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«Keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen»

Urs P. Gasche / 07. Feb 2019 - Studierte seien in der Schweiz bald in der Mehrheit, verkündeten Zeitungen. «Lenkbare Schafe» kritisiert Milosz Matuschek.

«Generation Chillstand» heisst das neuste Buch des Juristen und Publizisten Milosz Matuschek. Er zitiert einen tausendfach geteilten Tweet der damals 17-jährigen Schülerin Naina:

«Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.»

Für die meisten Absolventen von Hochschulen und Universitäten gilt das Gleiche. Für Matuschek, der als Student und Dozent 17 Jahre an Universitäten verbrachte, sind Schulen und Hochschulen Kaderschmieden zur Produktion kleiner Rädchen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.

«Woher kommt das Geld?»

«Hast Du jemals in der Schule gelernt, wo das Geld herkommt?», fragt Matuschek rhetorisch. Das Geldsystem soll nach dem Willen der Mächtigen für die meisten eine Magie bleiben. Dabei sei die grundlegende Wahrheit eine einfache: Unser Geldsystem bestehe zu über 90 Prozent aus Geld, das im Computer aus dem Nichts entsteht. Es sei durch keinen Wert wie beispielsweise Gold oder Silber gestützt oder gesichert. Weder ein Weltreich noch ein Staat habe historisch auf einem reinen Papiergeldsystem überlebt: «Mit 1 Milliarde Reichsmark kannst du heute ein Loch in der Wand stopfen. Mit einer kleinen Goldmünze aus der Zeit Alexander des Grossen hingegen kannst du auch heute noch für ein halbes Jahr die Miete deines WG-Zimmers zahlen.»

Die Frage nach der Herkunft des Geldes gelte heute als ketzerisch, weil diese Frage die Stabilität und Legitimität des Staates berühre: «Wir sind Teil eines globalen Experiments, dessen Ende langsam aber sicher naht.»

Seit 1971 sei der Dollar nicht mehr durch Gold gedeckt, der Euro war es nie. Unser Finanzsystem sei heute ein Glaubenssystem: «Es funktioniert, so lange es genug Gläubige gibt.»

«Lebensversicherungen sind Schrottpapiere»

Für die Regierenden sei es besser, wenn auch die «Studierten» nicht viel von Geld und Versicherungen verstehen. Denn wer würde in Lebensversicherungen oder Pensionskassen investieren, die den Staat mit dem Kauf von Staatsanleihen finanzieren, dabei aber Verluste schreiben? Das sei heute mit einer Inflation von 2 Prozent [Deutschland] und einer Verzinsung von weniger als 1 Prozent der Fall.

Die Bürgerinnen und Bürger seien nur deshalb bereit, mit solchen Versicherungen Geld zu verlieren, weil man ihnen mit den Slogans «Altersvorsorge!», «Versorgungslücke!» oder «Altersarmut!» Angst einflösse. Die beste Werbung sei die Angst.

Von einer Lebensversicherung hätten die Einzahlenden ohnehin nichts, weil der Tod das Risiko des Lebens ist. Der Vorsorgende habe nichts davon. Doch Millionen von Menschen würden solche «Versicherungen» kaufen, die eigentlich «Schrottpläne» seien.

In Deutschland würde die Hälfte aller Lebensversicherungen im Laufe der Jahre mit garantiertem Verlust wieder aufgelöst. Denn der Rückkaufswert betrage weniger als man einbezahlt habe.

In Deutschland würden die Versicherungen die meisten Prämien, die man ihnen zahle, in Staatsanleihen anlegen. Das sei eine der wichtigsten Finanzierungsquellen des Staates: «Am schlimmsten wäre aus Sicht des Staates ein bedingungsloses Grundeinkommen.» Es würde den Bürgerinnen und Bürgern die Angst vor Armut und Alter nehmen.

Matuschek schliesst diesen Buchabschnitt mit einem Zitat von Henry Ford: «Wenn die Bürger wüssten, wie unser Geld- und Wirtschaftssystem funktioniert, hätten wir noch vor Tagesanbruch eine Revolution.»

