Prolia, Amgen, Nebenwirkung © RTS

Prolia: Lausanner Ärzte fanden beim Medikament gegen Knochenschwund eine gravierende Nebenwirkung.

Unispital Lausanne deckt Medikamentenskandal auf

Tobias Tscherrig / 19. Feb 2018 - Ärzte finden eine Medikamenten-Nebenwirkung und legen sich mit dem weltweit grössten Biotech-Konzern an. Die Medien schweigen.

  • Vor knapp einem Monat berichtete Radio Télévision Suisse (RTS) über ein Ärzteteam des Universitätsspitals Lausanne, das eine unbekannte Nebenwirkung bei Prolia (Wirkstoff Denosumab), einem bisher hochgelobten Medikament gegen Knochenschwund (Osteoporose), entdeckt hatte.
  • Die Nebenwirkung ist gravierend: Die Absetzung des Präparats kann zu mehrfachen Wirbel-Frakturen führen.
  • In der Schweiz sind bis jetzt mehr als 100 Personen betroffen. Die Dunkelziffer ist hoch. Laufend werden neue Fälle bekannt.
  • Der weltweit grösste Biotechnologiekonzern Amgen stellt das Medikament her. RTS konfrontierte den Hersteller mit den Recherchen: Dieser mauert.
  • Ohne das Eingreifen der Lausanner Ärzte wäre die Nebenwirkung von Prolia nicht bekannt geworden. Dafür straft Amgen die beteiligten Ärzte ab. Zusätzlich errichtet der Konzern eine Drohkulisse.
  • Die Medien in der deutschsprachigen Schweiz berichteten nicht über den Medikamentenskandal. Auch Fachgesellschaften verweigern sich dem Thema.

Bericht im Westschweizer Fernsehen RTS vom 24. Januar 2018.

Die Wirbelsäule von Pierrette Miletto ist elfmal gebrochen, sie ist um insgesamt sieben Zentimeter kleiner geworden. «Alle Nerven des Körpers passieren die Wirbel und gehen bis in die Extremitäten», erklärt sie gegenüber RTS. «Ich habe permanente Schmerzen. Während 24 Stunden, am ganzen Körper.» Ihre Leidensgenossin Claudine Martin geht mit sechs gebrochenen Wirbeln durch das Leben. «Die Ärzte sagten mir erst, es sei alles in Ordnung. Ich solle mich ausruhen und die Beine hochlagern.» Ein MRI brachte den Befund bei Claire-Lise Lecomte: fünf gebrochene Wirbel. Die Diagnose sei ein Schock gewesen, sagt sie in die RTS-Kamera. «Mir wurde klar, dass mein Leben nie mehr dasselbe sein würde.»

Die Geschichten der drei Frauen gleichen sich: Trotz grossen Schmerzen stiessen sie in der medizinischen Fachwelt zuerst auf taube Ohren. Und: Alle brachen sich die Wirbel innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der Absetzung des Medikaments Prolia.

Heute ist ihr Alltag geprägt von Schmerzen, Therapien, Tabletten. Sitzkissen, Gehstöcke und Rollatoren sind wichtige Hilfsmittel geworden. Ihre körperliche Beeinträchtigung hat grossen Einfluss auf ihr gesamtes Leben. Laufen, sitzen, Oberkörper und Hals drehen: Die alltäglichsten Bewegungsabläufe sind zu einem schmerzvollen Kraftakt geworden – oder müssen ganz vermieden werden.

Prolia: Wundermittel gegen Knochenschwund

Osteoporose (Knochenschwund) ist die häufigste Form der Knochenerkrankung. Bis zum vierzigsten Lebensjahr nimmt die Knochenmasse der Menschen zu, danach baut der Körper auf natürliche Weise jährlich rund ein Prozent wieder ab. Menschen, die an Knochenschwund leiden, verlieren aber viel mehr Knochenmasse, der Knochenstoffwechsel ist gestört. Das Skelett verliert an Stabilität, das Risiko für Knochenbrüche steigt. Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Lebensalter. Zur Risikogruppe gehören vor allem Frauen: In der Schweiz ist nach den Wechseljahren etwa jede fünfte Frau betroffen.

