Es könnten mehr an Corona-bedingtem Hunger sterben als am Virus

Urs P. Gasche © Peter Mosimann
Urs P. Gasche / 14. Sep 2020 - Bloomberg verbreitet diese alarmierende Einschätzung von Oxfam, einem Dachverband von Entwicklungsorganisationen.

«Es ist an der Zeit, die Verengung der Debatte auf die medizinischen Folgen von Covid-19 zu beenden. Die sozialen und wirtschaftlichen Nebenwirkungen der Pandemiebekämpfung sind gravierend», kommentiert Gabor Steingart in einem Morning Briefing.

Tatsächlich steigert die Coronakrise die Vermögen von wenigen. Staaten gaben und geben Milliarden für Wirtschaftsanreize aus und Notenbanken kauften und kaufen für Hunderte von Milliarden Dollar Obligationen und Aktien. Das trieb die Börsenkurse trotz Krise in die Höhe und machte Reiche noch reicher.

Gleichzeitig treiben die Corona-Massnahmen in den Industriestaaten unzählige Menschen in Entwicklungsländern in tödliches Elend. Um auf lebensbedrohliche Nebenwirkungen der Lockdowns hinzuweisen, zitiert Steingart einen Bericht der Medienagentur Bloomberg:

    «Erste Prognosen der UNO zeigen, dass im schlimmsten Fall etwa ein Zehntel der Weltbevölkerung in diesem Jahr nicht genug zu essen hat. Die Auswirkungen werden über den reinen Hunger hinausgehen, da Millionen von Menschen wahrscheinlich auch andere Formen der Ernährungsunsicherheit erfahren, einschliesslich der Tatsache, dass sie sich keine gesunde Ernährung leisten können, was zu Unterernährung oder Fettleibigkeit führt.»

    «Bis Ende des Jahres könnten täglich bis zu 12'000 Menschen an dem mit Covid-19 verbundenen Hunger sterben, möglicherweise mehr als diejenigen, die an dem Virus selbst sterben, schätzt die Wohltätigkeitsorganisation Oxfam

    «Covid-19 hat einige der tiefsten Ungleichheiten der Welt aufgedeckt. Millionen von Menschen sind arbeitslos geworden und haben nicht genug Geld, um ihre Familien zu ernähren, trotz der Billionen an staatlichen Anreizen, die dazu beigetragen haben, globale Aktien auf ein Allzeithoch zu bringen.»

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Weitere Berichte:

«Tod durch Hunger statt Corona - wie die Pandemie Hilfe behindert», BR, 15.7.2020

«Droht durch Corona einer Milliarde Menschen Hunger?», nau.ch, 7.7.2020

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7 Meinungen

Das war zu erwarten. Nicht korrekt ist nur der Titel:
nicht an Corona-bedingtem Hunger..., sondern an Hunger als Folge der Anti-Corona-Massnahmen...
Christof Kunz, am 14. September 2020 um 13:27 Uhr
Wieder mal ein typisches Ablenkungsmanöver. Wer sich über die tatsächlichen Zustände der Nahrungsmittelproduktion informieren möchte, sollte mal bei «Ice Age Farmer» schauen. Er berichtet seit Monaten, wenn nicht Jahren, wie die gesamte Produktion an die Wand gefahren wird und es nicht nur die Leute in Afrika trifft, sondern auch die auf der nördlichen Hemisphäre treffen wird. Und wer berichtet schon über die derzeitige Vernichtung der Ernten in China und den USA?
Elisabeth Heer, am 14. September 2020 um 14:22 Uhr
Und niemand soll sagen, man konnte das nicht wissen.

Von Anfang an haben zig Menschen gesagt, dass die Massnahmen schlimmere Auswirkungen haben wird als das Virus selbst. Auch die heutigen Massnahmen schaden immer noch mehr als sie nützen.

In einem früheren Kommentar wies ich darauf hin, dass es eine zeitliche Korrelation von Maskenpflicht und steigenden Fallzahlen gibt. Anscheinend gibt es tatsächlich einen kausalen Zusammenhang.

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1174-6591
Stöckli Marc, am 14. September 2020 um 15:48 Uhr
Es ist zweifellos richtig und wichtig auf den Zusammenhang von Corona und Armut hinzuweisen. Trotzdem bleibt die die Botschaft hinter der Aussage hinter dem Titel «Es könnten mehr an Corona-bedingtem Hunger sterben als am Virus» unklar. Ist sie ein Plädoyer gegen den Lockdown? - Falls ja, wäre zu prüfen, wie sich eine weniger rigide - sprich «wirtschaftsfreundlichere» - Strategie ausgewirkt hätte. Vermutlich wären dann mehr Leute an Corona gestorben als an ihrer Antwort. So what? Mehr ältere statt junge Tote? Klar ist in jedem Fall, dass die sozioökonomisch benachteilgten Bevölkerungsgruppen den schwarzen Peter ziehen. - Ob Corona oder nicht: Der dringendste Handlungsbedarf besteht bei den menschenfeindlichen ökonomischen Strukturen der neoliberalen Gesellschaft, die die Reichen reicher und die Armen ärmer machen. Dieser Aspekt wird im Kurztext zwar angetönt, aber meiner Meinung nach zu wenig ausgeführt.
Martin Hafen, am 14. September 2020 um 18:34 Uhr
Guten Tag Frau Heer
Guten Tag Herr Hafen

