Laut NZZ «zu spät», laut Tages-Anzeiger «immer noch bester Schutz» © nzz/tamedia

Laut NZZ «zu spät», laut Tages-Anzeiger «immer noch bester Schutz»

Gegensätzliche Impf-Empfehlungen gegen Grippe

Urs P. Gasche / 10. Jan 2017 - Die Grippewelle steht etwas verfrüht kurz vor dem Höhepunkt. Laut NZZ nützt das Impfen nichts mehr, laut Tages-Anzeiger doch.

Die NZZ titelte am 5. Januar «Für die Impfung ist es jetzt zu spät». Sie stützte sich auf eine Aussage von Daniel Koch, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit. Die Zentralschweiz am Sonntag doppelte am 8. Januar nach: «Fürs Impfen gegen Grippe ist es jetzt zu spät».

Genau das Gegenteil verbreitete der Tages-Anzeiger und zitierte den Infektiologen Christoph Berger vom Kinderspital Zürich: «Der beste Schutz ist auch jetzt noch, sich zu impfen».

Stiftung Warentest: «Auf Grippeimpfung verzichten»

Viele hören es nicht gern: Die Grippeimpfung ist ausgerechnet für Ältere ein Flop. Die unabhängige deutsche Stiftung Warentest rät Seniorinnen und Senioren von der Impfung ab.

Die unabhängige Stiftung Warentest (Stiwa) in Berlin testet nicht nur viele Konsumprodukte, sondern seit 15 Jahren auch Angebote im Gesundheitsbereich. Die Stiwa hat älteren Menschen schon mehrmals von der Impfung gegen die Influenza-Grippe abgeraten. Sie sei ausser in Einzelfällen «wenig sinnvoll». Für Personen in medizinischen Berufen sowie für Schwangere ab dem 5. Monat empfiehlt die Stiwa die Influenza-Impfung. Für Kinder und Jugendliche sei die Impfung «erwägenswert».

Damit empfiehlt die unabhängige Stiwa das Gegenteil der Behörden in Deutschland und der Schweiz, welche eine rechtzeitige Impfung vor allem für Personen ab 65 Jahren (sowie fürs Personal in Spitälern und Pflegeheimen) empfehlen. Tatsächlich sterben an Influenzaviren fast keine Kinder, sondern bereits immungeschwächte Seniorinnen und Senioren. Die Frage ist nur: Sterben ohne Impfung wirklich mehr Seniorinnen und Senioren daran?

«Wenig bis gar keine Wirkung bei Senioren»

Die «Cochrane Collaboration», ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Ärzten, wertet bereits seit 1993 alle veröffentlichten Studien zum Thema Grippe aus. Der britische Arzt und Cochrane-Forscher Tom Jefferson kam zum Schluss: Gegen Influenza-Infektionen wirkt die Grippeimpfung «im besten Fall mässig». Am besten würden die Impfungen bei gesunden Erwachsenen und Jugendlichen wirken – für welche das Bundesamt für Gesundheit BAG die Impfung gar nicht empfiehlt. Bei den Risiko-Gruppen Kinder und Senioren dagegen würden die Grippeimpfungen «wenig bis gar nichts» nützen, erklärt Cochrane.

Blutproben bestätigen den schwachen Nutzen

Eine Studie aus dem Jahr 2015 bestätigt den Befund der «Cochrane Collaboration» und der Stiftung Warentest. Die Körper älterer Menschen würden auf die abgetöteten Virusvarianten des Impfstoffs nicht einfach schwächer reagieren, sondern auf eine andere Art als die Körper jüngerer Menschen. Forscher aus den USA, Grossbritannien und Israel hatten bei über 200 Geimpften verschiedenen Alters mehr als fünf Jahre lang mit Blutproben untersucht, wie die Körper auf die Impfstoffe reagierten. Das berichtete die «Süddeutsche Zeitung» aufgrund einer Studie, die in der Fachzeitschrift «Immunity» erschien. Die meisten Senioren reagierten auf die Impfung mit einer Entzündungsreaktion, die von selbst wieder abklang und keine Schutzwirkung entfaltete.

