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Matrosen der US-Navy überwachen das Löschsystem mit AFFF-Schaum (AFFF) während eines Tests auf einem Flugzeugträger. © U.S. Navy, Picryl

Schweizer Feuerwehren versuchen von PFAS wegzukommen

Daniela Gschweng /  Fluorchemikalien und Feuerwehren, das war eine Abhängigkeit mit weitreichenden Folgen. Inzwischen werden PFAS kaum noch eingesetzt.

Bis zum umfassenden Verzicht wird es noch dauern, aber das Vorhaben ist auf einem guten Weg – so könnte man das Verhältnis der Schweizerischen Feuerwehren zu PFAS beschreiben. Fluorchemikalien wurden seit den 1960er-Jahren beim Löschen eingesetzt. PFAS-Zusätze halfen nicht nur, Brände zu löschen, sondern verursachten auch zahlreiche Boden- und Wasserverschmutzungen mit den giftigen Ewigkeitschemikalien, die sie so wirksam machten.

Löschschäume sind neben Industrieabwässern eine der Hauptursachen für PFAS-Altlasten, die das Trinkwasser vergiften und Agrarprodukte ungeniessbar machen können. Das mussten beispielsweise mehrere elsässische Gemeinden erfahren. Eine PFAS-Verschmutzung, die von Löschschaum am Euroairport Basel ausging, machte das Trinkwasser in den umliegenden Gemeinden für empfindliche Personen ungeniessbar.

Das Stichwort lautet «AFFF»

Das Stichwort dazu heisst «AFFF» oder «A3F». Dahinter verbirgt sich die Bezeichnung «Aqueous Film Forming Foam». Das bezeichnet einen Schaum, der einen Wasserfilm ausbilden und auf dessen Oberfläche schwimmen kann. Der Schaum löscht so nicht nur, sondern schneidet den Brand auch von Sauerstoff ab. Bei der Bekämpfung von Bränden, vor allem brennenden Flüssigkeiten, ist das extrem nützlich. Ermöglicht wird es durch PFAS und ihre einzigartigen fett- und wasserabweisenden Eigenschaften. AFFF-Zusätze waren lange Zeit der Standard für solche Brände.

Eingesetzt wurde früher vor allem Perfluoroktansulfonsäure (PFOS), in dessen Zubereitungen häufig auch Perfluoroktansäure (PFOA) vorkam. Beide Chemikalien sind giftig und inzwischen verboten. Dazu kamen einige weitere PFAS, die in Löschmitteln gebraucht wurden.

Nur noch, wenn es unbedingt sein muss

Schäume, die keine PFAS enthalten, löschen zwar auch, sind aber nicht so ungemein praktisch, und die Umstellung bedeutet Aufwand. Die Feuerwehren taten sich darum zunächst schwer, auf PFAS im Schaum zu verzichten.

Inzwischen scheint die Entwöhnung aber grösstenteils geschafft. PFAS spielten «in den Tätigkeiten der Schweizer Feuerwehren nur noch eine sehr marginale Rolle», antwortet Luc Bruttin, Leiter Koordination und Politik bei der Feuerwehr-Koordination Schweiz (FKS) auf die Fragen von «Infosperber». Die Mehrheit der Schweizer Feuerwehren verzichte bereits darauf. PFAS-haltige Löschschäume würden nur noch in seltenen Ausnahmefällen eingesetzt. Man arbeite auf die vollständige Ablösung hin.

Nicht jeder Brand muss mit Schaum gelöscht werden. Wenn zum Beispiel ein Wohnhaus brennt, genügt oft Wasser. Wenn grosse Mengen Flüssigkeit in Brand geraten, braucht es jedoch spezielle Löschmittel. Einige Feuerwehren haben deshalb noch immer PFAS-Mittel vorrätig. Beispielsweise die Feuerwehren im Aargau oder den beiden Basel, berichteten die «bz Basel» und die «Aargauer Zeitung» im vergangenen Jahr.

Wo genau noch PFAS verwendet werden, ist nicht bekannt

Umfassende Listen, welche Feuerwehren die Ewigkeitschemikalien weiter im Giftschrank haben, gibt es nicht. Ein wenig Licht ins Dunkel bringt aber ein Bericht der Econetta AG, die im Auftrag des Bundesamts für Umwelt im Dezember 2025 ermittelt hat, wo in der Schweiz noch PFAS zum Löschen verwendet oder gelagert werden.

