Die beiden Fussballstars aus dem Kosovo verherrlichen Grossalbanien © SRF
Flagge mit dem Wahrzeichen von Grossalbanien © Welt

Bundesräte Parmelin und Cassis blamieren sich und die Schweiz

Christian Müller / 24. Jun 2018 - Mit ihrer Verteidigung der beiden Schweizer Fussballer verraten die beiden Minister, wie unbedarft sie politisch sind.

«Der Sportminister Guy Parmelin nimmt die wegen ihrer Doppeladler-Geste gescholtenen Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri in Schutz. Er sagte am Samstag: «Wer die aufgeladene Stimmung miterlebt hat, schätzt die Leistung der Schweizer Nati umso mehr und kann verstehen, wenn die Emotionen mit einem Spieler durchgehen.» Es sei nicht im Sinne des Sports, aus den Emotionen nun eine Polemik entstehen zu lassen. Die Schweiz sei stolz auf ihre Vielfalt aus Sprachen, Kulturen und Meinungen. Das mache sie stark.

Auch der Bundesrat Ignazio Cassis nannte die Equipe am Samstag ein perfektes Beispiel für die Verschmelzung verschiedener Kulturen. Zu den Doppeladler-Gesten sagte der Bundesrat mit italienischen Wurzeln: «Ich zweifle nicht, dass man patriotische Emotionen für die Nation empfinden kann, die einen aufgenommen hat, ohne sein Heimatland (!) zu vergessen.»

Das vermeldete NZZ online am Sonntag kurz vor Mittag.

Unser neuer Aussenminister Ignazio Cassis ist mittlerweile bekannt dafür, bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Fettnäpfchen zu treten. Aber nun zeigt er auch noch, dass er von der europäischen Politik und ihrer Geschichte keine Ahnung hat – er, Ignazio Cassis, heute Aussenminister eines Landes, das unheimlich stolz auf seine eigene Geschichte ist und nicht zuletzt deswegen auch der Europäischen Union nicht beitreten will.

Zum Begriff «Heimatland»

Albanien war nie das «Heimatland» von Granit Xhaka und nie das Heimatland von Xherdan Shaqiri. Granit Xhaka ist in der Schweiz geboren, seine Eltern stammen aus Pristina, dem heutigen Kosovo – nach Schweizer Ansicht ein unabhängiger Staat, nach internationalem Völkerrecht (siehe UNO Resolution 1244) wohl noch immer eine autonome Provinz von Serbien – und so oder so eine Stadt im ehemaligen Jugoslawien unter Tito. Shaqiri ist in Gjilan geboren, einer Stadt, die ebenfalls im Kosovo liegt.

Der Doppeladler aber, den sie mit Händen und Armen symbolisierten, steht auf der Flagge des heutigen Albanien, das nie zu Titos Jugoslawien gehörte, und – und das ist das Entscheidende – er steht auf der Flagge von «Grossalbanien»: von jener albanisch-nationalistischen Bewegung, die das heutige Albanien, Mazedonien und Kosovo in ein zusammenhängendes albanisches Reich bringen will. Da der Kosovo nie zum Staat Albanien gehörte, kann die Doppeladler-Geste der beiden Fussballer als Geste zur Verherrlichung der Idee von Grossalbanien ausgelegt werden – Grossalbanien als Reich der Albaner – rein ethnisch definiert! Schon im Jahr 2014 musste wegen einer mit einer Drohne in die Arena eingeflogenen Doppeladler-Flagge ein Spiel zwischen Serbien und Albanien abgebrochen werden.

Der Doppeladler auf dem (rot wiedergegebenen) «Staatsgebiet» von Grossalbanien führte 2014 zum Abbruch eines Länderspiels Serbien/Albanien. Davon wissen ohne Zweifel auch die Schweizer Fussballspieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. (Bild aus «Die Welt»)

Davon hat Aussenminister Ignazio Cassis offensichtlich aber keine Ahnung. Aus seiner Sicht müssen zwei Schweizer Fussballspieler, die ursprünglich aus Kosovo stammen, also aus Jugoslawien bzw. aus dem Jugoslawien-Nachfolgestaat Serbien, verstanden und entschuldigt werden, wenn sie in einer «emotionalen» Situation die Flagge von Grossalbanien zeigen.

