Der Rodscher - unser einziger wahrer Weltpolitiker

Beat Gerber © cc
Beat Gerber / 05. Apr 2019 - Roger Federer wirbt für 5G-Anbieter Sunrise und platziert damit für Telekom-Titan Huawei ein virtuoses, völlig verstohlenes Ass.

Er spielt auf den lukrativsten Plätzen der Welt, auch in der Werbung. Derzeit schwärmt unser Rodscher auf Plakatwänden und in Fernsehspots vom neuen Mobilfunkstandard 5G. Federer-Sponsor Sunrise hat eine 5G-Pilotaktion in 150 Schweizer Ortschaften gestartet und sich als Partner Huawei angelacht. Der chinesische Netzausrüster spielt wirtschaftlich und technologisch an der Weltspitze, sein 5G-Mikrochip ist der weitaus billigste, aber auch beste. Die westliche Konkurrenz erblasst vor Neid, US-Präsident Trump ruft gereizt zum Boykott auf: Huawei berge wegen seiner Nähe zur chinesischen Staatsmacht ein hohes Sicherheitsrisiko, das Unternehmen könne in seinen Geräten sogenannte Back Doors (Hintertüren) einbauen und so die Daten zu Spionagezwecken mitlesen.

USA intervenieren in Bern

Praktisch unbemerkt punktet das Doppelteam Federer-Huawei gegen die westliche Welt. Während die kleine Schweiz (neben anderen europäischen Staaten) von den USA bedrängt wird, auf Huawei zu verzichten (17.03.), macht sich Rodscher zusammen mit dem IT-Giganten erfolgreich für 5G in Helvetien stark. Während die Bundesverwaltung umständlich ein Prüfverfahren über Spionagemöglichkeiten im Mobilfunk in die Wege leiten will (NZZ, 18.03.), landet Rodscher im Dienste von Sunrise und 5G ein meisterhaftes Ass.

Sunrise-Federer beim Berner Bärengraben.

Während unser flugverschämtes Land sich über die neuen Abzockerlöhne grimmig empört, hievt der bestverdienende Rodscher leicht und lächelnd die chinesische 5G-Technologie übers sperrige Netz. Während die Schweiz sich beim EU-Rahmenvertrag zerfleischt und beim Ausdruck «fremde Richter» zusammenzuckt, verkündet Rodscher entspannt das befreiende 5G-Paradies. Klarer Satzgewinn! Während unsere Politiker eidgenössisch begrenzte Problemchen debattieren, vertritt unser Rodscher auf der Weltbühne handfeste Interessen. Er ist wohl der einzige Weltpolitiker, den die Schweiz vorweisen kann. Seine Kolleginnen und Kollegen in Bundesbern mühen sich ab mit miefigen Steuerdebatten, kämpfen erbittert fürs Fortbestehen der AHV und balgen sich um den Autobahnausbau. Rodscher hingegen votiert souverän für 5G und macht den Weg dafür frei. Weiterer Satzgewinn, bald kommt es zum Matchball!

Mobilfunk dringt überall durch

5G ist das Zauberwort des Mobilfunks der Zukunft. Die Ultraschnellbahn der Kommunikation, kombiniert mit künstlicher Intelligenz, ermöglicht das Internet der Dinge: Alles wird verknüpft und verbunden, die Alarmanlage samt Überwachungsvideo mit dem abonnierten Sicherheitsdienst, das Handy und seine Gesundheitsdaten mit der nächsten Notfallstation, die automatische Gartenbewässerung mit den Wetterprognosen, das Hirn und seine Ideen mit dem 3D-Drucker etc. Einwände sind freilich da: höhere Strahlenbelastungen und das erwähnte Spionagerisiko, aber was solls! Hat die Schweiz was zu verbergen?

Unser Rodscher wird es richten, das Match mühelos gewinnen. Sein 102. Triumph (nach Miami kürzlich) ist damit perfekt. Kein Problem für die derzeitige Nummer 4 (im Tennisspiel); bei einem Jahresumsatz durch Sponsoring und Preisgelder des Unternehmens «Federer» von ungefähr 75 Millionen US-Dollar (gemäss Forbes) ist der 37-Jährige die Nummer 1 (im Tennisgeschäft).

