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Israelische Siedlung im Westjordanland

Israels fatale Ausgrenzung – und warum es sie gibt

Christian Müller / 03. Feb 2016 - Kritik an Israel mit anderem Massstab? Die These von Ulrich Schmid in der NZZ – und eine Antwort, die nicht erscheinen durfte.

Der politische Kurswechsel der NZZ, auch Israel betreffend, ist bekannt. Unter Martin Woker als Chef des Ressorts «International» berichteten über und aus Israel in der NZZ Journalisten wie Victor Kocher (2011 im Wallis tödlich verunglückt), Karin Wenger (heute bei Radio SRF), Jürg Bischoff (ging Ende 2015 62jährig in Pension), Monika Bolliger (jetzt in Kairo), aber auch George Szpiro (ging 2012 in die USA) und andere. Martin Woker, ehemaliger IKRK-Delegierter, unter anderem auch im Libanon und in Palästina, versuchte, den Konflikt Israel/Palästina – oft auch mit eigenen Kommentaren – als lösbar darzustellen, sofern Israel dazu ehrlich Hand biete. Ende Juni 2013 aber trat Martin Woker als Leiter des Ausland-Ressorts der NZZ zurück. Er figuriert seither im Impressum der NZZ nur noch als «Reporter» in der Reihe der Korrespondenten International. Zu lesen ist er – leider – nur noch selten.

Nachfolger als Leiter des Ressorts International wurde am 1. Juli 2013 Eric Gujer, der heutige Chefredaktor der NZZ. Nur einen Monat später, am 3. August 2013, schlug er auf der NZZ-Frontseite zu und kündigte betreffend Israel eine Kursänderung an. (Infosperber hat damals ausführlich darüber berichtet.)

2015 übernahm der langjährige, exzellente und profilierte NZZ-Ausland-Korrespondent Ulrich Schmid nach sieben Jahren Korrespondenz in Deutschland die Stelle des NZZ-Korrespondenten in Israel. TagesAnzeiger Chefredaktor Res Strehle kommentierte das am 3. März 2015 so: «Beim Posten in Israel hat Gujer mit der Besetzung durch den ehemaligen Berlin-Korrespondenten Ulrich Schmid, einen ebenso guten wie konservativen Schreiber, als Nachfolger von Monika Bolliger, schon ein Zeichen gesetzt: Man ist seither Israels Politik an der Falkenstrasse deutlich freundlicher gesinnt – was in der Vergangenheit selten so war und oft auch zu Protesten führte.»

Aber Ulrich Schmid ist kein Hampelmann. Wie eh und je setzt er auf eigene Analyse und Erkenntnis. Auf der Pro-Israel-PR-Plattform Audiatur online erntet er bei Gelegenheit denn auch harte Kritik: Wörtlich: «Ulrich Schmid von der NZZ wird bei der Thematisierung von Abbas’ Abgang nicht müde, Israel zu dämonisieren.» Und um dies plausibel zu machen, zitiert man ihn auf Audiatur online als harten Kritiker Israels: «Das Verhalten der Israeli im Westjordanland spottet oft jeder Beschreibung. Soldaten erschiessen fast täglich Palästinenser, und nicht immer tun sie es in ersichtlicher Notwehr. Im Westen hört man viel von den jüdischen Opfern – von den Übergriffen israelischer Soldaten hört man wenig.» Nein, Ulrich Schmid ist nicht einfach der verlängerte Arm des Israel-Freundes Eric Gujer.

