Hinter dem «Centre National» und dem Telefon verstecken sich Abtreibungsgegner © ss

Hinter dem «Centre National» und dem Telefon verstecken sich Abtreibungsgegner

Abtreibungsgegner haben im Internet die Nase vorn

Barbara Marti / 16. Jun 2013 - Wer sich im Internet über Abtreibung informieren will, gerät mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Seite von Abtreibungsgegnern.

Ungewollt Schwangere suchen häufig erste Hilfe im Google. Dort stossen sie zuoberst auf scheinbar «neutrale» Webseiten, die aber von fundamentalen Abtreibungsgegnern betrieben werden – häufig ohne dass dies deklariert ist. Das hat die Nachrichtenagentur AFP aufgedeckt.

Beste Domainnamen gesichert

Im Rennen um die besten Domainnamen waren die Abtreibungsgegner auch in Deutschland und in der Schweiz erfolgreich und haben sich abtreibung.de und abtreibung.ch gesichert. «Abtreibung.ch» leitet direkt auf die Seite «Ja-zum-Leben-Bern.ch» um. Dort ist wenigstens rasch ersichtlich, wer dahinter steckt.

Wer bei Google das Suchwort «Abtreibung» eingibt, stösst auf zahlreiche weitere Seiten von Abtreibungsgegnern wie proleben.de, lebensgeschichten.org, mamma.ch, privatsache.ch, und nein-zu-abtreibung.ch.

Anders in Österreich: Dort waren die Ambulatorien, die Abtreibungen vornehmen, schneller als die Abtreibungsgegner. Die griffige Adresse abtreibung.at gehört dem Ambulatorium Gynmed in Wien. Wer bei Google nach «Abtreibung» sucht, findet zuerst die Seiten der Ambulatorien.

Abtreibungsgegner verbergen sich

Die Abtreibungsgegner verstecken sich auf ihren Seiten. Wer sie tatsächlich betreibt, ist auch in einschlägigen Rubriken (Wer sind wir) oft nicht ersichtlich und nur mit aufwändiger Suche herauszufinden. In Frankreich steht sogar häufig das Wort «national» im Namen, um einen offiziellen Charakter vorzugaukeln. Die Seiten der Abtreibungsgegner seien irreführend, aber nicht illegal, sagt die französische Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem.

Mutterschaft verherrlicht

Inhaltlich werde auf den Seiten der französischen Abtreibungsgegner nicht ausdrücklich von einem Schwangerschaftsabbruch abgeraten, schreibt AFP. Es gebe aber auch keine Informationen darüber, wo eine Frau abtreiben könne. Stattdessen werde die Mutterschaft verherrlicht und vor schweren psychischen Folgen einer Abtreibung gewarnt. Mit «Studien» und Aussagen von «Zeuginnen» würden Frauen vor schweren Schäden gewarnt. So sagt auf ivg.net die 18 Jahre alte Magalie: «Mein Schmerz wird jeden Tag grösser. Wenn ich zurück könnte, würde ich das Kind behalten.»

Neue Taktik der Abtreibungsgegner

Über die Webseite ivg.net, die laut AFP der christliche Fundamentalist René Sentis betreibt, ist eine Hotline für Hilfe suchende Frauen erreichbar. Die 29-jährige Jennie machte damit ganz schlechte Erfahrungen: Die Fragen ihrer angeblichen Beraterin hätten sie extrem aufgewühlt. Gegenüber AFP sprach sie von «Gehirnwäsche». Sie forderte Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem auf, eine staatliche Seite mit allen Informationen zum Schwangerschaftsabbruch aufzuschalten.

Laut Marie-Laure Brival von der «Association des centres d’interruption de grossesse» haben die Abtreibungsgegner eine «heimtückische» neue Taktik. Mit ihrer Desinformation im Internet würden sie Frauen den Zugang zu einer Abtreibung mehr erschweren als mit provokativen Protesten auf der Strasse. Ihren Kampf hätten die Abtreibungsgegner ins Internet verlegt, um Abtreibungen direkt zu bekämpfen. Sie glaubten nicht mehr daran, die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs rückgängig machen zu können.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht».

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4 Meinungen

Noch keine Meinung zu diesem Artikel? Ich fürchte, das Volk ist einfach sprachlos vor Graus, dass es dieses Thema in der heutigen Zeit überhaupt noch geben muss. Wie lange gibt es schon Sexkunde in Schweizer Schulen? Wer steckt dahinter, dass die Jugend keinen heiligen Respekt vor der Zeugung eines Kindes hat? Die Pille hat ihr 50jähriges gefeiert und viel weniger Thrombose- Tote auf dem Gewissen als Ärzte, die werdendem Leben
Ilse Czamek, am 18. Juni 2013 um 14:03 Uhr
...die werdendem Leben den Atem nehmen müssen. Alle Anti-AIDS-Kampagnen, die auch Abhilfe gegen ungewollte Schwangerschaften leisten könnten - nach so vielen Jahren alles für die Katz'? Wer hat wann entschieden, dass eine Schwangerschaft eine Krankheit (oder gar ein Unfall?) ist und der Abbruch durch die Krankenkassen finanziert werden muss? «Die Versicherung zahlt's ja!» hör' ich von Jungen in allen möglichen Situationen - haben die das in dem Zusammenhang auch verinnerlicht?
Ich wünsche mir LehrerInnen und BeraterInnen, die jedem weiblichen Wesen klar machen können, dass allein die Frau entscheidet, was sie mit ihrem Körper anstellt und dass sie allein für die Folgen verantwortlich ist. Das ist Emanzipation! Wenn schon viele Nationen und Religionen das hintertreiben, sollte es doch in unserem Land möglich sein, das 'die Frau sei dem Manne untertan' abzuschaffen... Sonst werden noch lange viele an dem Jammer verdienen, von den Psychiatern über die Ärzte und die Politiker bis zu den Sanatorien, die sich um die Nachwehen kümmern müssen.
Ilse Czamek, am 18. Juni 2013 um 14:29 Uhr
Und hört endlich auf, dieses abscheuliche Wort ABTREIBUNG zu gebrauchen. SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH ist ein medizinischer Eingriff und hat nichts mit EngelmacherInnen und Kriminalität zu tun. Ich hoffe, jede/r Medienschaffende hat soviel Freiheit, auch bei einem übernommenen Text dieses Unwort auszuwechseln. Merci an diejenigen, die den Anfang machen.
Ilse Czamek, am 18. Juni 2013 um 14:36 Uhr
ch finde das Wort Abtreibung auch scheußlich und aus persönlichen Gründen musste auch ich einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen. Ich habe mich auch im Internet umgesehen und bin auf die Seite von Woman & Health gestoßen www.ungewollteschwangerschaft.at - der Name hat mich dazu gebracht, dass ich mich dort zuerst erkundige und da mich auch die ärztliche Kompetenz überzeugt hat, habe ich mich für diese Klinik entschieden. Was ich sagen will ist, dass der Name sehr viel aussagt.
Larissa Müller, am 29. März 2014 um 12:43 Uhr

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