Ilya Ponomarev, prominenter russischer Oppositioneller in Kiev © Oleg Petrasiuk, Kyiv Post

Ilya Ponomarev, prominenter russischer Oppositioneller in Kiev

Bekannter russischer Putin-Kritiker stellt längst fällige Frage

Christian Müller / 13. Sep 2020 - Nawalnys Vergiftung sei klar nicht im Interesse Putins. Warum sollte Putin etwas tun, das für ihn absolut kontraproduktiv ist?

Fast alle westlichen Medien gehen davon aus, dass die Vergiftung Nawalnys – so es denn eine war – das Werk von Putin ist. Selbst Angela Merkel erklärte vorschnell, die entscheidenden Fragen zu diesem Verbrechen könne nur der Kreml beantworten.

Ist Putin wirklich so dumm, in einer international extrem angespannten Situation etwas zu tun, das ihm im In- und Ausland nur schaden kann? Warum stellt niemand diese Frage?

Jetzt hat der ehemals russische Parlamentsabgeordnete und heutige internationale Unternehmer Ilya Ponomarev, ein erklärter Putin-Gegner, in einem Interview in der ukrainischen Zeitung «Kyiv Post» diese Frage öffentlich gestellt – und indirekt beantwortet: Für Putin kommt diese Attacke gegen Nawalny höchst ungelegen, seine Politik gegenüber Nawalny war immer und ist eine ganz andere: nämlich ihn totzuschweigen, um ihn nicht populärer werden zu lassen.

«Es ist kontraproduktiv für den Kreml»

Hier der Beginn des Interviews:

Sergii Leshchenko: Was ist Ihrer Meinung nach mit Alexej Nawalny passiert?

Ilya Ponomarev: Das ist eine mysteriöse Geschichte. Jetzt, da wir in der Nähe der deutschen Botschaft (in Kiev, Red.) sitzen, möchte ich keinen Schatten auf die Aussagen von Angela Merkel werfen, obwohl die Idee einer Novitschok-Vergiftung ziemlich weit hergeholt ist. Ich verstehe nicht, was passiert ist. Ich bin davon überzeugt, dass man in Tomsk (der Stadt, wo Nawalny ins Flugzeug stieg, Red.) nach den Wurzeln (der Vergiftung) bei den Leuten suchen sollte, die daran interessiert sind, eine weitere Untersuchung von Nawalny zu verhindern. Ich glaube nicht, dass der Kreml das angeordnet hat, weil ich nicht verstehe, warum er das überhaupt hätte wollen sollen. Es ist kontraproduktiv für den Kreml. Die gesamte Verhaltensweise des Kremls besteht darin, so zu tun, als gäbe es keinen Nawalny, ihn nicht beim Namen zu nennen und einen Schatten einer möglichen Zusammenarbeit mit russischen Sonderdiensten auf ihn zu werfen – nicht, um ihn ins Gefängnis zu stecken, sondern um ihn mit nur bedingten Strafen (auf Bewährung) statt mit unbedingten Strafen (mit Gefängnis) zu verurteilen. Auf diese Weise hielten die Behörden Nawalny immer in Schach. Was jetzt geschah, ist dagegen genau das, was die russischen Behörden stets zu vermeiden versuchten: eine riesige Informationswelle um Nawalny herum.

Leshchenko: Stanislaw Belkowski (ein russischer politischer Technologe und Analytiker, Red.Kyiv Post) sagt, dass angesichts der Proteste in Chabarowsk die Vergiftung von Nawalny wie ein Versuch aussieht, ihn bei den Kommunalwahlen zu Fall zu bringen...

Ponomarew: Öffentlich sagt Belkowski das Gegenteil. Und es war während der Proteste in Chabarowsk, wo Nawalny sich nicht sehr positiv zu präsentieren vermochte, obwohl er sich sehr darum bemühte. Auch während der Kampagne für die Regionalwahlen war Nawalny nicht sehr erfolgreich. Er war gerade erst in Nowosibirsk, und ich weiss von dortigen Quellen, wie es dort gelaufen ist: Ein Mann kam, um mit «Einiges Russland» (der Partei des Kremls, Red.) zu verhandeln, um die KPRF (Kommunistische Partei der Russischen Föderation) zu schwächen und einen Mann der eigenen Partei in den Stadtrat zu bekommen. Er versuchte es, aber ein solches Spiel war ihm nicht gegeben. Die Moskauer sind dort nicht besonders beliebt. [… ] Aber egal, wie es passiert ist, jemand hat Nawalny vergiftet. Es gibt in Tomsk so genannte «Tomichi», berüchtigte Geheimdienst-Angehörige, aber mit Nowitschok hätten diese es sicher nicht getan. Nowitschok ist nur auf föderaler Ebene möglich, es ist (als Massenvergiftungsmittel, Red.) zu gefährlich. Die Tomsker hätten es mit etwas Einfachem getan, wie Dichlorvos oder Arsenik.

