Hormonaktive Stoffe im Zuchtlachs stammen aus Futtermitteln von Südamerika © SporthotelAchetal/Flickr/CC

Hormonaktive Stoffe im Zuchtlachs stammen aus Futtermitteln von Südamerika

Bedenkliches, verbotenes Insektizid für Zuchtlachs

Urs P. Gasche / 17. Jul 2013 - Die Schweiz erlaubt seit 1.Juli wie die EU zehnmal mehr hormonaktive Endosulfane als bisher. Ein Erfolg der Zuchtlachs-Lobby.

Besonders für Schwangere und Kinder sei Zuchtlachs «gefährlich», wenn er mit Endosulfan belastet ist, sagt Jérome Ruzzin, Forscher an der norwegischen Universität Bergen. Die massive Erhöhung der erlaubten Rückstände im Futtermittel stellt der Biologe in Zusammenhang mit andern Schadstoffen: «Das Niveau von Umweltgiften im Zuchtlachs ist im Verhältnis zu andern Lebensmitteln so hoch, dass man etwas unternehmen muss.»

Mit dem hormonaktiven Insektizid Endosulfan ist nicht zu spassen. Dieser Schadstoff gehört wie DDT, Dioxine oder PCB zu den chemischen Verbindungen, die sich nur schwer und sehr langsam abbauen, in Organen von Tieren und Menschen anreichern, krebsfördernd sind und den Hormonhaushalt und die Fortpflanzung von Tieren und Menschen stören.

Vor zwei Jahren haben 172 Staaten der sogenannten «Stockholmer Konvention zum Verbot von persistenten organischen Schadstoffen» einstimmig beschlossen, Endosulfan auf die Verbotsliste aufzunehmen. In der EU ist die Anwendung dieses Insektizids in der Landwirtschaft seit längerem verboten, in der Schweiz seit Mitte 2009.

Fischsterben in der Schweiz

Die Schweiz hat schon vor 25 Jahren schlechte Erfahrungen gemacht. Im Grenzgebiet zwischen den Kantonen Bern und Luzern fand auf einer Strecke von sechs Kilometern ein grosses Fischsterben statt, weil Endosulfan ins Wasser gelangte. Die Bauern, die das Insektizid gespritzt hatten, kamen ungeschoren davon, weil Endosulfan damals zugelassen war.

Trotz dieser trüben Erfahrungen mit Endosulfan und der Ächtung durch die Stockholmer Konvention hat die EU den Endosulfan-Grenzwert von 0,005 auf 0,05 Milligramm pro Kilo um das Zehnfache erhöht. Der neue Grenzwert gilt für die Zucht aller lachsartigen Fische, also auch für Forellen. Die Schweiz habe die Grenzwerte per 1. Juli 2013 «der EU angepasst», teilt das Bundesamt für Landwirtschaft mit.

Den massiv erhöhten Grenzwert rechtfertigt die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA damit, dass belastetes pflanzliches Futter aus Lateinamerika sonst nicht verwendet werden könne. Das Umstellen auf pflanzliche Futtermittel sei erwünscht, «um die Umweltbilanz aufzubessern». Denn ohne pflanzliche Nahrung brauche man als Futter für ein einziges Kilo Zuchtlachs mehrere Kilo kleine Wildfische. Diese fehlen dann den grösseren Fischen im Meer.

Weniger gesund

Pflanzliche Nahrung hat indessen auch einen Nachteil: Der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, die als besonders gesund für Herz und Kreislauf gelten, ist in Lachsen vor allem deshalb so hoch, weil sich Lachse im offenen Meer von kleinen Fischen und Meerestieren ernähren. Zum Teil pflanzlich gemästete Zuchtlachse enthalten nur noch halb so viele Omega-3-Fettsäuren wie Wildlachs, erklärt der Osloer Professor und Herzspezialist Harald Arnesen. Doch die Bestände an Wildlachsen sind infolge Überfischung stark dezimiert.

Die Zuchtlachsindustrie sprach von grossem Fortschritt, als es gelang, die Lachse vermehrt mit pflanzlichen Futtermitteln zu mästen. Diese kaufen die Norweger und Schotten vorwiegend in Südamerika ein. Weil die dortigen Monokulturen weiterhin mit Endosulfan versprüht werden, konnten die europäischen Grenzwerte nicht eingehalten werden. Jetzt habe die «Lobbyarbeit der norwegischen Aquakulturbranche»die EU beeinflusst, die erlaubten Rückstände um das Zehnfache zu erhöhen, berichtet die deutsche taz.

