Wenig kreatives Quotenbashing eines Kreativchefs

 Barbara Marti © bbm
Barbara Marti / 12. Feb 2019 - Mehr Frauen in Chefetagen: Wenn sich ein PR-Mann zu Quoten für Frauen äussert, bleibt das Niveau der Argumentation tief.

Dennis Lück, «Chief Creative Officer» der PR-Agentur JUNGvMATT, durfte in der NZZ am Sonntag einen Gast-Kommentar zu einem Thema schreiben, von dem er offensichtlich nicht viel Ahnung hat: Frauenquoten für die Führungsetagen von Unternehmen. Frauenquoten disqualifiziert er pauschal als «frauenfeindlich», «sexistisch», «lächerlich» und «hilflos». Für eine bessere Durchmischung der Geschlechter in Führungsetagen gebe es viel bessere Alternativen, spielte er sich auf.

Nur: Kreativ sind die Vorschläge des Kreativchefs mitnichten. Es ist längst Bekanntes, das sich in der Schweiz bisher – unter anderem mangels Quoten – nicht durchsetzen liess:

  • Echte Lohngleichheit.
    Eine solche schreiben Gleichstellungsgesetz und Bundesverfassung seit Jahrzehnten vor. Doch die Arbeitgebenden sträuben sich dagegen ebenso wie gegen Frauenquoten. Das Parlament schaffte es bisher nicht einmal, griffige Lohntransparenz vorzuschreiben. Diese wäre eine wichtige Voraussetzung, damit Betroffene Diskriminierungen erkennen und beweisen können.
  • Bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und ein Vaterschaftsurlaub.
    Auf ein breites günstiges Angebot an Kinderkrippen und Tagesschulen warten Frauen in der Schweiz schon lange. Die hängige Volksinitiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub lehnt der Bundesrat ab. Eine Parlamentskommission schlägt lediglich zwei Wochen vor.
  • Eine bessere Datenlage über die Gründe, weshalb so wenig Frauen in die Chefetagen gelangen.
    Daten liegen mehr als genug vor. Man weiss seit langem, wann und weshalb die Karrieren von Frauen stocken.

Schliesslich schlägt Lück eine weitere «Alternative» vor: Männer sollen ihre Netzwerke öffnen. Denn es sei schwierig für Frauen, in den «Zigarrenzirkel» vorzustossen. Genau dieses Anliegen aber wird am effizientesten mit Quoten erreicht. Ohne vorübergehenden Zwang öffnen die Männer diese Türen nicht. Das haben die letzten Jahrzehnte gezeigt.

Genau darum geht es bei den Quoten: Sie sind Türöffner für Frauen, um in diese von Männern dominierten Netzwerke vorzustossen. Des «Kreativchefs» Alternativen für eine bessere Vertretung von Frauen in Chefetagen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als wenig realistisch erwiesen.

Einen wirklich kreativen Alternativvorschlag zu Frauenquoten hat bisher niemand gemacht, auch Dennis Lück nicht. Seine Disqualifizierung von Quoten für Spitzenposten als «frauenfeindlich», «sexistisch», «lächerlich» und «hilflos» ist eine alt bewährte Taktik, um Forderungen von Frauen abzuservieren.

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Allfällige Meinungen zu diesem Beitrag sollen bitte nur sachliche Argumente enthalten.

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Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift FrauenSicht.

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2 Meinungen

Hier vermischen sich diverse Themen. Ob dabei ausgerechnet der Kreativchef einer Kommunikationsagentur eine schlüssige Beurteilung vorlegen kann, wage ich zu bezweifeln. Die Versuchung einfach seinen Brötchengebern nach dem Mund zu sprechen erscheint unwiderstehlich.

Es ist wohl kaum Zufall, dass in den obersten Positionen überdurchschnittlich viel Narzissmus vertreten ist. Die Quotenfrau hat es in diesem Umfeld schwer. Die Frau, die sich da wohl fühlt, schafft es auch ohne Quote.

Ein Problem erscheint mir nicht, dass Frauen nicht in die «Zigarrenzirkel» vorstossen, sondern dass es «Zigarrenzirkel» gibt. Die Legitimität einer inhärent korrupten Konstruktion mit Frauenquoten zu fördern, erscheint fragwürdig.

Der Putzfrau ist zu recht egal, ob sie am Abend des Büro eines männlichen oder weiblichen Chefs putzt. Daher sollte die ambitionierte Frau nicht zu viel Hoffnungen in «weibliche Solidarität» investieren. Speziell solidarisch ist ihre Ambition naturgemäss nicht.
Matthias Vogelsanger, am 12. Februar 2019 um 11:45 Uhr
Ich kann Ihnen sagen, weshalb ich unbedingt für Frauenquoten bin:

-- Befördert wird man in der Regel nicht, wenn man nur gut ist, noch weniger, wenn man Recht hat (und der Chef nicht). Befördert wird man, wenn man dem Chef Freude macht. Natürlich wird ein unfähiger Kollege nicht befördert, nur weil er ein Schleimer ist, aber Rücksichtnahme auf die Positionierung und die Befindlichkeit des Chefs sind unverzichtbar.

-- Dass Chef und Untergebener gleich ticken, ist dann gegeben, wenn sie sich mögen, und noch viel mehr, wenn sie sich gegenseitig nützen. Das nennt man Seilschaften. Diese Seilschaften sind es auch, welche zu verkrusteten Strukturen führen.

-- In den Unternehmen bestehen und funktionieren teilweise Jahrzehnte alte Seilschaften. Und die sind von Alters her männlich. Folglich haben Frauen grosse Mühe, in solche Seilschaften hinein zu kommen - und fehlen deshalb oben und ganz oben.

-- Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen braucht es Frauenquoten. Wenigstens eine Zeitlang.
Andreas Ochsenbein, am 13. Februar 2019 um 11:34 Uhr

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