Sportliche Verschwörungspraktiker

Niklaus Ramseyer © Ramseyer
Niklaus Ramseyer / 02. Jun 2020 - Bund und Kanton verschweigen in Kumpanei mit Swiss-Ski die entscheidenden (Steuer)-Geldflüsse am Lauberhorn.

Sie haben sich an diesem «Runden Tisch» im Bundeshaus dann alle gegen uns verschworen – gegen uns, die Steuerzahlenden und TV-ZuschauerInnen: An diesem Tisch nämlich setzten sich am letzten Donnerstag «unsere» Sportministerin Viola Amherd (CVP-Bundesrätin) und «unser» Berner Regierungsrat Christoph Ammann (SP) mit den Organisatoren der Skirennen am Lauberhorn und den Bossen des Skiverbandes (Swiss-Ski) zusammen, um einen wüsten Streit über Geld zu schlichten. Auf dessen Höhepunkt hatte Swiss-Ski die Nerven verloren und den alljährlichen weltbekannten Event kurzerhand killen wollen. Es wurde den Wengenern auch schon mit alternativen Weltcup-Austragungsorten gedroht.

Konkret ging es darum, ob der Skiverband, in dessen Kasse vom Lauberhorn-Anlass «die Sponsorengelder für alle Werbung im Blick der Fernsehkameras sowie sämtliche Lizenzrechte» (BZ vom 26. Mai) fliessen, den Wengener Renn-Organisatoren (OK) von diesem Millionen-Betrag mehr als nur pauschal 2,2 Millionen Franken zurückerstatten sollte. Das Sportgericht CAS hatte schon signalisiert, eine Erhöhung dieses Beitrags sei gerechtfertigt.

Öffentlichkeit hat Anrecht auf volle Transparenz

Die entscheidende Frage ist dabei natürlich: Wieviel Geld fliesst denn insgesamt jedes Jahr genau vom Lauberhorn-Weltcup zu Swiss-Ski? Und was bleibt somit davon in der Kasse des Vereins (gemäss Art. 60 ZGB), nachdem die 2,2 Millionen an Wengen (als Beitrag an die Veranstaltungskosten von nunmehr 8,7 Millionen Franken) rückvergütet sind? «Dazu machen wir keine Angaben», lautet die Antwort von Swiss-Ski kurz und knapp. Und arrogant: Das Wengener OK wird nämlich nicht nur durch Swiss-Ski unterstützt, sondern ganz wesentlich auch durch die öffentlichen Hände. Soldaten der Schweizer Armee leisten am Lauberhorn jedes Jahr ebenso Tausende Diensttage als Pistenpräparatoren wie Hunderte Zivilschützer und weitere Freiwillige, die im Einsatz stehen. Diesen Januar leisteten 400 Leute rund um den Hundsschopf und das Brüggli insgesamt 2700 Diensttage – welche teils schon um 3 Uhr in der Frühe anfingen.

Als indirekte Sponsoren sind damit auch wir Steuerzahlenden an diesem Grossanlass mit dabei – ob wir wollen oder nicht. Mehr noch: Von den über 300 Franken TV-Gebühren jährlich (Serafe) fliessen Beiträge auch jener Millionen von Schweizerinnen und Schweizern indirekt zu Swiss-Ski, welche nie ein Skirennen im Fernsehen verfolgen. Jetzt hat der «Runde Tisch» bei Bundesrätin Amherd den Streit geschlichtet und eine Lösung gefunden. Aber teils gleich wieder auf unsere Kosten: Künftig soll auch der Kanton Bern noch mehrere 100'000 Franken ans Lauberhornrennen zahlen.

Spätestens da hätte die vielfältig zu finanziellen und personellen Beiträgen genötigte Öffentlichkeit ein Anrecht auf vollständige Transparenz. Auf eine publizierte Vollkosten-Rechnung, die zeigt, wer genau wieviel für das Gelingen dieses Weltcup-Rennens am Lauberhorn beiträgt, und wer um welche Beträge davon profitiert. Fest steht schon: Swiss-Ski kassiert dabei Millionen – ohne konkret viel zu leisten. «Die kommen, schauen zu und gehen wieder», stellt einer fest, der es wissen muss.

Ganz schwache Nummer von Amherd und Ammann

In seinen Sponsorverträgen werde der Skiverband (wieso auch immer) teils zu Geheimhaltung gezwungen, heisst es. Swiss-Ski hat als Zwischenhändler der Sport-Vermarktung sein Jahresbudget in den letzten fünf Jahren von 48 auf über 58 Millionen Franken steigern können. Von seinen rund 80 Beschäftigten arbeiten allein in der Abteilung Marketing 15 Leute und 9 weitere für Kommunikation und Information (mitunter auch für deren Verhinderung). Dass diese Organisation den Namen unseres Landes in ihrem Logo trägt, müsste eigentlich erhöhte Offenheit und Transparenz begründen.

Die Interessen der mitbetroffenen Öffentlichkeit sollten allerdings vorab die politischen Verantwortlichen wirksam vertreten. Und da lieferten sowohl Bundesrätin Viola Amherd als auch der Berner Regierungspräsident Christoph Ammann am Donnerstag eine ganz schwache Nummer. Sie haben sich beide von den Geheimniskrämern von Swiss-Ski ganz offensichtlich über den Runden Tisch ziehen lassen: «Wie der Verteilkampf um die lukrativen TV-Gelder nun geregelt wurde, wer jetzt wieviel zahlt», das bleibe leider «eine Blackbox», musste danach etwa die Berner Zeitung vermelden.