Das ist halt ganz was Anderes …

Was wurde in den vergangenen Wochen nicht alles geschrieben, um aufzuzeigen, dass Putin die Fussball-Weltmeisterschaften nur aus Propaganda-Gründen nach Russland geholt hat. Und wie wurden die Russen ihrerseits behandelt, die an den Olympischen Spielen 2018 keine nationalen Embleme zeigen durften. Selbst im Publikum waren russische Embleme untersagt.

Wenn aber zwei Schweizer Fussballer, die ihre Millionen-Gehälter nicht zuletzt dank ihrer Einbürgerung in der Schweiz erhalten, öffentlich und vor einem Millionenpublikum nationalistische Gesten zeigen, dann muss man, so unser neuer Aussenminister, Verständnis mit ihnen haben, weil sie sich an ihr «Heimatland» erinnern – an Grossalbanien …

Wenn es der FIFA ernst ist, die Politik vom Fussball-Sport fernzuhalten, dann gehören die beiden Spieler gesperrt und zusätzlich bestraft. Solcher Nationalismus hat mit «Heimatliebe» nichts zu tun und darf tatsächlich an einer Fussball-Weltmeisterschaft keinen Platz erhalten.

- - - - -

Nachtrag vom 25. Juni 2018

cm. Den Vergleich mit Grossdeutschland und dem Hitler-Gruss sowie die Anführungszeichen von «Schweizer» haben wir entfernt, weil dies fehl am Platz war.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Zum Autor. Es gibt keine Interessenkollisionen.

Weiterführende Informationen

Fussballexperte Marcel Reif zur Adler-Geste (auf SRF)
Shaqiri hatte Kosovo-Flagge auf einem Schuh (heute.at)
FIFA verbietet harmloses Symbol bei Länderspiel (Die Welt)

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24 Meinungen

Ich habe mich riesig gefreut über den Sieg der Schweizer gegen die Serbien und göttlich über alle politisch korrekten Medien und Schweizer Profimotzer geärgert, welche nicht fähig waren über Fussball zu berichten, sondern Politik betrieben. Natürlich ist der Doppelkopfadler ein Zeichen des albanischen Nationalstolzes, der Doppelkopfadler ist das Wappentier des südosteuropäischen Landes. Und natürlich war es vielleicht provozierend, aber mein Gott was ist Fussball ohne Emotionen und was sind Emotionen unter Dauerkontrolle? Sie sind nichts wert. Genauso wie #Metoo eine unverkrampfte Beziehung zwischen den Geschlechter tötet, tötet die ständige politisch korrekte Keulenschwingerei jedes gesellschaftlich normale Leben, ein Leben unter Dauerkontrolle der pingeligen Moralisten ist kein erstrebenswertes Leben, sondern eine Zumutung. Also meiner Ansicht nach lassen wir uns von diesen Moralisten nicht alles kaputt machen und erfreuen uns eines normalen Lebens, in dem man Fehler machen darf und Emotionen zeigen darf. Die Schweiz hat verdient gewonnen und ich bin stolz auf unsere Schweizer Nationalelf und wer hier von Hitler oder Nationalismus redet. sollte sich bitte wieder mal bei der schule melden und etwas Geschichtsunterricht nehmen
Michel Ebinger, am 24. Juni 2018 um 18:29 Uhr
Was für eine überhebliche Haltung der Autor hier einnimmt. Die Nationalität der Spieler zuerst zu reklamieren und dann in Anführungs- und Schlusszeichen zu setzen. Den Doppeladler alleinig der Promotion eines «Grossalbaniens» zuzuschreiben. Und jeglichen Sinn für Zwischentöne und die Lebenswelt vieler Schweizerinnen und Schweizer vermissen zu lassen. Pure Polemik. Das ist man sich vom Infosperber nicht gewohnt.
Markus Studer, am 24. Juni 2018 um 20:07 Uhr
So ein Schmarren, die Doppeladler-Geste mit dem Hitler-Gruss zu vergleichen!
Jugoslawien gibt es nicht mehr, und Serbien hat sich während des Zerfalls weiss Gott nicht mit Ruhm bekleckert. In meinen Augen blamiert sich eher der Autor dieses Kommentars als der Bundesrat.
Daniel Heierli, am 24. Juni 2018 um 22:09 Uhr
Dass Christian Müller nicht nur schweizerischen oder türkischen Nationalismus ablehnt, sondern prinzipiell, lässt ihn angesichts der Sport-Euphorie, für die der Erfolg alles ist, ins Fettnäpfchen treten; kommt dazu, dass Provokation ein solches Verhalten nicht rechtfertigt. Natürlich gab es dies bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico, aber die damaligen Gesten waren US-innenpolitisch, Black Power, richteten sich nicht gegen den sportlichen Gegner. Guten Kommentar habe ich beim Blick-Sportchef gelesen, Felix Bingesser, dem vielleicht besonnensten Ringier-Journalisten, dass die beiden Torschützen hätten sehen müssen, dass das Tor Zeichen genug war und sie mit jeder anderen Geste die Sache schlechter gemacht haben. Auch Tschechen und Slowaken, die an der Eishockey-WM 1969 die Sowjets besiegt hatten, hätten sich keine zusätzliche politische Demonstration geleistet, im Gegenteil, mit einer solchen vieles verdorben. Die Nati-Spieler waren politisch schlecht beraten. Lächerlich wäre es noch zu behaupten, es müsse abgeklärt werden, ob die Geste «politisch» war. Selbstverständlich war sie es, übrigens sind auch Hakenkreuz und Hammer und Sichel politisch, selbst wenn politische Dummköpfe solche Zeichen benützen. Auf seine Weise politisch war ferner der Sieg der Schweiz über Grossdeutschland 1938, aber gerade damals hätte keiner «Öl ins Feuer» gegossen, wie es Bingesser mit Recht analysiert hat. CM verdient wie Infosperber für seine jeweils klare inopportunistische Haltung Respekt!
Pirmin Meier, am 25. Juni 2018 um 06:07 Uhr
Den Adler mit dem Heil Hitler Gruss vergleichen ? Sag mal hat es dem Autor ins ........???
Kann man denn den Adler mit Konzentrationslagern und der industriellen Vernichtung mehrerer Millionen Menschen in Bezug bringen ? Der Autor sollte den Text zurückziehen und sich entschuldigen. Ich sehe dies bereits als Verunglimpfung der Bedeutung des Heil-Hitler Zeichen.