Gegen Knochenschwund gab es lange kein wirksames Heilmittel. Bis der weltweit grösste Biotechnologiekonzern Amgen das Präparat Prolia auf den Markt brachte, das auf dem Wirkstoff Denosumab basiert. Swissmedic erteilte die Marktzulassung im Jahr 2010.

Schon bald galt das Medikament als perfektes Mittel gegen Knochenschwund. Der Wirkstoff Denosumab wurde im November 2010 als bestes neues Medikament des Jahres ausgezeichnet, Hersteller Amgen erhielt für sein Präparat im Jahr 2011 den «Prix Galien» in der Kategorie «Primary Care». «Die Medizinwelt war enthusiastisch», sagt Olivier Lamy, Chefarzt im Zentrum für Knochenkrankheiten am Universitätsspital Lausanne gegenüber RTS. «Während zwanzig Jahren gab es keine neuen Entwicklungen im Kampf gegen Knochenschwund. Dann endlich kam ein wirksames Medikament.» Die Studienergebnisse des Präparats seien bahnbrechend gewesen, so Lamy. Erfolge, die man bei der Behandlung von Knochenschwund so noch nie gesehen habe.

Die Erfolge lassen die Kassen von Amgen klingeln: Laut Reuters erzielte Amgen mit dem Medikament Prolia bereits im Jahr 2013 einen Umsatz von 744 Millionen US-Dollar. Im selben Jahr informierte Amgen über das Risiko von atypischen Oberschenkelbrüchen bei Patienten, die mit Prolia behandelt worden waren. Trotzdem ging die Erfolgsgeschichte von Prolia ungebremst weiter. Im Jahr 2016 war das Präparat mit ein Grund, weshalb der Umsatz von Amgen auf 5.5 Milliarden US-Dollar anstieg, worauf das Management seine Gewinn- und Umsatzprognose weiter nach oben korrigierte.

Das Absetzen führt zu Wirbelbrüchen

In der Tat ist das Medikament äusserst wirksam gegen Knochenschwund – solange man es nimmt. Alle sechs Monate müssen sich Patientinnen und Patienten das Präparat unter die Haut spritzen, in der Schweiz kostet eine Spritze 303 Franken. Doch sobald man die Injektionen stoppt, steigt das Risiko von mehrfachen Knochenbrüchen. Davon wussten weder Pierrette Miletto, Claudine Martin, Claire-Lise Lecomte, noch die anderen betroffenen Patientinnen und Patienten. Ohne das Lausanner Ärzteteam um Olivier Lamy wäre die dramatische Nebenwirkung des Medikaments noch immer unbekannt.

Schuld an der Nebenwirkung ist der sogenannte «Rebound-Effekt»: Vereinfacht ausgedrückt legt das Präparat die Zellen, die den Knochenabbau verursachen, komplett still. Sobald das Medikament seine Wirkung verliert, nehmen alle inaktiven Zellen sowie die gesamten stillgelegten Vorläuferzellen ihre Arbeit wieder auf – und das in einer extrem beschleunigten Form. Das ist zumindest die Hypothese von Lamy und seinem Team – mangels entsprechenden Forschungen gibt es keine Gewissheit. Der Rebound-Effekt wurde bereits bei verschiedenen anderen Medikamenten beobachtet. Er ist der Grund, weshalb die Dosierung von manchen Präparaten nur sukzessive und über einen längeren Zeitraum hinweg verkleinert werden darf.

Lamy betont, das Prolia deswegen kein schlechtes Medikament sei. Man müsse den Nebeneffekt aber akzeptieren und die Absetzung des Medikaments anders gestalten.