Leshchenko: Putin steht vor einem Scheitern nach dem anderen: Minsk, Chabarowsk, Marineinfanterie... Was sind die Folgen für Wladimir Putin in der Welt?

Ponomarev: Putin wird keine unmittelbaren Konsequenzen aus der Vergiftung von Nawalny haben. Es hängt davon ab, was mit Nawalny als Nächstes passiert. Ich mag Nawalny nicht besonders, aber ich wünsche ihm Genesung, wir stehen auf der gleichen Seite der Barrikaden, trotz der unterschiedlichen Ansichten. Wenn er sich schnell erholt und wieder auf die Beine kommt, wird er in vollem Umfang zurückschlagen. Er wird einen neuen Zustrom von Mitgliedern haben, Spenden erhalten, seine Anti-Korruptions-Stiftung wird einen Schub bekommen, wenn er sich erholt. Wenn er allerdings unter schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen zu leiden haben wird und er auf diese Weise aus dem Kampf geworfen wird, wird Putin wenigstens insofern davon profitieren, als er dann einen harten Oppositionellen und Stänkerer los ist. (Im Interview steht wörtlich «boozer», was eigentlich «Säufer» heisst. Es ist in Russland bekannt, dass Nawalny gerne auch ins Glas schaut, weshalb als erstes die Hypothese auftauchte, dass sein Zusammenbruch im Flugzeug auf eine gefährliche Kumulation von Alkohol und einem Medikament zurückzuführen sein könnte. cm)

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Ende des Auszugs aus dem Interview in der «Kyiv Post». Der grössere folgende Teil des Interviews betrifft die Ukraine, in die Ilya Ponomarev nach 2014 übergesiedelt und als Grossinvestor aufgetreten, dabei allerdings gescheitert ist. Das ganze Interview kann hier eingesehen werden (in Englisch).

Ponomarevs Beurteilung, dass eine erfolgreiche Vergiftung Nawalnys, also Nawalnys Tod, für den Kreml schwerwiegende negative Folgen gehabt hätte, würde auch erklären, warum Russland bereit war, Nawalny an die bekannte Charité-Klinik nach Berlin auszuliefern, obwohl er eigentlich wegen bevorstehender Gerichtsverhandlungen nicht hätte ausreisen dürfen. Dass Nawalny schliesslich von einem Labor der Bundeswehr untersucht wurde, macht die Geschichte nicht transparenter. Es darf bezweifelt werden, ob ein Militärlabor eines NATO-Staates eine solche Gelegenheit vorbeigehen lässt, ohne dabei auch politische Ziele zu verfolgen. Beweise hat das Labor zumindest noch nicht vorgelegt und Deutschland hat bis jetzt auch einen gegenseitigen Austausch der Laborergebnisse mit Russland verweigert. Und dies nicht zufällig. Ponomarevs Bemerkung betr. Novitschok ist völlig richtig: Novitschok ist in der Sowjetunion als Gift entwickelt worden, um Massen von Menschen umzubringen, ein Milligramm auf der Haut kann bereits tödlich sein. Für den Mord an einem einzelnen Menschen ist Novitschok ungeeignet, weil viel zu gefährlich – nicht zuletzt auch für den Mörder selbst, der damit umgehen muss.

Affaire à suivre.

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Einen sehr informativen und hintergründigen Kommentar zu Nawalny hat der deutsche Publizist und Russland-Beobachter Kai Ehlers geschrieben. Er kann hier gelesen werden.

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Zwischenzeitlich gibt es auch in den USA ein Interview mit Fred Weir, dem ehemaligen Korrespondenten der US-amerikanischen Zeitung «Christian Science Monitor», der immer noch in Moskau lebt. Auch hier geht es um die Frage, warum Putin ein Interesse daran haben sollte, Nawalny umzubringen – Nawalny, dessen Opposition für den Kreml letztlich, so Fred Weir, «marginal» sei. Hier zum Interview als Video und als Transkript (in Englisch).

