Trump empfiehlt «Nukleare Option»

Christian Müller © aw
Christian Müller / 02. Apr 2018 - Trumps Sprache verrät den verantwortungslosen Blödmann. «Nuklear» heisst bei ihm einfach «besonders wirksam».

US-Präsident Donald Trump empfiehlt seinen Republikanern im Kampf gegen die Einwanderung die «Nukleare Option». In einem Tweet vom 1. April schrieb er: «Es ist den Grenzwächtern (gegen Mexiko, Red.) nicht erlaubt, an der Grenze einen guten Job zu machen, wegen der lächerlichen liberalen Gesetze (der Demokraten), nach denen sie jemanden erwischen und gleich wieder laufen lassen können. Es wird immer gefährlicher. Es kommen ganze 'Karavans'. Die Republikaner müssen die Nukleare Option wählen, um JETZT harte Gesetze durchzubringen. KEIN DACA** MEHR!»

Die Nukleare Option …

Mit «Nuklearer Option» meint Trump – in diesem konkreten Tweet – natürlich nicht die Atombombe, sondern den «besonders wirksamen Weg», den «total konsequenten Weg», den «kürzesten Weg». Damit aber relativiert er das Wort «nuklear» zur nichtssagenden Verstärkung.

Unter «Nuclear Option» verstehen die US-amerikanischen Parlamentarier ein spezifisches Verfahren im Senat, das eine Gesetzesänderung schon mit einfacher statt mit qualifizierter Mehrheit erlaubt. Schon im Jahr 2003, als der Mississippi-Republikaner Trent Lott das Wort «nuclear» in diesem Zusammenhang erstmals einsetzte, war das eine Gedankenlosigkeit erster Güte. Donald Trump aber twittert heute an die Weltöffentlichkeit. Auch an all jene, die sich im US-Parlamentsbetrieb nicht auskennen. Vor allem aber: Was meint er dann in Zukunft genau, wenn er die «Nukleare Option» gegen den Iran, gegen Nordkorea oder gar gegen Russland verlangt?

Spätestens seit 1947, als Victor Klemperers Buch «LTI – Notizbuch eines Philologen» herausgekommen ist, in dem die LTI, die «Lingua Tertii Imperii», die Sprache des Dritten Reiches unter die Lupe genommen wurde, weiss man, wie die Sprache zu politischen Zwecken deformiert werden kann und zu politischen Zwecken tatsächlich oft und bewusst deformiert wird. Nicht zufällig haben auch die AXPO und Co. nicht gern, wenn von Atomkraftwerken gesprochen wird; sie selber nennen sie Kernkraftwerke, um nicht an die Atombomben zu erinnern. Man soll vergessen, dass «Kernkraft» eben mit «nuklearer Energie», mit Atomkraft zu tun hat (und, im Katastrophenfall, auch annähernd die gleiche Auswirkung wie eine Atombombe haben kann). Auch das Wort «hochradioaktiv» hat die Atomlobby manipulativ in «hochaktiv» umgewandelt und manche Politiker und Medien plappern es nach.

Wo «nuklear» einfach nur noch «besonders wirksam» oder «auf kürzestem Weg» heisst, wird die Grenze zum «nuklearen Krieg», zum Atomkrieg, bewusst oder grobfahrlässig verwischt und verniedlicht. Das ist in Zeiten der echten nuklearen Bedrohung und der echten nuklearen Aufrüstung mehrerer Staaten, nicht zuletzt der USA selber, nicht nur eine grenzenlose Dummheit, sondern auch ein neues Indiz der totalen Verantwortungslosigkeit.

– – – – – – 

** DACA ist ein US-Programm zur Duldung eingewanderter Jugendlicher.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

Zu Trumps «Nuclear Option» (auf BBC)
Donald Trump empfiehlt die «nukleare Option»

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5 Meinungen

Dank Trumps Aktionen, wird einiges an grandioser Natur den Bach herunter gehen !

https://www.birdforum.net/showthread.php?t=347600

https://www.texasobserver.org/trump-border-wall-texas-wildlife-refuge-breaking/

"Established in 1943, the Santa Ana Wildlife Refuge is one of the top birding destinations in North America. Home to at least 400 bird species and 450 species of plants, it also hosts both the rare Sabal palm and the endangered ocelot. The refuge is located on the Texas-Mexico border about 10 miles southeast of McAllen in the Rio Grande Valley."

Mit 400 Vogelarten, dürfte das Schutzgebiet eines der Top Highlights ausserhalb der Tropen sein.
Wird ausserhalb der Tropen, wohl nur vom weltberühmten Iguazu Nationalpark getoppt ( 450 Vogelarten ).
Dieter Gabriel, am 02. April 2018 um 14:54 Uhr
Einverstanden: Es ist gedankenlos, ein verschärftes Vorgehen als «nuklear» zu bezeichnen. Trump ist dabei aber nicht der einzige. Die EU hat auch schon mit der «nuklearen Option» gegen Polen gedroht.
Daniel Heierli, am 02. April 2018 um 17:22 Uhr
Wann hört dieses dümmliche Bashing von Präsident Trump endlich auf, auch hier bei infosperber? Herr Müller, ach, Sie werden noch aus der Art des Toilettenpapiers im Weissen Haus eine geopolitische Untergangsstory basteln. Ihnen geht das Verständnis der amerikanischen Umgangssprache leider ab. Der durchschnittliche Amerikaner kann dagegen sehr wohl die unterschiedliche Bedeutung des Wortes nuclear verstehen, und rennt nicht gleich in den Bunker.
Ignaz Heim, am 02. April 2018 um 21:53 Uhr
Es ist wirklich unangemessen, da «nuklear» heute meistens im Zusammenhang mit Atomkraft genutzt wird.

Streng genommen ist der «Nukleus» aber zu Deutsch der «Kern», und nuklear damit «den Kern betreffend».

Abgesehen davon, dass das Wort wohl bewusst provozierend verwendet wurde, ist es nicht unbedingt falsch genutzt. Wenn er den Kern, also den Nukleus, des Problems behandeln angehen möchte.

Dass jemand mit zweideutigen Begriffen provoziert, ist nicht schön, aber ich würde es nicht zwingend als dumm bezeichnen.
Thomas Hubner, am 03. April 2018 um 12:48 Uhr
@Ignaz Heim: Ich habe mich auch schon gefragt, ob man auf jeden Furz von Blocher, Trump und viele andere Komparsen reagieren soll. Ich finde ja, denn wenn diese Monstrositäten unwidersprochen bleiben, dann werden sie am Ende noch geglaubt. Es macht eigentlich nur dann Sinn, nicht zu reagieren, wenn eine dieser primitiven Aussagen kein grosse Publikum erreicht hat. Dann ist es gescheiter zu schweigen.
Thomas Ferber, am 03. April 2018 um 13:23 Uhr

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