Mit einem langen Artikel mit der Headline «Israels fatale Ausgrenzung» hat Schmid nun aber doch etliche (ehrlich besorgte) Israel-Kritiker erstaunt und irritiert. Schmid macht ihnen den Vorwurf, mit zwei Ellen zu messen. Man kritisiere Israel für Dinge, die an anderen Orten mit Nachsicht geduldet würden. So etwa schreibt Ulrich Schmid wörtlich:

«Natürlich kann Israel kritisiert werden. An Sündenfällen mangelt es nicht. Die Welt hält die Besetzung des Westjordanlands für rechtswidrig. Die Siedlungspolitik Netanyahus ist kurzsichtig und torpediert Friedensbemühungen. Die schleichende Enteignung von Land in den besetzten Gebieten empört und entmutigt die Palästinenser. Israels Soldaten wehren sich gegen Angriffe, aber ihre eigenen Übergriffe gegen Leib und Leben von Palästinensern sind gut dokumentiert. Die Zerstörung von Wohnhäusern der Familien von Terroristen widerspricht moderner Rechtsauffassung. Netanyahus Politik ist heuchlerisch. Offiziell spricht er von der Zweistaatenlösung, inoffiziell lässt er sein Volk wissen, dass es mit ihm keine geben werde. Er lügt, agitiert, spitzt zu und verwaltet fintenreich einen Stillstand, in dem sich viele Bürger ganz gut eingerichtet haben. Der Apartheidstaat, dessen Konturen bereits sichtbar sind, verfestigt sich.

(Hier steht in der NZZ der Zwischentitel: Obsessive Aufmerksamkeit)

Viele Israeli akzeptieren diese Kritik. Was sie meist nicht akzeptieren, ist Doppelmoral. Israel, sagen sie, werde ausgegrenzt. Es wird öfter und härter kritisiert als andere Länder, die sich gleich Schlimmes oder Schlimmeres zuschulden kommen lassen. Sie haben recht. Das Ausmass der internationalen Aufmerksamkeit für Israel ist einzigartig. In der Uno ist Israel der Paria schlechthin. Jeder, der sich aufmacht zu beweisen, dass Menschenrechtskritik dort neutral und objektiv geübt wird, sieht sich rasch und profund enttäuscht. Die Uno-Generalversammlung verabschiedet Resolutionen gegen Israel am Laufmeter, Saudiarabien berät den Menschenrechtsrat. Produkte aus den besetzten Gebieten werden gekennzeichnet, solche aus Tibet nicht. Internationale Organisationen schauen genauer hin, wenn es um Israel geht.» (Zum vollständigen Artikel von Ulrich Schmid siehe hier.)

Das hat nun seinerseits einzelne Israel-Kritiker auf den Plan gerufen, darunter den ehemaligen Schweizer Botschafter Kurt O. Wyss. Er schickte der NZZ eine längere Replik. Nur, die NZZ-Redaktion lehnte deren Publikation ab, trotz «valablen Punkten», wie sie schrieb. Der Text sei zu einseitig.

Infosperber – «sieht, was andere übersehen» – hat von alt Botschafter Kurt O. Wyss die Erlaubnis erhalten, seine Replik in extenso hier wiederzugeben:

«ISRAELS FATALE AUSGRENZUNG»

Der im Titel erwähnte Beitrag Ihres Nahost-Korrespondenten Ulrich Schmid in der Rubrik «Meinung & Debatte» vom 19. Januar 2016 darf aus verschiedenen Gründen nicht unerwidert bleiben.

Klar, es gibt eine immer heftiger werdende Kritik in der europäischen Zivilgesellschaft an Israel, die die verschiedensten Formen annehmen kann. Dass die Israelis diese Kritik als teilweise krass übertrieben empfinden, schildert der Autor mit viel Empathie. Dabei geht leicht vergessen, dass das gleiche Israel in seiner Anfangsphase in Europa – wohl nicht zuletzt auch als Zeichen der Sühne für die an den Juden begangenen Nazi-Gräuel – auf ausserordentlich hohe Zustimmungsraten zählen konnte. Das zionistische Narrativ von der Neuauflage der biblischen Auseinandersetzung des tapferen David mit dem arabischen Goliath wurde kritiklos übernommen. In unserem Land war die Begeisterung für den jüdischen Staat besonders ausgeprägt, weil das kleine Israel und seine Armee – auch für die offizielle Schweiz – geradezu Vorbildcharakter genoss. So etwa, wie man sich zur Zeit des Kalten Krieges, als das die Araber unterstützende Böse sowieso aus dem Osten kam, gegen einen übermächtigen Gegner erfolgreich zur Wehr setzen konnte. Die palästinensische Anschlagsserie auf Swissair-Flugzeuge, die unser Land 1970 schwer heimsuchte, war wohl nicht zuletzt auf die einseitige pro-israelische Stellungnahme der neutralen Schweiz zurückzuführen.