Zudem kommt hinzu. Ich war früher Auslandschweizer und habe selber gespürt wie «Willkommen» ich war. Man sucht sich dann eine Identität und findet diese häufig im Ursprungsland. Zuerst werden sie von uns abgelehnt und halten sich an ihrer Herkunft fest und wenn sie dann erfolgreich sind behandelt man sie wieder nur als «Ausländer» weil sie ihre Identität zeigen. Es ist einfach nur peinlich wie die Schweiz reagiert. Der Sieg der Nati ist völlig in den Hintergrund gerückt und es zählt nur noch ein Zeitabschnitt von wenigen Sekunden. Einfach nur Heuchlerisch. Ich bin Stolz auf unsere Nati und da gehören nunmal Schweizer mit Migrationshintergrund oder auch Secondos dazu. Wenn ihr das nicht wollt dann stellt euch eine arische Nationalmannschaft zusammen die dann schon in der Quali rausfliegt.
Philipp Schüpbach, am 25. Juni 2018 um 08:12 Uhr
Man kann sehr wohl Parallelen zur Naziideologie ziehen. Doppaldler / Hitlergruss; Grossalbanien / Grossdeutsches Reich. Das ganze war keine spontane Reaktion, es war eine bewusste und gezielte Provokation von 2 Fussballern die gut spielen können und bewusst die Bühne der WM nutzten. Die Aussagen von Parmelin und Cassis sind dumm und entbehren jeglichen Wissen. Sie unterstützen die Zündler mit ihrer grossalbanischen Idee!
Victor Brunner, am 25. Juni 2018 um 08:23 Uhr
Anders als die Herren Ebinger, Studer und Heierli sehe ich die Doppeladlergesten nicht als derart harmlos an, ich kann sie auch nicht als derart «naturwüchsige» Emotionsäusserungen interpretieren wie die drei. Alle Spieler äusserten im voraus, dass das Spiel gegen Serbien aus politischen Gründen «heiss» sein werde. Dass diese Geste in dieser Konstellation eine politische Provokation sein würde, war allen bewusst. Shaqiri und Xhaka haben offenbar die Gelegenheit zur Provokation genutzt, und Lichtsteiner hat es ihnen, wie man heute hört, nachgemacht. Dass das wie jede Regelverletzung Konsequenzen hat, ist nur normal.
Was ich an Müllers Text allerdings gar nicht schätze, ist, dass er Shaqiri und Xhaka als Schweizer in Anführungszeichen bezeichnet. Damit übernimmt er eine Ausdrucksweise von Rechtsextremen, die Schweizer von «Eidgenossen» unterscheiden. Die beiden sind in der Schweiz geboren und haben das Schweizer Bürgerrecht. Also sind sie Schweizer ohne typografische Ausgrenzung.
Hanspeter Siegfried, am 25. Juni 2018 um 09:20 Uhr
Ich weiss nicht, was der Autor geraucht hat als er den Artikel schrieb. Sein Vergleich mit dem Hitlergruss ist absoluter Schwachsinn und total daneben. Wieso wird nicht erwähnt, wie die Serben im Vorfeld der Partie provoziert haben. Wenn man alles berücksichtigt, so kann man die Geste mit dem Doppeladler begreifen. Ich gehe mit anderen Schreibern einig, der Artikel ist pure Polemik
Peter Gadient, am 25. Juni 2018 um 11:57 Uhr
Vergleiche mit dem Hitlergruss sollte man auf immer und ewig unterlassen. Sie tragen keine Früchte, sondern verunmöglichen jegliche vernünftige Diskussion.