Der Zusammenhang zwischen den gebrochenen Wirbeln und der Absetzung von Prolia wurde zum ersten Mal im Zentrum für Knochenkrankheiten am Universitätsspital Lausanne festgestellt. Eine Entdeckung, die das Unispital und Facharzt Lamy auf einen Schlag ins Herzen eines ausgewachsenen medizinischen Skandals katapultierte. Im Sommer 2015 hatten Lamy und sein Team erstmals Verdacht geschöpft. Trotzdem gibt sich der Facharzt in der RTS-Reportage selbstkritisch, sagt, man habe bei den ersten Patientinnen Fehldiagnosen erstellt und die Brüche auf den Knochenschwund oder andere Ursachen zurückgeführt. Erst nach der dritten Patientin sei man aufmerksam geworden.

Die Industrie mauert und bestraft

Lamy und sein Team beschlossen, die Erkenntnisse mit Berufskollegen zu teilen. Den ersten Alarm lösten sie auf einem US-Ärztekongress aus. Eine Mitarbeiterin von Lamy stellte die gesammelten Erkenntnisse vor. «Die Industrie hat den Verdacht sehr schlecht aufgenommen», sagt Lamy in der RTS-Reportage. Amgen habe ein Treffen verlangt, abgewiegelt und den Standpunkt eingenommen, die Fälle seien sehr schlecht dokumentiert. Wahrscheinlich gebe es keinen Zusammenhang, so der Tenor. Lamys Kollegin wurde abgekanzelt. Sie solle doch bitte den üblichen Weg über die Gesundheitsbehörden des Landes gehen, bevor sie die internationale Gemeinschaft alarmiere, sei ihr gesagt worden. «Für meine Kollegin war das Treffen sehr belastend», so Lamy gegenüber RTS. «Sie wurde mit Druckversuchen konfrontiert.»

Lamy erlebte eine ähnliche Situation. An einer Sitzung, an der amerikanische und europäische Vertreter der Industrie teilnehmen sollten, wurde ihm das Erscheinen eines Gesprächspartners angekündigt. Es kamen vier oder fünf. Das gesamte Gespräch wurde akribisch protokolliert. «Ich hatte den Eindruck, als Angeklagter vor Gericht zu sitzen», so Lamy gegenüber RTS. «Das ist die amerikanische Strategie des Herstellers.» Der RTS-Journalist hakt nach, er will wissen, ob Druck aufgesetzt worden sei, um das Problem zu verstecken. «Vielleicht sollte das Problem versteckt werden, vielleicht sollten wir entmutigt werden, weiter so mühelos darüber zu sprechen», gibt Lamy zur Antwort.

Der Biotechkonzern Amgen griff noch zu weiteren Mitteln, um Lamy und sein Team für die Entdeckung der Nebenwirkung abzustrafen. Am 18. Januar 2018 führte Lamy in Morges ein Symposium mit über 120 Medizinern durch. Das Thema des Treffens: Osteoporose. Wie in der Branche üblich, wurde die Tagung von mehreren pharmazeutischen Unternehmen gesponsert. Ein Punkt auf der Traktandenliste betraf die multiplen Wirbelbrüche nach der Absetzung von Prolia. Im letzten Moment zog sich der Biotechologiekonzern Amgen, welcher als Hauptsponsor des Events auftrat, fast vollständig zurück. Das Unternehmen strich die Finanzierung auf einen Zehntel des anfänglich versprochenen Betrags zusammen. «Ich musste Geld aus meinem Forschungsfonds entnehmen, um das Symposium überhaupt durchführen zu können», beschreibt Lamy die Auswirkungen gegenüber infosperber.

Den Schwarzen Peter weitergeben

Thierry Buclin, Chefarzt der pharmakologischen Klinik am Universitätsspital Lausanne, hat das Tauziehen zwischen seinen Kollegen und dem amerikanischen Hersteller Amgen mitverfolgt. Gegenüber RTS zeigt er sich schockiert. Er vergleicht die Geschichte unter anderem mit dem Vioxx-Skandal, bei dem dem Hersteller vorgeworfen wurde, Warnsignale zu Risiken ignoriert und die Wahrheit gedeckelt zu haben. «Das ist schade», sagt er in der RTS-Reportage. «Nach jedem Fall sagt uns die Industrie, sie habe verstanden und werde künftig anders reagieren. Trotzdem beginnt das Spiel immer wieder aufs Neue.»

