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9/11: «Komplott von CIA und Saudis verhindert eine Aufklärung»

Urs P. Gasche / 17. Okt 2018 - Ein neues Buch bestätigt, dass die US-Regierung und die US-Geheimdienste die Hintermänner des Terroranschlags von 9/11 schützen.

Das neue Buch «The Watchdogs Didn't Bark: The Cia, NSA, and the Crimes of the War on Terror» kommt zum gleichen Schluss, den Infosperber in einer dreiteiligen Recherche im Juli 2018 wie folgt formuliert hatte:

    «Hinter den Terroranschlägen von 9/11 in den USA steckte ein saudisches Netzwerk. Es reichte bis in saudische Regierungskreise und in die königliche Familie. Seit dem Anschlag sind die US-Regierungen Komplizinnen dieses Komplotts: Sie decken Hintermänner und sabotieren eine gründliche Aufklärung. Die USA verlangen nicht einmal, dass Saudiarabien seine bekannten saudischen Terroristen-Helfer, die mit Diplomatenpässen ausgerüstet sind, bestraft. Vorrang hat offensichtlich die strategische Freundschaft der USA mit den Saudis.»

Die Autoren des neuen Buches sind der Umweltaktivist John Duffy und der Dokumentarfilmer Ray Nowosielski.

Wusste der wahrscheinlich in Istanbul ermordete Khashoggi zu viel über die saudischen Hintermänner von 9/11?

Jamal Kashoggi war jahrelang ein Vertrauter von Prinz Turki ibn Faisal, der bis 2001 Chef des saudischen Auslandsgeheimdienstes al-Muchabarat al-'Amma war. Zehn Tage vor 9/11 trat Turki überraschend zurück. Ein Jahr nach 9/11 bezeichnete Khashoggi die Attentate als «einen Anschlag auf Toleranz, Koexistenz und den Islam selbst». In Medien wird gegenwärtig der unbewiesene Verdacht verbreitet, dass der saudische Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman befürchtete, Jamal Khashoggi könnte Informationen über die saudischen Hintermänner von 9/11 preisgeben.

Eine zentrale Frage über die damaligen Al-Kaida-Terroristen in den USA: Warum informierte die CIA den Inlandgeheimdienst FBI nicht über deren Präsenz und Aktivitäten?

Es muss sich um ein «Versagen der Geheimdienste in einem historischen Ausmass» handeln, schrieb der frühere CIA-Mann John Kiriakou, in seinem Buch «The Convenient Terrorist – Two Whistleblowers’ Stories of Torture, Terror, Secret Wars, and CIA Lies».

In welchem Ausmass die US-Regierung und die US-Geheimdienste die saudischen Hintermänner von 9/11 schützten und bis heute schützen, geht aus dem eingangs erwähnten neuen Buch von John Duffy und Ray Nowosielski hervor. «Newsweek» hat wichtige Aussagen zusammengefasst.

«Es ist unglaublich. Wir wissen noch heute nicht, was wirklich geschah», erklärt der frühere FBI-Terroristenjäger Ali Soufan. Es bestehe ein Schweige-Komplott zwischen den USA und Saudi-Arabien. «Die CIA-Einheit, die Usama bin Laden im Fokus hatte, hielt auf seltsame Art Informationen über die Anwesenheit von Al-Kaida-Anstiftern in den Jahren 2000 und 2001 zurück: «Es ist ganz offensichtlich, dass die 9/11-Anschläge zu verhindern gewesen wären.»

Die beiden Buchautoren werteten zum ersten Mal ausführlich ein Interview aus, das Richard Clarke im Jahr 2009 gab. Clarke war Berater von Bill Clinton und George W. Bush bei der Bekämpfung des Terrorismus. In diesem Interview zeigte sich Clarke erbost darüber, dass hohe CIA-Beamte, inklusive CIA-Direktor George Tenet, Informationen über die Ankunft der künftigen Hijackers, darunter Nawaf al-Hasmi und Khalid al-Mihdhar, und deren Bewegungen in den USA zurückgehalten hatten.

Vor dem US-Kongress hatte George Tenet im Jahr 2002 unter Eid ausgesagt, dass er sich der Anschlagsgefahr nicht bewusst war, weil die ihm zugetragenen Informationen nicht als «wichtig» markiert gewesen seien. Deshalb habe sie «niemand gelesen».

Diese Aussage entpuppte sich als Lüge, als fünf Jahre später ein «Executive Summary» der CIA-eigenen 9/11-Untersuchung ans Licht kam: In diesem stand, dass «etwa 50 oder 60 [CIA-]Leute Meldungen gelesen hatten, die sich mit den Reiseaktivitäten der späteren Hijackers in den USA befassten».

Die Lüge war es, die Clarke, ein langjähriger Vertrauter und Freund von Tenet, im Jahr 2009 zur oben zitierten Aussage veranlasste.

Die Doppelzüngigkeit von Tenet prangerte Clark darauf auch in seinem Buch «Your Government Failed You» an: «Lange glaubte ich daran, dass es untergeordnete CIA-Beamte waren, welche die Brisanz der Informationen über Nawaf al-Hasmi und Khalid al-Mihdhar nicht realisierten. Jetzt aber stellt sich heraus, dass fünfzig CIA-Leute, einschliesslich [Direktor] Tenet und andere, mit denen ich regelmässig in Kontakt war, Bescheid wussten. Das widert mich mehr als an [Saying I'm pissed doesn't begin to describe it].»

