Nicht alle Journalistinnen und Journalisten nehmen solche Einladungen an © cc

Nicht alle Journalistinnen und Journalisten nehmen solche Einladungen an

UBS lädt ein zur Luxusreise für Journalisten

Lukas Hässig / 28. Dez 2017 - Die Grossbank beglückt 8 Medien mit einem Schanghai-Trip zu einer Private-Banking-Konferenz – all inclusive. Nur die NZZ lehnt ab.

Red. Diese Informationen hat der Autor auf dem Finanzportal «Inside Paradeplatz» veröffentlicht.

Die Nähe von Grossbanken und grossen Medien erreicht einen neuen Höhepunkt. Anfang Januar nimmt die UBS acht wichtige Journalisten mit nach Schanghai, wo der Finanzmulti eine Grosskonferenz durchführt.

Der Ausflug wird für die Medienschaffenden zum Luxustrip. Die Konferenz ist nach zwei Tagen vorbei, doch die ganze Reise dauert mit An- und Abreise fünf Tage [anfänglich hiess es hier fälschlicherweise eine ganze Woche].

Alles auf Rechnung der Grossbank UBS. Diese erklärt, dass die Journalisten Economy fliegen würden. Andere Firmen würden ebenfalls solche Medienreisen durchführen.

Fast alle grossen Medien lassen sich ködern

Mit von der Partie sind mehrere der grossen Zeitungen der Schweiz. Aus dem Hause Ringier sind dies Blick, Le Temps und die Handelszeitung. Letztere gehört zu einem Joint venture von Ringier mit Axel Springer aus Deutschland.

Von Tamedia machen der welsche Bilan, Finanz und Wirtschaft und jemand von der grossen neuen Tamedia-Redaktion mit. Schliesslich haben auch die Basler Zeitung und der Corriere del Ticino die Einladung der UBS angenommen.

Damit sind alle Teile des Alpenlandes vertreten. Von Genf bis Zürich und von Basel bis nach Lugano – die mediale Abdeckung ist vollkommen.

Die NZZ fehlt. Ausgerechnet das Finanzblatt zeigt sich resistent. Fernsehen und Radio wurden nicht eingeladen.

Who cares?, wirft die UBS ein. Wir wollen doch einzig den Journalisten bei ihrer schwierigen und wichtigen Arbeit helfen. Die grossen Medien, die sich von der Grossbank verköstigen lassen, finden offensichtlich ebenfalls wenig Problematisches bei der Liaison. Eine Reise nach China – das tut doch nur unserer Berichterstattung gut.

So einfach ist das nicht. Dass eines der acht mitreisenden Medien kritisch über die UBS und ihre wichtige Offensive im Private Banking in Asien berichten wird, ist eher unwahrscheinlich.

Flüge, Luxushotel, Privatgespräche mit höchsten UBS-Managern, alles bezahlt von der Bank. Das führt eher dazu, dass die Artikel über die Nummer eins des Finanzplatzes in den kommenden Wochen vermutlich angenehm konstruktiv ausfallen werden.

Nach einer solch teuren Einladung wird es für die Journalisten generell schwieriger, in Zukunft mit der Bank hart ins Gericht zu gehen. Irgendwie fühlt man sich verpflichtet – letztlich etwas gekauft.

Der Tages-Anzeiger widerspricht. Man habe eine interne Regelung für solche Pressereisen. Neben der Konferenz stehe der Besuch des UBS-Ablegers in Schanghai auf dem Programm. Es handle sich somit um eine reine Arbeits- und keine Plauschreise.

Die UBS spielt gezielt mit ihrer Macht und ihrem Geld. Letzten Herbst lud sie einige der einflussreichsten Medien aus Hong Kong und Singapur zu sich nach Zürich ein. Für die Journalisten aus Fernost gab es Gratishotel in der City und Sightseeing in der Schweiz – alles bezahlt vom helvetischen Finanzmulti.

Es ist eine subtilere Form der Einflussnahme. Sie folgt auf den Früchtekorb der Migros und die Plastikuhr der Swatch, wie anno dazumal an den Jahres-Pressekonferenzen in den 1990er Jahren. Die Medien steuern? Aber doch nicht wir. So die UBS-Verantwortlichen.