RTS erging es nicht besser. Die Journalisten besuchten den schweizerischen Amgen-Hauptsitz in Zug, sie wollten Antworten. Vergeblich. Zum Treffen erschien niemand, die Türen blieben verschlossen. Telefonisch wurden die Journalisten abgewimmelt, man werde die Fragen schriftlich beantworten, hiess es. Dagegen legte der amerikanische Hauptsitz von Amgen sein Veto ein. Statt Antworten gibt es für die Opfer und die Öffentlichkeit nur Stille.

Lamy sagt, Amgen wiegele das Problem mit Prolia auch nach der Ausstrahlung der RTS-Reportage weiter ab. Der Konzern verbreite in der ganzen Welt, es handele sich um ein Problem des Unispitals Lausanne und der Schweiz, nicht aber um ein Problem des Herstellers. Damit reicht Amgen den Schwarzen Peter weiter. «Am 2. Februar 2018 veröffentlichte ein israelisches Team Datensätze, die unsere Erkenntnisse stützen», so Lamy gegenüber infosperber. «Wir sind also nicht mehr alleine.»

Prolia in der Schweiz

In der Schweiz dauerte es bis 2017, bis die Gefahren der Prolia-Absetzung klar auf dem Beipackzettel des Medikaments vermerkt wurden. In allen anderen Ländern wird darauf verzichtet. Rudolf Stoller, Experte für Medikamentensicherheit bei Swissmedic, spricht gegenüber RTS davon, dass der unerwünschte Nebeneffekt von Prolia auf der Basis der Produktinformationen aktuell als «gelegentlicher unerwünschter Nebeneffekt» behandelt werde. Das heisst: Das Risiko der multiplen Wirbelbrüche liegt bei unter einem Prozent. «Aber – und das ist meine persönliche Meinung – das Risiko wird zukünftig eher in Richtung 'genug wichtig' gehen.» Deshalb werde man wohl noch weiterführende Massnahmen ergreifen müssen.

Prolia wird auch als präventives Mittel gegen Knochenschwund bei Krebskranken eingesetzt. So gilt noch heute in der Schweiz die offizielle Richtlinie, Prolia an Frauen auszugeben, bei denen Leberkrebs diagnostiziert wurde. Das Präparat soll die Auswirkungen der Krebsmedikamente bekämpfen, die auch die Knochen angreifen.

So geschehen bei Claire-Lise Lecomte. Während drei Jahren injizierte der Arzt der krebskranken Frau präventiv das Prolia-Präparat. Der Arzt sei mit dem Ergebnis zufrieden gewesen, erklärt Lecomte. Ihren Knochen gehe es nun blendend, sogar besser als vor der Behandlung, habe er gesagt. Also wurde das Medikament abgesetzt. Schon bald litt Lecomte unter starken Rückenschmerzen, die Gewissheit brachte ein MRI: fünf gebrochene Wirbel. In der RTS-Reportage lacht Lecomte, als sie erzählt, wie glücklich sie vorerst über die Diagnose gewesen sei. Hauptsache keine neuen Metastasen. Dann schiessen ihr die Tränen in die Augen. «Mir wurde bewusst, dass mein Leben nie mehr dasselbe sein wird.»

«Für mich ist klar, dass diese Therapie fallen muss», erklärt Lamy gegenüber RTS. Als Alternative sieht der Facharzt ein internationales Moratorium, während dem die Auswirkungen von präventiv eingesetztem Prolia untersucht werden müssen.

Die Frage nach der Schuld

Pierrette Miletto hat inzwischen einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Sie will, dass Amgen zumindest ihre therapeutischen Kosten übernimmt. Dabei ist die entscheidende Frage, ob Amgen von der Nebenwirkung gewusst hat oder zu welchem Zeitpunkt das Unternehmen davon Kenntnis hätte haben können – und ob der Konzern ausreichende Forschungen betrieben hatte. Auf diese wichtigen Fragen gibt es bisher keine definitiven Antworten. Es gibt aber Hinweise.

