Der Bayerische Innenminister möchte den Abschiebestopp für Syrer aufheben © ARD/tagesschau.de

Der Bayerische Innenminister möchte den Abschiebestopp für Syrer aufheben

Deutsche Politiker drängen auf Rückkehr der Syrer

Andreas Zumach, Genf / 05. Dez 2017 - AfD und Christdemokraten möchten Syrer in «sichere Gebiete» ihrer Heimat abschieben. Dort sei keine Region «sicher», warnt die UNO.

Die in Deutschland von der AfD und von Unionspolitikern erhobene Forderung nach einer Rückführung syrischer Flüchtlinge in angeblich wieder «sichere Regionen» ihres Heimatlandes, löst bei der UNO nur grosses Kopfschütteln aus. Ein mit dem Syrienkonflikt seit langem bestens vertrauter hoher UNO-Funktionär erklärte am Sonntag gegenüber Infosperber: «Diese Politiker sind entweder herzlose Zyniker, denen das Schicksal der Menschen, die sie zurückschicken wollen, völlig egal ist. Oder sie haben einfach keine Ahnung von der aktuellen Lage in Syrien.» Dann «sollten diese Politiker die öffentlich zugänglichen Berichte lesen», die der für die Tätigkeit aller humanitären Sonderorganisationen der UNO verantwortliche Untergeneralsekretär Mark Lowcock sowie der heute für humanitäre Fragen in Syrien zuständige frühere UN-Nothilfe-Koordinator Jan Egeland letzte Woche in New York und in Genf vorlegten. Laut diesen Berichten gibt es keine einzige Region in Syrien, die als «sicher» eingestuft werden könnte.

Zehn Städte von humanitärer Versorgung abgeschnitten

Selbst in den vier «Deeskalationsregionen», in denen in den letzten Monaten auf Basis einer zwischen Russland, Iran und der Türkei getroffenen Vereinbarung lokale Waffenruhen ausgehandelt wurden, finden teilweise weiterhin heftige Gefechte statt. Die Kämpfe hätten allein im Oktober dieses Jahres 440'000 Menschen aus ihrer Heimat in andere Gebiete Syriens vertrieben, heisst es in den beiden UNO-Berichten. Dies übersteige die Zahl der Rückkehrer um das Dreifache. Nach Feststellung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) handelt sich bei den Rückkehrern zudem fast ausschliesslich um Binnenvertriebene sowie um Flüchtlinge aus den völlig überlasteten Nachbarländern Jordanien, Libanon und Irak, die meistens «nicht freiwillig» zurückkämen.

In der Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei, wohin im letzten Herbst die von den Regierungstruppen aus Aleppo vertriebenen Rebellenmilizen sowie Kämpfer der Al-Kaida zwangsumgesiedelt wurden, wird mit dem baldigen Ausbruch neuer schwerer Kämpfe gerechnet. Zudem sind nach wie vor zehn Städte mit insgesamt fast drei Millionen BewohnerInnen von jeglicher humanitären Versorgung abgeschnitten. Und dies zum Teil bereits seit 2012. In acht der zehn Fälle sind die Belagerer syrische Regierungstruppen, in den beiden anderen Fällen eine Rebellenmiliz beziehungsweise der sogenannte «Islamische Staat».

«Unerträgliches Leid» im belagerten Ost-Ghouta

Besonders dramatisch ist die Lage in der Rebellenenklave Ost-Ghouta. Sie wird von Regierungsstreitkräften belagert und in den letzten zwei Wochen wieder verstärkt von der syrischen und der russischen Luftwaffe bombardiert. Die UNO hat Ost-Ghouta letzte Woche zum «humanitären Notfall» erklärt. Das Leid der 400'000 Zivilisten in der Vorstadt von Damaskus ist laut Egeland «unerträglich». Nur wenige Tausend Menschen hätten unter grössten Mühen und Gefahren versorgt werden können. 500 Menschen, darunter Verletzte und Kinder, schwebten wegen Unterernährung und fehlender Behandlung in Lebensgefahr. «Wir sind frustriert, wütend und schockiert», erklärte Egeland. In Ost-Ghouta seien bereits neun Kinder gestorben. 167 Kinder müssten aus medizinischen Gründen in Sicherheit gebracht werden. Doch seit Monaten warte man auf die Erlaubnis der syrischen Regierung, die Kranken und Verletzten in Spitäler zu bringen, die mit dem Auto 45 Minuten entfernt seien. «In dieser Deeskalationszone gibt es nur Eskalation», schilderte Egeland die Lage vor Ort.

