Israelischer Diensthund verbeisst sich in einen jungen Palästinenser © Jaafar Ashtiyeh
Ahmad Safi von der Palestinian Animal League (PAL): «Die Hunde werden auf uns abgerichtet» © Klaus Petrus

Israelische Hundejagd auf Palästinenser

Klaus Petrus / 08. Jan 2016 - Laut Menschen- und Tierrechts-AktivistInnen hetzen israelische Soldaten vermehrt Hunde aus den Niederlanden auf Palästinenser.

Der Palästinenser ist keine zwanzig, er liegt auf dem Boden und schreit. Über ihm ein Schäferhund, der an seinem Arm zerrt. Dann israelische Soldaten, die das Tier wegreissen wollen. Doch der Hund schnappt immer wieder zu und verbeisst sich in den Jungen.

Ahmad Safi hält das Video an. «Das ist nichts Neues. Schon während der ersten Intifada Ende der 1980er Jahre hetzten israelische Soldaten und Siedler Hunde auf uns. Ich war noch ein Kind und hatte panische Angst.» Safi ist Gründer der Palestinian Animal League (PAL), das ist die einzige Tierschutzorganisation im Land, und er hat soeben eine Petition lanciert: Sie soll den Einsatz von «Kriegshunden» gegen die palästinensische Bevölkerung verbieten.

Meist trifft es palästinensische Teenager

Warum gerade jetzt? «Die Angriffe werden wieder mehr. Die Armee taucht mit ihren Hunden an Kundgebungen auf, sie sind bei nächtlichen Hausdurchsuchungen dabei oder gar bei Verhören.» Das bestätigt auch Shawan Jabarin von Al Haq. Laut Untersuchungen der Menschenrechtsorganisation aus Ramallah hat der Einsatz von Kriegshunden namentlich in der Westbank wieder zugenommen. Meist trifft es Jugendliche. Wie im August 2015, als einem 15-jährigen palästinensischen Teenager angedroht wurde, es werde ein Hund beim Verhör anwesend sein, sollte er nicht auf der Stelle zugeben, dass er Steine und Molotowcocktails gegen die israelische Besatzungsmacht geworfen habe. Oder im Dezember 2014, als ein 16-Jähriger bei einer Demo von einem israelischen Diensthund in die Schulter und ins Bein gebissen wurde.

Ahmad Safi von der Palestinian Animal League (PAL): «Die Hunde werden auf uns abgerichtet»

Die Liste solcher Attacken sei inzwischen lang, sagt Safi und schaut sich ein anderes Video an. Es ist ein Propagandafilm von jüdischen Siedlern, wie man sie im Netz zuhauf findet. Darin werden in martialischer Manier die besonderen «Fähigkeiten» der Hunde zur Schau gestellt. Sie greifen angeblich verdächtige Personen an, gespielt von Israelis, die als vermummte palästinensische «Terroristen» verkleidet sind.

Hunde kommen vor allem aus den Niederlanden

«Die Hunde werden auf uns abgerichtet», ist Safi überzeugt. Zu diesem Schluss kam 2012 auch B’Tselem, eine israelische NGO, die Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten dokumentiert. Darunter war auch eine Vielzahl von Hundeattacken gegen palästinensische Zivilisten, die meisten von ihnen wurden per Video festgehalten. Daraufhin leitete das israelische Militär Untersuchungen ein. Und stellte den Einsatz von Diensthunden gegen die Palästinenser ein – jedenfalls vorübergehend.

Inzwischen ist wieder alles beim Alten, weswegen sich Al Haq jetzt in einem offenen Brief an die holländische Regierung gewandt hat. Die allermeisten Hunde der israelischen Armee werden nämlich von einem Holländer namens Tonny Boeijen, Besitzer eines Familienunternehmens für Polizei- und Militärhunde, ausgebildet und verkauft – und das schon über 20 Jahre.

Für Shawan Jabarin von Al Haq ist das illegal: «Der bewusste Einsatz von Hunden gegen Zivilisten zum Zwecke der Einschüchterung widerspricht der Vierten Genfer Konvention. Nach dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs könnte man den Export von Hunden zu derlei Zwecken in die besetzten palästinensischen Gebieten sogar als Beihilfe zu Kriegsverbrechen sehen.»

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Klaus Petrus ist freischaffender Publizist und Fotograf mit den Schwerpunkten Protestbewegungen und Tierschutz.

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3 Meinungen

Klar, das ist verwerflich. Zu bedenken ist jedoch: Im Unterschied zu den Israeli, die Hunde auf Palästinenser abrichten, richten Palästinenser Menschen ab, um Israeli zu töten. Die Terrorwelle gegen Israel vom vergangenen November war an Brutalität kaum zu überbieten. Schwierig, mit einem Gegner richtig umzugehen, dessen erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.
Karl Wild, am 08. Januar 2016 um 13:03 Uhr
Gruss von Prinz, Mucki, Blonda und Blondie
MfG
Werner T. Meyer
https://en.wikipedia.org/wiki/Blondi
Werner Meyer, am 08. Januar 2016 um 18:35 Uhr
@Karl Wild
Die «Brutalität, die kaum zu überbieten» war, hat Israel in der gleichen Zeit mehrfach überboten: Weit mehr Palästineser wurden erschossen oder sonstwie getötet als Israelis. Andere Massaker (Gazakriege, 50 Jahre Besatzung, etc.) nicht miteingerechnet ...
Thierry Blanc, am 10. Januar 2016 um 17:14 Uhr

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