Allerdings finde ich die Rüge an Bundesrat und Spielern gerechtfertigt. Es wird hier für die Schweiz gespielt und da ginge ich eigentlich davon aus, dass dies auch das Heimatland der beiden ist. Oder sind es einfach Söldner für den schweizerischen Fussball? Die Schweiz schimpft sich neutral und da sollten auch Spieler einer Nationalmannschaft sich als Schweizer benehmen und nicht für utopische Reiche sich stark machen.
Da erwarte ich eher eine Rüge des Bundesrates, als eine Verteidigung dieses kindisch-doofen Getues. Auch Emotionen rechtfertigen nicht jeden Blödsinn.
Martin Schoch, am 25. Juni 2018 um 12:26 Uhr
"Die verborgene Geschichte hinter dem Doppeladler-Jubel» von Watson online ist für mich viel relevanter als die Bemerkung von INFOSPERBER. Daher 6 : 1 für WATSON.
Walter Schärlig, am 25. Juni 2018 um 13:00 Uhr
Christian Müller, eifriger Verteidiger des Faschisten Putin kann es nicht lassen: Es sind eben nicht die Sportler, die die Gesten der Spieler skandalisieren, sondern die Medien. Peinlich, dass auch Infosperber diesem Treiben eine Plattform bietet.
Thomas Ferber, am 25. Juni 2018 um 13:09 Uhr
Jetzt fängt auch noch der Infosperber mit dem selbstgefälligen Bundesrat-Bashing an und das mit dem Ton eines richtigen «donneur de leçon». Da hat Markus Studer (siehe oben) total recht: dem Herrn Müller fehlt es an Sinn für Zwischentöne. Ausserdem geht er überhaupt nicht auf den konkreten Kontext des Spiels ein. Aber der Leser soll wohl das Gefühl bekommen: was der alles weiss, was diese unbedarften Bundesräte total ignorieren. - Und dann noch zur Sperrung dieser Spieler aufzurufen.... da wird es einem ganz mulmig. Schade, solche Schreibe braucht doch der infosperber nicht, oder?
Bruno Rudolf von Rohr, am 25. Juni 2018 um 13:49 Uhr
Die Doppeladler-Geste von Xhaka und Shaqiri war nichts mehr und nichts weniger als eine sturzdumme Provokation, welche für die beiden kosovo-helvetischen Fussballgötter hoffentlich drastische Sanktionen nach sich ziehen wird. Und den beiden Bundesräten Parmelin und Cassis, die sich zu allem Überfluss auch noch bemüssigt fühlten, den beiden Herrschaften Absolution zu erteilen, sollte dringend etwas Nachhilfeunterricht in neuerer Geschichte verordnet werden. Purer, kruder Nationalismus, wiederauflebend mitten in Europa, hat das zerfallende Jugoslawien von 1991 bis 1999 in ein Schlachthaus verwandelt. Stupiden nationalistischen Provokationen muss deshalb auch im Sport konsequent, nötigenfalls auch mittels empfindlichen Strafen, Einhalt geboten werden. Ustaša-Grüsse und Četnik-Parolen haben auf dem Spielfeld (wie übrigens auch auf der Tribüne) ebensowenig wie Erdoğan-Huldigungen usw.usf. verloren.
René Edward Knupfer-Müller, am 25. Juni 2018 um 15:26 Uhr
Immerhin hat auch die Fifa keinen Bedarf für ein Nürnberger-Tribunal gesehen und den Serben eine doppelt so hohe Busse wie den Schweizern aufgebrummt.

