Giftige Abgase aus dem Glencore-Kupferwerk Mopani machen die Anwohner krank © SRF
SO2-Ausstoss des Kupferwerks Mopani nach der 1. und 2. Modernisierungsphase © SRF
Der 69-jährige Bernard Mutale starb an giftigem SO2, das durch ein Leck entwichen war

Glencore vergiftet weiter Menschen in Sambia

Red. / 29. Okt 2014 - Glencore-Xstrata versprach Besserung. Doch im August starb erneut ein Anwohner der Kupferfabrik an den giftigen Abgasen.

Das Kupferwerk Mopani von Glencore verpestet in Sambia die Luft mit giftigem Schwefeldioxid. Anwohner leiden unter starkem Asthma, viele Bewohner der Umgebung sind an Lungenkrankheiten frühzeitig gestorben. Diesen Umweltskandal hat die «Rundschau» von SRF am 12. März 2014 publik gemacht (siehe Artikel auf Infosperber «Glencore-Xstrata als Falschspielerin blossgestellt»).

Der Schweizer Rohstoffkonzern versprach Besserung und nahm im Juni 2014 eine neue Filteranlage in Betrieb, welche die giftigen Dämpfe zurückhalten soll. Doch die Probleme sind damit nicht gelöst, wie eine aktuelle «Rundschau»-Recherche vor Ort zeigt. Anwohner der Fabrik berichten, die Situation habe sich kaum gebessert. Die Fabrikschlote qualmen und die Luft stinkt noch immer nach schwefligen Abgasen, die auf der Zunge und in den Augen brennen.

Weder die Schweizerische Depeschenagentur noch das Schweizer Radio noch die grossen Schweizer Print-Medien haben bis heute über die Resultate der Rundschau-Recherche vor Ort in Sambia berichtet. Glencores Politik in Sambia und andern Ländern wäre in der Schweiz relevant. Konzernchef Ivan Glasenberg hofierte erfolgreich Bundespolitiker und Bundesrat, um sich gegen eine gesetzliche Rechenschaftspflicht der Rohstoffkonzerne zu wehren. «Die Schweiz lockt Rohstoffhändler mit laschen Gesetzen» titelte Spiegel-online im März 2014.

Grenzwert um mehr als das Hundertfache überschritten

Der Glencore-Konzern hat sich bislang stets geweigert, seine Messresultate der Schadstoffkonzentration in der Luft zu veröffentlichen. Jetzt liegt der «Rundschau» ein Bericht der sambischen Umweltbehörde ZEMA vor. Die Messdaten aus dem Jahr 2013 belegen: Der Glencore-Betrieb hat in der Vergangenheit die Emissionsgrenzwerte immer wieder um mehr als das Hundertfache überschritten. Im März 2013 wurde gar ein 24-Stunden-Durchschnittswert von 5640 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter gemessen. Das ist extrem gesundheitsgefährdend. Der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Todesfälle durch «Einatmen giftiger Dämpfe»

Im August entwichen durch ein Leck im Rohrsystem der Fabrik Schwefeldioxid-Dämpfe, die im angrenzenden Wohnquartier mehrere Kinder vergifteten. Ein 69-jähriger Mann verstarb später im Spital.

Auf dem Totenschein vermerkte der Spitalarzt «Inhalation of poison» als Todesursache. Doch der CEO von Mopani Copper Mines, Danny Callow, will keinen Zusammenhang sehen zwischen dem Tod des Mannes «und der kleinen Menge Schwefeldioxid, die an diesem Tag freigesetzt wurde».