Bereits im Jahr 2008 und danach im Jahr 2011 gab es in der wissenschaftlichen Literatur Indizien, die darauf schliessen lassen, dass sich die Knochendichte nach der Absetzung von Prolia vermindert. Trotzdem gab es seitens des Herstellers keine Forschungen darüber – zumindest keine veröffentlichten. Naivität? Der Versuch, etwas zu verheimlichen? Thierry Buclin schätzt, dass keine Untersuchungen angestellt wurden, damit sich der Hersteller keine unliebsamen Fragen stellen muss. Auch Rudolf Stoller weiss nicht, ob Amgen von der Nebenwirkung gewusst hatte. Die Frage, ob die nun gezeigte Überraschung des Herstellers über die multiplen Brüche nur vorgeschoben sei, lässt er unbeantwortet.

RTS-Recherche findet kaum Beachtung

Es war der wissenschaftliche RTS-Journalist Christophe Ungar, der den Skandal um Prolia aufgedeckt hatte. Dafür recherchierte er mehrere Monate. Trotz der Brisanz des Themas stiess die Recherche nur auf wenig Gehör. Abgesehen von einigen wenigen Westschweizer Regionalmedien griff die Geschichte niemand auf. Die deutschsprachige Schweiz erfuhr von der Prolia-Nebenwirkung überhaupt nichts.

«Amgen kontrolliert die Leader der internationalen und der schweizerischen Meinungsbildung», sagt Lamy. «Im April 2018 wird ein weltweiter Kongress über Osteoporose stattfinden. Die Problematik mit der Prolia-Absetzung wird dabei nicht behandelt.» Auch die Schweizerische Vereinigung gegen die Osteoporose (SVGO/ASCO) lehne es ab, an ihrer jährlichen Zusammenkunft vom Mai 2018 über die Thematik zu sprechen.

Niemand weiss genau, wie viele Betroffene es gibt, die Dunkelziffer ist hoch. «Nachdem die Reportage gezeigt wurde, meldeten sich viele weitere Menschen mit den gleichen Symptomen», so Ungar. Facharzt Lamy bestätigt das. «Dank der Sendung konnten wir neue Fälle diagnostizieren.» Leider hätten einige Schweizer Fachpersonen aber sehr schlecht auf die Reportage reagiert. «Sie sagen, dieses Problem gebe es bei ihnen nicht. Sie sagen, die Patientinnen und Patienten des Universitätsspitals Lausanne seien schlecht gepflegt worden.» Damit übernehmen sie den Standpunkt des Biotech-Riesen Amgen.

Die Erfahrung von Lamy spricht eine andere Sprache. «Wir behandeln beinahe jede Woche neue Fälle», sagt Lamy. «Am 14. Februar kam zum Beispiel eine 65-jährige Frau in meine Sprechstunde, bei der Prolia in Folge einer Leberkrebserkrankung präventiv eingesetzt wurde.» Das Resultat der Untersuchung: Zehn Monate nach der Absetzung des Prolia-Präparats leidet die Patientin an elf gebrochenen Wirbeln.

Insgesamt behandelt das Universitätsspital Lausanne 35 Personen mit total 156 gebrochenen Wirbeln (Stand: 16. Februar 2018). «Bei all diesen Patienten wurde Prolia vor sieben bis zwölf Monaten abgesetzt», erklärt Lamy. Die Patienten kommen aus den Kantonen Waadt, Wallis und Freiburg.

Die Antworten der Universitätsspitäler Bern, Zürich und Genf stehen noch aus. Stephan Krähenbühl, Chefarzt Klinische Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsspital Basel, kennt die Prolia-Problematik. Falls man mit Prolia aufhören wolle, solle man ein langwirksames Bisphosphonat verabreichen. Das verhindere die Nebenwirkung, erklärt er. In Basel sind ihm – anders als in Bern – aber keine entsprechenden Fälle bekannt.