Israel wird nicht müde, immer wieder den palästinensischen Terror anzuprangern. Es waren aber – wie man heute weiss – nicht etwa palästinensische Widerstandskämpfer, sondern jüdische Untergrundorganisationen, die bereits vor der 1948 erfolgten Staatsgründung Israels erstmals den Terror im grossen Massstab im Nahen Osten eingeführt hatten: Es gab mindestens 32 politisch gewollte Massaker, um die alteingesessene palästinensische Bevölkerung zu vertreiben (heute würde man von ethnischer Säuberung sprechen), eine Vielzahl von Dörfern wurde zerstört, der bis heute andauernde Landraub setzte ein. Und David Ben Gurion, der spätere Gründervater und nachmalige erste israelische Ministerpräsident, verkündete schon 1937: «Wenn ich ein Araber wäre, würde ich noch heftiger, noch bitterer und verzweifelter gegen die Einwanderung rebellieren, die eines Tages Palästina und alle seine arabischen Einwohner unter jüdische Herrschaft stellen wird.»

Trotz dieser in kleinem Kreis gemachten Aussage schürte Ben Gurion in der Öffentlichkeit bewusst die Bedrohungs- und Existenzängste seiner Bevölkerung und verkündete unablässig, dass Israel von einem «zweiten Holocaust» bedroht sei. Israel braucht ständig Feindbilder, um das Volk zum Mitmachen zu bringen. Dieses an totalitäre Verhaltensmuster erinnernde Vorgehen wird bis zum heutigen Tag befolgt: Der gegenwärtige Ministerpräsident Netanjahu ist geradezu ein Meister der manipulierten Panikmache.

Es ist ein unumstösslicher Glaubenssatz der zionistischen Ideologie, dass die Juden und speziell die israelischen Juden die «ewigen Opfer» einer gegen sie feindselig eingestellten Welt seien. Diese Opfer-Mentalität und -Ideologie führt automatisch zur Unmöglichkeit, andere als Opfer anzuerkennnen. So müssen die israelischen Politiker und ihre indoktrinierten Mitbürger verdrängen, was sie in Jahrzehnten den Palästinensern an furchtbarem Unrecht angetan haben. Die sich gegen Demütigung und Unterdrückung wehrenden Palästinenser werden kurzerhand als «Nazis» und als tierähnliche Wesen dämonisiert, die je nach Bedarf zum Abschuss freigegeben werden können. Will das zionistische Israel mit sich im Reinen bleiben, kann die eigene Schuld an den Palästinensern nicht eingestanden werden. Daraus ergibt sich auch die Unfähigkeit zu einem allseits tragfähigen Frieden. Verschiedene Friedensvorschläge sind denn auch schubladisiert worden. Dabei weiss das offizielle Israel genau, dass selbst die Verantwortlichen der Hamas – die Organisation wird vom Autor als «mörderisch, undemokratisch, homophob» eingestuft – mehrheitlich mit einem palästinensischen Staat in den Grenzen von vor dem Sechstagekrieg von 1967 einverstanden sind, von dem auch die Staatengemeinschaft ausgeht. Stattdessen wird die zur Terrororganisation erklärte Hamas, die nur die Vernichtung Israels zum Ziel habe, in regelmässigen Abständen militärisch in die Schranken gewiesen, worunter vor allem die Zivilbevölkerung enorm zu leiden hat. In Befolgung des zionistischen Projekts wird auch die gewaltsame siedlerkolonialistische Politik auf palästinensischem Boden stetig vorangetrieben. Die in Unnachgiebigkeit und Selbstgefälligkeit erstarrte israelische Gesellschaft ist dem Kult militärischer Stärke und Gewalt verfallen und erachtet diese fundamentalistische Grundhaltung für die einzig richtige und angemessene Vorgehensweise.

