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Kundendaten der UBS riskieren direkt an den NSA zu gelangen © cc

UBS-Daten unter Kontrolle von US-Firmen

Lukas Hässig / 27. Sep 2015 - Die UBS übergibt die Informatik-Steuerung ab 1. Oktober an die AT&T – Dieser US-Konzern flog auf als Dienerin von Big Brother NSA.

(Red. Lukas Hässig ist Wirtschaftsjournalist und betreibt das Informationsportal «Inside Paradeplatz».)

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AT&T als bereitwillige Helferin des US-Geheimdienstes NSA

Die UBS überlässt die Steuerung ihres Informatik-Netzwerks ab 1. Oktober dem Telefonkonzern AT&T. Dieser US-Kommunikationskonzern spielt in der Affäre um den US-Überwachungsstaat eine zentrale Rolle.

Die «New York Times» und «Pro Publica» wiesen aufgrund von Snowden-Dokumenten nach, dass AT&T ab 2003 dem US-Spionagedienst NSA «bereitwillig» Milliarden von E-Mails konsultieren liess, die über das Netzwerk der AT&T flossen. Es gab ein gemeinsames Programm namens «Fairview». Die US-Spione horchten sogar das Uno-Hauptquartier in New York aus. Die AT&T sei «sehr kooperativ» gewesen, heisst es in den Berichten, «extreme Bereitschaft zu helfen» hätten die staatlichen Spione vorgefunden.

Neben E-Mails wurden auch Handy-Gespräche abgehorcht. Laut NSA war die AT&T die führende Partnerin, mit neuer Technologie, um dem Geheimdienst eine «Live-Präsenz im globalen Netz» zu verschaffen.

UBS kooperiert ab Oktober mit AT&T

Mit genau dieser AT&T arbeitet ab Oktober die wichtigste Schweizer Bank aufs Engste zusammen. Ihre Daten werden über Soft- und Hardware der AT&T fliessen. Die Tragweite des Vertrags mit AT&T geht über die UBS hinaus. Denn deren Plattformen sind der wohl wichtigste Teil der ganzen Schweizer Banken-Infrastruktur. Hunderte von externen Vermögensverwaltern sowie kleine und mittelgrosse Banken sind an der UBS-Plattform angedockt.

Fahrlässiger Umgang mit Bankgeheimnis

Auch deren Daten können über die UBS-Computer in die weite Welt hinausfliessen. Neu kontrolliert von der AT&T, jener Firma, die von der amerikanischen Spionage wie niemand sonst gelobt wird.

Die UBS wollte gegenüber «Inside Paradeplatz» keine Stellung nehmen. Aus der Bank ist zu vernehmen, dass alles, was mit Datensicherheit zusammenhänge, von externen Revisoren und der Banken-Aufsichtsbehörde Finma überprüft werde. AT&T, so ist zu hören, sei in der Schweiz nicht für den Betrieb der Netzwerke zuständig, sondern das erledige eine Schweizer Firma.

Die UBS hat eine lange Geschichte mit Datenmissbrauch. Schon vor über einem Jahrzehnt wollte sie Schweizer Kundendaten in Billigländern verarbeiten. Prompt kam es zu grösseren Pannen. Einmal lagen Dutzende von Kundennamen offen bei einer indischen Zulieferfirma herum.

Netzwerk schon lange ausgelagert

Mit der Übergabe des Stellwerks für die ganzen Datenströme erreicht die Entwicklung einen neuen Höhepunkt. Es ist zu befürchten, dass US-Spione direkten Zugriff auf die UBS-Geheimnisse erhalten. Bereits seit einiger Zeit hat die UBS ihr Netzwerk ausgelagert. Zum Zug gekommen war eine andere umstrittene amerikanische Firma. Sie hiess CSC und gab rund um Whistleblower Edward Snowden auch in der Schweizer Politik zu reden, weil der Bund diesem IT-Unternehmen Millionen-Aufträge erteilt hatte, wie der Tages-Anzeiger aufdeckte. Die UBS begann im Jahr 2010 mit der CSC eng zusammen zu arbeiten und übergab den US-Amerikanern das ganze Netzwerk.