Akzeptable Tagesdosis von Endosulfan

Die norwegische Lebensmittelbehörde Mattilsynet verteidigt den Entscheid: Es müsse ein Mensch täglich sieben Kilo Zuchtlachs essen, um auf die nicht mehr akzeptable Tagesdosis zu kommen, welche die Weltgesundheitsorganisation festgelegt hat. Dies akzeptable Tagesdosis ADI ist allerdings ein Kompromiss zwischen wirtschaftlichen Interessen und gesundheitlichen Risiken:

• Die Tagesdosis berücksichtigt nicht, dass das Zusammenwirken mehrerer Pestizid- und anderer Schadstoffrückstände die Risiken potenziert. Lachsfilets enthalten auch Rückstände von PCB oder von Abbauprodukten von DDT, wie Ruzzin und US-Wissenschaftler im Jahr 2010 feststellten.

• Bei hormonaktiven Stoffen gibt es wie bei Krebserregern keine risikofreie Dosis. Der Spruch von Paracelsus gilt bei diesen Substanzen nicht. Zudem reichert sich Endosulfan im Laufe der Zeit im Körper an.

• Die EU und die Schweiz berücksichtigen die Risiken nicht, welche das Anwenden von Endosulfan für die Gesundheit der Tiere und Menschen in Südamerika hat. Nicht ohne Grund ist die Anwendung in Europa verboten.

Das Bundesamt für Gesundheit hat für Zuchtlachse und Zuchtforellen im Laden keinen Grenzwert für Endosulfan-Rückstände festgelegt. Die Umweltorganisationen WWF und «Fair-Fish» empfehlen den Konsumentinnen und Konsumenten, nur selten wilde Meeresfische und auch nur wenig Meerfische aus zertifizierter Zucht zu essen, und stattdessen einheimische Fische zu bevorzugen.

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Einkaufsempfehlungen der Umweltorganisation Fair-Fish

