Fatwa, Muslim, Environmen, Umwelt, Wasser, Jordanien © GIZ

Umweltverschmutzung sei unislamisch, sagen muslimische Geistliche und animieren zum Wassersparen.

Grüne Fatwas: Seelsorge der nachhaltigen Art

Red. / 13. Okt 2017 - In Jordanien halten muslimische Geistliche die Gläubigen zum Wassersparen an – per religiösem Dekret.

Wasser ist knapp in Jordanien. Erst recht, seit mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien im Land leben. Muslimische Geistliche halten die Bevölkerung nun zum Wassersparen an – in Form von «Grünen» Fatwas.

«Wasser auf jede Weise zu verschmutzen, ist verboten und widerspricht der Sharia», besagt eines dieser religiösen Rechtsgutachten. Dabei geht es nicht um religiös verstandene Unreinheit, sondern um «Taten, die die Umwelt zerstören» und anderen Schaden zufügen, konkret um Abwässer, Pestizide und Müll.

Wassersparen durch Vorbild in der Moschee

Imame weisen bei der Freitagspredigt darauf hin, das Wasser bei der rituellen Waschung vor dem Gebet sparsam zu gebrauchen und das Wasser nicht ständig laufen zu lassen. Moscheen werden mit Wasserspararmaturen ausgestattet und zum Recycling von Brauchwasser ausgerüstet, schreibt das unabhängige Portal «Unearthed».

Wer «Fatwa» bisher nur mit Todesurteilen in Verbindung brachte, muss umdenken. Fatwas gibt es zu allem und jedem, von dem jemand wissen möchte, wie es aus muslimischer Sicht zu bewerten ist. In Ländern wie dem mehrheitlich muslimischen Jordanien haben religiöse Autoritäten grossen Einfluss auf die öffentliche Meinung. Neben der säkularen Zivilgerichtsbarkeit erkennt das Land bei bestimmten Sachverhalten zudem auch islamische Gerichte an.

Ein Grund für den Mangel: rasantes Bevölkerungswachstum

Wasser war in Jordanien schon immer ein knappes Gut. Seit das Land über eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen hat, hat sich die Situation verschärft. Vor 2014 hatte noch jeder Einwohner rein rechnerisch 147 Kubikmeter Wasser zur Verfügung, danach fiel die Verfügbarkeit auf 123 Kubikmeter pro Kopf und Jahr. Das ist weit unterhalb der internationalen Wasserarmuts-Grenze von jährlich 500 Kubikmetern. Zum Vergleich: In der Schweiz verbraucht ein Einwohner pro Jahr 1‘500 Kubikmeter Wasser (WWF, 2012).

Die Wasserknappheit verschärft die Spannungen zwischen den Flüchtlingen und der einheimischen Gesellschaft. «Wir hören oft, dass Syrer mehr Wasser verbrauchen als Jordanier, weil es in Syrien nichts gekostet hat», sagt Bjorn Zimprich, Projektleiter der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Dennoch ist Wasser in Jordanien günstig – dank Subventionen des Staates, was für manche Haushalte bis zu 70 Prozent des Preises ausmacht.

Glaubensdinge mit Nachhaltigkeit verbinden

Die GIZ arbeitet mit dem Jordanischen Ministerium für islamische Angelegenheiten daran, die Wasserknappheit einzudämmen. «Es gibt viel Wissen über Wasserknappheit, eine Fatwa ist ein guter Weg, es effektiv zu kommunizieren», sagt Zimprich. 1800 Imame und Waithat (weibliche Predigerinnen) hat der Staat inzwischen als Unterstützer gewonnen, um Bewusstsein für die knappe Ressource Wasser zu schaffen.

Ein anderer Grund für die kleinen Wasserrationen ist schlechte Infrastruktur: 40 bis 50 Prozent des Wassers gehen durch Diebstahl oder schadhafte Leitungen verloren. Dafür gibt es ebenfalls eine Fatwa, die die Gläubigen auffordert, Lecks zu melden.

Jordanien ist nicht das einzige muslimische Land, das Glaubensdinge mit Nachhaltigkeit und klimafreundlichem Verhalten verbindet. Auch aus eigenem Interesse: Rund 96 Prozent der im Land verbrauchten Energie müssen importiert werden, was sich durch den Einsatz nachhaltiger Technologien verbessern liesse.

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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts von «Unearthed» und anderer Quellen erstellt.

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