Das ist der Hauptgrund für den Wegfall des ursprünglichen Wohlwollens in weiten Bevölkerungskreisen des Westens sowie für «Israels fatale Ausgrenzung», was sich das Land mit seiner kompromisslos-feindseligen Politik den Palästinensern gegenüber weitgehend selber zuzuschreiben hat. Auch wenn die gut geölte Desinformationsmaschinerie den angeblich bedrohlich angestiegenen Antisemitismus gerne dafür verantwortlich machen möchte.

Diese Grundstimmung in der europäischen Zivilbevölkerung findet noch kaum eine Entsprechung in westlichen Regierungskreisen, wo man sich bisher mit Rufen nach einer nachhaltigen Regelung des Konflikts begnügt hat, die jeweils ungehört verhallten. Der Zeitpunkt wäre überfällig, den Druck des Westens zu erhöhen. Das hat nichts mit einer «Delegitimierung» Israels sowie einer Untergrabung seines Existenzrechts zu tun.

Im Falle Südafrikas wurde das Apartheid-System als Folge der Sanktionspolitik aufgehoben. Im Falle Israels können sich seine jüdischen Bewohner laut dem israelischen Journalisten Gideon Levy schamlos und ohne Schuldbewusstsein als «nationalistische Rassisten» definieren und sich zu einem Apartheidstaat bekennen, ohne negative Folgen befürchten zu müssen. Das ist die weltweit einzigartige «Sonderbehandlung Israels» – sicher nicht in dem vom Autor gewünschten Sinne! Solange man im Westen wie bisher von staatlicher Seite von Gerechtigkeit spricht und die Bevorzugung Israels meint, solange muss sich das blutige Szenario immer wieder von neuem abspielen: Die Militärmaschinerie des jüdischen Staates kann von Zeit zu Zeit das als bedrohlich empfundene palästinensische und arabische Gegenüber mitsamt seiner Bevölkerungsbasis straflos in die Unterwerfung schlagen und schafft so eine trügerische Ruhe, womit die Israelis durchaus leben können. Dieser Staat ist eben nicht der «Winzling», wie Ulrich Schmid meint, sondern er verfügt über die stärkste Armee im Nahen Osten sowie einen wirkungsvollen Repressionsapparat und er ist erst noch im Besitz von Atomwaffen. Im Schutze der amerikanischen Supermacht beeinflusst er direkt und indirekt die Geschehnisse der Region.

Es ist gerade die offizielle Tolerierung all dieser Abläufe durch die westlichen Regierungen, die den Unwillen in der europäischen Zivilbevölkerung wachsen lässt, weil im Falle Israels – der selbsternannten «einzigen Demokratie des Nahen Ostens» mit der «moralischsten Armee der Welt» – im Unterschied zu allen anderen renitenten Staaten laufend zweierlei Massstäbe zur Anwendung kommen. Die deutsch-jüdische Friedensaktivistin Evelyn Hecht-Galinski gibt einer Veröffentlichung denn auch den Titel «Das Elfte Gebot: Israel darf alles». Man könnte noch ein zwölftes Gebot anfügen: «Israel hat immer Recht».