«Es spielt keine Rolle, ob davon 30, 40 oder tausend Menschen betroffen sind», erklärt Pierrette Miletto gegenüber RTS. «Es handelt sich jedes Mal um ein Leben – und unsere Leben sind zerstört worden.»

---------------------------------

DIE BEREITS BEKANNTEN NEBENWIRKUNGEN VON PROLIA:

Häufig vorkommende Nebenwirkungen

(als häufig bezeichnet man jene, die durchschnittlich zwischen 1-10 von insgesamt 100 Behandelten betreffen) sind laut Packungsbeilage von Prolia®:

Schmerzen beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen, Blut im Harn, Inkontinenz
Infektion der oberen AtemwegeSchmerzen, Kribbeln oder Taubheit entlang Ihres Beines (Ischias-Syndrom)
Trübungen der Augenlinse (Katarakt)
Darmträgheit
Hautausschlag
Schmerzen in den Armen oder Beinen (Schmerzen in den Extremitäten)

Als gelegentlich vorkommende Nebenwirkungen

(betrifft 1-10 von 1'000 Behandelten) werden genannt:

geschwollene, gerötete Stellen der Haut, am häufigsten im unteren Bereich der Beine, die sich heiß und schmerzhaft anfühlen (bakterielle Hautinfektion) und mit Fiebersymptomen einhergehen können
Divertikulitis: Entzündung der Darmtaschen mit Fieber, Erbrechen und Bauchschmerzen
Infektion der Ohren
Hautveränderungen mit Juckreiz, Rötung und/oder Trockenheit (Ekzem)

Als seltene Nebenwirkungen

(betrifft 1-10 von 10'000 Behandelten) sind bekannt:

anhaltende Schmerzen und/oder nicht heilende, wunde Stellen des Mundes oder Kiefers

Sehr selten (betrifft weniger als 1 von 10'000 Behandelten) kommt es unter der Gabe von Prolia® zu niedrigen Kalziumspiegeln im Blut (Hypokalzämie).

(Quelle: Navigator Medizin)

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

6 Meinungen

Daraus ist ersichtlich, dass die Pharma-Propaganda von der Ärzteschaft ohne Nachweise für wahr gehalten wird. Warum das so ist, wäre mit aller Konsequenz dringend aufzurollen. Warum galt das Medikament Prolia als perfektes Mittel gegen Knochenschwund??? Was hat es denn tatsächlich bewirkt, ausser die entsetzlichen Nebenwirkungen??? Wer hat denn die Studienergebnisse durchgeführt??? Warum haben all die anderen Spitäler von dieser Katastrophe nichts bemerkt???

Die Ärzte scheinen mit den von der Pharma vorgegaukelten Behauptungen die Patienten zu überzeugen, ohne selbst die geringste Ahnung über die Gefährlichkeit eines Medikaments zu haben. Die Apotheken und KKs machen mit. Warum nur??? In diesem Skandal steckt auch das skandalöse Verhalten der Ärzte, Apotheken und Krankenkassen gegenüber den Patienten. Und als Dritter im Bunde sind auch die Patienten ein Stück weit mit anzuklagen. Ein Medikament, das dem Körper nicht gut tut, gehört abgesetzt, und zwar eigenständig vom Patienten selbst. Der Patient bestimmt über seinen Körper, den er/sie selbst am besten spürt, und niemand anderer. Es wird Zeit, dass sich die Patienten selbst um ihre Gesundheit kümmern und sich emanzipieren.

Bei Prolia war ja kaum zu verheimlichen, welch vernichtende Nebenwirkungen das Medikament hat. Denn es produziert schwerst behinderte Menschen mit unsäglichem Leid, die das Gesundheitswesen den Rest ihres Lebens – schuldlos – mit sehr hohen Kosten belasten. Der Bürger bezahlt das via KK.
Elisabeth Krail, am 19. Februar 2018 um 15:46 Uhr
Und all die anderen Spitäler haben nichts gemerkt??? Na bravo, auf die Unverfrorenheit unseres medizinischen Systems ist Verlass!
Elisabeth Krail, am 19. Februar 2018 um 15:59 Uhr
Guten Tag