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Volker Pispers erklärt Geld und Schulden - ich, wie Du diese Schulden schnellstens los wirst.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Zum Buch
«Generation Chillstand – Aufruf zum Aufbruch in ein selbstbestimmtes Leben»,
dtv, 2018, 18.30 CHF

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15 Meinungen

Lieber Herr Gasche,
auch hier treffen Sie den Nagel auf den Kopf.
Leider haben die Finanzindustrie und ihre ausführenden Politiker noch zu viele unserer Köpfe fest im Griff, indem wir legal in diesem verrückten Schuld-System unsere Schuldzinsen abziehen können, ebenso wie die Einzahlungen in die Altersvorsorge.

Die Verlockung, Steuern zu sparen, ist für viele naheliegender, als sich Gedanken über ein Finanzsystem ohne Zukunft zu machen.

Dass von einer derartigen Altersvorsorge beim sich abzeichnenden System-Crash nicht viel übrig bleiben wird, erzählen uns die Finanzberater natürlich nichts.

An die Vollgeld-Initiative werden sich dann viele Bürger wehmütig erinnern …
Reale Werte sind eine sehr gute Alternative.

Informationen für ein gerechtes Geldsystem findet man auf
http://vollgeld.ch/start/index.php?redir=true
oder
Vision einer glaubwürdigen Schweizer Friedenspolitik:
https://www.friedenskraft.ch/verein
Paul Steinmann, am 07. Februar 2019 um 09:16 Uhr
Vielen Dank für den Lese-Tipp. Die Analyse, dass die grosse Masse das Wirtschaften, das Geldsystem etc. nicht verstehen soll, teile ich. Auch studierte Ökonomen und bwl'er tappen oft im Dunkeln und erkennen nicht, dass ihre Wissenschaft reine Ideologie ist. Gibt natürlich auch sehr gute, studierte Ökonomen die die Systematik verstehen und versuchen aufzuklären. Will nicht verallgemeinern und Ökonomen verurteilen, sondern darauf hinweisen, dass es mit einem staatlichen Studium alleine eben nicht getan ist.

Zum Studium des Geldes, der Schulden und des modernen Wirtschaftssytems generell, empfehle ich «Schulden - Die ersten 5000 Jahre» des Anthropologen Prof. David Graber.