Kurt O. Wyss

a.Botschafter, Bern

Alt Botschafter Kurt O. Wyss ist Autor des Buches: Wir haben nur dieses Land. Der Israel-Palästinenser-Streit als Mutter aller Nahostkonflikte. Stämpfli Verlag Bern, 2013. Rezension auf Infosperber hier.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

Pro-Israel-Meinungsmache wird professionalisiert (auf Infosperber)
Israels Strategen drohen offen mit Atimwaffen (auf Infosperber)
Zum Dossier "Atommacht Israel und ihre Feinde"
Zum Kauf des Buches "Wir haben nur dieses Land" von Kurt O. Wyss
Zum Empfang des israelischen Verteidigungsministers in Bern am 11.2.2016

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15 Meinungen

Traurig, dass die einst «liberale» NZZ kontroverse Meinungen in annähernd totalitärer Art und Weise ausgrenzt. Wo bleibt die journalistische Verantwortung ausgeglichener Berichterstattung, statt wohlfeiler Meinungsmache?!
Hermann K.J. Fritsche, am 03. Februar 2016 um 12:30 Uhr
Eine in mancher Hinsicht sehr bedeutsame Information. Danke, Infosperber.
Das wird den «Christlichen Zionisten» (Evangelikaler) nicht gefallen. Sie sind es ja, die in den USA zusammen mit AIPAC den Congress zu Washington (inkl. Weisses Haus) im Griff haben und die bedingungslose Unterstützung Israels durchsetzen - und mit Hillary Clinton auch weiterhin durchsetzen würden.
Walter Schärlig, am 03. Februar 2016 um 15:27 Uhr
Ich gratuliere Kurt O. Wyss zu seinem Mut, Klartext zu schreiben.
- Ich verfolge die israelische Politik seit über 50 Jahren (übrigens stark geprägt von der alten NZZ, welche qualitativ viel höher stand als heute). Meine Beobachtungen decken sich.
- Das Problem liegt für mich in 4 Faktoren (in der Reihenfolge beliebig vertauschbar).
-- Manipulation der öffentlichen Meinung in Israel seit der Ermordung von Rabin über die politischen Führer auf der rechten und ultra-rechten Seite (Orthodoxe)
-- Überlegenheitsgefühle der israelischen Elite (wohl das heikelste Thema überhaupt; mit vielen JüdInnen leider gar nicht thematisierbar)
-- Missbrauchte Schuldgefühle und systematische (manipulative) Einschüchterung in West-Europa
-- Missbrauch der Freundschaft der USA mit dubiosen Mitteln

Wir sollten lernen, nur noch auf unsere innere Stimme zu hören, genau hinzuschauen und 'Nein, es genügt' zu sagen. Was z.B. in Gaza in und nach dem Krieg von 2014 geschah, das ist für mich extrem Menschen-verachtend, was mit den PalästinenserInnen seit der Unabhängigkeit Israels 1947 geschah und unverändert geschieht, das ist für mich Apartheid und systematische Vertreibung hin zu Eretz Israel (Gross-Israel mit einem Ziel weit über die heutigen Grenzen hinaus).

