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Initiative «Schwyz gendert nicht»: Optisch geht es um den Genderstern. Nur im Kleingedruckten wird klar, dass Frauen aus amtlichen Texten gestrichen werden sollen. © jsvpSZ

Frauen verschwinden aus Gesetzen

Barbara Marti /  Frauen werden aus amtlichen Texten gestrichen. Was in Österreich bereits beschlossen ist, soll auch in der Schweiz Realität werden.

Die Regierung des österreichischen Bundeslandes Steiermark streicht ab September die weibliche Form aus allen Landesgesetzen. Frauen und andere Geschlechter seien in der männlichen Form mitgemeint, argumentiert die rechtskonservative Regierung aus FPÖ und ÖVP. Das Streichen der weiblichen Form und von Sonderzeichen wie dem Stern soll die Lesbarkeit erleichtern. Es soll schrittweise erfolgen, wenn Gesetze revidiert werden.

«Schwyz gendert nicht!»

Das gleiche Ziel verfolgt die Junge SVP im Kanton Schwyz. Ihre Initiative «Schwyz gendert nicht!» verlangt, dass die Behörden im amtlichen Schriftverkehr und in rechtsetzenden Erlassen «ausschliesslich die maskuline Form» verwenden. Die Initiative ist zustande gekommen. Sie soll nach den Sommerferien eingereicht werden. Das letzte Wort werden die Stimmberechtigten haben.

«Völlig übertrieben»

Mit der Initiative will die SVP einen Entscheid kippen, den das Kantonsparlament vor knapp zwei Jahren fällte. Damals hatte eine knappe Mehrheit einer überparteilichen Motion von zehn Frauen von SP, Mitte und FDP zugestimmt. Diese forderten, dass alle amtlichen Veröffentlichungen geschlechtergerecht formuliert werden. Sonderzeichen wie den Genderstern schlossen die Motionärinnen ausdrücklich aus: «Auch im Kanton Schwyz sollen keine Genderzeichen Eingang in die Gesetzgebung finden. Es sollen aber Frau und Mann gleichermassen in amtlichen Dokumenten, einschliesslich der Gesetzgebung, angesprochen werden.» Geschlechtergerechte Sprache sei wichtig, um vor allem jüngere Frauen anzusprechen, sagte Mitte-Kantonsrätin Irene Huwyler der «NZZ am Sonntag». Es sei «völlig übertrieben», dagegen eine Initiative einzureichen.

SVP-Präsident gendert

SVP-Nationalrat und -Präsident Marcel Dettling hingegen warnte in der der «NZZ am Sonntag» vor «radikal-feministischen Tendenzen», die man nicht unterschätzen dürfe: «Es beginnt mit der weiblichen Form in Gesetzen und geht dann weiter mit der Umbenennung von Strassennamen. Bald dürfen wir nicht mehr ‹Herrengasse› sagen. Dagegen müssen wir uns wehren.»

Mit diesen faktenfreien Behauptungen will Dettling vermutlich die eigene Basis für die Initiative der Jungen SVP mobilisieren. Denn er selbst formuliert geschlechtergerecht. «Die Schweizerinnen und Schweizer wehren sich», lautet der Titel seines Editorials in der Juni-Ausgabe der SVP-Parteizeitung. Dettling sieht darin keinen Widerspruch zur Initiative, wie «20 Minuten» berichtete. Diese sei eine Reaktion auf den Beschluss des Kantonsrates zur überparteilichen Motion. Es gebe bereits Kreise, die alle Strassennamen genderneutral umformulieren wollen: «Ein absolutes No-Go.»

Frauen sollen aus der Öffentlichkeit verschwinden

Für Rechtskonservative ist Gendern «woker Irrsinn», der Texte unlesbar mache. Sie argumentieren meist mit Gendersternchen und Sonderzeichen. Die grosse Mehrheit der Betroffenen sind allerdings Frauen, die aus der Sprache und damit der Öffentlichkeit wieder verschwinden sollen. In der männlichen Form seien Frauen mitgemeint, heisst es.

Doch wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die meisten Leute bei männlichen Personen- und Berufsbezeichnungen nicht an Frauen, sondern an Männer denken. Der Schweizer Psycholinguist Pascal Gygax hat dazu kürzlich im «Bund» ein Beispiel genannt: «Die Studenten gingen zur Mensa, weil einige der Frauen Hunger hatten.» Ein wissenschaftliches Experiment habe gezeigt, dass die Versuchspersonen diesen Satz als Fehler interpretierten, da sie aufgrund der männlichen Form an Männer dachten.


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Keine. Dieser Artikel erschien zuerst auf frauensicht.ch.
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