Aus meiner Sicht war das ein schöner Sieg und wenn von serbischer Seite die Schweizer «Nati» vor dem Spiel als «Albanien 2» betitelt wurde, kann ich auch das Spiel mit dem schönen Adler verstehen.
Josef Hunkeler, am 25. Juni 2018 um 19:24 Uhr
So abwegig ist der Vergleich mit den Nazi-Symbolen nun auch wieder nicht. Der albanische Doppeladler war das Symbol der kosovo-albanischen SS-Division «Skanderbeg». Ihr militärischer Einsatz gegen antifaschistische Partisanen war zwar militärisch nicht sehr erfolgreich, dafür tat sich die Einheit mit zahlreichen Gräueltaten an der Zivilbevölkerung, als Wachmannschaften in Lagern und der Deportation von Juden hervor.
Peter Berger, am 26. Juni 2018 um 03:02 Uhr
@Hunkeler. Die FIFA scheint nicht unklug geurteilt zu haben, «ausnahmsweise» hätte ich beinahe gesagt. Natürlich hätte kräftigeres Durchgreifen, was durchaus möglich gewesen wäre, die Sache zusätzlich eskaliert. Es bleibt aber wohl dabei, dass im Wiederholungsfall Spielsperren das einzig Richtige wäre, will man die Regeln, welche solche Demonstrationen eindeutig verbieten, auch ernst nehmen.
Pirmin Meier, am 26. Juni 2018 um 11:39 Uhr
@Berger. Klar, kann man Nazivergleiche hauptsächlich auf die Diffamierungsfunktion reduzieren; letztlich geht es aber, auch jenseits von solchem «Zeugs», um den politischen Missbrauch des Sports, der auch «gut gemeint» ein Missbrauch ist, wobei vor allem Emotionen in keinem Fall eine Entschuldigung sind, schon jede Tätlichkeit beruht auf Emotionen, und selbst auch der Vergleich der Schwester von Zinedine Zidane mit einer käuflichen Dame auf dem Fussballplatz war zwar aus dem Munde Materazzis schweinisch gemein, jedoch eine bewusste, die Tätlichkeit und damit den Ausschluss einschliesslich Entscheidung der Weltmeisterschaft provozierende Provokation, worauf ein Vollprofi wie Zidane gerade nicht hätte hereinfallen dürfen. Kommt nun aber bei den Schweiz-Albanern erschwerend dazu, dass das Problem seit Hitzfeld längst erörtert ist und das entsprechende Verhalten klar als unerwünscht bezeichnet ist, was übrigens noch wenige Tage vor dem Match gerade auch von dem innenpolitisch in Sachen Asyl erfahrensten Schweizer, Valon Berami, in einem Interview festgehalten wurde, er spiele für die Schweiz und für nichts anderes und man dürfe sich von Fanatikern nicht provozieren lassen.
Pirmin Meier, am 26. Juni 2018 um 16:59 Uhr
Mir war vollkommen schnurz, dass die beiden sich so äusserten. Sie sind junge Männer, mussten sich all den Mist anhören, der da über sie hereinbrach und das Pfeifkonzert, wann immer sie sich am Ball befanden. Dass sie nicht ausgepfiffen wurden, weil sie Schweizer waren, sondern weil ihre Familien aus dem Kosovo stammen und albanischstämmig sind, dürfte wohl klar sein. Die Pfeifer nahmen keine Rücksicht darauf, dass die beiden Schweizer sind, sie haben sie dennoch ausgepfiffen.
Ich finde, die Medien haben vor allem einen Elefanten aus dieser Maus gemacht und schlachten das Ganze aus bis zum Abwinken.
Typisch Schweiz, dass wir uns nicht einfach nur freuen können. Dabei haben sie ein super-spannendes und schönes Spiel gegen eine gute serbische Mannschaft geliefert. So eines, wie wir es seit Jahren immer gerne sehen wollen.
Marianne Mäder, am 26. Juni 2018 um 17:06 Uhr
Die politisch korrekten Schreihälse gegen den emotionalen Ausbruch unserer beiden Scorer habe intellektuell völlig versagt. Wer spielt den an der WM? JA, NATIONALmannschaften! Mannschaften von NATIONEN, in NATIONALEN Trikots, zu Beginn die NATIONALHYMNE singend! Es geht also um NATIONALE Identität! Und wenn wir eben Doppelbürger und Secondos aufnehmen, dann gibt es eben cross-over Identitäten! Und deshalb darf man solche emotionalen Ausbrüche (nach dem Geprassel serbischer Provokationen) verstehen und dulden, nota bene an der von NATIONALEN Mannschaften besteittenen WM. Wann ersetzt endlich eine sachliche und unideologische Diskussion die instrumentalisierte und dümmliche Nationalismus Gespenster Jagd, damit Probleme wirklich angegangen werden können?
Ignaz Heim, am 26. Juni 2018 um 19:54 Uhr
In Anbetracht der generell grossen politischen Unbedarftheit der meisten Schweizer ein erfrischend politischer Bericht von Christian Müller. Die gute Nachricht: Seit Freitagabend sind die schon vorher nicht sehr zahlreichen Schweizerfähnlein auf Autos schlagartig verschwunden. Viele Schweizer tun sich anscheinend schwer mit dieser Nati.
Kaspar Trümpy, am 26. Juni 2018 um 20:14 Uhr
@Meier. Muss ich Ihren Kommentar so lesen, dass im Wierderholungsfall auch die Pfeiffer sanktioniert werden sollten ?