Nach «das Kapital» vielleicht das bedeutendste Aufklärungsbuch der Neuzeit. Zumindest von den Paar die ich persönlich bis jetzt gelesen habe.
Stöckli Marc, am 07. Februar 2019 um 10:10 Uhr
Ja, so ist das mit vielen Akademikern. Schlimm daran ist, dass viele von denen dann im Parlament sitzen und zu allem eine Meinung aber von nichts eine Ahnung haben. Technokraten. Das ist aber gewollt, denn es ist für den Staat weit bequemer, wenn der angeblich menschgemachte Klimawandel das Sorgenbarometer anführt, als wenn das Volk ein ökonomisch tragbares Gesundheitswesen, genügend würdige Alterspflegeplätze, gute Schulen und Arbeitsplatzsicherheit, eine gesicherte Währung, eine der Migration angemessene Verkehrsinfrastruktur und Wohnungen zu akzeptablen Mietzinsen fordert. Und für den Bürger ist es weit chilliger, sich mit den Sportnachrichten zu befassen, als mit der Zukunft unseres Landes und unserer Gesellschaft. Kritisches Hinterfragen, politisches Denken, das über die inszenierten Feuerwehrübungen hinausreicht, der Anspruch auf ein Steuersystem, das nicht die Wirtschaft bis zum Geht-nicht-mehr begünstigt auf Kosten des Mittelstandes - all das steht nicht auf der politischen Agenda. Wohlstandsdekadenz, Verbildung und Massenverblödung sind die Instrumente einer neoliberalen Schattenregierung, die Ängste schürt und mittels Intransparenz und Ablenkung im Verborgenen die Geschicke des Staates in reinem Eigennutz lenkt. Und Keiner will's merken und schon gar keiner etwas dagegen tun. Überwachungsstaat, überbordende Regulierungen (nur nicht der Finanzmärkte) und eine von Microsoft monopolistisch dominierte Digitalisierung demontieren den letzten Rest menschlicher Freiheit.
Urs Lauper, am 07. Februar 2019 um 12:16 Uhr
Wir hatten wir ja neulich die Abstimmung über die Vollgeld-Initiative. Für mich (inzwischen 61 jährig) der Anlass, mich genauer mit den Fragen zu beschäftigen die oben anklingen. In meiner Jugend habe ich auch 18 Jahre an Schulen verbracht (Hochschulabschluss als Ingenieur). Warum habe ich selbst mit 61 keine Ahnung wie unser Geldsystem grundlegend funktioniert? Zur «Ehrenrettung» der Studenten: Je nach Fachrichtung ist das Geldsystem halt absolut kein Thema. Wir haben uns ja darauf verlassen, dass die Kollegen in St. Gallen davon Ahnung haben....(Von der Technik haben sie eh keine). Und in diesem Alter sind die einzigen Geldsorgen, dass man über die Runden kommt... Anlagestrategien, Pensionskasse, Aktienmärkt etc kommen erst später und führen nicht zur Fundamentalbetrachtung des Geldsystems. Die Vollgeldinitiative war der Anlass, das nachzuholen. Beim Verfolgen der Diskussionen um die Vollgeldinitiative habe ich nach Aussagen von Sergio Ermotti, Thomas Matter, Ueli Maurer und anderen dann fast das kalte Grausen gekriegt. Und mich gefragt, wieviel Ahnung vom Geldsystem (speziell von der «Geldschöpfung") diese Herren haben.... Die abgelehnte Initiative war mindestens in zwei Punkten eine verpasste Chance: 1.) Annahme hätte einen Beitrag zur Sicherung unserer Ersparnisse geleistet 2.) dass keine vertiefte Diskussion in der Wählerschaft zustande gekommen ist (Globale Verschuldung, immense derivative Spekulationen etc. etc). Was wird der Anlass sein, wo die Leute aufwachen?
Robert Richner, am 07. Februar 2019 um 12:34 Uhr
"Am schlimmsten wäre aus Sicht des Staates ein bedingungsloses Grundeinkommen.» Es würde den Bürgerinnen und Bürgern die Angst vor Armut und Alter nehmen."

Wie alle diese Aussagen, mit denen für ein Grundeinkommen geworben wird, klingt es schön, solange man die Details nicht anschaut, aber sobald man sich mit konkreten Zahlen beschäftigt, verlieren die Aussagen derjenigen, die dafür Werben, ihre Glaubwürdigkeit.

Das Grundeinkommen soll die Angst vor dem Alter nehmen? Für Alte gibt es ja Renten, in der Schweiz die AHV. Die meisten wollen aber mehr zum Leben haben. Damit ein Grundeinkommen die Angst vor Altersarmut stärker beseitigen könnte als die AHV, müsste es deutlich über dem Niveau von AHV-Renten (inklusive Ergänzungsleistungen) liegen.