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3 Meinungen

Jadie Lage ist schon sehr verworren und gefährlich dort, aber wie ist es möglich dass eine große Anzahl von teilweise schon anerkannten Asylanten zwischendurch dort Heimaturlaub machen konnten und hin- und herfliegen konnten. Es ist eine Schande, dass die Nato nicht endlich gegen die eingeladenen ausländischen «Rebellen» vorgeht und dem Land hilft. Wie lange soll dieser Belagerungszustand noch dauern. Aber, die meisten Asylbewerber kommen inzwischen aus (Nord-)Afrika. In erster Linie sollte man von der EU aus aufwändig für die Versorgung in den abgeschnittenen Gebieten helfen und die Aufdnahmelager im Libanon und Jordanien mit noch mehr Hilfe unterstützen, statt wie vor 2 Jahren radikal zu senken!
Manfred Sauter, am 05. Dezember 2017 um 16:21 Uhr
Ich war vor ein paar Wochen auf einem Vortrag der Hilfsorganistion ARAMAIC RELIEF

http://aramaicrelief.com/

Der Leiter der Hilfsorgansation war in Aleppo, Homs, Mossul. Viele Tausende sind bereits nach der Befreiung Aleppos vor ca. einem Jahr wieder zurückgekehrt und kehren zurück, bauen so gut es geht wieder auf, eröffnen ihre Geschäfte wieder.
Dies wird in unseren Medien so nicht berichtet, weil es nicht in das Narrativ passt, dass Assad «seine» Bevölkerung verteibt. Man kann aber unabhängige Reiseberichte lesen.

http://www.journalistenwatch.com/2017/11/08/syrien-aleppo-im-oktober-2017/

http://www.epochtimes.de/genial/wissen-genial/willkommen-in-syrien-mein-freund-ein-reisebericht-aus-damaskus-es-ist-ganz-anders-als-das-was-die-medien-berichten-a2275386.html

Von Ost-Ghouta aus beschiessen die dschihadistischen Terrormilizen, die die Bevölkerung dort in Geiselhaft nehmen, Damaskus mit Mörsern, wo es auch immer wieder Tote gibt. Die Syrienkorrespondentin Karin Leukefeld kam erst im November wieder aus Syrien zurück und berichtet, was die westlichen Nachrichtenagenturen nicht berichten. Man muss auf Vorträge von Leuten gehen, die vor Ort waren. Auch wenn Hilfskonvois des syrischen Roten Halbmondes nach Ost-Gouta fahren, kommt das nicht in unserer Presse.
Bernd Moser, am 05. Dezember 2017 um 16:59 Uhr
Unterwegs in Syrien von Marco Glowatzki: Es gibt Riesige Neubaugebiete für Flüchtlinge & Rückkehrer!
https://www.youtube.com/watch?v=f0dlsZ8jyDc
Der Hamburger Schneidermeister Marco Glowatzki ist nach Syrien ausgewandert und berichtet auf Facebook regelmäßig über die Lage vor Ort. Er zeichnet ein gänzlich anderes Bild als die Mainstreampresse. Laut Glowatzki sind die innensyrischen Flüchtlinge in ihre Heimatorte zurückgekehrt, die Flüchtlingslager so gut wie leer und alle sind mit dem Wiederaufbau beschäftigt.
Bürger, die in Syrien alles verloren haben, erhalten vom Staat einen zinslosen Kredit, um ihre Geschäfte und ihre Häuser wieder aufzubauen, so Glowatzki (jouwatch berichtete). In Syrien geht man davon aus, daß auch die Syrer in Deutschland bald zurück nach Syrien gehen, um alles wieder aufzubauen. Jetzt ist auch die syrische Presse auf ihn aufmerksam geworden und viele Syrer sind dankbar für seine Berichterstattung.
Ein weiterer Video
https://www.youtube.com/watch?v=1sxmjjooVrE
Da ist einer Vorort Marco und berichtet was los ist!
Lest auch die Kommentare dazu.
In unseren Medien steht natürlich nichts Positives Darüber da findet ihr leider nur noch USA-NATO Propaganda.
André Enk, am 05. Dezember 2017 um 21:04 Uhr

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