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So informiert die deutsche «Bild» zum Thema Nawalny. Das Militärlabor ist sakrosankt, ohne jede Hinterfragung. Und Aussenminister Heiko Maas kündigt an, die Regierung werde auch die NATO entsprechend informieren. Deutschland und seine Medien suchen einmal mehr den Krieg. Hier anklicken.

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23 Meinungen

Cui bono - die ewige Frage derjenigen, die nach alternativen Erklärungen suchen, führt in vielen Fällen auf einen Irrweg

1. Die Argumentation, dass Putin nicht so dumm wäre, etwas zu tun, was ihm und seinem Ansehen schaden könnte, kann man umdrehen: Wenn eine solche Tat von Putin so offensichtlich unwahrscheinlich ist, könnte es Putin ja eben doch tun und und darauf hoffen, dass seine Verteidiger seine Tat dann mit dem genannten Argument in Abrede stellen. So drehen wir uns im Kreis.

2. Politiker sind Menschen und Menschen handeln nicht nur rational.

Beschäftigen wir uns mit Fakten und nicht mit Spekulationen.
Thomas Neuenschwander, am 13. September 2020 um 10:19 Uhr
Herr Müller,
Danke für ihre zahlreiche Berichte.
Novitschok! interessante Beiträge finden sich hier: https://www.craigmurray.org.uk/
search for novichok!
Schöner Sonntag.
Luc Farinelli, am 13. September 2020 um 11:50 Uhr
Vielen Dank für diesen aufschlussreichen und einleuchtenden Artikel. Ich hatte ein richtiges AHA-Erlebnis dadurch und weiß nun für den Moment wieder besser, wie man die Dinge einigermaßen auf die Reihe kriegt!

Marianne Wolfer, Zürich
Marianne Wolfer, am 13. September 2020 um 12:10 Uhr
Haben die yanks ihre dreckigen Finger im Nawalnys Vergiftung Spiel? Uberraschend ware es nicht.
Urs Zaugg, am 13. September 2020 um 12:20 Uhr
Deutschland steht vor dem bitteren Dilemma, wie es mit der amerikanischen Erpressung wegen Nord Stream 2 umgehen soll. Es hat eigentlich nur eine Möglichkeit – das Projekt aufgeben, die Investoren entschädigen – und sich als Bananenrepublik im Gefolge der USA zu bekennen. Da sieht es schon viel besser aus, wenn der Rückzug als Sanktion getarnt werden kann.
Peter Dörfler, am 13. September 2020 um 12:21 Uhr
Wenn der Putin-Versteher Ch. Müller die Meinung von Ilya Ponomarew so interessant findet, dann hätte er ja die Leser auch über dessen Meinung zu Putins Zielen in Belarus informieren können. Hier die Passage:
Leshchenko: Do you have an understanding of Putin’s short-term goals?

Ponomarev: His priority is Belarus. The whole story with the Russian amendments to the Constitution is Plan B for Putin. And Plan A is the annexation of Belarus, turning it into a union state to lead. That is his main plan and he is implementing it. For him, Ukraine isn’t the central point. Putin believes that time works for him. After all, (Volodymyr) Zelensky made such strong promises, and now Putin is waiting for “the body of his enemy” to float by. (Editor’s Note: Ponomarev refers to a proverb, “If you wait by the river long enough, the bodies of your enemies will float by.”)
Reinhard Meier, am 13. September 2020 um 12:59 Uhr
@Reinhard Meier: Danke für Ihren Hinweis. Vielleicht haben Sie übersehen, dass ich bewusst das ganze Interview verlinkt habe, wie ich das in solchen Fällen immer tue, damit jene, die mehr interessiert sind, alles lesen können. – Ponomarev ist ein erklärter Putin-Gegner. Dass er Putin in puncto Belarus kritisiert, ist deshalb wenig überraschend. Ponomarev hat mittlerweile auch die ukrainische Staatsbürgerschaft und arbeitet als Geschäftsmann mit US-amerikanischen Methoden. Da ist er natürlich interessiert daran, dass Weissrussland auch möglichst schnell und möglichst viel privatisiert – die Chance für solche Leute, schnell zu Geld zu kommen. Recherchieren Sie selbst einfach ein bisschen weiter, finde ich sehr gut. Mit freundlichem Gruss, Christian Müller
Christian Müller, am 13. September 2020 um 13:13 Uhr
Der Bericht scheint wesentlich realistischer als alles, was man bisher über Navalny gelesen hat, nur eines scheint noch immer völlig falsch, die Einschätzung Russlands durch den Westen, das ist reine Geopolitik! Man kann vielleicht AntiPutin-Pflänzchen im Westen züchten, aber sie werden das echte russische Reich, ich spreche nicht von der früheren Sowjetunion, niemals zerrütten und vernichten können. Niemand, selbst die USA nicht, kann an einem Felsen rütteln. Es gibt nur eines, mit Russland endlich ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen und das Akquisitionsbeil in der Ukraine und Weissrussland zur Seite legen. Der Westen kann davon nur profitieren, sogar die ganz Welt wird profitieren!
Beda Düggelin, am 13. September 2020 um 14:02 Uhr
Die innere Logik im Fall 'Nawalny' ist für mich klar: Das kann nicht Putin gewesen sein. Ich bin gespannt, wie Merkel sich da wieder raus windet ...