Wenn berücksichtigt wird, dass im Zusammenhang mit der Schweizer Abstimmung selbst die Auszahlung eines Grundeinkommens an alle auf einem Niveau, das deutlich darunter liegt, höchst abenteuerliche Annahmen zur Finanzierung voraussetzt (z.B. eine Einkommenssteuer von 70% für alle oder eine Mehrwertsteuer von 100% - es würde mit dem Grundeinkommen ein Drittel des gesamten Wirtschaftsvolumens umverteilt), ist klar, dass ein Grundeinkommen, das auf einem noch höheren Niveau ist bei den aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten erst recht nicht realistisch ist (vielleicht irgendwann, wenn die Technik viel weiter fortgeschritten ist und weniger Arbeit benötigt wird, aber wir sind noch weit davon entfernt).
Adrian Engler, am 07. Februar 2019 um 13:05 Uhr
Geld hat viele Gesichter, daher ist es so schwer fassbar. Aber die Gelddiskussion lenkt auch selbst vom Wesentlichen ab, daher verfehlt die Diskussion auch die richtigen Lösungsansätze.
Unser Wohlstand besteht nicht aus Geld (oder Gold), sondern aus Gütern, Dienstleistungen und Fabriken, sowie die Fähigkeit, diese effizient zu organisieren. Geld ist ein Mittel dazu.
Geld ist auch ein Machtmittel, mit dem sich jeder einen Teil des Wohlstandes sichern kann. Geld ermächtigt uns, im Supermarkt ein Brot zu holen. Wenige haben so viel davon, dass sie sich auch eine Villa oder eine Yacht vom Güterberg ergattern können. Geld ist somit ein Verteilsystem der erzeugten Güter.
Mindestens so viel Angst wie mit «Versorgungslücke» wird uns mit dem Wort «Arbeitsplatz» eingeflösst. Daher rennen wir im Hamsterrad, obwohl bereits Güter im Überfluss in den Regalen stehen. Ein guter Politiker sorgt daher nicht für Arbeitsplätze, sondern für eine ausreichende und fair verteilte Versorgung der Bevölkerung.
Es ist wahr, ein Grundeinkommen würde auch den Angstfaktor um den «Arbeitsplatz» erheblich reduzieren. Das schmeckt aber den Einfluss_Reichen nicht, denn sie profitieren am meisten von jedem Arbeitsplatz, und wenn dieser noch so unnötiges Zeug produziert.
Josef Brusa, am 07. Februar 2019 um 13:10 Uhr
Kommentiert ex Kassenstürzer Urs P. Gasche. Nun freue ich mich auf die Kommentare von UBS, CS, einem prominenten Freisinnigen und vor allem: Götz W. Werner, dem Autor von «Sonst Knallt's!».
Walter Schenk, am 07. Februar 2019 um 13:18 Uhr
Nach dem ETH-Mathe-Diplom war der MBA für mich vor 50 Jahren ein Augenöffner.
Wer mehr zum Thema sehen will, diese pointierte «Komödie» ist zwar einige Jahre auf youtube, mir aber erst gestern begegnet:
Volker Pispers erklärt Geld und Schulden
https://www.youtube.com/watch?v=g-pNlHa07P4
Heiner Graafhuis, am 07. Februar 2019 um 13:22 Uhr
Lieber viel Kapital u. über viel Fremdkapital verfügen, als viel arbeiten.
Wer das Pech hat geistig von Natur aus minderbegabt zu sein, in einem Umfeld mit niedriger Allgemein-Bildung aufwachsen muss, über kein Start-Kapital verfügt, kann und wird kein Kapital ansammeln.
Ich hatte das Glück, früh gefallen an Büchern zu finden, die Bildung gaben.
Die führenden aus SVP u. FDP hassen die subventionierten öffentliche Bibliotheken und solche Kaberettisten.
Paul Meyer, am 07. Februar 2019 um 16:02 Uhr
Das Geld wird zu 100% mit einem Buchungssatz aus Ziffern in den Bankbuchhaltungen aus dem Nichts für die Leistungserbringung zur Abdeckung der Bedürfnisse der Menschen generiert. Buchgeld gibt es seit ewigen Zeiten. Das Bargeld wird mit Belastung der Ziffern «bezogen». Die Aktiven der Schulden bestehen demnach in Investitionen – Umlagen.

«Matuschek schliesst diesen Buchabschnitt mit einem Zitat von Henry Ford: «Wenn die Bürger wüssten, wie unser Geld- und Wirtschaftssystem funktioniert, hätten wir noch vor Tagesanbruch eine Revolution.»