Clarke und andere Insider vermuten, dass die CIA die beiden künftigen Flugzeugentführer Hasmi und Mihdhar als Doppelagenten anheuern und dabei vom FBI nicht gestört werden wollten. Das FBI hätte die beiden in Kalifornien verhaftet.

Tenet und zwei damalige Terrorismus-Spezialisten wiesen diesen Verdacht von Clarke als «unbesonnen und völlig falsch» zurück. Doch die beiden Buchautoren fanden andere FBI-Zeugen, die Clarkes Entrüstung verstehen. «Das FBI wurde von hohen CIA-Beamten der «Osama bin Laden-Einheit» ganz bewusst nicht informiert», erklärte etwa Dale Watson, ein früherer FBI-Anti-Terrorismus-Verantwortlicher. Dass höchste CIA-Stellen das Verschweigen verordnet hatten, daran zweifelt auch Pat D'Amuro nicht, ebenfalls ein hoher FBI-Anti-Terrorismus-Verantwortlicher.

Offizieller Bericht der 9/11-Untersuchungskommission: «Es waren keine hohen saudischen Beamten involviert.»

Der Bericht eines CIA-Inspektors widerlegte diese Behauptung im offiziellen Untersuchungsbericht bereits ein Jahr später: «Dissidente [Terroristen-]Sympathisanten innerhalb der [saudischen] Regierung» könnten Unterstützung geliefert haben. Spätere Dokumente bewiesen, dass Diplomaten des saudischen Ministeriums für islamische Angelegenheiten den späteren Flugzeugentführern aktiv halfen, sich in Kalifornien niederzulassen und sich zu bewegen und zu organisieren.

«Der saudische Geheimdienst hat zugegeben, dass er von Anfang an wusste, dass Nawaf al-Hasmi und Khalid al-Mihdhar Mitglieder der Al-Kaida waren», erklärt Andrew Maloney, Anwalt der Opferfamilien, der in New York gegen Saudi-Arabien eine Klage deponiert hat. Das Königreich habe bisher etwa 6800 Seiten Dokumente vorlegen müssen.

Maloney ist empört darüber, dass Fahad al-Thumairy immer noch in Riad bei der saudischen Regierung arbeitet. Er besass schon damals einen Diplomatenpass und arbeitete im saudischen Konsulat in Los Angeles für das saudische Ministerium für islamische Angelegenheiten. Er war einer der Aktivsten, die den Terroristen in Kalifornien konkrete Unterstützung gaben (siehe «Das saudische Komplott hinter dem Anschlag von 9/11», Teil 2, auf Infosperber). «Können Sie sich das vorstellen?», fragt Anwalt Maloney. Während aller offizieller 9/11-Untersuchungen sei Thumairy kein einziges Mal befragt worden und heute laufe er frei herum.

Schliesslich zitieren die Buchautoren Terry Strada. Sie führt die Gruppe der 9/11-Familien und -Überlebenden an («Group 9/11 Families & Survivors United for Justice Against Terrorism»): «Die Saudis finanzieren und propagieren diejenigen, welche die USA am meisten hassen und 9/11 3000 Menschen töteten.»

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Ray Nowosielski und John Duffy: «The Watchdogs Didn't Bark: The CIA, NSA, and the Crimes of the War on Terror», 2018

Weiterführende Informationen

Artikel vom 28. August 2018 im «Newsweek»

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2 Meinungen

Hiermit erkl�re ich mich zum 'Verschw�rungstheoretiker' (Wiederholung): Auf die Zusammenh�nge gem�ss dem InfoSperber-Artikel oben kam ich bereits 2003 aufgrund der 'inneren Logik' der damals bekannten Fakten.
- Der sp�tere US-Regierungsbericht zu den Einst�rzen der 3 T�rme in NY beschreibt nicht die wahren Einsturz-Mechanismen. Sie sind  so wie dort dargestellt  physikalisch nicht m�glich.
- Als Baudynamiker Sprengstoff-Spezialist der Schweizer Armee komme ich auf einen anderen Einsturz-Mechanismus: Sprengung.
Konrad Staudacher, am 17. Oktober 2018 um 11:56 Uhr
Der Schweizer Terrorismusexperte Jacques Baud, Oberst des Generalstabes, ehemaliger Analyst des Nachrichtdienstes, wurde vom französischen Fernsehsender TV5 interviewt. Baud ist der Verfasser des Buches «Terrorisme, mensonges politiques et stratégies fatales de l’occident» (Terror und politische Lügen und fatale Strategien des Westens) Laut Jacques Baud hätten Untersuchungen des FBI, der US-Bundespolizei, keine Hinweise geliefert, dass der Saudi Osama Bin Laden mit den Terrorattacken vom 11. September 2001 etwas zu tun hatte, wie sonst allgemein in den Medien vermerkt wird. http://www.voltairenet.org/article192675.html
https://www.youtube.com/watch?v=qhEnVrGCHxw

Heinrich Frei, am 17. Oktober 2018 um 15:02 Uhr

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