Sie haben natürlich beide recht, wenn Sie sagen, dass Corona nicht das Grundproblem ist. Aber es legt die Grundproblematiken schonungslos offen. Während extremste Massnahmen auf der Welt eingeführt werden wodurch ein grossteil der Menschen erheblichen, wirtschaflichen Schaden erleiden oder sogar daran sterben, erhöhte sich das Vermögen der sechs reichsten Amerikaner seit Corona um durchschnittlich 17 Milliarden Dollar.

Kennen Sie zufällig «Die Schockstrategie» von Naomie Klein? Das westlich-kaptialistische System hat jahrzehntelange Erfahrung darin, Katastrophen so zu nutzen, dass Macht und Kapital zentralisiert werden. Die getroffenen Massnahmen haben einzig diesen Sinn. Schauen Sie genau hin was passiert und was politisch aber undemokratisch alles umgesetzt wird und vor allem umgesetzt werden kann.*
Was wäre Ihre Prognose? Nach Corona eine wirtschaftlich gerechtere Welt oder eine noch ungerechtere? Eine demokratischere Welt oder eine autoritärere?

*Damit will ich nicht sagen, dass das Virus selbst diesen Sinn von Anfang an hatte. Ich spreche nur von den Massnahmen. Naomie Klein weist darauf hin, dass einige Katastrophen bewusst inszeniert wurden während andere einfach geschahen, ohne menschliches Zutun, dann aber rasch und geschickt ausgenutzt wurden. Zu was Corona gehört, weiss ich (noch) nicht.
Stöckli Marc, am 16. September 2020 um 09:01 Uhr
@Martin Stöckli -
Fakt ist, dass der R-Wert – analog zu Deutschland – in der Schweiz am 23.3. bereits unter dem Schwellwert war (0.98). Der grosse Peak war so auch hierzulande bei Beginn des Lockdowns schon vorbei.

Offen ist, wieweit die vor dem Lockdown getroffenen Massnahmen zum raschen Abklingen der Welle beigetragen haben (Hygiene, keine Grossveranstaltungen).

Der Lockdown hat neben wirtschaftlichen auch gravierende medizinische Kollateralschäden gebracht. Für die Schweiz gibt es dazu inzwischen die Studie vom Unispital Bern vom 11.8. ‘Barriers to seeking emergency care during the pandemic lead to higher mortality' . Bereits in den Medienkonferenzen vom 4.4. (Min. 34) und 7.4 (Min2:15) hat D. Koch das angesprochen. Am Podiumsgespräch in Aarau vom 14.8. u.a. mit M. Tanner von der Covid-Taskforce wurde darauf hingewiesen, dass gemäss Polizeirapport Basel in der Zeit von Mitte März bis Ende Mai mehr Suizide verübt wurden als im ganzen Jahr 2019.

Am 27.4. haben die Lockerungen begonnen. Der Party in Basel, Steinenvorstadt am 11.5. folgten eine Reihe von nicht Corona- konformen Ansammlungen, drinnen und draussen auf engstem Raum - ohne Masken. Bei der Black-Live-matters Demo herrschten Street-Parade Zustände in Zürich, der Pendlerverkehr war ab Mai wieder überfüllt, bis Juli ohne Masken. Nichts ist passiert, konstant tiefe «Fallzahlen», tiefe Hospitalisationsraten und Letalität. Letztere sind weiterhin konstant tief. Nur die “Fallzahlen” gehen in die Höhe.
Fazit?
THOMAS OETTLI, am 16. September 2020 um 12:18 Uhr
Sehr gut, Martin Hafen! Menschen in den entwickelnden Ländern sterben seit vielen Jahren, weil wir ihre korrupte Regierungen in ihrer Eigenbereicherung unterstützen. Unsere Steuern gehen in deren Taschen und verhindern, dass die Ressourcen ehrlich verteilet werden, denn jedes auch noch so armes Land kann ein Grundeinkommen einführen. In unseren westlichen Ländern hätte das vielen viel Leid erspart. Wann lernen wir endlich, zum Wohl aller intelligent zu handeln?
Michel Mortier, am 16. September 2020 um 13:21 Uhr

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