So geht das nicht: Ich war ein grosser Fan Israels bis zur Ermordung Rabins. Das Israel Netanahus braucht von uns eine klare Ansage. Danke Herr Wyss.
Konrad Staudacher, am 03. Februar 2016 um 23:20 Uhr
.. und es geht, wie immer, nicht nur um Politik an sich. Es gibt stets wirtschaftliche Hintergründe. Eine wichtige Frage wäre also auch die nach den wirtschaftlichen Profiteuren der aktuellen Politik Israels, sowohl und vor allem in Israel selbst, aber auch bei den «bedingungslosen» Unterstützern.
Hermann K.J. Fritsche, am 04. Februar 2016 um 10:41 Uhr
Erstaunlich, dass Ulrich Schmid für seine Israel-Berichterstattung so gute Noten erhält. Für mich wurde er mehr und mehr zum Mister Ausgewogenheit, der Kritik minutiös dosierend auf beide verteilt und die Machtunterschiede perfekt zum Verschwinden bringt. Das macht seine Berichte irrelevant. Mindestens wenn ich die Zeitung in Eile durchblättere, erspare ich mir die Lektüre.
Mein Besuch Israels galt nich dem tapferen David. Die notorischen Parteigänger Israels sollen mal erläutern, wie es zu diesem massiven Imageverlust Israels gekommen ist, während Israel immer die besseren Verbindungen und Propagandakarten in der Hand hatte.
Matthias Wiesmann, am 08. Februar 2016 um 14:52 Uhr
Mit grossen Erwartungen an Ausgewogenheit habe ich diesen Text gelesen. Keine einzige wurde erfüllt: Der Text trieft geradezu von Antisemitismus und linksliberalem mainstreamigem Anti-Israelismus.
Natürlich macht Israel Fehler, welcher Staat denn nicht?
Aber Israel ist kein destruktives Land, es hat keinen Genozid als Zielsetzung (was die arabisch-islamistische «Wertegemeinschaft» ihm gegenüber hat).
Und kein anderer Staat weit und breit hat für die Gleichberechtigung der Frauen und für die parlamentarische Demokratie so viel geleistet wie Israel.
Indem die urbanlinke Israel ohne Unterbruch attackiert, schadet sie den eigenen gesellschaftlichen Zielen: Demokratie, Gleichberechtigung, Aufgeschlossenheit = Moderne.
Lahor Jakrlin, am 08. Februar 2016 um 16:37 Uhr
"England verletzte die Mandatsbestimmungen». Der Preis, den England vor hundert Jahren (Balfour) für den Verkauf fremden Landes erhielt, wird in den Geschichtsbüchern nicht erwähnt.
Ruth Obrist, am 10. Februar 2016 um 17:52 Uhr
Der Boden in Nahost für die «Heimstätte» wurde von den Briten verschenkt?
Ruth Obrist, am 11. Februar 2016 um 14:22 Uhr
«... falls mir dieser Punkt noch in den Sinn kommt»!? Man kann politische und persönliche Ereignisse, Entwicklungen usw. immer aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven betrachten, auch je nach Betroffenheit, und kann sie mithilfe verschiedener Quellen lesen. Sie haben einen andern Blickwinkel, andere Quellen, andere Interessen. Wir werden uns nicht einig.
Ruth Obrist, am 12. Februar 2016 um 12:19 Uhr
Ich habe keine Beziehung zur Fatah, noch überhaupt zu welchen Interessens- oder Betroffenengruppen. Aber Sie können mit der bekannten Keule kommen und mir vorwerfen, ich sei «antisemitisch». Besser, wir hören hier auf. Ich hatte den Artikel von Ulrich Schmid in der NZZ gelesen, weil ich die Zeitung neben anderen Informationen halt fast täglich lese.
Ruth Obrist, am 12. Februar 2016 um 14:37 Uhr
Sorry, wenn ich mich hier einschalte, aber ich muss es @Ruth Obrist loswerden: Das mit der «Keule» ist auch eine «Keule».
Nehmen Sie es doch so: Würden Sie die Nachbarländer Israels (von den Hamas-/Fatah-geführten Palästinensern ganz zu schweigen) an den gleichen moralischen, ethischen und politischen Massstäben messen wie Israel, dann würden Sie Israel LIEBEN.
Israel ist ein kleines durch und durch europäisch geprägtes Land mit einer funktionierenden Demokratie und – eines unter vielen Beispielen – den vorbildlichsten Frauenrechten ever.