Spiele vor leeren Tribünen sind allerdings auch nicht besonders interessant.
Josef Hunkeler, am 27. Juni 2018 um 12:28 Uhr
Zum Vergleich von Doppeladler und Hitlergruss:
Der springende Punkt ist nicht, ob es Ausdruck von Nationalismus ist. Entscheidend ist, dass im Namen des Nazionalsozialismus viele Millionen Menschen ermordet wurden, im Namen des albanischen Doppeladlers meines Wissens nicht.
Wer nun komplizierte Argumentationen über Verbindungen albanischer Kräfte mit den Nazis im zweiten Weltkrieg bemüht, müsste ehrlicherweise bei anderen Akteuren ähnlich strenge Massstäbe anlegen. Ich bezweifle, ob man dann angesichts der Massenmorde von Stalin, Mao & Co. noch rote Fähnlein schwenken dürfte...
Daniel Heierli, am 28. Juni 2018 um 17:01 Uhr
Sehr geehrter Herr Heierli
Bevor ich die kritisierten Stellen herausgenommen habe, habe ich in einer Anmerkung ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mit dem Vergleich des Doppeladlers mit dem Hitlergruss nicht den Inhalt der beiden körperlichen Gesten miteinander vergleichen wollte, sondern nur die Methode, mit einer bestimmten körperlichen Geste eine politische Botschaft auszusenden. Es ist mir aber offensichtlich nicht gelungen, dass die Leserinnen und Leser dies so verstanden haben. Offensichtlich haben die meisten den Vergleich auch betreffend Inhalt der politischen Botschaft verstanden. Deshalb habe ich diese Stelle im Text dann nachträglich gelöscht.
Ich möchte mich für diesen offensichtlich missverständlichen Vergleich deshalb entschuldigen.
Christian Müller
Christian Müller, am 28. Juni 2018 um 17:58 Uhr
Hunkeler. Selbstverständlich gab es wegen Extremisten und Fussball-Rowdies schon Geisterspiele, das wäre nichts Neues und auch bei entsprechenden Vorkommnissen angebracht.
Pirmin Meier, am 29. Juni 2018 um 08:15 Uhr

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