Danke für diese Berichterstattung. Ich bekomme seit einigen Jahren dieses Medikament, mit unangenehmen Nebenwirkungen. Mein Hausarzt gab es mir im guten Glauben, dass es keinen Rebound-Effekt machen würde. Erst später öffentlich kam heraus, dass dieser Effekt entstehen kann. Ich bin also in einer unangenehmen Situation. Wenn die Firma schon von Anfang an vom Rebound-Effekt wusste, und es verheimlicht hat, dann muss wohl eine Klage auf Schadensersatz ins Leben gerufen werden. Dann hat die produzierende Firma Aerzte und Patienten/innen betrogen und belogen.Meine Knochendichte hat sich zwar verbessert, aber die Nebenwirkungen sind drastisch, die Schmerzen grässlich, und ich habe viel Gewicht verloren.

Gut bin ich Mitglied von Exit, das beruhigt etwas.
Beatus Gubler, am 19. Februar 2018 um 18:19 Uhr
Hoffentlich erhalten die betroffenen Menschen Unterstützung bei ihrem Gang vor Gericht, und treffen auf furchtlose Richter, die sich von der übermächtigen Pharmaindustrie nicht beeinflussen lassen. Dann bequemen sich vielleicht auch die grösseren, mit der Wirtschaft verfilzten Medien, darüber zu berichten.

Leider besteht wenig Hoffnung auf unabhängige medizinische Forschung, denn praktisch niemand zahlt dafür, und Forscher verlieren praktisch ihre berufliche Zukunft, wenn sie sich mit Wirtschaftsriesen der Pharma oder der Mobilfunkindustrie anlegen. Eigentlich müsste man dafür eine Patientenstiftung gründen und dafür spenden, statt an Krebsliga und ähnliche industienahe Organisationen.
Daniel Nägeli, am 20. Februar 2018 um 10:56 Uhr
Nach Ansicht von Verlagsgruppe >Random House< Bertelsmann ist der Journalist und Sachbuchautor Kurt G. Blüchel seit mehr als vier Jahrzehnten ein intimer Kenner des Medizinbetriebs . -
Einer seiner Bestseller erschien unter dem Titel » Heilen verboten - töten erlaubt ».

Erst durch einen zusätzlich verwendeten Untertitel läßt sich der Buchtitel in vollem Umfang erschließen :
» Die organisierte Kriminalität im Gesundheitswesen «
Gustav - Adolf Siebrasse, am 21. Februar 2018 um 13:59 Uhr
Ja, dieser Fall ist erschreckend und Amgen nicht würdig. Dieser Fall diskreditiert die vielen tausend Mitarbeiter in der Pharmabranche, die saubere Arbeit verrichten und ihr Leben oft hart verdienen. Es stimmt traurig wenn man sieht, wie weit weg wir von einer positiven Fehlerkultur sind, wenn es um unsere Gesundheit geht. Keine Frage, Fehler müssen aufgedeckt und daraus gelernt werden, besonders im Gesundheitswesen. Die Götter in Weiss sind eben auch nur Menschen, und oft schwach dazu. Solche „Götter“ gibt es leider in allen Wirtschaftsetagen und der Politik. Dieser Amgenfall sollte unbedingt genau und sauber aufgearbeitet werden, damit das Übel an der Wurzel erfasst und verstanden werden kann und nicht einfach wieder in pauschalen Anschuldigungen verschwindet.
@ Elisabeth Krail: in diesem Sinne würde ich eben etwas vorsichtiger sein, denn die meisten Exponenten im Gesundheitswesen machen gute Arbeit und sind keine Verbrecher. Gerade deshalb sollte dieser Fall Amgen genau aufgearbeitet werden. Und @ Gustav-Adolf Sieberasse solche reisserische und pauschale Buchtitel helfen wenig, will man eine neue Gesprächskultur zur Lösung unserer „Gesundheitsmiseren“ in Gang setzen. Sachlichkeit bringt da mehr.
Felix Speiser, am 22. Februar 2018 um 09:39 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.