Ein gemeinsames Tatmotiv rechter Terroristen ist Antifeminismus. © ard

Ein gemeinsames Tatmotiv rechter Terroristen ist Antifeminismus.

Warum Rechtsextreme Frauen, Juden und Muslime terrorisieren

Barbara Marti / 24. Feb 2020 - Der Mörder von Hanau hatte auch ein gestörtes Verhältnis zu Frauen. Der Feminismus sei schuld an der sinkenden Geburtenrate.

Hinter dem Feminismus würden Juden stecken und der Feminismus sei schuld an der Massenimmigration. Von solchen und ähnlich abstrusen Behauptungen lassen sich Rechtsterroristen anstacheln.

Wie der Zehnfachmörder von Hanau sagte auch der Attentäter von Halle in seinem Bekennervideo: «Der Feminismus ist schuld an der sinkenden Geburtenrate im Westen, welche die Ursache ist für die Massenimmigration. Die Wurzel dieser Probleme ist der Jude.»

Diese Verschwörungsphantasie sei in der rechten Szene weit verbreitet, sagte Anne Helm im ARD-Magazin «Panorama».

Motiv Antifeminismus

Helm ist Politikerin der Linkspartei und analysiert für diese die rechte Radikalisierung im Netz. Sie sagt, es sei wichtig zu begreifen, dass Antifeminismus, Antisemitismus und Rassismus zusammenhängen: «Dahinter steckt eine Verschwörungstheorie. Nämlich dass sich eine sogenannte jüdische Finanzelite, die die Welt regiert, den Feminismus am Reissbrett ausgedacht hat, um Frauen dazu zu bringen, weniger Kinder zu bekommen, um die weisse Rasse zu zerstören und einen Genozid an den Weissen zu verursachen.» Nach rechten Anschlägen stehen meist Rassismus und Antisemitismus im Fokus der Aufmerksamkeit. Laut Helm ist es deshalb wichtig, auch den Antifeminismus als Tatmotiv zu erkennen. Er spiele für die Radikalisierung eine entscheidende Rolle. «Erst wenn wir das verstehen, können wir darauf auch möglicherweise rechtzeitig und präventiv reagieren.»

Antifeminismus eint Terroristen

Der Antifeminismus, der Gleichberechtigung und vielfältige Lebensformen ablehnt, gilt als verbindendes Element der rechten Terroristen. Aus ihrer Sicht ermöglicht der Feminismus eine multikulturelle Gesellschaft, die es strikte abzulehnen gelte. So gab der Attentäter von Christchurch (Neuseeland) in seinem «Manifest» dem Feminismus die Schuld, dass Frauen zu wenig Kinder bekommen und es deshalb zu einem «Bevölkerungstausch» mit den Muslimen komme. Der norwegische Massenmörder Andres Breivik, der gezielt junge Frauen ins Visier nahm, schrieb: «Das Erstarken des Feminismus bedeutet das Ende der Nation und das Ende des Westens.»

Sexfrust von Männern

Am Anfang einer Radikalisierung stehe oft der Frust, keine Freundin zu haben, sagt Helm. Der persönliche Frust werde zur Wut auf alle Frauen und den Feminismus. In männlich dominierten Gruppen wie Studentenverbindungen, Fussballvereinen und Communities im Internet kommen frustrierte Männer dann in Kontakt mit der Behauptung, dass die Juden hinter dem Feminismus und damit auch hinter den sinkenden Geburtenraten und der angeblichen Überfremdung steckten. Politikwissenschaftlerin Judith Götz sagte im Onlinemagazin «ze.tt», der Antifeminismus habe eine Brückenfunktion zur Mitte der Gesellschaft. Dort würden viele die Auflösung traditioneller Geschlechterrollen als bedrohlich erleben. Und es sei akzeptierter, antifeministisch als offen rassistisch zu sein.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift «FrauenSicht».

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2 Meinungen

Ich erlaube mir daran zu erinnern, dass «Der Mörder von Hanau» in vielen Zeitungen und sogar in der wikipedia immer noch als «mutmasslicher Täter» benannt wird.

Wenn der mutmassliche Täter vor einer Verhaftung stirbt, und wenn der Verfassungsschutz die Ermittlungen übernimmt, dann werde ich misstrauisch. «False flag» Operationen haben leider Tradition (auch) in Europa. Und der dt. Verfassungsschutz ist auf unschöne Art mit dem NSU verbandelt.

~~~

Zum Artikel:

Die Autorin konzentriert sich fast ausschliesslich darauf Zitate aneinander zu reihen. Das ist schade. Keine eigene Meinung?

Die Überschrift „Antifeminismus eint Terroristen“ halte ich für gewagt. Gibt es dazu wissenschaftliche Untersuchungen?

Hier wird ziemlich viel zusammen in einen Topf geworfen.
Christoph Meier, am 24. Februar 2020 um 12:26 Uhr
Eine negative Berichterstattung ist auch Reklame. Und ich frage mich, in wie weit manche Politiker mit einem Hang zur Profilierung indirekt auch zu einer Verbreitung dieses Gedankenguts beitragen?
Ekkehard Blomeyer, am 25. Februar 2020 um 11:04 Uhr

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