Fusions-Sonne und Monopol-Schatten im Hause NZZ © k.a.

«NZZ Regional» baut Monopol aus und kippt Inserat

Red. / 29. Mrz 2017 - St. Galler Tagblatt offerierte Inserat für 2354 Franken und lehnte es dann ab. Es thematisierte den überregionalen Einheitsbrei.

Die Medienkonzentration in der Schweiz schreitet voran. Auch in der Schweiz. Das betrifft unter andern die Regionalblätter St. Galler Tagblatt und Luzerner Zeitung LZ, die sich seit einigen Jahren im Besitz des NZZ-Verlags befinden. Diese beiden Tageszeitungen haben ihre früheren Konkurrenzzeitungen schon lange geschluckt und damit je eine Monopolstellung in der Ostschweiz (vom Rheintal bis in den Thurgau) und in der Zentralschweiz (von Zug bis zum Gotthard) ergattert. Unter Schriftleitung des ehemaligen NZZ-Redaktors Pascal Hollenstein wird jetzt der überregionale Teil der beiden ungleichen Monopolzeitungen sukzessive vereinheitlicht.

Betroffen vom überregionalen Einheitsbrei auf der Achse St. Gallen-Luzern sind die insgesamt über 500'000 Leserinnen und Leser der beiden Zeitungen, die sich früher deutlich unterschieden. Auch für Redaktorinnen und freie Mitarbeiter steigt mit dem redaktionellen Zusammenschluss das Klumpenrisiko. Das erfuhr zum Beispiel der auf Umwelt- und Wirtschaftsthemen spezialisierte freie Journalist Hanspeter Guggenbühl, der 40 Jahre lang regelmässig im St. Galler Tagblatt und sporadisch auch in der Luzerner Zeitung publiziert hatte.

Nach einem Knatsch mit dem leitenden LZ-Inlandredaktor Fabian Fellmann quittierte Guggenbühl seine Mitarbeit für die Luzerner Zeitung. Darauf beschied ihm der neue Ober-Chefredaktor des St. Galler Tagblatts und der Luzerner Zeitung, Pascal Hollenstein, eine «eklektische (= auswählende) Mitarbeit» für nur eine der beiden Redaktionen sei leider nicht möglich. Damit beendete er die langjährige Mitarbeit des Umwelt- und Wirtschaftsjournalisten auch im St. Galler Tagblatt.

Diese Monopolisierung und Gleichschaltung folgt dem Trend. Dazu gibt es einen Gegentrend: In der Schweiz entstehen immer mehr unabhängige Internetzeitungen, in denen profilierte freie Journalisten weiterhin publizieren können. Zum Beispiel «Infosperber», die Zeitung, die gemäss Eigenwerbung «sieht, was andere übersehen». Infosperber wollte deshalb den Rausschmiss von Guggenbühl beim St. Galler Tagblatt nutzen, um neue Leserinnen und Leser aus der Ostschweiz zu gewinnen. Sie disponierte darum das nachfolgende Inserat im St. Galler Tagblatt:

Hier beginnt nun das Ungewöhnliche im alltäglichen Lehrstück: Obwohl eine Offerte der Anzeigenabteilung zum Preis von 2354 Franken vorlag, lehnten Chefredaktion und Verlag des St. Galler Tagblatts die Publikation des Inserates ab. Die 268'000 Leserinnen und Leser der Gesamtausgabe des St. Galler Tagblatts dürfen also weder im Redaktions- noch im Inserate-Teil erfahren, wo sie Artikel ihres langjährigen Umwelt- und Energiespezialisten künftig noch lesen können, die nicht mehr ins Ost-Zentralschweizerische Einheitskonzept der NZZ passen.

Berichte im «Edito» und in «Saiten»

Der freie Ostschweizer Journalist Harry Rosenbaum hat diesen Fall recherchiert und das Ergebnis in der St. Galler Kulturzeitung «Saiten» publiziert. Auch die Zeitschrift «Edito» hat darüber berichtet:

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Hanspeter Guggenbühl schreibt regelmässig für Infosperber. Infosperber wollte das Inserat im St. Galler Tagblatt platzieren.

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2 Meinungen

Auch beim Tages-Anzeiger scheint man Angst vor Infosperber zu haben. In der Leserumfrage, die ich heute beantwortete, wurde nach weiteren Titel gefragt, die man neben dem «Tagi» lese. Watson aus dem Verlag Aargauer Zeitung/Nordwestschweiz war aufgeführt, nicht aber Infosperber. Honny soit ...
Hans Hauri-Karrer, am 29. März 2017 um 20:06 Uhr
„Dazu gibt es einen Gegentrend: In der Schweiz entstehen immer mehr unabhängige Internetzeitungen, in denen profilierte freie Journalisten weiterhin publizieren können.“ – Seriöser Journalismus wäre, wenn Sie die volle Wahrheit sagen würden. Nämlich: Freie können zwar hier publizieren, doch Lohn bekommen sie keinen.“ Wer bei „infosperber“ mitschreibt, schaufelt mit am Grab des freien Journalismus. Damit ist nichts gegen die Inhalte von «infosperber» gesagt.
Peter Jaeggi, am 06. Juni 2017 um 10:47 Uhr

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