Was hat er damit gemeint? Sicher nicht das System als solches, wie es Herr Matuschek vorgibt, sondern die Auswirkung der Geldschöpfung in einer arbeitsgeteilten Wirtschaft. Er meint den infizierten Zahler Mythos in unser Denkvermögen. Wir sind keine Steuern- oder Sozialzahler; denn die zugeordneten Rückgaben (nicht bezahlen) der Pflichtpreise für die Staats- und Sozialquote sind der Logik des Systems folgend in der Geldschöpfung bereits enthalten. Wir erbringen Leistung oder haben einen Rechtsanspruch und mit dem zugeordneten frei verfügbaren Geld tauschen wir die gegenseitige Produktion.
Die Staatsanleihen sind Rückgabederivate mit Rendite. Sie dürften gar nicht erlaubt sein, denn so macht sich der Staat erpressbar!
Paolo Ermotti, am 07. Februar 2019 um 18:38 Uhr
Sehr guter Artikel, er zeigt auf, was heute in der Bildung falsch läuft. Es werden wirtschaftstaugliche Fachidioten herangezüchtet, die mit 20 nicht fähig sind, sich im eigenen privaten Leben zurechtzufinden (siehe Titel), weil ihnen das Wissen dazu an den Schulen nicht vermittelt wird. War schon vor 50 Jahren so, da musste man am Gymnasium Latein und Altgriechisch büffeln, aber was ein Bankkonto und eine Immobilienhypothek ist, musste man selber lernen. Der Geschichtsunterricht hörte bei 1798 auf. Zur Ehrenrettung der damaligen «Lateinschule»: Der Sprachunterricht war gut und nützlich, ich lernte Altgriechisch, Latein, Französisch, Italienisch, Englisch, Russisch und entdeckte meine Begabung für Sprachen, die mich während des ganzen Lebens begleiten sollte. Die Schulen müssen zum Leben erziehen, nicht nur Fachwissen vermitteln, das kommt heute eindeutig zu kurz.
Alois Amrein, am 07. Februar 2019 um 20:28 Uhr
Ein eigenständiger Fachbereich „Alltagskompetenz“ tut not!

Meines Erachtens sollte ein eigenständiger Fachbereich „Alltagskompetenz“ auf allen Schulstufen geführt werden. Mit einem solchen Fachbereich könnten viele „Alltagsprobleme“ vermieden werden mit Gewinn für die gesamte Gesellschaft. Leider sind heute viele Familien nicht mehr fähig oder willens, diese Aufgabe adäquat zu erfüllen. Dieser Fachbereich könnte folgende Themen umfassen:

1. Ökonomisches Grundwissen (Budget, Bezahlen von Rechnungen, Geldanlage, Steuern)
2. Rechtliches Grundwissen (Arbeits-, Miet-, Leasing-, Kaufverträge, Kleinkredite)
3. Geografisches Grundwissen (Briefträgergeografie Schweiz und Heimatkanton, Tarifzonen im Tarifverbund)
4. Politisches Grundwissen (Politische Mitwirkungsmöglichkeiten; Was wird auf welcher Staatsebene entschieden?)
5. Psychologisches Grundwissen (Was ist Empathie? Konfliktbewältigung; interkulturelle Verständigung)
6. Hauswirtschaft
7. Gesundheitsprävention/Sexualkunde
8. Praktischer Umweltschutz
9. Berufliche Orientierung
10. Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT), Medien

Ohne einen eigenständigen Fachbereich „Alltagskompetenz“ werden die einzelnen Themenbereiche in den übrigen Fächern nicht den Stellenwert erhalten, den sie verdienen.
Alex Schneider, am 08. Februar 2019 um 05:56 Uhr
Herr Schneider, ich würde da noch gerne ein paar Punkte hinzufügen, bzw. ergänzen:

1: Ökonomisches Grundwissen
1a. Was ist Geld überhaupt? «Geld ist nichts anderes als die Vereinbarung einer Gemeinschaft, etwas als Tauschmittel zu verwenden."