US-Konzerne kontrollieren sämtliche Daten der UBS

Einer der grössten Kunden der CSC ist allerdings die US-Spionagebehörde NSA. Von dieser hatte die CSC einen Auftrag über 5 Milliarden Dollar erhalten. Vor 2 Jahren gaben die CSC und die AT&T eine «globale strategische Partnerschaft» bekannt. Gemeinsam würden «Technologielösungen der nächsten Generation für Unternehmen» kreiert. Geplant waren weltweite Cloud-Lösungen für Geschäftskunden, wo die CSC viel Expertise hat und ein «hochsicheres» Netzwerk betreiben würde.

Der Wechsel der UBS von der CSC zur AT&T per Anfang Oktober könnte mit dem Schulterschluss im Cloud-Angebot der beiden US-Firmen zusammenhängen. So oder so kontrollieren die US-Unternehmen direkt sämtliche Daten der UBS.

Die Abhängigkeit von den USA besteht auf einer andern Ebene schon seit sieben Jahren. Am 15. Oktober 2008 war die Bank vom Bund und der Nationalbank mit einem 70-Milliarden-Paket vor dem Untergang gerettet worden. Die Nationalbank benötigte dafür einen Milliarden-Kredit der US-Notenbank Fed. Vier Monate später opferte die Schweiz ihr Bankgeheimnis – auf massiven Druck der UBS. Diese wäre sonst von der US-Justiz angeklagt worden.

Die beiden Ereignisse stehen in einem Zusammenhang. Mit Hilfe der UBS verschafften sich die USA Zugang zu den Daten des Schweizer Finanzplatzes. Nun folgt die nächste Etappe im wohl strategisch angelegten Schlachtplan. NSA-Hoflieferantin AT&T kontrolliert die Schnittstelle der UBS-Daten.

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Dieser Beitrag erschien am 15.9.2015 auf «Inside Paradeplatz». Andere Medien haben diese Informationen nicht aufgenommen.

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Der Autor ist Wirtschaftsjournalist und betreibt das Portal «Inside Paradeplatz».

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4 Meinungen

Lustig, wie der Infosperber hier ohne zu hinterfragen der Blocher'schen These des «Wirtschaftskriegs» mit den USA und den europäischen Ländern (cf. http://goo.gl/mejUa5) eine Bühne bietet. Ausgerechnet Blocher. Und dann ausgerechnet auch noch «Inside Paradeplatz» - wieso nicht gleich Beiträge aus «Zero Hedge» übersetzen? Die «Aluhutträger» unter der Leserschaft würde frohlocken.
Michael Gisiger, am 27. September 2015 um 14:12 Uhr
Von «Wirtschaftskrieg» ist im Artikel nicht die Rede. Statt über irgendjemanden herzuziehen wäre es sinnvoller, Sie würden zur Darstellung von Lukas Hässig konkret Stellung nehmen.
Urs P. Gasche, am 27. September 2015 um 17:04 Uhr
@Gasche: Bitte, im letzten Abschnitt wimmelt ja nur so von militärischen Kraftausdrücken. Der Autor unterstellt hier den USA, sich mit einem «strategisch angelegten Schlachtplan» den «Zugang zu den Daten des Schweizer Finanzplatzes» verschaffen zu wollen, wobei die Zusammenarbeit mit AT&T «in einem Zusammenhang» stehe mit dem «Milliarden-Kredit der US-Notenbank Fed» für die Nationalbank zwecks Rettung der UBS. Kommt hinzu, dass AT&T - «NSA-Hoflieferantin» - eine «globale strategische Partnerschaft» mit CSC eingegangen ist. Jener CSC, der der Bund «Millionen-Aufträge erteilt hatte». Wenn das keine verklausulierte Verschwörungstheorie über x Ecken eines «Wirtschaftskriegs» ist, was dann? Kritik an Banken und der UBS in Ehren - aber nicht um jeden Preis Beifall von der falschen Seite abholen.
Michael Gisiger, am 27. September 2015 um 17:21 Uhr
@Gisiger: Infosperber hat sich andere Werte gegeben: sachlich informieren, ohne Jemanden zu schonen oder zu schaden; also keine Gesinnungssklaverei oder -propaganda zu fördern. Genau das machen Sie! Nur weil Herr Blocher oder jemand anders, der Ihnen nicht in den Kram passt, der gleichen Meinung ist, soll der Autor oder Journalist schweigen oder - wohl noch besser aus Ihrer Sicht - etwas Anderes womöglich Gegensätzliches vertreten. Bin versucht, zu schreiben: Shame on you!
Ignaz Heim, am 28. September 2015 um 15:51 Uhr

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