Russische Panzer "in der Ukraine"

Ukraine: Lügen über Lügen – in Wort und Bild

Christian Müller / 07. Sep 2014 - Die Berichterstattung über den Konflikt in der Ukraine ist ein Musterbeispiel, wie unseriös mit Fakten umgegangen wird.

Viele Aussagen von Putin und seinen Leuten zum Konflikt in der Ukraine sind Lügen. Das sagen zumindest unsere (westlichen) Medien – und es gibt tatsächlich wenig Anlass, daran zu zweifeln. Sind die Meldungen aus dem Westen aber zuverlässiger?

Zweifel sind angebracht. Die Quellen der News zur Ostukraine sind meist Aussagen – nennen wir sie vorsichtigerweise lieber Behauptungen – ukrainischer Politiker, von Poroschenko zum Beispiel und seinen Bediensteten, und die sind alle Partei. Verbreitet werden sie über westliche Nachrichtenagenturen und westliche Medien, die keinen Anlass sehen, an den Aussagen eines Pro-Westlers zu zweifeln. Aber sogar in den einzelnen Medien fehlt nicht nur die nötige Sorgfalt und Skepsis gegenüber News aus Kiew, es wird auch handfest manipuliert, um die Aggressivität Russlands zu «beweisen».

Ein Beispiel: Der Westdeutsche Rundfunk WDR illustrierte den – wahren oder vermeintlichen – Einmarsch russischer Truppen in der Ostukraine am 19. August mit einem Bild russischer Panzer. Die Bildunterschrift dazu: «Russische Kampfpanzer fahren am 19.8.2014 noch unter Beobachtung von Medienvertretern in der Ukraine.» Was braucht es, denkt man, an weiteren Beweisen, wenn man es doch im Bild sehen kann?

Doch nicht alle Medienkonsumenten sind gutgläubig oder dumm. Denn schon bald stellte sich heraus, dass das Bild gut und gerne fünf Jahre alt war und schon im Jahr 2009 zu russischen Manövern im Kaukasus vom deutschen Fernsehsender n-tv gezeigt worden war. Der WDR, im vorliegenden Fall WDR 5, hat schlicht und einfach manipuliert. Zwischenzeitlich hat er den «Fehler» auch eingestanden.

Kein Einzelfall

Wochen zuvor schon hatte ARD einen aus der Ukraine gemeldeten Helikopter-Abschuss mit einer Sequenz eines Videos von einem Helikopterabsturz in Syrien illustriert – und dies zwischenzeitlich auch eingestehen müssen.

Ungeprüfte Aussagen auch von offizieller Seite

Einfacher als mit Bildern ist das Manipulieren und Lügen natürlich mit Text. Ein Beispiel vom 3.9.2014, rechtzeitig zum Nato-Gipfel in Wales:

«Während am Mittwoch Meldungen über einen allfälligen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine für Verwirrung sorgten, sagte Amerikas Präsident in Tallinn, dass Moskaus Agieren eine Bedrohung für den Frieden in ganz Europa darstelle. Er zweifle nicht im Geringsten daran, dass die russischen Soldaten sich auf ukrainischem Territorium befänden, um zu kämpfen: ‚Es sind russische Streitkräfte mit russischen Waffen in russischen Panzern’, sagte Obama.» So meldete es NZZ Online am 3.9.2014. Die Aussage Obamas wurde auch in vielen anderen Medien zitiert.

Auf der Website der OSZE, deren Präsident gegenwärtig der Schweizer Bundespräsident Didier Burkhalter ist, stand am gleichen Tag (3.9.2014) allerdings etwas ganz Anderes: «In dieser Woche hat das Beobachtungsteam eine Netto-Zunahme von jungen Leuten (Männer und Frauen) festgestellt, die die Grenze in beiden Richtungen in Kleidern im Military-Look überschritten haben, aber das Beobachtungsteam hat keine Waffen in diesen Gruppen feststellen können.» Siehe alle Details auf der (englischsprachigen) Website der OSZE.

Der Schweizer OSZE-Beobachter Thomas Greminger antwortete in einem Interview mit der Schweiz am Sonntag vom 7.9.2014, angesprochen auf Bilder zum Konflikt in der Ostukraine: «Wie in jedem Krieg ist der Konflikt in der Ostukraine auch ein Krieg der Bilder. Wir verlassen uns bei unseren Beurteilungen ausschliesslich auf Beobachtungen unserer Mission.»

Die Schweiz am Sonntag hakte nach: «Ex-US Geheimdienstmitarbeiter warnten die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel davor, Satellitenbilder, die den Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine zeigen sollen, als Beweis zu akzeptieren. Haben diese Aufnahmen tatsächlich keine Beweiskraft?»

Gremminger von der OSZE: «Auch diese Aufnahmen sind Teil des Kriegs der Bilder. Sie stammen von privaten Satelliten. Dies muss man bei der Interpretation berücksichtigen.»

Wem darf man in der ganzen Sache noch glauben?

Wahrscheinlich niemandem. Und schon gar nicht den Medien.

Über die Manipulation des WDR berichtete in Deutschland der Tagesspiegel.

Über die Widersprüche zwischen den Aussagen Obamas und den Beobachtungen der OSZE berichtete ausführlich die kanadische Website Global Research (in englischer Sprache).

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Von einem Infosperber-User empfohlener Youtube-Video zum gleichen Thema
ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" zum selben Thema

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4 Meinungen

@Roelli: da wird Herr Müller wohl kaum was finden, bin gespannt...
Olivier Bregy, am 08. September 2014 um 18:21 Uhr
Hallo,
nach lesen einiger Beiträge zum Thema Russland möchte ich dem Betreiber dieser
Seite nur kurz mitteilen, dass die hier aktiven Personen in höchstem Maße dankbar sein können, für die Pressefreiheit und die Meinungsfreiheit, welche ein hohes Gut ist.
Diese Seite in Russland, mit der selben kritischen Ausseinandersetzung im Bezug auf die russischen Staatsmedien wäre nach wenigen Stunden entfernt und die Straflager hätten ein paar helfende Hände mehr.
Wenn ich die Berichte zum Thema Russland im Umgang mit seinem Nachbarn Ukraine anschaue, möchte ich doch gerne Herrn Putin zum Friedensnobelpreis vorschlagen.
Thorsten Flörsheimer, am 10. September 2014 um 08:53 Uhr
@Flörsheimer: Den Betreiber können Sie direkt ansprechen: kontakt@infosperber.ch
Olivier Bregy, am 10. September 2014 um 09:27 Uhr
Kriegsrethorik, das sollte bei der Lektüre der jeweiligen Nachrichten als Filter dienen. Beide Seiten nutzen dies um Mehrheiten und Unterstützung in der Bevölkerung zu gewinnen.
Hingegen ist das oben verlinkte Video tendenziös und schlussendlich auch eine reine Werbebotschaft für das ominöse BüSo (Bürgerrechtsbewebung Solidarität) in Deutschland. «(Deutschland) raus aus der EU, raus aus der NATO ...» tönt nicht gerade nach sachlicher Information und benutzt damit das gleiche Instrumentarium. Der Link sollte entfernt werden - ist des infosperber nicht würdig.
Leonhard Loew, am 13. September 2014 um 00:11 Uhr

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