Doch wenn ihnen eine Recherche nicht passt, rufen sie ganz oben in der NZZ-Konzernleitung an. Oder sie laden zur Luxusreise ins teure China ein.

Viele grosse Medien spielen mit. Gleichzeitig beschwören sie bei jeder Gelegenheit ihren wiedererwachten Investigativ-Geist.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig betreibt die Webseite «Inside Paradeplatz».

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7 Meinungen

Gerade die BAZ, die unter der Führung von Markus Somm im Dienste Christoph Blochers so gerne auf die „Elite“ eindrescht, legt sich mit ihr ins Bett.
Thomas Ferber, am 28. Dezember 2017 um 12:49 Uhr
Die Vierte Gewalt !
Frei und unbestechlich !
René Edward Knupfer-Müller, am 28. Dezember 2017 um 14:27 Uhr
Ihre pauschale Charakterisierung von Journalisten stimmt nicht. Sie schreiben zwar immer von «Journalisten» und nicht von «Die Journalisten», aber es entsteht trotzdem der Eindruck, die meisten Journalistinnen und Journalisten seien käuflich. Sie machen es sich zu einfach mit der Behauptung «Alles manipuliert». Auch bei vielen grossen Medien gibt es viele charakterfeste Redaktionsmitglieder. Diese haben allerdings damit zu kämpfen, dass ihnen wegen schrumpfenden Mitteln der Verlage immer mehr Mittel entzogen werden. Private Radio- und TV-Stationen sind zu einem grossen Teil auf gesponserte Informationssendungen angewiesen.
Urs P. Gasche, am 28. Dezember 2017 um 18:26 Uhr
Ich gratuliere der NZZ! Martin A. Liechti, Maur
Martin A. Liechti, am 28. Dezember 2017 um 19:17 Uhr
Wenn es um viel Geld geht, dann besteht mindestens seit Cecil Rhodes und der Milner Gruppe zu Zeiten des British Empire eine uralte, elitäre Verbindung zwischen dem Establishment, deren marktbeherrschenden Banken und den Meinungs-beherrschenden Medien. Es gibt m.E. mindestens so viel Propaganda im Westen wie im Osten, weshalb eine Diskussion darüber müssig ist.
Am Anfang der Kausalkette der Geld- und Machtkonzentration steht das unrechtmässige Privileg der Privatbanken, Geld aus dem Nichts selber bei jedem Kredit zu schöpfen. Durch das Schmiergeld der UBS wird kaum mehr ein Journalist z.B. für Vollgeld eintreten. Ich dagegen umso mehr.
Definitiv menschenverachtend wird diese Establishment-Suppe aber dann, wenn medial und gezielt für den nächsten Krieg getrommelt wird.
Das scheint mir heute der Fall zu sein und deshalb wird Widerstand Pflicht.
Paul Steinmann, am 28. Dezember 2017 um 21:55 Uhr
Journalisten in den grossen Verlagshäusern, Ringier, TA Media, Wanner, Somedia, sind alle «eingebettet». Wirkliche Freihheiten haben sie beschränkt. Kritik in den eigenen Reihen oder gar an der Firmenpolitik ist nicht erwünscht, NZZ/TA. Gekaufter Journalismus ist salonfähig. Wenn eine Bank einlädt ist das ein Investment mit Erwartungen der sich auch gute Schreiber schlecht entziehen können. «Gestandene» Journalisten, Rutishauser TA, führen den Konzentrationsauftrag aus und begraben damit die Meinungsvielfalt. Leute wie Supino, Lebrument, Wanner, Ringier sind unantastbar, Kritik an ihrer Politik, an ihre Unfähigkeit Pressefreihheit zu garantieren
gibt es nicht. Verleger und Journalisten sind die Gaukler der Neuzeit und der Leser der Verlierer der Gegenwart!
Victor Brunner, am 30. Dezember 2017 um 08:53 Uhr
Die Grossbank als Freier; die Journis als Prostituierte ...
René Edward Knupfer-Müller, am 30. Dezember 2017 um 16:08 Uhr

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