Mit einer Einwanderungsbremse gegen den Dichtestress
Die Wohnungsnot ist das grosse Thema. Dazu hat nun das Vergleichsportal Comparis das Volk befragt – offenbar in der Absicht, dieses vorzuführen. Comparis wollte zuerst einmal wissen, ob «Sie in ihrer Gegend einen Mangel an verfügbarem Wohnraum» feststellen. Das war bei rund 60 Prozent der Befragten der Fall – 66 Prozent waren es in den Städten, 49 Prozent unter den Landbewohnern.
Anschliessend holte Comparis die Meinungen zu drei möglichen Gegenmassnahmen ein. Dabei lehnten 50 Prozent den Bau höherer Gebäude ab. 68 Prozent sprachen sich gegen eine dichtere Bebauung aus, und 66 Prozent waren gegen neue Bauzonen auf Kosten der Grünzonen und der Landwirtschaft. Nur die Einschränkung von Einsprachen fand eine relative Mehrheit von 47 Prozent bei 43 Prozent Ablehnung.
Den falschen Schluss gezogen
Daraus ziehen Comparis bzw. der Studienautor Harry Büsser folgenden Schluss: «Wir wollen mehr Wohnhäuser – aber weder höher noch dichter bauen, weder Grünflächen antasten noch Einsprachen reduzieren.» Ja, das tumbe Volk. Es meckert zwar, scheut aber die Konsequenzen. Genau so war auch der Tenor der medialen Berichterstattung: «Schweizer wollen mehr Wohnungen, lehnen aber mögliche Lösungen ab», titelte etwa der «Tages-Anzeiger» (TA).
Am Folgetag doppelte der «Blick» nach. Gestützt auf eine Studie der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse veröffentlichte er eine Rangliste der Kantone mit den längsten Bewilligungsverfahren: Von 77 Tagen in Uri bis zu 227 Tagen in Genf. Dazu zitiert der «Blick» den Baumeisterverband wie folgt: «So gehen die Mieten nie runter.»
Als würden schnellere Genehmigungen die Mieten senken.
Verdichtung mindert die Lebensqualität
Dichter bauen, höher bauen, Einzonen, aufs Land ziehen, bewilligen … Wer im letzten Vierteljahrhundert in der Schweiz gelebt hat, weiss, dass genau dies in grossem Stil geschehen ist. Und es geht weiter so: Baugruben, Abrissbirnen, Krane, Bauprofile, versiffte Altbauten, aus denen die Altmieter vergrault werden sollen, prägen das Stadt- und Landschaftsbild, wo immer wieder ein Nutzfahrzeug aus der Bauindustrie vorbeirattert. Und eben verkündet der TA die frohe Botschaft, dass in Oerlikon «500 neue Wohnungen entstehen».
Trotz dieser anhaltenden Bau-Orgie sinken die Immobilienpreise nicht, sondern steigen weiter an. Doch selbst wenn wir durch mehr und schnelleres Bauen den Preisboom dämpfen könnten, würden sich alle anderen Probleme weiter verschärfen. Fast alle Schweizer haben die Erfahrung gemacht, dass das Aufstocken, Verdichten und Einzonen die Wohn- und Lebensqualität deutlich verschlechtert – weniger Sonne, mehr Nachbarlärm, Umzugsstress, ein Gefühl von Fremdheit im eigenen Land.
Vor allem die Hausfrauen und Mütter leiden darunter. Comparis-Studienautor Harry Büsser merkt dazu an: «Frauen tragen oft die Hauptlast für Familie und Nachbarschaft – Veränderungen im Wohnumfeld werden daher wohl stärker als Verlust von Lebensqualität wahrgenommen. Männer sind eher bereit, Kompromisse einzugehen.» Aber auch die Männer lehnen die vorgeschlagenen Massnahmen mehrheitlich ab.
Jahr um Jahr über 70’000 Zuzüger
Der Blick zurück nährt den Verdacht, dass die aktuelle Wohnungsnot vor allem durch den Zuzug von jährlich 70’000 bis 100’000 überwiegend kaufkräftigen Einwanderern und durch die rasant steigenden Bodenpreise verursacht ist. Die Baukosten sind seit 2000 nur um real 15 Prozent gestiegen, die des Bodens hingegen haben sich in etwa vervierfacht. Sie machen heute an guten Lagen oft mehr als 70 Prozent der Gesamtkosten aus.
So gesehen wäre eine drastische Begrenzung der Einwanderung die naheliegendste und weitaus effizienteste Massnahme gegen die Wohnungsnot. Inzwischen dreht sich fast jedes Stammtischgespräch um diese Frage. Doch für Comparis ist das offenbar keine valable Option, zu der man die Bürger befragen könnte. Büsser sagte dazu gegenüber dem TA: «Wenn wir wirtschaftlich weiterhin erfolgreich sein wollen, können wir nicht einfach die Zuwanderung stark einschränken, wie die Rechte das fordert.»
Woher weiss er das? Büsser hat diese Frage nicht beantwortet, aber er hätte etwa auf Cédric Wermuth verweisen können, der die einwanderungsfreudige Politik der SP gerne damit rechtfertigt, dass sich schrumpfende Länder wirtschaftlich schlechter entwickeln als wachsende. Oder er hätte eine oft zitierte Studie der Avenir Suisse erwähnen können, wonach unser Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf seit der Einführung der Personenfreizügigkeit mit jährlich 0,93 Prozent kontinuierlich gewachsen ist.
Die Nachteile des «Weiter-So» zeigen sich immer deutlicher
Mag sein. Aber was sind ein paar Prozente mehr BIP oder Lohn im Vergleich zu mehr Stau, längeren Arbeitswegen, 1500 Franken mehr Monatsmiete, dem Verlust von Nachbarschaft, mehr Pneuabrieb in der Atemluft etc.? Lohnt sich das?
Gemäss einer neuen Umfrage des Kantons Zürich sind immerhin 44 Prozent der Befragten der Meinung, dass Zürich auch ohne grosse Unternehmen «erfolgreich» sein könne. Und 55 Prozent berichten von einem «Fremdheitsgefühl durch die zunehmende Internationalisierung». Dennoch sagt die zuständige Regierungsrätin Carmen Walker Späh von der FDP in ihrem Vorwort kategorisch: «Die andere Option, den Standort unattraktiver zu machen, kann niemand ernsthaft wollen. Das hiesse: tiefere Einkommen, erhöhtes Armutsrisiko, weniger staatliche Investitionen, mehr Verteilkonflikte.»
Einverstanden. Eine Abkehr von unserem jahrzehntelang gepflegten Wirtschaftsmodell des Wachstums dank Sieg im Standortwettbewerb birgt Risiken. Für die Normalbürger werden die Gefahren und die Nachteile des «Weiter-So» offensichtlicher. Wir müssen diese Diskussion endlich führen.
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Steigende Bodenpreise treiben Mieten in die Höhe
Das zeigte der SRF-DOK-Film «Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly» vom 21. Januar. An der Wertsteigerung des Bodens wird kräftig verdient, ohne etwas dafür leisten zu müssen.
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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









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