Im Januar starb die in Sambia prominente Politikerin Beatrice Mithi an einer Asthma-Attacke. Als die «Rundschau» im März darüber berichtete, gab es noch keine Beweise, dass die Abgase der Glencore-Fabrik Schuld waren an ihrem Tod. Inzwischen liegt der Obduktionsbericht vor, und dieser kommt zu einem klaren Schluss: Beatrice Mithi ist an einem akuten Atemversagen gestorben, ausgelöst durch «Einatmen giftiger Dämpfe». Jetzt hat Mithis Familie den Glencore-Betrieb wegen Fahrlässigkeit angezeigt, wie die «Rundschau» berichtet. «Ein trauriger Fall», meint Mopani-CEO Danny Callow lapidar. Mehr will er dem «Rundschau»-Team zum laufenden Gerichtsverfahren nicht sagen.

20 Franken für ein zerstörtes Feld

Die giftigen Abgase der Fabrik töten nicht nur Menschen, sie zerstören auch die umliegenden Felder der Kleinbauern. Für den Ernteausfall zahlte der Glencore-Betrieb rund 200 betroffenen Farmern eine mickrige Entschädigung von umgerechnet 20 Franken. Das ist nicht mehr als ein Almosen. Doch den mittellosen Bauern bleibt nichts anderes übrig, als die bittere Pille zu schlucken. Mopani-CEO Danny Callow betrachtet die Zahlung an die Farmer als eine freundschaftliche «Geste der Nachbarschaftlichkeit», die er aber ausdrücklich nicht als Schuldeingeständnis des Glencore-Betriebs verstanden wissen will.

Nur ausweichende Antworten von Glencore

Nach dem Filmbeitrag konnte Michael Fahrbach, Leiter Nachhaltigkeit bei Glencore, im Live-Interview Stellung nehmen. «Wir sind dabei, die neue Filteranlage hochzufahren», sagte er. Die Anlage nehme 97 Prozent der Schwefeldioxid-Emissionen aus der Luft. Es würden zwar noch «kleinere mechanische Probleme» auftreten, aber das sei bei einem solchen Grossprojekt normal. «Die Anlage wird die geplanten Werte erreichen», versprach Fahrbach. Seine Aussage untermauerte er mit einer Grafik, welche die Daten des SO2-Ausstosses nach der 1. und 2. Modernisierungs-Phase im Kupferwerk Mopani zeigte.

Fragen zu Entschädigungszahlungen an Abgas-Kranke und Familien von Verstorbenen blockte Fahrbach konsequent ab. Glencore wolle zu Schicksalen einzelner Personen keine Aussage machen, sagte er. Und die geschädigten Farmer? Hält Glencore 20 Franken für ein zerstörtes Feld für angemessen? Man sei gemeinsam mit der lokalen Behörde zu diesem Lösungsvorschlag gekommen. Es herrsche eine «überwiegende Übereinstimmung und Zufriedenheit».

Auf kritische Einwände von «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz ging Fahrbach nicht ein. «Es geht darum, den Standort in einen nachhaltigen Zustand zu führen. Und dieser Verpflichtung sind wir auch nachgekommen», erklärte er im «Rundschau»-Interview. Und: Das Engagement von Glencore in Sambia sei trotz allem «eine Erfolgsgeschichte». Die Familien der Verstorbenen und die asthmakranken Anwohner der Fabrik dürften das wohl anders sehen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

«Rundschau»-Reportage «Glencore und das Gift» vom 22.10.2014
Michael Fahrbach im «Rundschau»-Interview vom 22.10.2014
«Glencore macht Kinder krank und hält Medien fern» (Infosperber vom 25.3.2013)
«Glencore-Xstrata als Falschspielerin blossgestellt» (Infosperber vom 13.3.2013)
«Aloys Hirzel trainierte Glencore für Flopinterview» (Infosperber vom 18.3.2013)