Umgekehrt haben die 'Nord Stream 2'-Gegner im Westen jedes Interesse, Putin an den Pranger zu stellen. Ich hoffe, es gelingt Putin die wahren Täter zu identifizieren.
Konrad Staudacher, am 13. September 2020 um 14:45 Uhr
Ein Interesse an der Vergiftung Nawalnys könnte der US-Geheimdienst CIA haben. Man kann das leicht Putin zuschreiben, die Lage in Russland destabilisieren und gleichzeitig die Deutschen dazu bringen, das Pipline-Projekt durch die Ostsee zu kappen. Die USA haben ja alles Interesse der Welt daran, den Europäern ihr Fracking-Gas zu verkaufen... Diese Vorgehensweise würde jedenfalls sehr gut zur Arbeitsweise des CIA passen.
Dietrich Michael Weidmann, am 13. September 2020 um 14:50 Uhr
Dass es eine Vergiftung mit einem Nervengift war, ist aus den Symptomen ersichtlich, die die Ärzte in Omsk festgestellt haben. Er wurde initial mit hohen Atropindosen behandelt, was ihm das Leben rettete. Die Notlandung in Omsk war nicht vorgesehen und scheint ein «Regiefehler» der Attentäter gewesen sein. Navalny hätte während des Flugs nach Moskau sterben sollen, die Todesursache wäre im Dunkeln geblieben und die für Russland nachteilige Reaktion von Deutschland hätte vermieden werden können.
Alexander Borbély
Alexander Borbély, am 13. September 2020 um 16:36 Uhr
Diese Ereignisse zeigen einmal mehr, das auf der politischen Bühne alles zum Staatsgeheimnis erkoren wird. Die Bürger welche arbeiten und alles finanzieren erfahren nur selten, was die Eliten, die Politiker, die Mächtigen, für Strategien anwenden. In einem unkontrollierten Kapitalismus herrscht dauernder Krieg, da wird gelogen, betrogen, es werden eigene Leute geopfert, um es anderen unter zu schieben, Suizide inszeniert, und jeder denkt, sein nationales System sei das Beste, gekoppelt oft mit religiösen Wahnvorstellungen oder einem Wissenschaftsglauben, das einem die Haare zu Berge stehen. Die Wahrheit und die Demokratie sind die ersten Opfer einer solchen Welt. Die Korruption wächst ins unendliche, der Dümmste bekommt die besten Waffen, solange er nur genug Geld hat, auch wenn es geklaut ist. Es ist deprimierend, Geld und Macht stehen höher als gute Werte. Ich denke es besteht die Gefahr eines weltweiten Bürger oder nationalen Krieges. Allein schon die biologischen Waffen könnten in wenigen Tagen die Menschheit vernichten. Der Mensch hat die «Gewalt» welche sich jenseits von Notwehr befindet, noch nicht überwunden.
Beatus Gubler, am 13. September 2020 um 16:51 Uhr
Ich schliesse mich hier ganz Herrn Neuenschwander an: suchen wir die Fakten. Ob Putin und warum Putin nicht oder doch oder gerade wegen irgendwas tut, werden wir nie herausfinden. Aber die Fakten sind doch schon mal erfreulich klar: Es ist Nowitschok im Spiel. Und zwar nicht als «Idee von Angela Merkel» sondern als gesicherte Erkenntnis deutscher Labors.
Und wenn ich zusammenfasse, was Schweizer Zeitungen zum Thema Novitschok spekulieren, dann scheint Novitschok nichts zu sein, das man mit einer Anleitung aus dem Internet mit Zutaten aus dem Reformhaus in der eigenen Küche zusammenbraut. Da braucht es offenbar etwas mehr. Dass Putin persönlich mit dem Gift hantierte, ist natürlich nicht anzunehmen - aber sein Apparat hat offenbar wenig Bedenken beim Einsatz. Und diesen Apparat bringt entweder Putin unter Kontrolle oder niemand.
Peter Oertel, am 13. September 2020 um 23:26 Uhr
@Peter Oertel: Ihre Argumentation ist basiert auf ungenügenden Informationen. 1. Bisher hat sich Deutschland geweigert, seine Erkenntnisse genau bekanntzugeben. Ein Einblick in die Untersuchungsergebnisse wurde anderen Staaten, auch Russland, bisher verweigert. 2. Novitschok wurde zwar in der Sowjetunion entwickelt, steht aber heute in mehreren anderen Staaten zur Verfügung, zum Beispiel auch Usbekistan oder der Tschechischen Republik, u.a. 3. Wäre Nowitschok eingesetzt worden, müssten auch weitere Personen davon betroffen sein, z.B. die Flugzeugbesatzung oder auch Personen in Deutschland, die Nawalny entgegengenommen haben. – Solange sich Deutschland weigert, konkrete Untersuchungsergebnisse bekanntzugeben und sich mit den russischen Ärzten auszutauschen, sind hohe Zweifel angebracht. Warum haben Charité und das Militärlabor nicht selber informiert, was sie herausgefunden haben, sondern die Information an die politischen Behörden abdelegiert? Das sind klare Indizien, dass hier politisch gespielt wird, nicht wissenschaftlich-medizinisch. Mit freundlichem Gruss, Christian Müller
