Barbara Gysel (SP) kandidiert im Herbst im Kanton Zug für einen Sitz in der Kantonsregierung © BG

Barbara Gysel (SP) kandidiert im Herbst im Kanton Zug für einen Sitz in der Kantonsregierung

Barbara Gysel: «Eine reine Männerregierung darf es nicht geben»

Barbara Marti / 23. Jul 2018 - In der Schweiz hat bereits der vierte Kanton keine Frau mehr in der Regierung. Jetzt reagieren Politikerinnen.

Seit den Regierungsratswahlen vom Juni hat der Kanton Graubünden keine Frau mehr in der Regierung. Das war keine Überraschung: Für Barbara Janom Steiner (BDP), die aufgrund der Amtszeitbeschränkung für Regierungsmitglieder nicht mehr antrat, hatten ausnahmslos Männer kandidiert. Im Kanton Graubünden haben Frauen damit nur 20 Jahre lang mitregiert.

Männergremien

Nach den Kantonen Luzern, Tessin und Appenzell Ausserrhoden ist Graubünden der vierte Kanton, der von einem reinen Männergremium regiert wird. Wie in den Kantonen Tessin und Appenzell Ausserrhoden konnte eine bürgerliche Partei nach dem Rücktritt ihrer Regierungsrätin keine Frau für eine Kandidatur motivieren. Im Kanton Luzern verlor vor drei Jahren Felicitas Zopfi (SP) im zweiten Wahlgang gegen zwei Männer.

Kampfkandidaturen von Frauen

Im Herbst könnte mit dem Kanton Zug eine weitere Kantonsregierung zum Männergremium werden. Die einzige Frau in der Regierung, die grüne Manuela Weichelt-Picard, hat im Frühjahr überraschend ihren Rücktritt erklärt. Ihre Partei nominierte für die Nachfolge einen Mann. Darauf hat Barbara Gysel (SP), Mitglied des Kantonsparlamentes und Präsidentin der SP Kanton Zug, ihre Kandidatur erklärt: «Eine reine Männerregierung wie in Luzern – das darf nicht passieren!» Die SP ist zurzeit nicht in der Regierung. Auch Silvia Thalmann (CVP), die neben den zwei bisherigen CVP-Regierungsräten als Kampfkandidatin für die CVP einen dritten Sitz erobern will, argumentiert mit der Frauenvertretung: «Es geht nicht, dass die Zuger Bevölkerung keine Möglichkeit hat, eine Frau auf die Wahlliste für die Regierung zu setzen.»

Milizsystem in Frage stellen

Laut Doris Fiala, FDP-Frauen-Präsidentin, ist es für Frauen oft nicht möglich, Beruf, Familie und auch noch Politik zu vereinbaren. Man müsse deshalb «unverkrampft und ehrlich» über das Milizsystem diskutieren, das immer noch eine «heilige Kuh» sei, sagte sie der «Neuen Zürcher Zeitung». Simone Curau-Aepli, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen (EKF) und ehemalige CVP-Politikerin, sieht einen Grund für den Rückgang des Frauenanteils bei Regierungswahlen im Wahlsystem: «Bei Majorzwahlen tun sich Frauen generell sehr schwer.» Die EKF hat im Frühjahr Parteien und Frauen aufgerufen, sich für politische Parität zu engagieren. «Halbe-halbe» müsse das Ziel sein.

Schweizweit liegt der Frauenanteil in den Kantonsregierungen nach Angaben des Bundesamtes für Statistik bei knapp einem Viertel (Stand Mai 2018). Einzig in den Kantonen Thurgau und Waadt gibt es zurzeit eine Frauenmehrheit.

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Diesen Artikel haben wir von FrauenSicht.ch übernommen.

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Barbara Marti ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift «FrauenSicht».

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3 Meinungen

In unserer direkten Demokratie bestimmen die Wählerinnen und Wähler wer regieren soll. Wenn es geeignete Frauen hat, die auch bereit sind zu kandidieren, werden sie auch gewählt. Es ist zwar oft so, dass Frauen N I C H T Frauen wählen! Warum das so ist weiss ich nicht. In diesem Bereich müssten die Frauenverbände aktiver werden! Doch weder Quoten, Peitschen oder andere Druckmittel darf es jemals geben! Die Frauen sind zu loben, denen ihre Familien am Herzen liegen und ihre Pflichten, in dieser Hinsicht, wahrnehmen! Vielleicht entwickelt sich mal eine grössere Anzahl Spezies unter Männern, die mehr und mehr diese Aufgabe der Familienbetreuung übernehmen können, damit mehr Frauen in den Regierungen Platz nehmen können – sofern sie gewählt werden!
Willy Brauen, am 23. Juli 2018 um 14:44 Uhr
Wieso nur lassen wir Männer uns in der Politik dominant von Männern vertreten, wo Frauen von ihrer Denkweise her doch das Allgemeinwohl klar besser berücksichtigen als Männer?
Konrad Staudacher, am 23. Juli 2018 um 15:09 Uhr
Wie wäre es mit einer gesetzlichen Frauenquote, so wie bei den Verwaltungsräten?
Peter Herzog, am 24. Juli 2018 um 15:30 Uhr

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