Erfahrungen aus der Vergangenheit

Empirische Zahlen bestätigen, dass die Grippeimpfungen für die meisten Menschen keinen grossen Nutzen haben:

  • In den USA wurden 1980 erst 15 Prozent der älteren Menschen über 65 geimpft, im Jahr 2001 waren es 65 Prozent. Trotzdem haben die Todesfälle infolge Influenza während diesen Jahren nicht etwa abgenommen.
  • In der Grippesaison 1997/98 hatten sich andere Virenarten als vorausgesehen verbreitet, so dass der Impfstoff gar nicht wirken konnte. Trotzdem gab es in diesem Winterhalbjahr nicht mehr Grippe-Todesfälle als in andern Jahren.

Einzelne Studien nicht massgebend

Eine Doppelblindstudie über die tatsächliche Zahl von Erkrankungsfällen einer geimpften Gruppe mit einer vergleichbaren ungeimpften Gruppe gibt es nicht. Deshalb können die Meinungen über Erfolg oder Misserfolg der Grippe-Impfkampagnen derart auseinander gehen. Am seriösesten und aussagekräftigsten sind die systematischen Analysen und Vergleiche der vorhandenen Impfstudien, welche die Cochrane Collaboration erstellt. Nur zehn Prozent der vielen Impfstudien sind nach deren Angaben methodisch robust. Der Epidemiologe Johannes G. Schmidt hat die Resultate der Cochrane Collaboration zusammengestellt:

  • Bei gesunden Erwachsenen kann die Zahl der Grippefälle leicht reduziert werden. Das hat jedoch keinen Einfluss auf die Zahl der Krankschreibungen oder der Spitaleinweisungen.
  • Bei gesunden, über 2-jährigen Kindern ist eine «geringe Reduktion» der Influenza-Fälle festzustellen. Die Zahl der grippeähnlichen Erkrankungen bleibt gleich. Nebenwirkungen sind kaum untersucht.
  • Bei älteren Menschen sowie Kindern im Alter von unter 2 Jahren ist keine Schutzwirkung nachgewiesen.
  • Wird Personal der Alterspflege geimpft, führt dies nicht zu weniger Influenza-Erkrankungen oder Influenza-Komplikationen. Einzige Ausnahme sind an Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung Leidende (COPD).

Um letzterem Befund zu widersprechen, zitiert zum Beispiel der Zürcher Allgemeinarzt Daniel Schlossberg eine rückwirkend erstellte Kohortenstudie in den USA. Solche im Nachhinein erstellte Studien sind anfällig für Fehlinterpretationen. Auch können einzelne Studien aufgrund ihrer Anlage bessere Resultate zeigen. Solche Studien meist minderer Qualität würden dann von Impfpromotoren gerne herausgepflückt, erklärt Schmidt. Anders die Cochrane Collaboration: Sie hat unter den vielen Studien die Spreu vom Weizen getrennt.

Skepsis beim Medizinpersonal

Besonders gut Informierte, die in Heimen, Spitälern und Arztpraxen arbeiten, lassen sich am wenigsten impfen, obwohl sich die aufwändige Kampagne des Bundesamts für Gesundheit BAG zum Impfen gegen Grippe besonders an das Gesundheitspersonal richtet, welches mit Patientinnen und Patienten zu tun hat, sowie an Seniorinnen und Senioren, die am ehesten an einer Influenza sterben, wenn sie ohnehin bereits geschwächt sind.

Doch bei beiden Zielgruppen erweist sich die jahrelange Kampagne als Flop. Statt den Flop einzugestehen, titelte das Bundesamt für Gesundheit Ende 2015: «Wissen und Handeln sind zweierlei».

Der Titel hätte auch heissen können: «Wer besser informiert ist, lässt sich weniger impfen». Das trifft insbesondere für das Gesundheitspersonal zu. Eine im September 2015 veröffentlichte Umfrage (Seite 697) des BAG ergab, dass sich nur mickrige 14 Prozent des Gesundheitspersonals jedes Jahr impfen lässt. Weitere 16 Prozent nur alle paar Jahre. Im Klartext:

  • 70 Prozent des gut informierten Gesundheitspersonals lässt sich nie gegen die Grippe impfen.

Bei den Senioren sind die Zahlen nicht viel besser: Nur 22 Prozent lassen sich jährlich impfen, weitere 16 Prozent nur alle paar Jahre.

  • 62 Prozent aller Männer und Frauen im Alter von 65 Jahren und höher lassen sich nie impfen.

