Olympia Wallis 2026: What else?

Kurt Marti © Christian Schnur
Kurt Marti / 06. Nov 2017 - Das Wallis ist überreif für Olympia. Und Olympia braucht das Wallis. Das ist so klar wie Walliser Fendant. EINE GLOSSE

Das soll ihm einmal einer nachmachen! Bereits in der ersten Runde schickte er den Fussball-Experten Rolf Fringer mit Ohrfeigen auf die Bretter beziehungsweise auf den Rasen: Christian Constantin, der Sportliche, der Präsident des FC Sion und der Vordenker der Olympiade Sion 2026. Und das alles vor laufender Kamera. Eine prima PR-Aktion, die zeigt: Das Wallis und sein Häuptling sind fit für Olympia.

Nicht nur sportlich, sondern auch verkehrs- und finanzpolitisch ist das Wallis reif für die Winter-Olympiade: Denn kein anderer Kanton hat länger an der Autobahn gebaut wie das Wallis und damit die Milliarden des Bundes effizienter über mehrere Bau-Generationen verteilt.

Ganz zu schweigen von der terminlichen Präzision: Die Autobahn im Wallis wird just auf die Olympischen Spiele 2026 fertiggestellt und damit im Neu-Glanz erstrahlen. Nach einem halben Jahrhundert der Planung – ein wahres Wunder! So Gott will! Und der kann nicht anders. Denn er weiss, was er mit dem Wallis hat.

Dazu muss man wissen: Als der Bund mit Spar-Paketen drohte und die Autobahnbauer im Oberwallis nicht vom Fleck kamen, liessen die Walliser ihre aussergewöhnliche finanzpolitische Klasse aufblitzen. Sie holten Dutzende von Bundesmillionen ab und verteilten diese an Bauunternehmungen, ohne dass dafür ein einziger Autobahn-Meter gebaut war. Diese Raffinesse fand unter der Rubrik «Vorauszahlungen» Eingang in die Schweizer Medien.

Last but not least: Das Wallis hat auch raumplanerisch vorgesorgt. In kluger Voraussicht setzten sich die Walliser jahrzehntelang über das eidgenössische Raumplanungsgesetz hinweg, das die Bauzonen auf einen 15-jährigen Bedarf begrenzt.

Dank dieser nachhaltigen Interpretation ist das Wallis heute in der glücklichen Lage, dem Olympischen Komitee und der Welt glaubhaft zu versichern: Bauland ist en masse vorhanden! Die Walliser Bauzonen pro Kopf sind doppelt so gross wie jene im schweizerischen Mittel. Auch der Zweitwohnungs-Vorrat hat olympische Dimensionen.

Auf jeden Fall braucht das Wallis den Vergleich mit Sotschi keineswegs zu fürchten. Auch dank Christian Constantin, auf dessen Terrasse sich übrigens die Walliser Regierung in corpore fürs offizielle Foto ablichten liess. Als Zeichen der grossen Verbundenheit von Regierung und Bevölkerung. Eine wirklich sympathische Geste.

Grosse Gelassenheit ist bezüglich der Sicherheit angesagt: Das Wallis hat in den letzten Jahren bestens ausgewiesene Polizei-Chefs hervorgebracht: Dem amtierenden Polizei-Chef gelang es, den Türken (fast) einen «Kieselstein» abzuluchsen. Dabei machte er Bekanntschaft mit den türkischen Untersuchungszellen – für einen Polizeichef sicher eine lehrreiche Erfahrung. Ebenfalls in den Fängen der Justiz landete sein Vorgänger, und zwar mit einer besonders kreativen Erb- beziehungsweise Vermögensverwaltung.

Besonders zu erwähnen im katholisch-konservativen Kanton Wallis sind die Bemühungen des früheren Gendarmerie-Chefs für eine Entkrampfung der Sexualität. Auch wenn er mit seinen sexuellen Handlungen mit einer Minderjährigen doch etwas zu weit ging.

Sowohl sportlich, verkehrs- und finanzpolitisch, als auch raumplanerisch und sicherheitstechnisch ist somit die Sache klar wie Walliser Fendant: Olympia braucht das Wallis, noch mehr als das Wallis Olympia braucht. Das Wallis ist gerüstet, ja es ist überreif.

Da kann man der Schweizer Bevölkerung und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nur zurufen: Olympia Wallis 2026! What else?

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti wohnt in Brig-Glis im Wallis. Er ist Autor des Buches «Tal des Schweigens: Walliser Geschichten über Parteifilz, Kirche, Medien und Justiz»

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2 Meinungen

Gerade aktuell: weil man Olympia finanziell alleine nicht stemmen kann, verlangt man einen Gratispolizeisupport von ein paar 100 Mio.
Und sollte eine Abstimmung nicht nach Wunsch laufen, mit «cortiger la fortune» hat man da ja auch Erfahrung...
H. Sigrist, am 06. November 2017 um 12:11 Uhr
Bin ja gespannt, wieviele Mllionen der Kanton Wallis beitragen wird. Der Kanton Graubünden konnte CHF 300 Millionen nicht stemmen. Und was werden die Kantone Waadt, Bern und Freiburg betragen??
Beda Düggelin, am 06. November 2017 um 15:31 Uhr

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