadstoffe in der Umwelt

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