Die Situation sei dynamisch, berichtet das Unternehmen. Fluorhaltige Schäume würden bei den Feuerwehren derzeit laufend durch fluorfreie Mittel ersetzt. Es gebe seitens der Hersteller allerdings die Tendenz, langkettige, verbotene PFAS durch kürzerkettige (mit weniger Kohlenstoffatomen) zu ersetzen. Da die Rezepturen meist geheim sind, sei das schwer nachzuvollziehen.

Der Grossteil der Schweizer Feuerwehren sei «gemäss den Rückmeldungen der Akteure» aber inzwischen fluorfrei. In einzelnen Fällen seien PFAS aber weiter notwendig.

Auch bei professionellen Feuerwehren, in Chemieunternehmen und auf Flughäfen wurden PFAS ersetzt. An einigen der drei Landes- und elf Regionalflughäfen sowie 45 Flugfelder in der Schweiz wird inzwischen PFAS-frei gelöscht. Der Flughafen Zürich, der erste Flughafen, der AFFF einsetzte, hörte auch als einer der ersten damit auf. Ohne PFAS löscht auch die Feuerwehr am Flughafen Genf. Die 18 Lösch- und Rettungszüge der SBB sowie die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) kommen seit Ende 2024 ebenfalls ohne fluorhaltige Löschmittel aus.

In stationären Löschanlagen lagern die meisten PFAS

Die für Umwelt und Gesundheit heiklen PFAS-Schäume werden laut Bruttin nur noch sehr selten eingesetzt. Grosse Flüssigbrände mit mehreren Zentimetern Flüssigkeitstiefe machten nur einen sehr kleinen Teil der Feuerwehreinsätze aus. PFAS-Schäume sollten obendrein nur eingesetzt werden, wenn das Löschwasser aufgefangen werden kann. Der Econetta-Bericht geht davon aus, dass es nur bei rund fünf Prozent aller Brände spezielle Löschschäume braucht und der Verbrauch von PFAS-Mitteln zurückgeht. Unter dem Strich stellt sich die Frage, warum PFAS-Zusätze jemals so umfangreich eingesetzt wurden.

Ein Problem sind stationäre Anlagen, also Löschmitteltanks in Industrieunternehmen oder Tanklagern einschliesslich der Armee. In diesen fänden sich noch immer grösstenteils PFAS-Löschmittel, insgesamt mehr als 12 Tonnen. Einige tausend Kilogramm PFAS kommen aus zahlreichen Handfeuerlöschern zusammen, die grossmehrheitlich PFAS enthalten. Wie lange das noch so sein darf, ist unklar. Die EU verbietet ab dem 23. Oktober alle PFAS in Handfeuerlöschern («Infosperber» berichtete darüber). Die Schweiz wird vermutlich folgen.

Ohne PFAS löscht es sich anders

Wer clean werden will, muss sich dafür allerdings neu aufstellen. Die Feuerwehrleute müssen lernen, ohne PFAS-haltige AFFF zu löschen. Diese bildeten keinen Wasserfilm, man müsse mehr davon auftragen und die brennbare Flüssigkeit könne sich leichter nochmals entzünden, schreibt Bruttin. In der Aus- und Weiterbildung würde dies berücksichtigt.

Die Gesundheit der Feuerwehrleute habe natürlich oberste Priorität. Allzu viele Sorgen macht man sich bei der FKS wegen der PFAS-Belastung von Feuerwehrleuten im Einsatz oder bei Übungen aber nicht. Dazu sei ihre Anwendung zu selten und es gebe Schutzkleidung, fasst Bruttin zusammen. Auch Schutzkleidung kann PFAS-belastet sein, was zum Beispiel die US-Feuerwehren sehr besorgt («Infosperber» berichtet darüber). Derzeit lasse sich jedoch nicht auf eine Gesundheitsgefährdung schliessen, schreibt der Schweizer Feuerwehrkoordinator.

Weit wichtiger scheint da der Umweltgedanke. Wie viel PFAS aus Löschschäumen in die Umwelt gelangten, lasse sich nicht zuverlässig schätzen, schreibt Econetta in seinem Bericht. Das hauptsächlich nachgewiesene Fluortensid in Käranlagen sei laut der EAWAG mit 6:2 FTAB (Fluortelomersulfonamidalkylbetain) aber ein PFAS, das in Schaumlöschmitteln eingesetzt werde. 90 Prozent der PFAS im Abwasser durchlaufen demnach die Kläranlagen und gelangen anschliessend ins Wasser.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

PFAS.Dossier.M&P

PFAS-Chemikalien verursachen Krebs und können Erbgut schaden

Die «ewigen Chemikalien» PFAS bauen sich in der Natur so gut wie gar nicht ab. Fast alle Menschen haben PFAS bereits im Blut.

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