Christian Müller, am 14. September 2020 um 00:12 Uhr
@Beatus Gubler: Bin ganz Ihrer Meinung. Ihre Kontaktnahme würde mich freuen! wmortier@bluewin.ch
Michel Mortier, am 14. September 2020 um 09:41 Uhr
Soll mir keiner kommen und sagen, dass die Vereinigten Staaten der USA mit ihrem Geheimdienst CIA, welcher nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde, nicht wissen, wie man Novitschok herstellt. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben mit ihrem Geheimdienst seit 1945 schon so viele verdeckte Operationen, in ihrem Interesse durchgeführt, um dann die Schuld anderen zuzufügen. Die CIA ist so gut organisiert, dass ihre „Schandtaten“ niemals aufgedeckt werden können. Leider! Das ist leider der Geopolitik und der Glorifizierung des Geldadels geschuldet. Leider! Leider! Und übrigens sei daran erinnert, dass die USA weltweit über 700 Militärbasen haben und ein Militärbudget von 600 Milliarden Dollar. Russland dagegen hat nur etwa ein gutes Dutzend Militärbasen und etwa ein Budget von 60 Milliarden Dollar.
Niklaus Berwert
Niklaus Berwert, am 14. September 2020 um 14:48 Uhr
Es gibt sehr viele Varianten von «Novitschok».
Warum wird die jeweilige Variante nicht genannt, im einzelnen NX-Vergiftungsfall ?
Der Geheimdienst von Schweden und der BND verfügen über Proben. Und wenn der BND darüber verfügt, bekommt ihr Dienstherr in den USA auch eine Probe. https://de.wikipedia.org/wiki/Nowitschok#Fr%C3%BChe_Kenntnisse_%C3%BCber_Nowitschok_durch_den_Bundesnachrichtendienst
siehe weiter 'Analytik' :
Wissenschaftler des Chemiewaffenlabors der US-Army, ... , geben als Nachweismethode multinukleare NMR-Spektroskopie und Gaschromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung (GC-MS) an. Für die Verifizierung der Nachweismethoden ist aber die 'Synthese kleiner Mengen der fraglichen Stoffe nötig.
Weiterhin sind mit 'GC-MS' gleichzeitig auch die Isotpen-Zusammensetzung in den Proben zu ermitteln und damit die Herkunft. Das geeignet zu manipulieren, ist nach heutigem Stand der Wissenschaft unmöglich.
Es ist schon sehr fragwürdig wieso die Isotpen-Analyse nicht auch veröffentlicht wird.
Es besteht auch ein begründeter Anfangsverdacht gegen Diffamierer der «Cui Bono"-Erkenntnis-Methode, weil von Kriminal-Ermittlern diese in einem Mordfall zuerst angewendet wird.
Vertrau besser keinem nationalen Geheimdienst, weil die tarnen u. täuschen arglistig hauptsächlich zum Vorteil für die jeweiligen Machteliten aus Wirtschaft u. Kapital, die sie finanzieren.
Ludwig Pirkl, am 14. September 2020 um 16:08 Uhr
Wenn es Putin doch ungelegen kommt, hätte er sich umgehend davon distanzieren und eine Untersuchung im eigenen Land befehlen können. Nur bestreiten - as usual - ist keine überzeugende Argumentation. Bei Skripal hätte es noch sein können, dass sich «alte Kameraden» am Verräter rächen wollten ohne dazu einen Auftrag von Putin zu haben.
Jürg Schmid, am 14. September 2020 um 17:43 Uhr
Cui bono, war auch mein erster Gedanke, als die Nachricht über die Vergiftung Nawalnys bekannt wurde. Und North Stream 2 war mein zweiter Gedanke. Damit kämen die USA deren Verhinderung nahe.
Und: „Es darf bezweifelt werden, ob ein Militärlabor eines NATO-Staates eine solche Gelegenheit vorbeigehen lässt, ohne dabei auch politische Ziele zu verfolgen.„
Ruth Obrist, am 14. September 2020 um 18:57 Uhr
Wenn dem so wäre, dann wäre es eben im Interesse Putins die Verantwortlichen zu finden und der Welt zu präsentieren.