Die Einstellung zur Impfung «verändert sich über die Zeit meist wenig», stellt das BAG ernüchtert fest.

Frage des BAG: «Haben Sie sich in den vorherigen 5 Wintern gegen die Grippe impfen lassen? Obige Resultate der Umfrage in grösserer Auflösung hier.

Irreführende Angaben des BAG

Die Influenza-Grippe würde jedes Jahr «durchschnittlich 400 Todesfälle» verursachen, vor allem unter der älteren Bevölkerung, warnt das BAG heute. Noch vor zehn Jahren hatte das BAG behauptet, es gebe jedes Jahr «zwischen 400 und 1000 Todesfälle», also jedes Jahr mindestens 400. Die Korrektur ist nicht etwa darauf zurückzuführen, dass es dank Erfolg der Impfkampagnen zu weniger Sterbefällen kommt. Das BAG hatte die Todesfälle einfach aufgebauscht, um seine Impfkampagne zu unterstützen. Tatsächlich weist die Statistik in mehr als der Hälfte der Jahre nur zwischen 125 und 370 Grippe-Todesfälle aus. Meistens sind alte Menschen betroffen, die bereits krank waren.

Vor einem Jahr räumte das BAG ein, dass die Daten zur saisonalen Grippe bisher «ungenau und lückenhaft» waren. Mit einer «nationalen Strategie zur Prävention der saisonalen Grippe 2015-2018» möchte das BAG jedoch nicht etwa abklären, bei wem und ob die Impfung überhaupt zu weniger Influenza-Erkrankungen, Spitaleinweisungen und Todesfällen führt. Sondern im Fokus steht vielmehr die Frage, «weshalb die Impfung als wirksamste präventive Massnahme gegen die Grippe nicht weiter verbreitet ist».

Einige Vergleiche

Aufwändige Kampagnen und Strategien wären andernorts dringlicher gefragt:

  • Über 3700 Menschen sterben in der Schweiz vorzeitig wegen der Belastung der Luft mit Feinststaub (Bundesamt für Raumentwicklung 2005).
  • Über 2000 Frauen und Männer sterben jedes Jahr wegen eines vermeidbaren Fehlers in Spitälern (BAG 2014).
  • Über 1100 Todesfälle pro Jahr verursacht die körperliche Inaktivität (BAG 2014).
  • Die zehn Prozent wirtschaftlich und sozial Schwächsten der Bevölkerung sterben zehn Jahre früher als die zehn Prozent wirtschaftlich und sozial Stärksten.

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GEGEN INFLUENZA-VIREN UND ERKÄLTUNGEN VORBEUGEN

  1. Sitzen Sie nicht nahe von Personen, die niesen und husten.
  2. Falls Sie selber niesen und husten, dann tun Sie es in den Ellbogen. Entsorgen Sie benutzte Papiertaschentücher.
  3. Berühren Sie mit Ihren blossen Händen in Zügen, Trams und Bussen keine Stangen und Türen.
  4. Berühren Sie unterwegs mit Ihren Händen möglichst nicht die Augen, die Nase oder den Mund.
  5. Waschen Sie häufig die Hände, wenn möglich mit Seife.Trinken Sie häufig, damit ihre Schleimhäute feucht bleiben.
  6. Bewegen Sie sich viel.

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Den Kern dieser Informationen hat Infosperber schon wiederholt veröffentlicht.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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12 Meinungen

