USA montieren Medien für Boykott

Niklaus Ramseyer © Ramseyer
Niklaus Ramseyer / 25. Sep 2020 - Die Korruption in Venezuela ist ganz gross in den Tagi-Medien. Die Infos dazu kamen gezielt von US-Behörden.

«Venezuelas Entwicklungsgeld floss in die Schweiz.» So lautete der grosse Titel über zwei Seiten in der «BernerZeitung» (Tagi-Konzern) letzten Montag (21. Sept. 2020). Und immer noch auffallend gross und rot: «UNO schätzt, dass jährlich 4000 Milliarden Dollar illegaler Gelder gewaschen werden.»

Nur: Die UNO-Schätzung von «bis zu 4000 Milliarden illegaler Gelder» meint in Tat und Wahrheit gar nicht Venezuela, sondern sämtliche in einem Jahr weltweit gewaschenen Gauner-Gelder. Im Kleingedruckten gegen Schluss der gross aufgemachten Story erfährt der Leser dann auch, dass es bei «Venezuelas Entwicklungsgeld» konkret um «knapp 30 Millionen Dollar vom mutmasslich überrissenen Preis» (150 Millionen Dollar) für eine Wohnsiedlung südlich der venezolanischen Hauptstadt Caracas geht. Der Fall wurde von den Behörden Venezuelas schon 2015 untersucht.

Da wird also einiges zugespitzt. Interessant ist allerdings die Quelle der ganzen Räuberpistole: Die Informationen stammen aus einem Leck des «Financial Crime Enforcement Network» (Fincen), der Finanzmarktaufsicht der USA. Es sind 2100 Geldwäschereimeldungen von US-Banken («Suspicious Activity Reports, SAR»), die von einer Fincen-Beamtin gestohlen und der US-Plattform «Buzzfeed» weitergegeben wurden. Von dort kamen die «Files» zu einem «International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ)», dem 400 Reporter weltweit angeschlossen sind – auch der «Recherche-Desk» des TA.

Fokus «zufälligerweise» auf Venezuela?

Die Tagi-Rechercheure räumen ein, dass die in den USA «geleakten» Dokumente «nur ein winziger Ausschnitt» jener 2 Millionen Verdachtsfälle seien, die US-Banken ihrer Fincen jedes Jahr per SAR melden. Doch in dem «winzigen Ausschnitt» kommt ausgerechnet Venezuela breit vor. Nicht etwa Korruptionsfälle aus Saudi-Arabien oder aus Israel (wo ja nun gar Korruptionsermittlungen gegen den Regierungschef laufen). Nur sind das halt alte «Freunde» der US-Regierung. Wohingegen diese das Erdölland Venezuela seit Jahren mit Boykott und brutalen Sanktionen regelrecht auszuhungern versucht. Der «Scoop» sieht somit verdächtig nach politisch gezielter Indiskretion aus.

Und er passt ganz gut zum Auftrag («Mission») der Fincen: «The mission of the Financial Crimes Enforcement Network is to safeguard the financial system from illicit use, combat money laundering and its related crimes including terrorism, and promote national security through the strategic use of financial authorities and the collection, analysis, and dissemination of financial intelligence.» (Fettschrift durch den Verfasser)

Der Auftrag umfasst also mitunter die «Streuung finanzieller Informationen» (dissemination of financial intelligence) um die «nationale Sicherheit der USA zu fördern» (promote national security). Diesen Auftrag hat die indiskrete Fincen-Beamtin, die sich schon im Januar schuldig bekannte, mit Hilfe williger Medien weltweit voll erfüllt. Jetzt können wir gespannt zuschauen, ob sie in den USA als «Whistleblowerin» geehrt wird. Oder wegen «Verrat» mit lebenslangem Gefängnis bedroht, wie Julian Assange – der ebenfalls Korruption aufgedeckt hat, ja sogar Kriegsverbrechen. Und verfolgen, wie die Medien dann darüber berichten.

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3 Meinungen

Im «Combat money loundering» sind die USA ja wohl «Marktführend». Wozu hat man sonst Ansprüche auf fremde Ressourcen anzumelden? Soldaten und «Operatives» in jedem Land dieser Welt, Die man mit Drogengeld finanziert, mit eigenen Firmen den betreffenden Staat um die Steuereinnahmen prellt, oder zusätzlich noch Sanktioniert. Die HSBC entstand zum beispiel mit Geldern aus dem Opiumkrieg. Die BIZ mit Geldern aus Nazideutschland, und US-Navy Soldaten wird ans Herz gelegt, Ihr Geld doch bei Australischen Banken anzulegen.
Die Tamedia befindet sich ja auch nicht mehr in schweizer Händen. Nennt sich jetzt TX-Media Group. Das erinnert irgendwie an Texas.Zufall?
Claude Fontana, am 25. September 2020 um 10:57 Uhr
Der Westen hatte sowohl die Wahl von Maduro in Venezuela und von Lukaschenko in Weissrissland nicht anerkannt.
Warum wurde in den USA die Wahl von Trump anerkannt und nicht Hillary Clinton als Interimspräsidentin eingesetzt oder handelt es sich wie China zutreffend bemerkte, um Doppelstandards des Westens?
Peter Herzog, am 25. September 2020 um 15:40 Uhr
Einen Präsidenten «Nicht anzuerkennen» obliegt in einer Demokratie Einzig dem Volk des Betreffenden landes. Alles andere ist «Influencing» oder schlichtweg Manipulation.
Kaum einer in unserem Parlament Besuchte Schulen in den USA (Ueli Maurers englisch beweist das) was hindert also die USA, Unsere Regierung als Solche «Nicht Anzuerkennen?"
Eine Frecheit gegenüber einer Regierung, Die per Fingerabdruck gewählt wird. Das ist Aussagekräftiger, und Sicherer, als die Unterschriftliche, wie wir sie haben. und Garantiert Fehler/Hackerunanfälliger als jede Elektronische Wahl. Nur weil die Geheimdienste Jeden Post- und Zahlungsverkehr einsehen dürfen, heisst das noch lange nicht, dass daurch etwas «Sicherer» wird. In meinen amtlichen Akten finden sich auch geschwärzte Stellen, über die ich gerne bescheid wüsste Oder Entscheide/Bewertungen mit dem Vermerk:"Vertraulich». Damit liesse sich doch auch leicht ein Schurkenstaat «kreieren». Zumindest Medial. Aber «Zensur» gibt es ja nur bei Anderen.
Vertrauen sähe schon anders aus.
Claude Fontana, am 26. September 2020 um 11:25 Uhr

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