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3 Meinungen

Rohstoffhandel

Weite Kabel
Smarte Herden
Autonicken
Kaum Beschwerden

Köpfe schreien
Körper winden
Hier ein Wachsen
Da ein Schwinden

Silbrne Kassen
Goldige Körner
Rasierte Wälder
Beschnittne Hörner

Dicke Bäuche
Hungerbäuche
Leere Schläuche
Vogelscheuche

Essen formen
Wasser tanken
Äcker tränken
Schweizer Franken

Flüssiges Eisen
Blutige Schergen
Minenhacker
Dauererben

Samen kupfern
Wut ernähren
Labore streuen
Nichts erklären

Menschen treiben
Tiere spritzen
Lohn erhöhen
Sich selber ritzen

Übrig bleiben
Exportieren
Hände waschen
Ruinieren

Kapital adieu
Kapital ahoi
Kolonialisierung
Wir bleiben treu
Romano Paganini, am 29. Oktober 2014 um 14:05 Uhr
Der Rundschau-Beitrag, offensichtlich Teil der Anti-Glencore-Kampagne von Multiwatch & Co., war ein Beispiel von tendenziösem «embeded journalism», wie er gerade bei SRF keinen Platz haben dürfte. Ob die erwähnten Todesfälle (eines der «Opfer» war ein 69jähriger Mann; hallo, alte Menschen pflegen gelegentlich zu sterben) mit der Mine zu tun hatten, ist reine Spekulation. Offenbar gibt es eben keinen Beweis, dass die Schäden auf den Feldern mit der Mine zu tun hatten. Die entscheidende Frage wurde im Beitrag übrigens nicht behandelt: Wer war zuerst dort, die Mine oder die Stadt? Erfahrungsgemäss ist es oft so, dass Minen, die weit ab vom Schuss eingerichtet werden, in armen Ländern ökonomisch aber unglaublich wichtig sind, Zuwanderer anziehen, die sich um die Mine herum ansiedeln. Werden diese vertrieben, gibt es einen Aufschrei der Drittweltisten, lässt man die Leute gewähren, schreien die Drittweltisten auch. So einfach, wie Ihr Euch das in Euren warmen Büros weit ab vom Schuss vorstellt, ist die Sache nicht. Was ist nach der Meinung der Erklärung von Bern die Alternative zum Bergbau? Sozialhilfe für alle Afrikaner? Kurzum: es ist eine Schande für den Journalismus, wie sich die Presse insbesondere in der Schweiz von den Anti-Mining-NGO in ihre undurchsichtigen Kampagnen einspannen lässt. Und wenn ausnahmsweise nicht gleiche den Sermon mitbeten, ist es vielleicht ein Silberstreifen am Horizont.
Alexander Baur, am 30. Oktober 2014 um 06:40 Uhr
Vielleicht hat R.L. nicht Unrecht. Das Beste wäre es wohl nach der Bergpredigt, die armen Afrikaner voll in unseren Sozialstaat zu integrieren, dann müsste niemand «dort unten» unter schlechten Arbeitsbedingungen leiden. Der Titel des Beitrags erinnert an die alte Gegennestlé-Kampagne «Nestlé tötet Babys». Das war auch nicht ganz falsch und trotzdem demagogisch. Ich halte trotz aller Fragwürdigkeiten Marc Rich, verstorben 2013, für eine nicht unbedeutende historische Persönlichkeit.
@Paganini. Das Gedicht ist formal überdurchschnittlich. Zur Poetik des politischen Gedichtes gehört aber noch eine homöopathische Dosis von Selbstunterwanderung. Dies allerdings auszuführen bedürfte es einer poetischen Vorlesung, die im Diskussionsforum von Infosperber nicht zu leisten ist.

PS. Dass über diese Dinge kritisch diskutiert wird, bleibt wichtig und sicher anerkennenswert. Am glaubwürdigsten wären Kritiker, die bereit wären, in Afrika die Wurfschaufel selber in die Hand zu nehmen.


PS II. Als Afrikaner noch nicht massenweise nach Europa strömten, zur Zeit der Apartheid, hatte Südafrika den höchsten Einwanderungskoeffizienten von Schwarzen, was die weisse rassistische Regierung allerdings zynisch als «Abstimmung mit den Füssen» bezeichnete. Das Buch «Gespräche über Südafrika» von Walther Bringolf ist immer noch lesenwert.
Pirmin Meier, am 30. Oktober 2014 um 11:15 Uhr

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