Ich, 52, bin aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme auf die Grippeimpfung angewiesen! Weshalb Kritiker wie Herr Gasche in dieser Angelegenheit unausgeglichen argumentieren, bleibt sein Geheimnis.
Doch wenn man sich in der Vergangenheit als Konsumenten- & Patientenschützer gegenüber der Öffentlichkeit als Vertrauensperson profilieren konnte, sollte man ausgeglichener argumentieren. Bei der Grippe geht es nämlich nicht nur um Todesfälle, sondern auch um Aufrechterhaltung der gesundheitlichen Stabilität, welche eine Grippe je nach zugrundeliegender Erkrankung arg ins Ungleichgewicht zu bringen vermag, Wirtschaft & OKP zusätzliche unnötige Kosten beschert!
Ein seriöser Kritiker macht also stets darauf aufmerksam, dass zumindest für gewisse Patientengruppen eine Grippeimpfung stets Sinn ergibt. Ansonsten könnte man meinen, man begrüsse die Grippe, weil man mit Grippeerkrankten wieder gut Geld, auch auf Kosten der OKP, zu verdienen vermag.
Daher gilt es auf med. adäquater Datenbasis zu erkennen, für wen oder welche Berufsgruppen eine Grippeimpfung einen Nutzen ergibt, resp. «zweckmässig» und med. sinnvoll zur Wahrung des Patientenwohls sowie der Kosteneffizienz der OKP & Wirtschaft und für wen eher eine (unnötige) Mengenausweitung zu Gunsten finanzieller Vorteilsnahmen darstellt. Dabei handelt es sich dann eben auch nicht nur um Todesfälle! Ohne objektivierbare unabhängige Zweckmässigkeits- oder Versorgungsforschung unterliegen wir so leider einem subjektiven Glaubensstreit.
Andreas Keusch, am 10. Januar 2017 um 12:23 Uhr
@Andreas Keusch: Was meint er da wohl mit «unausgeglichen argumentieren"? Im Grunde genommen ist gerade wegen der Ausgeglichenheit der Artikel von U.P. Gasche ziemlich lange und vielleicht auch langfädig geworden. Wenn eine Studiengruppe allgemein Akzeptanz geniesst, dann das Cochrane Institute. Die «adequate Datenbasis» spricht nun mal gegen eine allgemeine Impfempfehlung, wie sie das BAG herausgibt. Selbst wenn einige meinen, sie nütze ihnen. Dann sollen sie sich auch impfen lassen. Gutes Placebo und steigert die Selbstheilungskräfte vielleicht. Ungeimpft bin ich gerade aus einer Grippe nach zwei Tagen ziemlich genesen. Habe wohl unbeachtet ein paar Haltestangen in den Trams berührt.
Christian Bernhart, am 10. Januar 2017 um 13:06 Uhr
Impfen oder nicht impfen, die Diskussion erinnert an Glaubenskämpfe. Interessant sind die neusten Forschungen im Bereich Placebo-Wirkung resp. Wirkung von Medikamenten, welche mit unterstützenden Worten des Arztes oder des Medizinalpersonals verabreicht werden. Oder aber Hinweise, es tue dann weh, habe Nebenwirkungen etc. Kürzlich war eine Sendung des Gefässes «Puls» diesem Thema gewidmet. Sie zeigte, wie ausschlaggebend diese Wirkung ist. Möglicherweise lässt sich die bei mir selbst beobachtete Wirkung der Grippe-Impfung darauf zurückführen. Ich hatte eine lebensbedrohliche Lungenentzündung nach einer Grippe oder einem grippalen Infekt genau in dem Jahr, als ich mich nicht impfen liess. Ich lasse mich seither jedes Jahr, mit viel Erfolg, impfen.
Barbara Truog, am 10. Januar 2017 um 13:27 Uhr
@ Christian Bernhardt: Bitte lesen Sie meinen Kommentar noch einmal genau durch!

Die 'Cochrane Collaboration' hat, wenn Sie sich die Mühe nehmen und dies kontrollieren, 'nur' die Zielpopulation gesunde Erwachsene, einschliesslich Schwangere und Neugeborene analysiert.