Dagegen ist seine (laut Blick) bei Rapperswil-Jona geplante 50-Millionen-Residenz ein Klacks. Neben Rolex, Mercedes-Benz, Credit Suisse, Jura, Moët & Chandon, Lindt und eben Sunrise, ist noch ein 40-Millionen-Deal mit dem Pastaproduzenten Barilla hinzugekommen. Alles al dente ausgekocht!

Drahtzieher agieren unauffällig

Tennis und Fussball stehen für Globalisierung pur. Die Sporthelden bewegen mit ihren Auftritten die weltwirtschaftliche Mechanik stets in Richtung Sponsoren. Für China und Huawei geht die Sonne nun auch im Westen auf, dank Sunrise zumindest in der Schweiz (Swisscom folgt). Auf unseren Rodscher sind wir mächtig stolz, erweist sich der sympathische Weltstar doch hinter den Kulissen, ob bewusst oder nicht, als geschickter Botschafter der Mächtigen. Das gefällt uns Ohnmächtigen. So unauffällig funktioniert einflussreiche Weltpolitik!

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Link zum Sunrise-Werbespot mit Federer (auf YouTube): https://www.youtube.com/user/SunriseSpots

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der langjährige Wissenschaftsjournalist des «Tages-Anzeiger» war bis 2014 Öffentlichkeitsreferent der ETH Zürich. Er publiziert heute auf seiner satirischen Webseite «dot on the i».

Weiterführende Informationen

DOSSIER: Beat Gerber: Tüpfelchen auf dem i
Sunrise-Federer beim Berner Bärengraben

4 Meinungen

Mir wird schlecht bei der Lektüre. Müssen, wollen wir uns denn das alles gefallen lassen??? Brauchen wir das Zeugs, und haben wir noch nicht genug Strahlenbelastung? Federer hin oder her - er hat sich bisher wahrlich nicht als Vorbild für die Jugend oder für eine gesündere und nachhaltigere Welt und eine weniger gierige Wirtschaft eingesetzt; eine Schande für jemand, der so viel positiven Einfluss haben könnte - ich glaube dass wir diese Entwicklung noch verhindern können. Hat jemand Ideen?
Domenica Ott, am 05. April 2019 um 14:52 Uhr
Genügen den Kommunikation Giganten die heutigen Netze und Erträge noch nicht ? Sind die Auswirkungen von 2G, 3G, 4G nicht schon zu 80% vom Aussterben Bedrohten Insekten und Bienen noch nicht genug Beweis für den Irrsinn welcher hier abläuft.
Es ist klar, dass diese Konzerne keine Ethik und Gewissen haben, sogar ihre finanziellen Mittel derart einsetzen, dass die paar Aufgewachten Stänker keine Chance haben.
Ich schlage deshalb vor, dass eine Revolution gestartet wird.
Toni Egger, am 07. April 2019 um 21:30 Uhr
Ein seltsamer Artikel mit einem ausgeprägt ironischen Unterton. Für mich kommt da nicht durch was Beat Gerber damit sagen will. Warum kein Klartext ? Federer Steckt mit Huawai unter einer Decke ? Ist es das ? Ist Federer ein Chinesischer Spion ? Oder wollte «Beat» einfach ein bisschen verbal mit «Rodscher» spielen, ein bisschen «Beaten» sozusagen ?

Diese Art respektlose Rhetorik hält mich davon ab, regelmässig im Infosperber zu lesen.
A. Stefanoni, am 08. April 2019 um 16:18 Uhr
Rodscher ist unbestritten ein guter Tennisspieler. Aber es gibt Dinge von denen er nichts versteht und doch redet, bei 5G und auch beim Spaghettikochen, zum Beispiel. Rodscher bleib bei Deinen Leisten und gib dich nicht der Lächerlichkeit Preis. Geld hast Du ja genug.
Walter Schenk, am 08. April 2019 um 17:26 Uhr

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