Weil frau aber Israel nicht an diesen Standards misst, sondern sich der antiisraelischen Propaganda des westeuropäischzen Mainstreams orientiert, kommt dann schnell der Vorwurf des Antisemitismus.
Doch ob Antisemitismus oder ungerecht zu harter Anti-Israelismus: Beides führt zur Schwächung einer Demokratie und zur Stärkung der palästinensischen und islamistischen Terrorbanden.
Sit & think.
Lahor Jakrlin, am 12. Februar 2016 um 14:45 Uhr
Oder nehmen Sie es so: Die Liebe und Bewunderung (in den 60-er Jahren von 99% der Schweizer) von und gegenüber Israel war zuerst, dann folgte die Enttäuschung und daraus erwuchs die Kritik. Von Kim Jong Un bin ich nicht enttäuscht. Ich fühle mich deshalb auch nicht besonders zu Kritik veranlasst. Die Kritik kommt ja gerade von da her, dass viele Europäer glauben, Israel sei ein europäisch geprägtes Land.
Wer sich darauf beschränkt, die «eigene» Position in ein schönes Licht zu setzen und die Gegenseite schlecht zu machen, wer die Existenz und die Existenzberechtigung sowohl Israels wie der Palästinenser im Land zwischen Jordan und Mittelmeer nicht wirklich akzeptiert, wer meint, der Andere sei mit historischen und rechtlichen «Fakten» zu schlagen, wer so locker von «antiisraelischer Propaganda des westeuropäischen Mainstreams» schreibt, hält den Konflikt schön am köcheln und kochen.
Matthias Wiesmann, am 12. Februar 2016 um 17:02 Uhr
Die Geschichte zeigt, und als 61jähriger glaube ich die letzten über 40 Jahre (es begann mit dem 6-Tage-Krieg) gut beobachtet zu haben, dass ausser Israel keiner der Player den Frieden will. Die Palästinenser am allerwenigsten.
Ich habe Israel auch bereist und meine durchaus auch bestehenden Zweifel an Israels «Handeln» wurden fast ausnahmslos entkräftet.
Im Gegenteil: Ich bin überzeugt davon, dass wir (Europa, die westliche Zivilisation überhaupt) Israel sehr viel mehr schulden als nur unsere Unterstützung.
Lahor Jakrlin, am 12. Februar 2016 um 17:15 Uhr
Nochmals: wer fest daran glaubt, dass die «Gegenpartei» den Konflikt nicht lösen bzw. eher das Gegenteil will, macht sich selber unfähig, Wege der Konfliktlösung zu sehen. Ich bin 71 und habe Israel 1965 bereist, als alle Schweizer in diesem Land den tapferen David sahen. Es gab ein unglaubliches Vor-Urteil zugunsten Israels und zulasten der Palästinenser. Es ist ganz sicher nicht so, dass der Imageverlust Israels - wie Herr Büchi meint - mangelhafter PR Israels bzw. hervorragender PR der Palästinenser zu verdanken ist. Die Erwartungen gegenüber Israel waren hoch, vielleicht zu hoch. Entsprechend deutlich ist heute die Kritik. Wer aber in der Kritik nur Mainstream sieht, wird sich auch kaum bemühen, sie zu verstehen.
Matthias Wiesmann, am 12. Februar 2016 um 18:15 Uhr
@Wiesmann - Ich versuche es so: Sobald die Palästinenser a) ihre Waffen niederlegen und b) die Menschenrechte der zivilisierten Welt annehmen, werde ich sie unterstützen und es wird auch eine friedliche Lösung gefunden.
Und falls Sie sich darüber aufregen: Nein, die Hamas, PLO/Fatah, Hizbollah etc. sind nicht mal unter vor-alttestamentarischen Bedingungen zivilisiert, sondern eine primitive terroristische Bande von Mördern, Beschneidern, Steinigern und Hasskriegern.

Sehr geehrter Herr Jakrlin
Mit dieser Ihrer pauschalen Verunglimpfung von ganzen Volksgruppen haben Sie die Grenze des Akzeptablen definitiv überschritten. Auch als Leiter und Texter einer Marketingagentur, wo Kreativität gefragt ist, steht es Ihnen nicht zu, so über andere Menschen zu reden und zu schreiben.
Wir brechen damit diese Diskussion zu Israel ab. Weitere Kommentare werden wir ungefragt löschen.
Ich bitte um Verständnis.
Christian Müller
Lahor Jakrlin, am 12. Februar 2016 um 18:40 Uhr

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