Ausgewogener heisst für mich als Mediziner eben auch die Population mit gesundheitlichen Problemen miteinzubeziehen - und nicht auszuschliessen - und hier ebenfalls die Wirkung auf Vorbeugung, grippeähnliche Erkrankungen und deren Folgen (Alltagswirksamkeit) zu analysieren!
Aber Sie haben schon Recht, das Schweizer Gesundheitssystem ist eben vorwiegend eine 'Gesundheits'-Industrie und kein 'Kranken'-Versorgungswesen' geworden, welches nun aus Kostengründen gegenüber den gesunden Versicherungsnehmern m.E. zunehmend einerseits versucht, willkürlich patientendiskriminierend zu rationieren, aber auf der anderen Seite gleichzeitig darauf achtet, eine bestimmte Grösse/Anzahl an medizinischen Dienstleistungen/Behandlungen zu wahren, um den volkswirtschaftlichen Nutzen / Mehrwert der Gesundheitsindustrie mit dessen BIP von c.a. 12 zu wahren.
Was ,wann, wie und für wen von medizinischem Nutzen ist, kann eben nur durch sachgemässe, interessensunabhängige «Zweckmässigkeitsforschung» sauber erhoben werden. Dazu gehört eben auch die Population, welche die «Cochrane Collaboration» bei derern Analyse leider nicht miteinbezogen hat.
Andreas Keusch, am 10. Januar 2017 um 13:53 Uhr
@Keusch. Was meinen Sie mit «unausgeglichen argumentiert»? Ich habe über die Aussagen der Stiftung Warentest und der Cochrane Collaboration so kurz und exakt wie möglich informiert, ebenso über die Umfrage des BAG aus dem Jahr 2015. Über die Zweckmässigkeit der Grippeimpfung für Erwachsene wie Sie mit besonderen gesundheitlichen Problemen sind weder beim BAG noch bei Cochrane Daten zu finden. Gut möglich, dass eine Grippeimpfung für Sie zweckmässig ist. Bevor man daraus aber eine Empfehlung abgibt, müsste die Zweckmässigkeit wissenschaftlich bewiesen sein. Sie selber verlangen ja unermüdlich eine «objektivierbare unabhängige Zweckmässigkeitsforschung».
Urs P. Gasche, am 10. Januar 2017 um 15:38 Uhr
Eben, Herr Gasche ;-) !

Wenn man aber so agiert, dann können wir gleich von Anfang an 70% aller Indikationen & Leistungen, welche über die OKP infolge fehlender Positivliste und WZW-Kontrolle gemäss KVG Art. 32 Abs. 1 abgerechnet werden, sofort streichen und erst wieder aufnehmen, wenn die medizinische Zweckmässigkeit belegt ist!

70% von 72 Milliarden. Wow, das wären Einsparungen per 'Milchbüchleinrechnung' von 50 Mrd! Dann würde die ganze Gesundheitsindustrie mit all den Arbeitnehmern impoldieren. Dass dies nicht geht, ist natürlich selbstverständlich, deshalb müssen wir über «Zweckmässigkeitsforschung» den Leistungskatalog langsam systematisch 'säubern' und rationalisiert auf Nutzen 'entschlacken'.

Aber nicht einfach je nach politwirtschaftlichen Vorstellungen willkürlich patientendiskriminierend rationieren, auch wenn die Grippeimpfung bei gesunden Versicherten übrigens eine 'Out-Of-Pocket'-Zahlung ist. So rationieren Sie eben willkürlich patientendiskriminierend med. Leistungen, welche aber durchaus Sinn ergeben, aber aktuell politisch missbraucht wird!

Hier hatte Prof. Gerber, Balgrist, recht, Patienten als zusätzliche Kontrollinstanz mehr Mitspracherecht einzuräumen, die Kontrollmechanismen zu ändern, eben nicht fachfremde Bundesräte, Parlamentarier, Juristen, Okönomen , Mathematiker, IT-Ler & Journalisten fachfremd steuern zu lassen. Das ist nicht zielorientiert, wenn wir ein Gesundheitssystem wollen, in dessen Mittelpunkt das Patientenwohl stehen soll!
Andreas Keusch, am 10. Januar 2017 um 16:51 Uhr
@keusch, truog: Ob eine Impfung wirkt, kann auch der betroffene Patient selbst nicht seriös beurteilen. Eine wirkliche Grippe hat man vielleicht alle 10 Jahre. Wann genau sie zuschlägt, hat sehr viel mit Zufall zu tun. Auch die Frage, ob es sich im konkreten Erkrankungsfall um ein Influenza- oder ein anderes Virus handelt, ist nicht immer ohne Laboruntersuchung zu beantworten.
Eine (bakterielle) Lungenentzündung ist kein Beweis, dass zuvor eine Infektion mit Influenzaviren bestand. Sie kann auch als Komplikation einer eigentlich harmloseren Virusinfektion auftreten.
Möge sich impfen lassen, wer will, von mir aus auch auf Kosten der Krankenkasse. Für die Moralapostel-Kampagnen des BAG (z.B. gegen das Pflegepersonal) reicht die Datenlage aber nicht!
Daniel Heierli, am 11. Januar 2017 um 09:23 Uhr
@ Daniel Heierli:

Lieber Herr Heierli, gerade als Naturwissenschaftler sollten Sie deshalb über eine Qualitätsförderung im Schweizer Gesundheitswesen, welche medizinische Indikation und Outcome optimiert, z.B. über «Versorgungs- / Zweckmässigkeitsforschung», wie ich Sie propagiere, nachdenken, um dem 'lukrativen mengenausweitenden Zufall' im wirtschaftlichen Interesse einzelner Leistungserbringer & Dienstleiter auf Kosten der Versicherten & Patienten der OKP engere Grenzen setzen zu können.
Das Gesetz (KVG Art. 32 Abs. 1) hat dies über die WZW-Kriterien (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit) ja prinzipiell vorgesehen. Nur mangelt es z.B. im wirtschaftlichen Eigeninteresse der Pharmaindustrie an der generellen politischen Bereitschaft, diese adäquat zu operationalisieren. Insbesondere gegenüber dem Z-Kriterium «Zweckmässigkeit» (med. Notwendigkeit, Nutzen, Zusatznutzen).

Dies wurde übrigens zusätzlich einerseits bereits offiziell über den Bericht der Parlamentarischen Verwaltungskontrolle zur Evaluation der Zulassung & Überprüfung von SL-Medikamenten vom 13. Juni 2013 bemängelt und vom Bundesgericht in deren Gerichtsurteil 9C-417/2015 vom 14. Dezember 2015 gesetzesmissachtend gerügt.

Jetzt könnte man darüber diskutieren, warum? Für jeden Mitmenschen mit gesundem Menschenverstand dürfte es aber auf der Hand liegen ;-) ...
Andreas Keusch, am 11. Januar 2017 um 11:42 Uhr
@ Andreas Keusch
Ich bin absolut einverstanden, dass die WZW-Kriterien bei ganz vielen Leistungen der Gesundheitsindustrie besser unter die Lupe genommen werden sollten. In diesem Sinne habe ich im Zürcher Kantonsrat eine Anfrage betreffend der Kontrolle des Behandlungserfolges nach Eingriffen in Spitälern eingereicht (Antwort noch ausstehend).
Wenn der Eindruck entstanden sein sollte, dass ich ausschliesslich bei der Grippeimpfung die Wirksamkeit eher skeptisch sehe, so wäre der unzutreffend. Ich bin auch nicht grundsätzlich gegen Impfungen. Ich halte für mich selbst eine Grippeimpfung nicht für sinnvoll, und ich möchte deswegen vom BAG nicht angepflaumt werden.
Daniel Heierli, am 11. Januar 2017 um 19:01 Uhr
@ Daniel Heierli: Nachvollziehbar und viel Erfolg beim Zürcher Kantonsrat, welchem ich aufgrund meiner bisher gesammelten Erfahrungen und diversen Feedbacks leider eher sehr skeptisch entgegensehe ;-) & :-(
Andreas Keusch, am 11. Januar 2017 um 19:35 Uhr
"in ihrem Fall unbedingt notwendig....» . Schwerste Folgen bei Verzicht auf Operation, Verzicht auf Medikamente, usw. wurden mir schon angedroht. Ich bin beim Nein geblieben und lebe immer noch. Alter und Gesundheitszustand würden bei mir eine Grippeimpfung zwingend machen. Ich verzichte. Die amtliche Bevormundung ddurch das BAG auf Basis nicht wissenschaflich belegter Wirksamkeit missfällt mir. Aber Medizin ist bekanntlich eine Kunst, keine Wissenschaft.
Jürg Schmid, am 17. Januar 2017 um 16:01 Uhr
Meine Erfahrung mit der Homöopathie:
Sie ist individuell erfolgreich,wenn das passende Mittel von einem erfahrenen in der klassischen Homöopathie ausgebildeten Arzt gewählt wurde.
Das ist wichtig zu wissen.
Mit der passender Medizin können praktisch ALLE chronische Erkrankungen geheilt werden.Auch Asthma.Die Wahl des Mittels ist eine sehr ernste Angelegenheit und darf nicht von nicht fachlich ausgebildeten Leuten vorgenommen werden.

Sergio Rivoir
Die Impfung wird von den Homöopathen als ein Hindernis zur Heilung betrachtet.
Sergio Rivoir, am 18. Februar 2017 um 09:38 Uhr

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