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6 Meinungen

Vielleicht ist doch etwas dran an den vielen Verschwörungstheorien betreffend Reduktion der Menschheit. Zudem verdienen die Pharmakonzerne dann an den Langzeitkranken wieder grosse Summen an Geld. Und Geld ist in einer ehemaligen Demokratie, welche nun zum Teil eine Corporokratie oder Oligarchie ist, ein wesentlicher Faktor auf welchem Level der Opferrolle Mann sich einreihen kann. Statusmaessig gesehen ist ein verhungerndes Kind in Afrika oder Lybien also ein Klasse opfer Stufe 100, ein Arbeitsloser in Deutschland ist auf Stufe 57, und ein Milliardär ist Opfer Klasse 1. Da seit dem versagen der Grosskirchen und des Humanismus keine verbindlichen Werte mehr existieren welche mit Kapital nicht zu beugen waren ist das Kapital selber der Gott. Wer also nicht ab steigen will im Status Quo, und interpoliert gesagt eines Tages verhungern will, muss nun das Kapital anbeten und ueber Leichen gehen, welche so langsam an Langzeitkankheiten dahinsterben, dass man sie vorher noch so richtig ausnehmen kann.
Beatus Gubler, am 17. Juli 2013 um 12:56 Uhr
Danke für den Link zu den Einkaufsempfehlungen von fair-fish.
Vor allem sei dieser hier nochmals unterstrichen:
Mehr als 1x Fisch pro Monat und Mensch gibt der Planet auf Dauer nicht her – und ist auch gar nicht nötig. Wir müssen nicht mehr Omega-3 zu uns nehmen, sondern viel weniger Omega-6, damit das Enzym, welches diese beiden Gruppen von Fettsäuren verstoffwechselt, nicht ganz von Omega-6 in Beschlag genommen wird.
Omega-6-lastig ist fast alles, was zur «modernen» Ernährung gehört (fast food usw.).
Billo Heinzpeter Studer, am 18. Juli 2013 um 00:27 Uhr
Das ist keine Verschwörungstheorie, eine Verschwörung ist immer eine Geheimsache. Die Verschwörung geht von einigen Menschen auf dieser Welt aus die die Menschheit reduzieren will, das ist Geheimsache, bezw. war Geheimsache, aber zuerst wird noch viel Geld bezahlt für die Krankheit an der man dann zu Grunde geht. Unsere Politiker sind offensichtlich nur noch die Handlanger der EU, was die diktieren wird bei uns einfach übernommen. Das ist gegen das Volk und für die Pharmaindustrie. Die Politiker haben jedoch Eid abgelegt sich für das Volk einzusetzen. Das wird hoffentlich in absehbarer Zeit ändern udn die richtigen Politiker werden sich dann wieder für das Volk einsetzen. Positiv denken, muss mich immer wieder dazu überreden :-)
Karin A. Facheris, am 22. Juli 2013 um 16:34 Uhr
Wenn so viele von Bevölkerungsreduktion reden, kommen da schon einige komische Empfindungen hoch. Da das Wort Verschwörungstheorie zu einem Unwort gemacht wurde, nach dem Motto das würde es nicht geben, und Anti-Verschwörungstheorien sich Sektenhaft gegen Verschwörungstheoretiker Verschworen haben, so wie es Anti-Sekten-Sekten gibt, oder Atheisten welche den Glauben als Hirngespinst verurteilen und selber an den Atheismus glauben, naja, Angesichts solcher gesellschaftlichen Erscheinungen wage ich das Wort Verschwörung gar nicht in den Mund zu nehmen. Aber das es der einen oder anderen Instanz leichter fällt, Grenzwerte rauf zu setzen, da er oder sie, so oder so alles menschliche Verabscheut, was einem Entscheidungsträger nicht zu verübeln ist, wenn man die Welt so anschaut, abgesehen von einigen Minderschuldigen, so komme ich schon ins Nachdenken. Was ist denn die Welt geworden seit sie eine Wirtschafts und Leistungsdiktatur geworden ist, hinter dem Deckmäntelchen der Demokratie, und die Suizidraten steigen und steigen. Und ich kenne Menschen, welche heute schon die Toten beneiden. Angesichts des Zustandes der Welt und der katastrophalen Ueberbevölkerung würde mich gar nichts mehr wundern. Auch nicht die Tatsache der Massenkastration durch Chemieabfälle, Zwitterfische und das männliche Sperma das immer mehr abnimmt, sind bewiesene Tatsachen. Und niemand macht etwas dagegen, denn da ist immer wer, der regiert und bestimmt, aber eben nicht immer zum Heil der Menschen.
Beatus Gubler, am 22. Juli 2013 um 19:48 Uhr
Weil ich wegen einer Fussoperation bettlägerig bin, konnte ich mir einen erstaunlichen Beitrag über die Lachsindustrie auf SF1 reinziehen . Das Schweizer Fernsehen bringt bekanntlich seine besten Beiträge immer zu einer Zeit, wo kein Mensch hinguckt. Das war auch hier der Fall.
Die Rede war von Marine Harvest, so heisst der Lachskonzern, der nicht nur in Norwegen sondern auch in Chile tätig ist. In Chile verseuchen Lachsfäkalien und Futterpellets die Meeresfauna. Die einheimischen Fischer haben kaum mehr ein Einkommen. Was sie noch fangen ist von Antibiotika verseucht. Sie können nicht gegen Marine Harvest klagen. Der Staat ist oder gibt sich machtlos.
Interessant ist auch, dass die USA, die punkto giftfreier Nahrung durch Monsanto und CO. nicht eben verwöhnt ist, sich weigert Lachs aus Chile zu importieren.
Viele einheimische Fischer arbeiten nun notgedrungen für Marine Harvest, indem sie die Lachskäfige repariere und tote Lachse entsorgen, die Taucher tauchen bis zu 60m tief. Die Lachsindustrie leistet sich keine Depressionskammern. Tote Taucher werden in Kauf genommen. In der chilenischen Lachsindustrie sind schon etwa 100 Taucher ums Leben gekommen. In Norwegen war es einer.
Zum guten Schluss: Marine Harvest hat eine Partnerschaft mit dem WWF. Dieser ist wie gewohnt, sehr zurückhaltend mit der Kritik. Er erhält von Marine Harvest für das grüne WWF-Mäntelchen 100'000 Euro im Jahr.
thomas schenker, am 24. Februar 2014 um 17:10 Uhr
In Anbetracht des Welt-Finanzsystems, welches auf Konkurrenz und freier Marktwirtschaft basiert, wird sich vorerst auch nichts ändern. Weil dieses System finanziell von den Grossbanken wie Bank of England, Mitgliedern der Dynastien Rothschild, Warburg, Harriman, Rockefeller, u.s.w. (Kapitalhaltung von über 94% des Weltkapitales) Wirtschafts-Plutokratisch regiert wird. Diese entziehen der Wirtschaft das ansonsten fliessende Kapital, darum wird der Konkurrenzkampf um zu überleben immer härter. Jedes nachdrucken von Kapital fördert weitere Inflation, dies würde auf lange Sicht nichts nützen. So wird die Not in der Welt immer grösser, dieses Bankenkonglomerat verhielt sich früher gleich, was dann zu Krieg führte wenn die Not gross genug war. So werden Firmen immer dreister, sinnvolle Bestimmungen werden übergangen, Hauptsache man überlebt. Steht man dann finanziell doch am Abgrund, wird man aufgekauft, von einem der 300 Grosskonzerne welche eben diesen Banken gehören. Interpoliert man diese Ereignisse ins Jahr 2028, wird am Schluss die ganze Welt eine Firma sein, regiert von einer Bankengruppe. So unglaublich dies klingen mag, auf http://www.thrivemovement.com erhalten Sie auf universitärem Bildungsniveau alle verifizierbaren Daten. So dass Sie sehen können dass diese Situation den Tatsachen entspricht. Ebenso finden Sie dort Hinweise, wie Sie ihr Leben gestalten können, ohne diese Banken/Firmen in ihrem Verhalten zu unterstützen. Gruss Beatus Gubler www.streetwork.ch
Beatus Gubler, am 24. Februar 2014 um 17:46 Uhr

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