Kurz und ungut: Die Bundesrätin und der Regierungsrat kungeln schon fast verschwörerisch hinter verschlossenen Türen im Bundeshaus mit jenen Sport-Vermarktern, die jetzt auch noch den Hundsschopf zwecks höheren Profits mit Werbung zukleistern wollen. Wir sollen derweil die Rechnung bezahlen helfen. Aber wofür, wieso und für wen genau, sagt man uns nicht. So geht das gar nicht! Das sehen auch echte «Volksvertreter» so: Der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer etwa will im Vorstand der Dachorganisation SwissTopSport «den Antrag stellen, nur noch Anlässe zu unterstützen, welche die Rechnung offenlegen». Er verspricht gegenüber Infosperber: «Im schlimmsten Fall machen wir auf der politischen Ebene (Kanton/Bund) Vorstösse.»

Angezeigt wäre generell ein (gesetzlich geregeltes) System mit Defizitgarantie: Das Wengener OK und Swiss-Ski (wie auch alle anderen öffentlich unterstützen Anlässe) legen in voller Transparenz eine detaillierte Rechnung vor. Und wenn das eingenommene Geld nicht reicht, schaut man, ob und wie die Öffentlichkeit (Bund, Kanton, Gemeinde) unter welchem Titel noch helfen soll und kann.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

6 Meinungen

Der Kanton Bern muss im Bildungs-, im Sozialbereich sparen, dafür macht der Finanzdirektor Christoph Ammann SP locker 100'000 Fr. flüssig für das Lauberhorn-Skirennen. und beugt sich der Erpressung von SWISSSKI. Dafür bekommt er ein Ticket und darf er sich während der Abfahrt im Zielraum aufhalten, dürfte das teuerste Ticket der Veranstaltung sein. BR Viola Amherd VBS wird auch Leistungen oder Geld zugsagt haben, auch mit Ticket an der Veranstaltung. Informetion für die Presse und Bevölkerung, keine. Mauscheln und vertuschen für einen ökologischen Unsinn!
Victor Brunner, am 01. Juni 2020 um 11:04 Uhr
Der Autor greift ein wichtiges Thema auf, hat aber - gleich wie NR Aebischer - nicht den Mut, die grundsätzlichen Fragen aufzuwerfen. Zwei Private Organisationen balgen sich um Geld - und was passiert? Der Staat greift mit Steuermitteln helfend ein. Dabei handelt es sich beim Skizirkus um ein grundsätzlich krankes und weder finanziell lebensfähiges noch ökologisch nachhaltiges System. Von dessen Protagonisten wird das System gerechtfertigt als wichtiges Promotionsinstrument für Skiindustrie (fallender Absatz) und Skitourismus - auch dies zwei grundsätzlich kranke, ökonomisch nicht lebensfähige und ökologisch höchst problematische Systeme. Was den Skitourismus betrifft, wird dieser zudem durch verschiedene staatliche Massnahmen krampfhaft am Leben gehalten: Subventionen unter verschiedenen Titeln, Steuererleichterungen etc. Dem Bürger ist es nicht zuzumuten, solch kranke Systeme unter verschiedensten Titeln mittels Steuern auf Bundes- und Kantonsebene, mittels weiterer Zwangsabgaben (SERAFE-Gebühren - obwohl 80% der Zwangszahler das Lauberhorn-Rennen nicht die Bohne interessiert) und teilweise mittels Zwangsarbeit (Militärdienst, Zivilschutz) zu unterstützen. Bezahlen sollen solche Anlässe in Zukunft jene, die davon angeblich profitieren: Die Skiindustrie und der Skitourismus. Bringen sie die nötigen Mittel nicht auf, stirbt der sogenannte Traditionsanlass. In fünf Jahren wird kein Hahn mehr danach krähen und die VIP-Cüpli-Karawane ist längst weitergezogen. So what?
Markus Schneider, am 01. Juni 2020 um 11:32 Uhr
Ich kann nicht verstehen, dass bei den Lauberhornrennen keine Einnahmen- und Kostentransparenz besteht.
Es ist ein Affront all den Volunteers und der Öffentlichkeit gegenüber, die sich für diesen Sportevents einsetzen, wenn nicht ersichtlich ist Wohin das Geld fliesst.
Annemarie Lüthy, am 01. Juni 2020 um 11:54 Uhr
Am Hundschopf Reklame machen für stinkende Autos ? Geht's noch ?
Josef Hunkeler, am 01. Juni 2020 um 15:17 Uhr
Man glaubt es nicht! Noch mehr Geld für Sportorganisationen, die wie die FIFA funktionieren.
Kurt Stöckly, am 03. Juni 2020 um 02:30 Uhr
Sehr Interessanter Bericht. Einmal mehr zeigt es sich, was für ein Filz hinter diesem Sport dahinter steckt. Steuer Geld missbrauch sollte auch bestraft werden.
Hans Fischer, am 04. Juni 2020 um 18:45 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.