Das hat Er noch nie gemacht.
Also sind es die Interessen Putins welche die Verantwortlichen durch Ihr handeln tätigen.
Jacques Marchand, am 15. September 2020 um 13:16 Uhr
Die CIA ist bekannt für ihre verdeckten Operationen.
Ein freundliches Verhältnis mit Russland wäre längst das Vernünftigste, vor allem für Europa. Aber Geld- und Machtgier in der Politik schliessen Vernunft aus.
Ruth Obrist, am 15. September 2020 um 14:23 Uhr
@ Oertel:
"Es ist Nowitschok im Spiel. Und zwar nicht als «Idee von Angela Merkel» sondern als gesicherte Erkenntnis deutscher Labors."
Es ist wohl ganz sicher nicht so einfach, wie es die deutsche Regierung glauben machen will. Denn, wenn es das wäre, dann hätte sie die Proben an ein neutrales Labor zur Prüfung gegeben und nicht an eins der eigenen Armee, das sich dazu nicht einmal äußern darf. Der ganze Vorgang hat mehr als nur ein Geschmäckle. Auch die angeblich einbezogenen Labore in FR und SE wurden nicht benannt und traten nicht mit eigener Expertise auf. Sehr ungewöhnlich bei so «eindeutigen Laborbefunden»... Und die Äußerungen einer AKK auf den entsprechenden Pressekonferenzen waren völlig ungetrübt von irgendeinem Fachwissen... Es ging nur um die Aufrechterhaltung eines von Anfang an verfolgten Narrativs: «Fakten» zu schaffen für einen irgendwie plausiblen Aussstieg aus Nord Stream 2, um den USA entgegenzukommen.
Das eigene Land, die eigenen wirtschaftlichen Interessen interessieren eine Merkel und offenbar beinahe auch das gesamte deutsche Parlament in keiner Weise.
Wir gehen Zeiten entgegegen, die niemand wirklich wollen kann...
René-Burkhard Zittlau, am 16. September 2020 um 16:21 Uhr
Also die Anzahl Putins «Agenten» und «Kritiker» die NICHT an Novitschok sterben ist schon verblüffend. Novitschok scheint harmloser als manch eine Lebensmittelvergiftung. Oder um eine Begründung von einem Leserkommentar zu einem anderen Thema aufzugreifen: Wieviele Agenten oder Kritiker hat Putin? Ist ein oder 2 tote auf der %-Skala überhaupt erkennbar? Wie tödlich ist Novitschok im vergleich zur Vogelgrippe (Corona)? kommt auch via Tröpfchenübertragung (Parfumspray) und trifft vor allem Risikogruppen wie Doppel/Dreifach Agenten, «Kritiker» (huch, ich auch)?
und Obdachlose,Die im Müll gefundene, (Eingeschweisste) Parfums probieren.
Claude Fontana, am 20. September 2020 um 21:00 Uhr

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