1b. Mit welchem Geldsystem leben wir? «Wir leben mit einem Schuldgeldsystem, Geldbesitz bedeutet also gleichzeitig Schulden, entweder eigene oder die eines anderen Kreditnehmens."

1c. Wie entsteht neues Geld? «Indem Geschäftsbanken Kredite vergeben und Investitionen tätigen. Banken verleihen keine Kundengelder."

1d. Geldkreislauf: «Geld läuft im Kreis, unabhängig ob es durch Leistung oder leistungslos erhalten wurde. So lange bis der Urschuldner seine Kredite zurückbezahlt. Schuldentilgung bedeutet also gleichzeitig, dass nachher weniger Geld im Umlauf ist."

1e: Die verschiedenen Geldarten und dessen Herausgeber: «Münzen = Münzanstalt, Notengeld = Nationalbank, Buchgeld der Bankkunden = Privatbanken, Buchgeld der Privatbanken selbst = Nationalbank zusammen mit Privatbanken."

1f: Leistungsbedingtes und leistungsloses Einkommen: «Leistungsbedingt = Arbeit, Güterverkauf. Leistungsloses = Zinsen, Dividenden, Rendite, Gewinne durch Spekulation aller Art."

2. Rechtliches Grundwissen
2a: Sozialversicherungsrecht / Sozialrecht (Rechte und Pflichten, Beitragshöhe und Dauer, die verschiedenen Säulen und deren Verwendungsmöglichkeiten, Krankenkasse und IPV)

4. Politisches Grundwissen
4a: Parteien, welche gibt es und wofür stehen sie
Edgar Huber, am 09. Februar 2019 um 18:37 Uhr
Wir sind keine «Zahler» mit der geleisteten Arbeit decken wir gegenseitig die Bedürfnisse ab. Dafür erhalten wir zur Umlage einen Ersatzgegenwert in Form von Geld. Geld muss vorher immer von einem Dritten ausgegeben werden, vor man es selbst ausgeben kann. Gewinne und Ersparnisse können nur mittels Neuverschuldung erzielt werden.
Es ist daher sehr wichtig, dass man sowohl die Entstehung, Funktion und Auswirkung des Geldsystems in der arbeitsgeteilten Wirtschaft korrekt erlernen kann.

Es gilt sich nun vom «Virus» Zahler - Mythos zu befreien. Erst dann versteht man seine wahre Identität in Verbindung mit der Wirtschaft.
Zum Grundlagen Wissen gehört die Entstehung und Auswirkung der Geldschöpfung für die Leistungsnachfrage der Kreditnehmer, welche in der Bankbuchhaltung registriert wird.
Damit klar, dass uns die Ausgaben des Staates oder der Sozialberechtigten nicht selbst gehören sondern als Preis diesen Leistungserbringern zurückgegeben werden müssen.
So hat man einen Erklärungsbedarf, warum die Umlage über die Lohnsumme und nicht über den definierten Umsatz vorgenommen wird.

Das Bankensystem ist zudem nicht im Einklang mit der Geldschöpfung organisiert. Dabei ist die klare Trennung zwischen Geldschöpfung und Wirtschaft ein nicht verhandelbarer Recht- und Sachzwang. Dagegen wurden Systeme, wie Liquidität und Wirtschaftsbuchgeld (zwei verschiedene Buchgeldarten) kreiert und die Verzinsung der Guthaben vorgenommen, welche unter keinem ökonomischen Titel vertretbar sind.
Paolo Ermotti, am 10. Februar 2019 um 18:49 Uhr
Ein beeindruckender Beitrag von Herrn Gasche mit ebenso informativen Leserkommentare. Hier noch zwei Texte zur Thematik: Christian Felber, 'Gemeinwohl-Ökonomie' und Steffen Henke, 'Fliessendes Geld'. Beide Bücher sind Wegweiser zu einer positiveren Zukunft der Kooperation statt der Konkurrenz, das Grundübel unserer Zeit.
Michel Mortier, am 11. Februar 2019 um 16:30 Uhr

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