Menschliches Versagen – ausgeblendet

Christian Müller © aw
Christian Müller / 17. Jan 2020 - Weil es immer wieder technisches und menschliches Versagen gibt, müssen die Atomwaffen vernichtet werden.

Oskar Lafontaine, deutscher Politiker auf der linken Seite des Spektrums und noch immer ein kluger und klarer Kopf, hat zum Abschuss der ukrainischen Maschine bei Teheran einen höchst bemerkenswerten Kommentar auf Facebook abgesetzt, dem nichts beizufügen ist:

Der Abschuss des ukrainischen Flugzeugs und der Unverstand der Regierenden

«Am 8. Januar wurde Flug 752 der Ukraine Airlines über Teheran abgeschossen. Ein Offizier der iranischen Revolutionsgarden sagte, das Flugzeug sei versehentlich als feindlicher Marschflugkörper eingestuft worden und es habe einen Defekt im Kommunikationssystem gegeben. Technisches und menschliches Versagen haben zum Tod von 176 Menschen geführt.

Weil ein Mensch nicht versagte, der sowjetische Oberst Stanislaw Petrow, wurde die Welt 1983 vor einem atomaren Inferno gerettet. Petrow wurde der Anflug mehrerer US-Atomraketen gemeldet, er ging aber von einem Computerfehler aus und löste den atomaren Gegenschlag nicht aus. Weder aus diesem einmaligen Vorfall noch aus dem tragischen Abschuss der ukrainischen Maschine ziehen die Regierungen der Welt, allen voran die USA und die übrigen Atommächte, die richtigen Schlüsse. Das bestätigt wieder einmal Papst Julius III: ‹Wenn Ihr wüsstet, mit wie wenig Aufwand von Verstand die Welt regiert wird, so würdet Ihr Euch wundern.›

Weil es immer wieder technisches und menschliches Versagen geben wird, müssen die Atomwaffen vernichtet und die weltweite Abrüstung endlich begonnen werden.

Die Welt wird von verantwortungslosen Politikern regiert, die in ihrem Unverstand in einer atomar hochgerüsteten Welt technisches und menschliches Versagen ausblenden. Sie rüsten weiter auf und stationieren neue Raketen, allen voran die USA an der russischen Grenze. Das führt zu einer gefährlichen De-Stabilisierung, weil es für Moskau keine Vorwarnzeit mehr gibt. Die Absicht, das Großmanöver ‹Nato Defender› mit 37'000 Soldaten an der russischen Grenze zu inszenieren, tut ein Übriges.

In dieser Situation können die russischen Raketen nur auf die wichtigsten militärischen Einrichtungen des Gegners programmiert sein, also auch auf alle US-Flugplätze und -Kommandozentralen in Deutschland. Diese gefährliche Lage lässt nur einen Schluss zu: Wer Deutschland sicherer machen will, muss die US-Einrichtungen in Deutschland schließen. Der Abschuss des ukrainischen Flugzeugs in Teheran ist ein Menetekel. Wie lange wollen wir noch eine Politik dulden, die nicht wahrhaben will, dass es technisches und menschliches Versagen gibt?»

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Zu den bevorstehenden NATO-Manövern an der russischen Grenze siehe auch

  • «So schweigt sich Europa geopolitisch in die 3. Liga»

  • Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

    Keine.

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    4 Meinungen

    Umweltprobleme dominieren die Sorgen der WEF-Elite in Davos, ist heute in der NZZ zu lesen. Diese Sorgen sollen Cyberdrohungen als grösstes Risiko überlagern. Ein Panne in der Cyberwelt könnte auch einmal einen Atomkrieg auslösen. Eine weltweite atomare Abrüstung wäre daher absolut notwendig, denn schon mehrmals ist die Welt in den letzten 60 Jahren an einem nuklearen Schlagabtausch der Grossmächte in den letzten Minuten vorbeigeschlittert. Christian Müller erwähnte einen solchen Vorfall.

    Nicht von ungefähr hat ICAN, die Kampagne zur atomaren Abrüstung 2017 den Friedensnobelpreis für ihre weltweiten Bemühungen zur atomaren Abrüstung erhalten. Schon die Explosion von 100 Atombomben würde zu einem nuklearen Winter führen. Wichtig wäre, dass die Schweizerischen Nationalbank, Banken, Versicherungen und Pensionskassen in unserem Land nicht mehr in Rüstungskonzerne investieren, die an der Produktion von Atombomben beteiligt sind. Die Schweiz sollte auch endlich den Vertrag zum völkerrechtlichen Verbot von Atomwaffen unterzeichnen.

    https://www.icanw.de/wp-content/uploads/2014/07/170911_Briefing_Atomwaffenverbotsvertrag.pdf

    Wie gravierend die Umweltprobleme, neben der Atomkriegsgefahr weltweit heute sind, dachte ich mir als ich im finnischen Radio hörte, dass auch im dünn besiedelten, bewaldeten Finnland die Spatzen und Schmetterlinge langsam am Verschwinden sind. Wird die WEF-Elite mit Greta für den Schutz des Klimas und für die atomare Abrüstung etwas erreichen?
    Heinrich Frei, am 17. Januar 2020 um 16:37 Uhr
    Danke für diesen bitter nötigen, klaren Artikel!
    Gertrud Bernoulli, am 17. Januar 2020 um 21:06 Uhr
    Herr Müller, Sie haben völlig Recht. Aber stellen Sie sich vor, dass Ursula von der Leyen einst «Kriegsministerin» der Bundesrepublik Deutschland, Nato-Befürworterin und heute oberste EU-Chefin ist, sowie auch von Annegret Kramp-Karrenbauer,
    momentan Bundesministerin der Verteidigung, auch NATO-Befürworterin und USA-gläubig ist, und auch Ambitionen auf das Bundeskanzleramt hat, würde da Ihre Meinung zur Kenntnis genommen? Ich glaube LEIDER LEIDER NEIN! Zu schön, um WAHRZUSEIN, LEIDER!
    Niklaus Berwert
    Niklaus Berwert, am 18. Januar 2020 um 17:29 Uhr
    Der Macht-Elite mit ihrem Wahn zur Aufrüstung bis unendlich kann nur die Macht der (noch) schweigenden Mehrheit entgegengesetzt werden.

    Engagieren, mobilisieren, demonstrieren.
    Aber immer gewaltfrei.

    https://www.friedenskraft.ch/
    Dr. med. Paul Steinmann, am 20. Januar 2020 um 08:03 Uhr

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