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Regen kann PFAS-Chemikalien wie Trifluoracetat (TFA) enthalten. © public-domain George Hodan, Public Domain Pictures

Empa: Immer mehr PFAS im Regen

Daniela Gschweng /  Durch Kühlmittel gelangt immer mehr Trifluoracetat (TFA) in die Luft – und in Folge ins Wasser.

Fluorchemikalien, die in der Natur nicht zerfallen, sind ungemein praktisch und werden breit verwendet. Sie sind seit Jahrzehnten Bestandteil von etlichen Alltagsgegenständen. Es wird immer deutlicher, wie problematisch das ist. Während einzelne Substanzen aus der riesigen Stoffklasse der PFAS bereits verboten sind, ist die Wirkung von anderen völlig unbekannt. Bei manchen besteht ein Verdacht.

Zum Beispiel bei Trifluoracetat oder kurz: TFA. Das kleinste bekannte PFAS ist sehr gut wasserlöslich und wird seit Jahrzehnten verwendet. Es findet sich in quasi allen Gewässern und galt als sicher, bis es vor zwei Jahren in den Verdacht geriet, Geburtsschäden auszulösen.

Vor allem aus Pestiziden und Kühlmittel

TFA ist aus Wasser nur schwer entfernbar. Im vergangenen Jahr warnten bereits die Wasserversorger vor den ständig steigenden Mengen im Grund- und Oberflächenwasser (Infosperber berichtete). Wenn TFA einmal im Wasser ist, ist es sehr schwer zu entfernen. Reguliert ist Trifluoracetat dennoch nicht. In der Schweiz und der EG gibt es lediglich Empfehlungswerte. Die Neubewertung der Chemikalie durch die EU-Chemikalienagentur Echa läuft.

TFA in der Umwelt stammt hauptsächlich aus drei Quellen: Pestizide, aus denen sich die Chemikalie abspalten kann, verdampfende Kältemittel, die in der Atmosphäre Trifluoracetat abgeben, das mit Regen wieder zur Erde gelangt, sowie Industrieabwässer.

Die Empa hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) und der Uni Bern untersucht, wie TFA in der Atmosphäre gebildet wird und ins Wasser gelangt. Mit besorgniserregenden Ergebnissen: Die TFA-Konzentration im Wasser steigt immer weiter an.

TFA-Konzentration in der Umwelt hat sich vervielfacht

Nicht nur deshalb, weil Triflouracetat nicht zerfällt und sich anreichert; sondern auch, weil der Eintrag in die Umwelt wächst. In den letzten Jahren habe sich die TFA-Konzentration im Regen und Gewässern vervielfacht, stellten die Studienautoren in der in der Zeitschrift «Atmospheric Chemistry and Physics» publizierten Arbeit fest.

Grund für den Anstieg sind vor allem Kältemittel. Vor allem sogenannten Hydrofluorolefine (HFO), die verstärkt zum Ersatz von langlebigen klimaschädlichen Fluorverbindungen genutzt werden. Sie zerfallen in der Atmosphäre schnell, was sich am Anstieg der TFA-Menge im Regen und im Wasser beobachten lässt.

Das Modell der Empa ist universell. Es erlaubt Vorhersagen darüber, wie viel TFA in ganz Europa in die Umwelt gelangt oder gelangen wird. Bis 2050 könnte sich der TFA-Eintrag aus der Luft verzehnfachen oder verzwanzigfachen, schätzen die Studienautoren.

Für ihre Analyse fertigten die Forschenden eine Modellierung an und zogen Wasserproben von Schweizer Gewässern aus den Jahren 2020 bis 2023, Regenwasserproben sowie historische Wasserproben bis 1984 hinzu.

Ein Drittel der Quellen ist ungeklärt

Völlig TFA-frei war das Wasser auch damals nicht, in den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich die TFA-Konzentration im Regen aber vervierfacht. In den grossen Flüssen wie Aare und Rhein ist nun sechsmal mehr TFA. Am meisten TFA fand sich in der Rhone bei Chancy und im Genfer See, am wenigsten bei S-chanpf im Inn. Am meisten TFA regnete es in Bern. Das die Rhone so belastet ist, sei auf Industrieabwasser zurückführen, schreiben die Autoren.

Bei einem Drittel des TFA-Eintrags konnten die Wissenschaftler nicht klären, woher er kommt. «Das heisst, es gibt wahrscheinlich weitere Vorläufersubstanzen und Entstehungspfade, die wir noch nicht kennen», sagt der Erstautor der Studie, Stephan Henne, in einem Bericht der Empa.

Der Empa-Forscher Stefan Reimann warnt davor, die Belastung auf die leichte Schulter zu nehmen. TFA reichere sich im Wasser immer weiter an und lasse sich kaum wieder entfernen, während seine Giftigkeit noch nicht abschliessend geklärt sei. «Wir sollten daher nach dem Vorsorgeprinzip handeln und den Einsatz der Vorläuferstoffe so gut es geht einschränken», sagt er.

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Zum Infosperber-Dossier:

PFAS.Dossier.M&P

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Die «ewigen Chemikalien» PFAS bauen sich in der Natur so gut wie gar nicht ab. Fast alle Menschen haben PFAS bereits im Blut.

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